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Indizes

Dax ungebremst in den Börsenhimmel?

Agata Janik

Veröffentlicht

am

Es ist schon erstaunlich, wie sich der Dax aktuell verhält. Es gibt offenbar nichts mehr auf dieser Welt, was die deutschen Wertpapiermärkte noch erschrecken könnte. Keine kleine Revolution in den USA mit Ansätzen zur Anarchie und drohenden Militäreinsatz, kein Streit zwischen den USA und China, keine exorbitante Neuverschuldung der Staaten, keine steigenden Arbeitslosenzahlen, keine ansteigenden Konkurse, keine Dividenden mehr, keine Erhöhung der Rettungsbeiträge von Deutscher Seite, etc… die Liste könnte jetzt noch sehr lange fortgesetzt werden. Es ist einfach ein Fakt. Der Dax ist aktuell resistent gegenüber Hiobsbotschaften geworden. Die treibende Kraft ist das frische Geld, welches in den Markt gepumpt wird. Je schlechter die Nachrichten, desto mehr Geld von staatlicher Seite wird fließen.

Durch dieses Geld wird sie nun wohl kommen, die langersehnte Inflation, auf die die EZB lange Zeit mit Null-Zins-Politik gehofft hatte. Unter Mario Draghi, dem ehemaligen EZB-Chef, galt noch die Formel: Steigende Inflation = steigendes Wirtschaftswachstum (Originalzitat). Diese abstruse Theorie des Italieners dürfte jetzt hoffentlich endgültig widerlegt und in den heutigen Universitäten angekommen sein. Jetzt steigen die Preise und die Wirtschaft droht zu zerbrechen. Eines ist aber sicher: Dax & Co sind seit März dieses Jahres um über 45 % ohne Unterbrechung angestiegen.

Bei solchen Zahlen wird es jedem erfahrenen Börsianer etwas mulmig noch weiterhin die Long-Seite zu suchen. Für die vergangenen vier Wochen gab es für den Dax nur ein Motto: Augen zu, auf Holz beißen und Long gehen. Mit Rationalität hatte dies alles nichts mehr zu tun. Es ist auch die Frage, ob dieses ganze Szenario schon zu Ende ist. Das ganze staatliche Geld ist noch gar nicht gänzlich angekommen. Das deutsche Rettungspaket wird gerade erst heute von der Regierungsseite her geschnürt. Das sind weitere 80-100 Milliarden Euro, welche in die Wirtschaft einfließen werden. Da diese Gelder voraussichtlich nicht bei dem kleinen Mann ankommen werden, werden diese Gelder auf kurz oder lang zum Teil indirekt im Dax landen, um es mal so salopp auszudrücken.

Dax am Scheideweg

Eine technische Korrektur läuft in einem starken Trend etwas anders ab, als in einem normalen „Swing-Markt“. Während es beim Swing-Markt kalkulierbare Auf- und Abwärtsbewegungen gibt, korrigiert der Markt in einer starken Trendphase, in dem Fall der Dax, höchstens mit einer Seitwärtsbewegung. Die technische Lage baut sich von Überkauft zu Überverkauft ab, und im Kurs des Dax ist nichts geschehen. Aktuell stößt der Dax an seine Fibonacci-Linie (grüne Linie) bei ca. 12.172 an. Diese Hürde zu nehmen wird nicht ganz leicht sein, da es momentan keine Kaufanreize, oder ironisch ausgedrückt, schlechte Nachrichten gibt. Daher ist davon auszugehen, dass der Dax zumindest in den nächsten 48 Stunden die Chance auf eine Korrektur auf der Unterseite besitzt. Diese wird aber nicht sehr stark ausfallen. Die nächsten Unterstützungen liegen bereits bei ca. 12.053 und 11.971 Punkten. Die Marke von 11.971 ist sogar eine doppelte Unterstützung, da auch der MA 120 (blaue Linie) auf eine Fibo-Linie trifft. Dies alles ist sehr nah beieinander gelegen.

Somit ist aus rein charttechnischer Sicht nur wenig Luft nach unten. Das zweite Szenario ist eine Seitwärtsbewegung auf dem aktuellen Niveau, der Abbau der überreizten Indikatoren und mit der Umkehr dieser, einen neuen Anlauf auf der Oberseite zu starten. Das wäre die ideale Ausgangssituation für die Break-Out-Trader. Sich in den steigenden Markt nach der Seitwärtsbewegung auf die Long-Seite einstoppen zu lassen. Aber bis wohin kann dann die Reise gehen? Dies ist im Chart klar zu erkennen. Das mittelfristige Kursziel für den Dax liegt klar bei 12.359 Punkten (grüne Linie). Wobei man mit den Ausdrücken kurz-, mittel- und langfristig momentan ein wenig vorsichtiger umgehen muss. 300 Punkte hin oder her sind für den Dax unter Umständen eine Stundenangelegenheit.

Summa summarum, ist die Long-Seite aktuell schwer einzugehen, da doch eine Korrektur in Form eines Kursrückganges oder einer Seitwärtsbewegung sehr wahrscheinlich geworden ist. Dax & Co wollen weiterhin steigen, daher gilt es einen guten Einstieg zu finden oder tatsächlich die nächste Break-Out-Order zu platzieren.

Dax Chart

Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Marko

    3. Juni 2020 12:52 at 12:52

    Hallo Frau Janik.

    eines vorneweg . Das sind Top-Analysen von Ihnen und Ihrem Team. Bravo !

    Na ja, beim Dax, genau das „Keine kleine Revolution in den USA mit Ansätzen zur Anarchie und drohenden Militäreinsatz, kein Streit zwischen den USA und China, keine exorbitante Neuverschuldung der Staaten, keine steigenden Arbeitslosenzahlen, keine ansteigenden Konkurse, keine Dividenden mehr, keine Erhöhung der Rettungsbeiträge von Deutscher Seite, etc… die Liste könnte jetzt noch sehr lange fortgesetzt werden.“

    sagt doch alles und zwar alles aus ! Wenn Börse so einfach wäre ? Oder nicht !?

    Deshalb bringt mir Logik oder irgendwelche Charts mit MACD/RSI usw… gar nix.

    Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel : ich handele gerne sogenannte „Exoten“ , da ist mir der „Reibach“ ziemlich sicher, weil die anderen das einfach nicht machen, wegen den erhöhten Spreads, das betrifft Indizes und Forex. Natürlich gehören Quervergleiche zu anderen Währungen/Indizies dazu.

  2. Avatar

    Mike Lohmann

    3. Juni 2020 17:01 at 17:01

    Wenn Banditen am Werk sind um die Zukunft der nächsten Generation zu zerstören, dann entwickelt sich gerade lehrbuchmässig die Zerstörung für jedermann sichtbar seit ein paar Jahren. Solange viele (vermeintlich) profitieren ist der Applaus für die Kriminellen sicher. Meinen besten Dank für die inzwischen einige Millionen an Gewinn ohne geringstes Risiko, allein mit dem Wissen, dass hier Wahnsinnige am Werk sind und man darauf zählen kann, dass es ungezügelt so weitergeht. Wir haben beschlossen 2 – 3 Millionen zu spenden, da wir für dieses inzwischen riesige Vermögen eigentlich gar nicht dazu beigetragen haben.

    • Avatar

      Lausi

      3. Juni 2020 21:10 at 21:10

      @Lohmann – bin gerne bereit eine Spende entgegenzunehmen :-)

  3. Avatar

    Marko

    3. Juni 2020 17:05 at 17:05

    „Eines ist aber sicher: Dax & Co sind seit März dieses Jahres um über 45 % ohne Unterbrechung angestiegen.“

    Eines ist aber genauso sicher, der Bufu/der Anleihemarkt, steht bei 171 Punkten, und das da ist der Endpunkt, ein 45 % – Anstieg des Anleihemarktes würde nochmal was bedeuten .. ?

    Der Dax hat sich auf die 8100 Punkte „herunter korrigiert“, der Bundfuture kann das gar nicht, jedenfalls nach „oben“.

    Wenn ja, dann wäre der Markt an sich tot !

    die Dax-Rakete ist gestartet am 2.6. um die 11848 Punkte. Das da ist der Wahnsinn. Und ich habe Euch gewarnt gestern, liebe Bären.

  4. Avatar

    Marko

    3. Juni 2020 18:58 at 18:58

    Und außerdem, da haben die „Big-Boys“ beim Dax garantiert ihre Finger im Spiel…

    Die erste „Abrechnung“ nach Corona über die Eurex, die müssen jetzt reagieren – vielleicht doch nicht so „offensichtlich“ .. :D

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