Indizes

Meine Meinung Dax von Top zu Flop – Pro und Contra für die Vorausschau

Im Dax steckt seit Wochen der Wurm drin, jetzt sogar noch stärker im Vergleich zu den US-Indizes. Ein Überblick mit Ausblick.

Grafik: ChatGPT

Der Dax zeigt Schwäche, heute besonders mit 23.463 Punkten, ein Tagesminus von 1,2 %. Wieso, weshalb, warum? Die US-Aktienmärkte laufen doch grandios gut, und würden eigentlich den Dax – wie seit Jahrzehnten – einfach mit nach oben ziehen. Aber seit Wochen ist die Luft raus! Seit Ende Mai sehen wir im Chart: Der S&P 500 startete durch, vor allem dank der KI-Euphorie und Zinssenkungsaussichten für die USA! Der US-Leitindex stieg seit Ende Mai um 12,13 %, der Dax verlor seitdem bis heute Nachmittag unterm Strich sogar 2,89 %. Der breite europäische Hauptindex Stoxx Europe 600 performte +- Null. Was ist hier los? Nachfolgend eine kurze Analyse und ein Ausblick mit Pro und Contra-Argumenten für den Dax.


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Chart vergleicht Dax mit Stoxx Europe 600 und S&P 500

Dax total antriebslos – die aktuelle Lage

Meine Meinung für den antriebslosen Dax: Die US-Aktienmärkte laufen seit Wochen wie geschnitten Brot. Die KI-Euphorie lässt Nasdaq, S&P 500 und Co boomen. Broadcom, Oracle, Google – nur einige Namen für neue KI-Euphorie in letzter Zeit. Man reißt damit die ganze Tech-Branche nach oben, und damit den Gesamtmarkt. Damit werden Anlagen in den USA attraktiver. Anleger schichten um aus Europa, obwohl viele Strategen noch im Frühjahr Europa favorisierten. Diese Änderung der Geldflüsse zeigen aktuell auch ETF-Daten. KI-Unternehmen gibt es in Europa nicht, also kauft man wieder verstärkt US-Aktien. Dazu kommt noch, dass die Zinssenkungs-Euphorie in Europa vorbei ist, da die EZB binnen eines Jahres die Zinsen halbiert hat, und jüngst andeutete, dass nach unten kaum noch etwas geht. Ganz anders in den USA: Ab dem morgigen Mittwoch wird die Fed ihren großen Zinssenkungszyklus wohl gerade erst starten, was seit Tagen und Wochen bei Aktien in den USA für Euphorie sorgt. Da kann der Dax nur blass aussehen.

Ausserdem kommen noch Europa-spezifische Probleme hinzu: Frankreich schwebt als Damoklesschwert über Europa. Seit Wochen herrscht eine massive Politikkrise in Paris, die jederzeit eskalieren und dann Europa runterziehen kann. Erst am Freitag stufte Fitch das Rating für Frankreich ab. Wohl auch deswegen dürfte der Dax sehr zögerlich mit weiteren Anstiegen sein. Dazu kommt: In Deutschland befindet man sich in einer Rezession. Und die Regierung scheint das Sondervermögen zu verwässern, in dem eh schon vorgesehene Investitionen aus dem Kernhaushalt in das Sondervermögen verschoben werden. Damit könnte ein zusätzlicher Konjunkturimpuls ausbleiben oder zumindest geringer ausfallen. Friedrich Merz versprüht jedenfalls keine Euphorie, mit der er die europäische Konjunktur voran pushen kann. Auch der grottig verhandelte Zoll-Deal der EU mit Trump belastet den Ausblick für die EU-Konjunktur, was wiederum die Dax-Aktien belastet.

Ausblick – Pro


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Was spricht für die nächsten Monate für einen erneuten Dax-Anstieg? Die große europäische Aufrüstung könnte einen Konjunkturimpuls bringen. Und vor allem die deutsche Aufrüstung könnte „zünden“. Nicht nur, dass Deutschland de facto unbegrenzt auf Pump aufrüsten will. Auch die Bundesländer können sich wieder neu verschulden, und der Bund will mit dem 500 Milliarden Euro Sondervermögen auf Pump investieren. Wie viel davon in das Stopfen von Finanzlöchern bei Bund und Bundesländern fließt? Man wird sehen! Aber ein Konjunkturimpuls – direkt und indirekt – kann noch monatelang dauern, weil Auftragsvergabe und Umsetzung nun mal seine Zeit braucht, gerade hierzulande. Vor 2026 darf man keinen BIP-Impuls erwarten. Aber dann könnte der Dax profitieren. Was noch eher für den Dax spricht: Die günstigere Bewertung: Ein für die nächsten zwölf Monate erwartetes KGV von 16 ist nun wirklich deutlich attraktiver als ein Wert von 23 für den S&P 500 in den USA oder ein Wert von 28 für den Nasdaq 100-Index. Anleger könnten sich dieser besseren Bewertungen wieder bewusst werden, wie im Frühjahr.

Contra

Gegen den Dax sprechen einige Argumente. Wie gesagt: Der Stimulus durch die massive Neuverschuldung in Deutschland wird erstens noch monatelang dauern, bis eine Wirkung erkennbar sein wird. Und was, wenn die aktuell laufende Rezession dem zu stark entgegenwirkt? Autoindustrie, Maschinenbau, Chemieindustrie – es geht derzeit bergab in Deutschland! Die massive Zweckentfremdung des Sondervermögens kann die konjunkturelle Wirkung auf die Volkswirtschaft drastisch mindern. Wird das erkennbar, kann der Dax in 2026 noch weitere Schwäche sehen!

Kurzfristig kann die Frankreich-Krise – wenn sie eskaliert – ganz Europa anstecken und die Laune bei CAC40, Dax und Co massiv abwürgen! Und wenn sich zeigt, dass für das dritte Quartal die Firmenkennzahlen der US-Konzerne – speziell bei KI-Konzernen – weiterhin glänzen, könnte die dortige Aktienrally weiter laufen – was Anleger noch stärker dazu bringen könnte, sich vom Dax zu verabschieden und in die USA umzuschichten.

Auch wichtig: Sollte Jerome Powell morgen Abend Aussagen treffen, dass nach dieser ersten Zinssenkung weitere Senkungen anstehen – wie vom Markt erwartet – wäre das womöglich ein neues gewichtiges Argument für Anleger, die US-Märkte weiter zu pushen, und den Dax links liegen zu lassen.

Erst heute sagte BofA-Stratege Michael Hartnett zu den grandios gut laufenden US-Aktienmärkten: Da das Risiko eines „rezessiven Handelskriegs” zurückgegangen ist, gibt es „Bullen in Hülle und Fülle”. Und er ist auch optimistisch für US-Aktien aufgrund der gestiegenen Erwartungen hinsichtlich des Wirtschaftswachstums. Und hierzulande? Rezession, Industrie-Abbau, keine Euphorie. Und Exportschwäche ist wohl die schlimmste Nachricht für Dax-Unternehmen, die durch Trumps Zölle noch mehr leiden als ohnehin schon.



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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