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Dax: Vor der EZB – Korrektur oder doch Buy the Dip?

Dax vor der EZB

Täglich mehren sich die Stimmen derer, die auf den „wackligen“ Zustand der Aktienindizes hinweisen – der Dax gestern mit dem niedrigsten Schlußkurs seit fünf Wochen. Aus allen möglichen technischen Aspekten gibt es Warnzeichen, zum Beispiel wegen der niedrigen Umsätze oder der langen Seitwärtsbewegung bei der Masse der Aktien, während die großen Indizes doch immer weiter nach oben geschaukelt wurden – den großen Tech-Aktien geschuldet.

Jetzt ändert sich aber auch langsam das fundamentale Umfeld, denn der Material- und auch der Arbeitskräftemangel führt zu Abstufungen bei den Umsätzen und Gewinnen der Unternehmen. Es riecht immer mehr nach Korrektur, zumindest in einem einstelligen Prozentbereich. So auch beim Dax, in dem der Monat September noch einen besonderen Unsicherheitsfaktor parat hält.

Dax: Die langfristige Handelszone wackelt

Der gestrige Abschlag beim Dax von 1,5 Prozent auf 15.610 Punkte war schon ein ziemlicher Schreck für Viele, denn urplötzlich stand eine Unterstützung in Frage, die nun schon fünf Wochen gehalten hat. Bereits seit Anfang August pendelt der deutsche Leitindex zwischen 15.600 und 16.000 Punkten auf und ab, ein Über- oder Unterschreiten müsste größere Kursbewegungen auslösen. Wobei die Gefahr nach unten weitaus größer zu verorten ist, schließlich gibt es in Deutschland am 26. September Bundestagswahlen, bei denen der Ausgang recht offen ist. Auch ein Bündnis von rot-rot-grün erscheint möglich, was der Wirtschaft und den Börsianern, von denen über 60 Prozent beim Dax ausländische Investoren sind, überhaupt nicht schmecken sollte.

Wie oft wurde von Analysten jetzt bereits schon die Statistik erwähnt, derzufolge der Dax vor Bundestagswahlen im Schnitt um zwei Prozent verlieren sollte? Viele Stopploss-Orders dürften knapp unterhalb der 15.600 Punkte angesiedelt worden sein, darunter liegt noch eine größere Spanne für eine Korrektur. Denn bereits seit Ende März schwankt das deutsche Börsenbarometer zwischen 15.000 und 16.000 Punkten, die bedeutsame 200-Tage-Linie liegt mit 14.800 Punkten nicht weit darunter.

Der große Kursanstieg beim Dax erfolgte in den ersten dreieinhalb Monaten mit plus 12 Prozent, in den darauffolgenden fast fünfeinhalb Monaten kamen nur noch wenige Prozent hinzu.

Die Bremsfaktoren liegen auf der Hand. Deutschland ist mit 3,9 Prozent Teuerung aktuell Vorreiter in Europa, Materialengpässe bremsen Deutschlands Autoindustrie in besonderem Maße, das tägliche Nachrichtengewitter „tut hierzu ihr Übriges“.

Den jüngsten Störfaktor bildet die heutige EZB-Sitzung mit der Frage nach den ersten Schritten einer geldpolitischen Normalisierung. Ob die Anleihekäufe durch PEPP in Höhe von 80 Milliarden Euro monatlich, oder durch APP mit 20 Milliarden, die Spekulationen über einen mit der Federal Reserve koordinierten Zeitplan eines Taperings schießen ins Kraut. Wie sehr dies die Börsianer irritiert und ängstigt, zeigen die Reaktionen auf die Forderung des österreichischen Ratsmitglieds Robert Holzmann nach einer rascheren Drosselung der Käufe – mit jeweils raschen Abgaben.

Dabei sind die momentanen Mehrheitsverhältnisse nach einer Auswertung der DZ-Bank doch noch mehrheitlich dovish.

Mit Christine Lagarde, ihrem Stellvertreter Luis Guindos, dem Chefökonomen Philip Lane, Fabio Panetta, Pablo de Cos, Peter Kazimir, Olli Rehn und François Villeroy de Galhau, sind neun Mitglieder des EZB-Rates ziemliche Tauben, dazu noch aus der Führung und den nach Deutschland größten Mitgliedsstaaten kommend.

EZB-Vertreter aus 11 Mitgliedsländern sind als neutral zu werten, während es fünf Falken gibt, die vor allem aus den nördlichen EU-Staaten stammen: Robert Holzmann (Österreich), Jens Weidmann (Deutschland), Madis Müller (Estland), Klaas Knot (Niederlande) und Martins Kazaks (Lettland).

Soviel zur Lage vor der heutigen EZB-Sitzung, bei der man gespannt auf die Begründungen der Politikerin Christine Lagarde bei der Pressekonferenz sein dürfte. Aber man könnte fast darauf wetten, dass sich die EZB-Chefin schon längst mit Jerome Powell telefonisch ins Benehmen gesetzt hat, denn jede Bemerkung in der einen oder anderen Richtung könnte viele Milliarden in Bewegung setzen, an den Anleihen- und Aktienmärkte, aber auch an den Devisenmärkten.

Fazit

Vielfach ist in Marktanalysen von der Ruhe vor dem Sturm zu lesen, was diesen fast schon etwas unwahrscheinlicher macht, weil man sich damit auf diesen vorbereitet hat. Allerdings wackelt derzeit auch der große Leitindex S&P 500, der eigentlich auch reif ist, zumindest für seine neunte Mindestkorrektur des Jahres und bis zum 50-Tage-Durchschnitt. Der Aufwärtstrend, der bisher so oft ein Auffangnetz dargestellt hat. Wie am Montag dargestellt, wäre damit Platz bis auf gut 4400 Punkte (gestriger Schlusskurs 4514 Zähler).

S&P 500 - Vorbild für den Dax

Was dann mit unserem Dax vor den Bundestagswahlen passieren könnte, wäre dann wohl ziemlich klar. Ein „Buy the Dip“ auf deutlich tieferem Niveau, außer Madame Lagarde zaubert heute ein neues geldpolitisches „Kaninchen aus dem Hut“.



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