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Dax: War das gestern der Ausbruch beim deutschen Leitindex?

Nach einem mehrfachen Anrennen des Dax gegen die runde Marke von 13.000 Punkten, kam es am gestrigen Tag zum Ausbruch aus einer 1000-Punkte-Tradingrange

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Nach einem mehrfachen Anrennen des Dax gegen die runde Marke von 13.000 Punkten, kam es am gestrigen Tag nicht nur zur Überwindung dieser eher psychologisch bedeutsamen Marke, sondern auch zum Ausbruch aus einer 1000-Punkte-Tradingrange, die seit dem 8. Juni Gültigkeit hatte. Was war der Auslöser, der zur Fortsetzung der „meistgehassten“ Rally geführt hat? Kein substanzieller, sondern eher wieder einmal eine Schieflage derer, die sich einfach nicht vorstellen konnten, dass ein Aktienmarkt innerhalb einer Rezession von 8255 Punkten bis auf 13.000 und darüber hinaus klettern könnte?

Dax: Die psychologische Lage

Vor allem private Anleger hatten eher fallende Kurse erwartet und sich mit Short-Produkten auf rückläufige Notierungen eingestellt. Einige dieser Investoren stehen vor der Entscheidung. Sollen sie ihre Shorts verkaufen und den steigenden Kursen hinterherlaufen?

Ein Teil dieser Dax-Investoren hatte dies wohl am Montag Morgen getan, als der Index ohne Meldungen innerhalb von 90 Minuten um 200 Punkte nach oben sprang. An der Euwax in Stuttgart war am Sentiment eindeutig zu erkennen, dass die Privaten stark in Puts investiert waren. Interessant auch die aktuelle Sentimentanalyse.

Die aktuelle Sentimentumfrage des Handelsblatts

„Am Aktienmarkt wird ein positiver Ausgang der zähen Verhandlungen in Brüssel über ein europäisches Konjunkturpaket bereits vorweggenommen“, so das Fazit der Umfrage durch den Leiter des Analysehauses AnimusX, Stephan Heibel nach seiner wöchentlichen Erhebung. Es herrsche mit einem Plus von 2,3 Punkten gegenüber der Vorwoche zwar gute Laune unter den befragten Investoren aber von Selbstgefälligkeit könne auch noch keine Rede sein. Es klingt seltsam, aber auch wie bei der großen Umfrage der Bank of Amerika unter Großinvestoren in den USA, liegen immer noch große Cashpositionen in den Depots.

Der Sentimentexperte zog daraus den Schluss: Viele Privatinvestoren nehmen nur teilweise an der Rally teil und warten auf einen Rücksetzer, um mit dem Cash in Aktien zu investieren.

Die Erwartungshaltung ist mit minus 2,1 Punkten eher pessimistisch. Auf dem aktuellen Kursniveau möchte kaum jemand Aktien kaufen, so der Stand am letzten Freitag. Dies könne auch an der Jahreszeit liegen, in der sich viele Anleger im Urlaub befänden und nichts von der Börse wissen wollen.

Die Positionierung am Terminmarkt

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart für Privatanleger zeigte eine wieder zunehmende Absicherung der Privatanleger an. Man hielt offenbar Kurse über 13.000 im Dax für zu hoch und wollte die Depots gegen einen Rückschlag absichern. Anders die Profis an der Eurex in Frankfurt. Hier lag das Put-Call-Ratio bei 1,2 und wies auf eine zunehmende Risikobereitschaft der Anleger hin.

Dies war die Positionierung zum Ende der letzten Woche, also vor der gestrigen Marktreaktion. Beim Blick über den Atlantik zeigte sich ein gemischtes Bild.

Euphorie der Anleger an der Nasdaq und eine Investitionsquote bei den Fondsmanagern von 91 Prozent, sechs Prozent höher als in der Vorwoche und damit auf dem höchsten Stand in der Coronakrise.

Hingegen nur leichte Gier beim Fear & Greed-Index, der sich auf den S&P 500 bezieht und eine eher pessimistische Haltung bei den Privaten, die „Robinhood-er“ einmal ausgenommen.

Fazit

Wie schon ein paar Mal in den letzten Wochen scheint sich an der deutschen Leitbörse ein großes Misstrauen gegenüber der gewaltigen Corona-Rally aufgebaut zu haben. Steigende Infektionszahlen in vielen Ländern, nachlassende Dynamik bei der Wirtschaftserholung, die beginnende ungünstige Jahreszeit für die Börse und der Respekt vor der hohen Indexzahl – das schrie zumindest nach Absicherung. Hatte wieder eine kleine Short Squeeze den letzten Anschub ausgelöst? Zusätzlich zu dem (erwarteten) Übertreffen der Quartalszahlen in den USA, die insgesamt so deutlich ausfielen wie selten zuvor oder die Vorwegnahme der Beschlüsse von Brüssel mit dem Aufbaufonds oder einfach das viele Geld, dass immer noch Neuanlage sucht?

Hatte nicht die Bundesbank erst vor wenigen Tagen bekanntgegeben, dass die deutschen Privathaushalte im ersten Quartal doppelt so viel Geld in Aktien und Investmentfonds gesteckt haben als im Vergleichszeitraum 2019? Und hat die Eröffnung neuer Depots bei Onlinebrokern nicht erst ab März so richtig Fahrt aufgenommen? Sollten die Kurse jetzt über 13.000 Punkten im Dax verharren, bekämen wir dann nicht erst recht wieder eine kleine Neuauflage von FOMO – Fear of Missing Out?

Auf der anderen Seite: Ist das aber nicht gerade die „Conditio sine qua non“ für eine größere Korrektur, der große Einstieg der Kleinanleger, die für gewöhnlich als Letzte bei einer Rally einsteigen?

Der Dax ist aus seiner Handelsspanne nach oben ausgebrochen

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