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Dax: Wenn die Musik aufhört zu spielen und die Reise nach Jerusalem beginnt

Wenn Mario Draghi sagt, dass die Party nun eigentlich zu Ende ist, während man auf ex gerade die fünfte Rotweinflasche leert, ist das schon ziemlich unhöflich. Das macht man nicht. Man hatte sich doch so daran gewöhnt. Sollen wir etwa wieder selbst arbeiten gehen? Unverschämtheit!

FMW-Redaktion

Ach, es war doch so schön! Man hatte den Notenbanken-Put auf seiner Seite, ob Aktienmärkte oder Anleihemärkte – alle wussten, dass die Notenbanken die Hand unter den Hintern der Märkte halten würden, komme, was da wolle. Also stiegen sowohl Aktienmärkte als auch Anleihemärkte in bisher ungekannte Höhen, weil Al Bundy mit den Geldscheinen wedelte. Jetzt aber passiert Unerhörtes: in Europa bessert sich die Lage, und alles hätte passieren dürfen aus Sicht der Märkte – nur eben das nicht! Denn wenn die Lage gut ist, hört Al Bundy auf, seine Scheinchen aus der Hosentasche zu zücken und unters Anleger-Volk zu verteilen.

So ein Mist. Wer braucht schon Konjunktur? Wir wollen Liquidität, unsere tägliche Droge gib uns heute, und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben, wenn die Rechnung dafür andere zahlen. Ihr könnt doch nicht einfach aufhören damit, verdammt!

Gut, Mario hat gestern gesagt, ganz langsam und vorsichtig, er weiß, dass die Gläubigen sonst verschreckt werden könnten, wenn der göttliche Papa zu streng ist auf einmal. Aber wenn jemand sagt, dass die Party nun eigentlich zu Ende ist, während man auf ex gerade die fünfte Rotweinflasche leert, ist das schon ziemlich unhöflich. Das macht man nicht. Man hatte sich doch so daran gewöhnt. Sollen wir etwa wieder selbst arbeiten gehen? Unverschämtheit!

Natürlich: die Herren des Geldes wollen keinen Crash. Das Ganze soll irgendwie kontrolliert ablaufen, und die gestrige Aussage Yellens, wonach wir zu „unseren Lebzeiten“ wohl keine Finanzkrise erleben werden, wird wahrscheinlich zu den größten Irrtümern der Geschichte werden. Denn wer das selbst geschaffene Ungeheuer bändigen will, zieht sich Verletzungen zu – das Ungeheuer wehrt sich, möchte nicht in den Käfig zurück.

Für die Notenbanken wird die Sache jetzt richtig schwierig: es ist ja leicht, Geld zu drucken, schwerer, die Dinge unter Kontrolle zu behalten, wenn man perspektivisch damit aufhört. Wie schon in den letzten Tagen betont: seit einigen Wochen sind die Bilanzsummen der drei großen Notenbanken rückläufig – das eigentliche Expieriment beginnt erst jetzt mit dem Versuch, die Bestie, den Golem wieder einzufangen, den man selbst geschaffen hat.

Also hört die Musik auf zu spielen, wird die Musik zumindest deutlich leiser. Und die Reise nach Jerusalem beginnt: es gibt nun immer einen Stuhl zu wenig, einer bleibt auf der Strecke, dann der Nächste und der Nächste.

Beim deutschen Anleihemarkt gab es gestern schon ein Blutbad nach den Draghi-Aussagen, und auch der Dax sah schon einmal prickelnder aus als derzeit. Man verschiebt die Tiefs nach unten, die Jagd auf das Allzeithoch ist erst einmal abgeblasen:

Solange die 12840 nich überwunden werden kann – und danach sieht es ja nicht wirklich aus – ist nun die Unterseite zu bevorzugen. Erste Ziele sind 12525 und 12490 Punkte..



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10 Kommentare

  1. Was Yellen mit dieser Aussage gemeint haben könnte, ist, dass die nächste Baisse(Crash?) nicht den Titel „Finanzkrise“ haben wird. Es wird also ein Ereignis erwartet, das die durch Notenbanken ausgelösten Unstimmigkeiten der globalen Finanzökonomie nicht herausstechen lassen, obwohl diese dabei sicherlich als Katalysator mitwirken werden.
    Ob dieses Ereignis schon erkannt und als unabdingbar behandelt wird oder sogar bewusst herbeigeführt wird, überlasse ich den Verschwörungstheoretikern.
    Meine Popcornmaschine ist schon am aufwärmen.

  2. ALLES HAT EIN ENDE, nur die Wurst hat zwei, ich war u.bin mir sicher ,dass das Gelddrucken irgendwann aus welchen Gründen auch immer ein Ende haben muss.Bisher wurden meine daraufweisenden Kommentare von “ erfahrenen Leuten “ harsch kontraktiert.Eine alte Börsenregel sagt ,wenn die Taxifahrer oder Hausfrauen ( LAIEN )von der Börse reden sei es Zeit für die Wende.Was mich in letzter Zeit erstaunt ist,dass viele erfahrene Leute von immerwährender Hauusse redeten.Am 24.6. schrieb ein Research Leiter einer bekannten Privatbank, DIE BEWERTUNGEN SEIEN ALLGEMEIN NOCH NICHT ZU HOCH,WER NOCH NICHT INVESTIERT IST KANN SCHRITTWEISE EINSTEIGEN ? ? Der Mann empfiehlt also Leuten die noch keine oder nie Aktien hatten, Aktien zu kaufen.Was ich damit sagen will: WENN DIE WENDE WIRKLICH KOMMT WIRD ES SEHR VIELE AUF DEM FALSCHEN FUSS ERWISCHEN MIT WELCHEN FOLGEN?

    1. Folgen? Sie 2000 Neuer Markt …BUMMMSSS und BILLIONEN waren vernichtet.

  3. Ja, auf fast jeder Party gibt es Gäste, die selbst dann, wenn zu spätnächtlicher Stunde schon das zweite Stück Torte serviert wird, immer noch nicht begreifen, daß die Veranstaltung vorbei ist. Sieht eben für mit dem Code unvertraute Personen nach einem weiteren „Willkommen!“ aus.

    Der geneigte Leser wird sich entscheiden müssen, ob er Investoren wie Rodgers Glauben schenken möchte, der erstmals mit der Benennung eines Zeitfensters für die nächsten Monate heftige Crashs an den Wertpapiermärkten und in weiterer Folge nicht weniger als das Ende der uns bekannten Welt prognostiziert, oder der „(Never fight the) FED!“ – Funktionärin Yellen, für die eine weitere Krise auf Lebenszeit ausgeschlossen ist.

    Leider haben wir an den Börsen keine Zeit, um zu sehen, wessen Aussage letztlich die dümmere gewesen sein wird.

  4. Geniale Satire! Vielen Dank für das Vergnügen!

  5. Wer sich über den Plop die letzten Minuten wundert:

    „ECB Officials commenting, says Market is Misjudging Draghis Comments on Stimulus.“

    haha, lange hat der Versuchsballon nicht gehalten, dann rudern sie wieder panisch zurück !

    1. Aber jetzt sagen sie mal ehrlich, PK, ist doch auch wieder viel Wunschdenken reininterpretiert worden in seine Äußerungen. Uns war das klar.

      1. man sollte zumindest nicht annehmen, daß Draghi jemals etwas Gutes für die Bären hier tun wird, ausser aus Versehen und Dummheit

  6. Deshalb wird Mario Draghi bis zum Ende seiner Amtszeit der größte Feind aller Bären in diesem Forum bleiben.

  7. Es ist erstaunlich wie gewisse Leute das zürückrudern der EZB positiv aufnehmen ,mit Parolen DRAGHI WIRD NIE ETWAS FÜR DIE BÄREN TUN habe ich Mühe. Wenn nämlich die Notenbanken die angesprochenen Risiken der FED nicht ernst nehmen u.die Börsen noch höher treiben knallts nämlich später umso mehr, ich glaube trotz Golmann Vergangenheit oder wegen Goldmann Erfahrung sind diese Leute realistisch.

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