Anleihen

Dax: Wenn sich die Katze in den Schwanz beißt..

FMW-Redaktion

Was ist eigentlich los mit dem Dax – warum will der „Kerl“ einfach nicht so wirklich Gas geben? Nun, dazu gibt es eine, wie wir finden, ziemlich einleuchtende Erklärung. Die erste ist, dass internationale Investoren, euphorisiert durch die Aussicht auf ein großes Infrastrukturprogamm unter Trump, lieber in US-Aktien investieren statt in den Dax oder in Dax-Aktien. Das zeigen etwa die Daten von ETF-Anbietern.

Die zweite Erklärung ist: es sind fast alle schon drin im Dax, daher fehlen die Anschlußkäufer, die den Dax dann über das Jahreshoch hieven könnten. Die Sentiment-Daten zeigen ja den hohen Optimismus der Dax-Investoren, eine klare Mehrheit rechnet damit, dass es weiter nach oben geht (daher sind sie schon „drin“).

Und dann kommt noch dazu, dass alle warten, bis endlich das Jahreshoch fällt, um dann einzusteigen – wegen der regelmäßig wiederkehrenden Jahresendrally, und überhaupt, so heißt es, sei die Vorweihnachtszeit ja so furchtbar bullisch in der Regel. In diesem Jahr waren aber auch die schwachen Monate wie der August und der September stark – vielleicht kommt es also diesmal doch anders und die Regel stimmt in diesem Jahr nicht?

Alle warten oder sind schon drin – da beißt sich die Katze also in den Schwanz. Das gilt auch und insbesondere für das, was sich derzeit in den USA abspielt. Letztlich steht Trump ja vor einem unauflöslichen Dilemma: wenn das große Infrastrukturprojekt kommt, dann kann es nur über neue Schulden finanziert werden. Und das kann nur dadurch gehen, dass das Ausland (oder die „Rest-Welt“) bereit ist, diese Schulden durch den Kauf von US-Staatsanleihen zu finanzieren. Das aber wiederum beißt sich mit der Grund-Haltung von Trump, die da lautet: Amerika first.

Man ist also wohl oder übel auf das Ausland angewiesen – und kann sich daher eigentlich keine Affronts diesen Financiers gegenüber leisten. Etwa gegenüber China: wenn Trump wirklich die Importzölle einführt für chinesische Waren, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der größte Gläubiger der USA seine Muskeln spielen lassen wird und US-Staatsanleihen verkauft. Und damit würde letztlich die geplante Schuldenaufnahme druch Trump entweder unmöglich – oder zumindest sehr sehr teuer, weil die USA dann hohe Zinsen bieten müßten. Also beißt sich auch hier die Katze in den Schwanz – und daher steht diese Trump-macht-ein-riesiges-Konjunkturprogramm-Rally in den USA auch auf tönernen Füssen! Es ist ja derzeit der Glaube da, dass die neue Regierung das ersetzen wird, was zuvor die Fed bot: nämlich einen massiven Stimulus zu geben. Aber das ist ein logischer Zirkelschluß – wie auch Katzen feststellen, die sich in den Schwanz beißen!

Zum Dax: der Index tritt trotz allerbester Steilvorlagen seit Tagen auf der Stelle:

dax23-11-16

Was soll man dazu sagen? Nicht viel. Oben die 10800 und die 10830er-Zone als Jahreshoch, unten der Bereich um 10700 und 10590/10610 als Unterstützung. Darunter würde es schon kribbelig. Aber soll der Dax doch mal machen heute..



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

4 Kommentare

  1. Amerika ist in der Lage, das Ausland mit Kredit zu versorgen, so dass dieses mit 60 Bill. in Dollar verschuldet ist,. Warum sollten die Amerikaner dann nicht zur Abwechslung auch mal mit ein paar Billiönchen ihre Regierung finanzieren, statt das Ausland.
    Das kann sich ja Euro-Kredite besorgen, die sind eh noch billiger. Machen US-Unternehmen ja über Anleihen sogar selber.

    Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich auch auf dem Gebiet der Kreuz-und Quer-Verschuldung die Katze in den Schwanz beißt.

  2. Welche Möglichkeiten gibt es denn für die USA überhaupt noch einen Staatsbankrott zu verhindern? Die Frage möchte ich mal in den Raum werfen! Ich könnte mir vorstellen dass die Tage des Dollars Bald gezählt sind, da die USA bald gezwungen sind massenhaft Geld zu drucken!

  3. Ach ja, noch was zu Staatsschulden. Wie hoch ist die russische Staatsverschuldung in Bezug zum BIP, und wie hoch die Amerikanische? Und wie kann man die amerikanischen Rankings zur eigenen Kreditwürdigkeit der Amerikaner noch ernst nehmen und gleichzeitig die schlechten Rankings zu anderen Staat als nicht politisch motiviert bezeichnen?

    1. Sehe ich auch so!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage