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Dax: Wo bleibt die Korrektur? Stimmung ist zu positiv für dauerhafte Rally

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

2500 Punkte beim DAX innerhalb von drei Wochen oder knapp 30 Prozent vom Tief des Dax im März: das ist selbst für eine Bärenmarktrally ein ungewöhnlicher Sprung nach oben. Aber diese Kursrally passt irgendwie auch zum vorherigen schnellsten Einbruch von einem Allzeithoch in einen Bärenmarkt. Demzufolge stehen nicht nur Ökonomen und Volkswirte vor einem Rätsel, auch Anleger sinnieren über diese Kursrally. Aus den Sentimentindikatoren ergibt sich schon seit Längerem, dass viele Anleger eine Korrektur beim Dax und anderen Aktienmärkten erwarten – Woche für Woche. Auch in der aktuellen Umfrage ist dies einmal mehr der Fall, wie die Auswertung des Analysehauses AnimusX zeigt.

Dax: Die Stimmung der Investoren – das Ergebnis der Umfrage

Bereits zum dritten Mal fasst Stephan Heibel Stefan, der Leiter der Umfrage, die Situation wie folgt zusammen: „Ich würde in die Kursrally Aktien abstoßen, denn der Boden ist noch nicht erreicht, dazu bräuchte es einen finalen Ausverkauf. Hinterherlaufen würde ich den Kursen nicht, denn die Kurse spiegeln nun sehr viel Hoffnung wider.“

Aufgrund des Anstiegs des Dax von elf Prozent innerhalb einer Woche hat sich die Stimmung der Anleger deutlich aufgehellt. Die ersten Signale der Eindämmung des Coronavirus aus Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich haben die große Angst vertrieben. Dies war abzusehen, deshalb hatte ich bei FMW am 6. April auch einen Artikel mit der Überschrift „Coronavirus: Europas Woche der Hoffnung?“ betitelt.

Nach der Untergangsstimmung der letzten Wochen liegt der Stimmungswert nur noch bei -0,5 Prozent, also fast im neutralen Terrain. Der Blick ist nach vorne gerichtet, mit der Hoffnung auf eine erste Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen.

Bei der Messung der Selbstzufriedenheit der Umfrageteilnehmer hat sich der Wert zur Vorwoche nicht verändert. Anscheinend haben einige die Erholung des Dax versäumt. Man traut aber der Entwicklung nicht über den Weg, deshalb ist der Erwartungswert für die Zukunft auf 1,0 gefallen, was dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Coronakrise entspricht. Vor allem glaubt man nicht an ein problemloses Hochfahren der Wirtschaft. Entsprechend ist die Investitionsbereitschaft in den kommenden zwei Wochen auf einen Wert von 1,7 Punkten gesunken, was ebenso das niedrigste Niveau seit Ausbruch von Covid-19 darstellt.

Die Positionierung an den Terminmärkten

Das Sentiment an der Terminbörse für Privatanleger, der EUWAX in Stuttgart, ist vor Ostern auf minus 8 gefallen. Ergo sichern sich die Privatnvestoren gegen neue Rückschläge ab. Anders die Institutionellen in Frankfurt an der Eurex. Diese haben ihre Absicherungen in der letzten Woche aufgelöst und spekulieren auf eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung beim Dax.

Der Blick über den Atlantik zeigt, dass die US-Fondsmanager zu Wochenbeginn immer noch die niedrige Aktienquote der Vorwoche beibehalten haben, auch die US Privatanleger trauen der Rallye nicht, was das Bull/Bear-Ratio von minus 15 zum Ausdruck bringt. Der Fear&Greed-Index stand zum Ende der Umfrage noch auf ängstlichen 33 Punkten, ist inzwischen aber auch schon wieder auf 44 Punkte gestiegen.

Sentimentexperte Heibel sieht trotz der allgemeinen Entspannung das Lager der Befragten gespalten. Die einen erwarten nach dem Lockdown nachhaltige Schäden, die keine Normalität in diesem Jahr mehr zulassen. Die anderen sind optimistischer gestimmt und hoffen auf baldige Nachholeffekte.

Zusammengefasst glaubt der Leiter des Analysehauses AnimusX an noch keine Bodenbildung beim Dax. Dafür müsste der Pessimismus noch einmal deutlich steigen und in Panik münden. Das wäre die Voraussetzung für eine Ausverkaufswelle. Es gebe für Heibel aber noch eine zweite Möglichkeit: Weiter steigende Kurse, die aber von den Anlegern nicht als nachhaltig betrachtet werden, mit daraus resultierendem steigenden Pessimismus.

Dies könnte auch zu einer Ausverkaufswelle führen, die aber nicht mehr so tief ausfallen sollte als bei Variante eins.

Für eine nachhaltige Rally wären Zweifel erforderlich (Wall of Worry), die Kurse spiegelten zu viel Hoffnung wider. Diese könnte weichen, wenn in den kommenden Wochen nach und nach desaströse Unternehmenszahlen geliefert werden.

Fazit

Die Korrektur beim Dax und anderen Indizes wird kommen, aus heiterem Himmel, denn es dürfte nicht wenige geben, die innerhalb dieser Bärenmarktrally schon auf satten Gewinnen sitzen, die man in einer größeren Korrektur nicht mehr preisgeben möchte. Zu viel hatte man schon im Rekordeinbruch Federn gelassen. Es stellt sich nur noch die Frage nach dem Anlass – eigentlich wie immer!

Die Stimmung für den Dax ist noch zu positiv für einen Bullenmarkt

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Hesterbär

    15. April 2020 14:27 at 14:27

    Ich bin wieder short auf die US-Indizes, vornehmlich den Russel 2000 und den Nasdaq 100. Ich denke, es wird bald wieder richtig rumpeln.

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