Der DAX startet nach seiner Rückkehr über 26.000 Punkte in eine Woche, in der sich der geldpolitische und geopolitische Druck deutlich erhöhen könnte. Während neue Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus den Ölpreis nach oben treiben, warten mit der EZB-Zinsentscheidung sowie den US-Inflationsdaten weitere Belastungsproben auf die Aktienmärkte. Entscheidend wird sein, ob der DAX seine Stabilisierung fortsetzen kann oder steigende Ölpreise und Renditen die jüngste Erholung erneut ausbremsen.
US-Jobdaten erhöhen Renditedruck
Am Freitag behauptete sich der deutsche Leitindex trotz überraschend starker US-Arbeitsmarktdaten und schloss 0,17 Prozent höher bei 26.046 Punkten. Auf Wochensicht blieb nach der vorherigen Korrektur vom Rekordhoch bei 26.618 Punkten allerdings ein Minus von knapp 2 Prozent zurück. Zwischenzeitlich hatte der DAX fast 900 Punkte verloren.
In den USA entstanden im August 162.000 neue Stellen und damit deutlich mehr als erwartet. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent. Der robuste Arbeitsmarkt stärkt einerseits die Hoffnung auf eine weiterhin widerstandsfähige US-Konjunktur, gibt der Fed andererseits aber mehr Spielraum für eine Zinserhöhung. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg nach dem Bericht wieder bis in den Bereich von 4,789 Prozent. An der Wall Street verlor der S&P 500 daraufhin 0,4 Prozent, der Nasdaq 100 gewann hingegen 0,2 Prozent.
Zusätzlicher Gegenwind kommt zum Wochenauftakt vom Ölmarkt. Nach neuen Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus verschärft sich der Konflikt zwischen Iran und den USA weiter. Brent-Öl stieg am Montag zeitweise um 1,2 Prozent auf mehr als 97 Dollar je Barrel.
Angesichts steigender Energiepreise richtet sich der Blick damit auf die US-Inflationsdaten. Am Donnerstag werden zunächst die US-Erzeugerpreise veröffentlicht, am Freitag folgen die Verbraucherpreise für August. Beide Berichte dürften erheblichen Einfluss auf die Erwartungen für die Fed-Sitzung am 16. September haben. Eine überraschend hohe Inflation könnte die Renditen weiter nach oben treiben und vor allem Technologie- sowie zinssensitive Aktien unter Druck setzen. Eine Abkühlung der Teuerung wäre dagegen positiv für Aktien, Gold und Silber.
EZB liefert den Wochenhöhepunkt
Für den DAX steht am Donnerstag zusätzlich die Zinsentscheidung der EZB im Mittelpunkt. Eine Anhebung des Einlagenzinses um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent gilt inzwischen als weitgehend eingepreist. Für die Marktreaktion dürfte daher vor allem entscheidend sein, ob EZB-Präsidentin Christine Lagarde einen weiteren Zinsschritt in diesem Jahr andeutet.
Die Inflation im Euroraum ist im August von 2,9 auf 3,3 Prozent gestiegen. Verantwortlich dafür waren insbesondere die höheren Energiepreise infolge des Iran-Konflikts. Die Kerninflation ging dagegen leicht auf 2,4 Prozent zurück. Eine überraschend restriktive EZB könnte den Euro und die Anleiherenditen steigen lassen, zugleich aber Immobilienwerte, Versorger und andere zinssensitive DAX-Sektoren belasten.
Zum Wochenauftakt stehen zunächst die deutsche Industrieproduktion auf der Agenda. Die jüngsten Auftragseingänge zeichneten allerdings ein verzerrtes Bild: Zwar stiegen sie im Juli um 2,5 Prozent, ohne Großaufträge gingen sie jedoch um 1,4 Prozent zurück. Besonders schwach zeigte sich die Automobilindustrie mit einem Minus von 12,5 Prozent.
DAX zwischen Erholung und Rückfall
Charttechnisch bleibt die Marke von 26.000 Punkten zum Wochenstart der erste Orientierungspunkt. Solange der DAX darüber notiert, besitzt die Erholung weiteres Potenzial. Ein Anstieg über den Bereich von 26.085 Punkte könnte den Weg in Richtung des 50er Retracements bei 26.174 freimachen. Ein Ausbruch darüber rückt das Gap bei 26.258 ins Visier sowie das 61,8%-Retracement bei 26.279 Punkte. Spätestens an dieser Stelle dürfte die nächste Richtungsentscheidung anstehen.
Fällt der Index dagegen wieder nachhaltig unter 26.000 Punkte zurück, droht ein erneuter Test der Zone von 25.915 bis 25.895 Punkte, wo sich das alte Rekorhoch befindet. Darunter würde sich die kurzfristige Lage entrüben und weitere Abgaben bis 25.750 und 25.700 Punkte drohen. Ein Bruch des Vorwochentiefs bei 25.728, könnte anschließend zum Gap-Close bei 25.629 Punkte führen. In diesem Fall dürfte er auch das nächste Korrekturziel bei 25.550 Punkte anpeilen.
DAX-Widerstände: 26.069 (38,2), 26.167 (TH), 26.174 (50%), 26.258 (Gap), 26.279 (61,8%), 26.370
DAX-Unterstützungen: 25.924-25.895, 25.784 (TT), 25.700, 25.629 (Gap), 25.550
Dax-Chart auf TradingView-Basis
Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Handelsempfehlung dar.
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