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Dax: Zukunftspessimismus lässt steigende Kurse erwarten

Dax Zukunftspessimismus

Zum Beginn der letzten Woche sprang der DAX kräftig an. Das Wochenplus betrug schon am Dienstag Nachmittag über 4%. Doch seither wurde der Großteil des Kursgewinns wieder abgegeben, es bleibt ein mageres Plus von 1%. Ich hatte vor einer Woche an dieser Stelle genau das in Aussicht gestellt: einen Short Squeeze. Steigende Kurse zwingen Spekulanten dazu, ihre Short-Spekulationen einzudecken und befeuern so den Kursanstieg nochmals. Anschließend brach diese technische Nachfrage weg, die Kurse sind wieder ein wenig zurückgekommen und auf dem aktuelle Niveau ist der DAX nun in eine Seitwärtsbewegung übergegangen.

DAX – explosive Stimmung

Die Stimmung unter den Anlegern hat sich unterm Strich wenig verändert. Mit einem Wert von -1,5 bleibt Niedergeschlagenheit das dominierende Gefühl der Umfrageteilnehmer. Während am Dienstag fast schon wieder gute Laune aufkam, wurde dieser Anflug von Übermut durch den sich anschließenden Rücksetzer beim DAX inzwischen wieder beseitigt.

Im Gegenteil, Verunsicherung macht sich wieder breit. War dieses Gefühl vor einer Woche verschwunden, so zeigt der Wert von -0,7 nun an, dass Anleger vom Ende der Rallye und dem anschließenden Rücksetzer überrascht, vielleicht sogar auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Auch bei der Zukunftserwartung hat der Wochenverlauf Spuren hinterlassen. Der Zukunftsoptimismus ist mit steigenden Kursen in den vergangenen Wochen zunehmend zurückgekommen. Von einem Wert von 3,7 nach dem Kurscrash Ende Februar war vor einer Woche der Optimismus auf einen Wert von nur noch 1,1 gesunken. Diese Woche dreht der Wert ins Minus. Bei einem Wert von -0,5 haben erstmals seit einem halben Jahr wieder die Pessimisten die Oberhand.

Da wundert es ein wenig, dass die Investitionsbereitschaft im DAX mit einem Wert von 1,4 weiterhin moderat positiv ist. Gegebenenfalls fühlen sich die Anleger unterinvestiert, ich werde das weiter unten prüfen.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf -7,5 gefallen und zeigt eine hohe Absicherungstätigkeit an. Privatanleger sichern sich auf dem aktuellen Kursniveau also gegen erneute Kursverluste ab. Das scheint ihnen wichtiger als das Wetten auf steigende Kurse.

Auch die Profis, die sich über die Eurex absichern, kaufen derzeit überwiegend Put-Absicherungen. Das Put/Call-Verhältnis von 2,2 zeigt auch für die Profis eine deutlich höhere Absicherungsneigung an als in normalen Börsenphasen.

In den USA werden die Put-Absicherungen bereits wieder aufgelöst. Das Put/Call-Verhältnis der CBOE sinkt schon wieder auf ein durchschnittliches Niveau zurück.

US-Fondsanleger haben ihre Investitionsquote auf 80% erhöht. Noch vor vier Wochen, kurz nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine, hatten US-Fondsanleger ihre Investitionsquote auf 30% reduziert. Doch seither wurde der Cashbestand weitgehend wieder investiert.

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger steht bei 4% und zeigt ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis an. Mit 41% ist das Lager der neutral eingestellten Anleger inzwischen das mit Abstand größte Lager.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 51% eine neutrale Marktverfassung an.

Interpretation der Stimmung im DAX

Aktienkurse steigen normalerweise an einer Wand der Angst, heißt es. Obwohl die Entwicklungen dieser Woche eigentlich Mut machen könnten, ist die Verunsicherung sowie auch der Zukunftspessimismus unter den Anlegern gestiegen. Der DAX kann ein Wochenplus ausweisen, dennoch ist hierzulande das Lager der Pessimisten größer geworden. Ich habe so etwas schon häufig beobachtet.

Viel zu früh geben sich viele Anleger mit einer kleinen Gegenbewegung zufrieden. Viel zu früh kommen schon wieder die nächsten Zweifel auf, genährt aus der noch jungen Erfahrung, dass man vor dem ursprünglichen Crash alle Warnsignale ignorierte. Das soll nun nicht mehr passieren, also schwingt das Stimmungsbarometer frühzeitig wieder um. Pessimismus ist die intellektuell gut begründbare Geisteshaltung nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen. Wer sich heute als Optimist ausgibt, wird schell als Phantast verschrien.

Doch genau das ist die Stimmungslage, in der Aktienbörsen kontinuierlich ansteigen können. Die Zweifel, in unserer Umfrage als Verunsicherung dargestellt, sind groß. Jegliche positive Entwicklungen beim DAX werden sofort als utopisch abgetan, es dominiert der intellektuelle Pessimismus.

In dieser Markt- und Stimmungsphase kostet es viel Überwindung, trotzdem auf der Käuferseite zu stehen. Es gibt wenige Argumente für Käufe, außer der Erfahrung aus der Vergangenheit, dass es häufig bereits zu spät ist für Käufe, wenn wir die Argumente erst kennen.

In den USA sieht man einen Krieg nüchterner. Ich würde die traurige Erkenntnis einbringen, dass US-Amerikaner es gewohnt sind, in Kriegszeiten zu investieren. Kurz nach dem Kriegsausbruch liegen die Karten auf dem Tisch. Es folgt eine Weile des Kräftemessens, bevor nach Kompromissen gesucht wird. Wirklich überraschen kann inzwischen keine der Kriegsparteien mehr, denn selbst die schlimmsten Befürchtungen wurden bereits diskutiert.

Der Short Range Oscillator des S&P 500 hat vor einer Woche eine überkaufte Marktsituation angezeigt. Eine Konsolidierung war überfällig und wurde durch den Short Squeeze zum Wochenbeginn nur ein wenig hinaus gezögert. Aus diesen beiden technischen Bewegungen ist jedoch keine neue Richtung abzulesen. Diese würde ich Sentiment-technisch mit den heute vorliegenden Daten dahingehend ableiten, dass wir die Tiefs gesehen haben und perspektivisch, also abgesehen von kurzfristigen Schwankungen, wieder höhere Kurse sehen dürften.

Die Investitionsbereitschaft passt nicht ganz in das Bild, wenn wir „investieren“ mit „Kaufen“ übersetzen. Doch es gibt ja genügend Marktteilnehmer, die auch mit Leerverkäufen, also Shortpositionen arbeiten. Auch das ist ein Investment. Ein Blick in die Investitionsquote zeigt, dass diese ein mittleres Niveau erreicht hat. Vor dem Hintergrund der großen Absicherungsneigung deutscher Anleger würde ich daher diese Woche die Investitionsbereitschaft dahingehend interpretieren, dass man sich weiter durch Put-Absicherungen gegen fallende Kurse beim DAX absichern möchte. Diese starke Absicherungsneigung in Deutschland wirkt wie ein Sicherheitsnetz unter den Aktienkursen und machen eine baldige Fortsetzung der Rallye wahrscheinlicher als ein Abtauchen auf neue Tiefs.

Jetzt bekomme ich aber langsam kalte Füße beim Schreiben: Meine Interpretation liest sich so bullisch, dass ein Satz der Warnung angebracht ist. Die Sentimentanalyse zeigt Ungleichgewichte auf. Wenn keine äußeren Ereignisse die Richtung vorgeben, dann deutet die Sentimentanalyse derzeit auf steigende Kurse beim DAX. Äußere Ereignisse wie insbesondere den weiteren Kriegsverlauf können wir nicht prognostizieren. Eine negative Entwicklung kann jegliche Interpretationen zunichte machen. Es bleibt dann lediglich die Interpretation, dass der Markt auf eine negative Entwicklung weniger stark negativ reagieren würde als er auf eine positive Entwicklung positiv reagieren dürfte.

Am Ölmarkt ist die Stimmung von den euphorischen Werten der vergangenen Wochen auf ein neutrales Niveau zurückgekommen. Die Zukunftserwartung für den Ölpreis ist extrem pessimistisch, Bären dominieren den Ölmarkt. Die Situation ist trotz der vergleichbaren Ist-Werte nicht vergleichbar mit der Sentimentlage am Aktienmarkt, da der Ölpreis schon seit Monaten ansteigt. Hier steht eine größere Konsolidierung weiterhin noch aus.

Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.



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