Auch nach dem Ausbruch auf ein neues Allzeithoch am Dienstag sehen wir bisher keinen Funken von Schwäche im Dax, ganz im Gegenteil. Der deutsche Leitindex stürmte auch gestern weiter nach oben und markierte bei 16.727 Zählern das nächste Rekordhoch. Die Ziellinie überquerte er schließlich mit einem Plus von 123 Punkten (0,75%) bei 16.656 Zählern. Angetrieben wird das Börsenbarometer durch die Hoffnung auf den Beginn eines rasanten Lockerungszyklus der Zentralbanken sowie einem anhaltenden Short-Squeeze. Die Bären sind aufgrund des steilen Anstiegs gezwungen, ihre Short-Positionen aufzulösen, was die Rally noch beschleunigt.
Dax zwischen Kaufpanik und Überhitzung
Es herrscht totale Kaufpanik an den Aktienmärkten – es scheint fast so, als gäbe es für die Käufer kein Morgen mehr. Indikatoren wie der RSI, der seit vielen Tagen bereits eine stark überkaufte Situation anzeigt, funktionieren angesichts des FOMO-Verhaltens an den Märkten nicht mehr. Im gestrigen Handel kratzte der Relative-Stärke-Index auf Tagesbasis an der Marke von 84, solch ein hoher Wert wird nur ganz selten erreicht. Zum Verständnis: Werte über 70 gelten bereits als überkauft. Normalerweise ist in diesen Bereichen ein Kurswechsel wahrscheinlich, aber eben auch kein Muss.
Während dem Dax der zweite Rekordtag in Folge gelang, gerieten die Kurse an der Wall Street unter Druck. Die US-Börsen ziehen nicht mit – hier ist die Rally zum Stillstand gekommen. Dem S&P 500 gelingt es nicht über die wichtige Hürde von 4.600 Punkten auszubrechen. Das hielt die Anleger am deutschen Aktienmarkt aber nicht davon ab, den Dax auf neue Rekordstände zu peitschen, während sie massiv auf Zinssenkungen der EZB wetten.
Zinsfantasien übertrieben?
Indessen nehmen die Warnungen vor zu viel Zins-Optimismus zu. Der größte Vermögensverwalter der Welt, BlackRock, warnte vor einer Enttäuschung in 2024.
Der Markt erwartet inzwischen sechs Zinssenkungen im Euroraum im Laufe des kommenden Jahres, was den Leitzins um 150 Basispunkte auf 2,5 % senken würde. Der nächste Stimmungstest an den Börsen erfolgt am Freitag, wenn in den USA der Arbeitsmarktbericht veröffentlicht wird. Schwächere Daten dürften die Zinssenkungsfantasien an den Aktienmärkten zusätzlich nähren.
Übergeordnetes Chartbild
Aus charttechnischer Sicht gibt es derzeit zwei Varianten, die zu präferieren sind. Zum einen könnte mit dem gestrigen Anstieg auf 16.650 Punkte ein Impuls (Welle 3) zu Ende gegangen sein, auf den eine Zwischenkorrektur folgen sollte. Zwei Bereiche stehen in diesem Fall im Fokus: erstens die letzte Konsolidierungszone um 16.400 Punkte und zweitens die wichtige Horizontale bei 16.040 Zählern.
In einer zweiten – noch bullischeren – Variante zieht der Dax direkt bis zur 17.000-er Marke durch. Hier dürfte es dann zu einer Zwischenkorrektur kommen (Welle 4). Anschließend ist mit einem letzten Aufwärtsimpuls (Welle 5) zu rechnen, der den Index deutlich über 17.000 Punkte befördert.
Konjunkturdaten
Am frühen Morgen wurden in China die Export- und Importdaten für November veröffentlicht. Während die Exporte mit 0,5 % besser ausgefallen sind als erwartet (-1,1%), lagen die Importe mit -0,6% deutlich unter der Prognose von +3,3%.
Hierzulande stehen vorbörslich die Daten der Industrieproduktion (Okt) im Fokus. Analysten erwarten einen leichten Anstieg um 0,2 % zum Vormonat, nach -1,4 % im September. Am Nachmittag folgen dann noch die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (14:30 Uhr).
Dax auf Allzeithoch – wie geht es weiter?
Long: Der Dax notiert vorbörslich tiefer und könnte daher mit einem Abwärts-Gap (16.656) in den Handel starten. Solange er die Unterstützung bei 16.592 hält, könnte er direkt wieder in Richtung 16.650 ansteigen. Die Fibo-Marke bleibt kurzfristig wegweisend, da an dieser Stelle der Impuls beendet sein könnte. Steigt er wieder über 16.650, so ist mit Anstiegen bis 16.683 und bis zum neuen Allzeithoch 16.727 zu rechnen. In der Zone zwischen 16.732 und 16.748 könnte ihm jedoch wieder die Puste ausgehen. Darüber rückt die 16.830 ins Visier. Hält er sich per Tagesschluss über 16.650, steigt die Wahrscheinlichkeit auf weitere Kursanstiege bis 16.952/17.000.
Short: Start einer Konsolidierung? Der Dax zeigte am Ende des gestrigen Handels erste kleine Anzeichen einer Ermüdung. Bleibt er heute unter 16.650, steigt zumindest die Chance auf einen Rücklauf. Bei einem Rutsch unter 16.593, dürfte es zum Test des gestrigen Tagestiefs 16.536 kommen, auch ein Close des Mini-Gaps (16.533) ist dann wahrscheinlich. Der Bereich am ehemaligen Allzeithoch bei 16.528/519 könnte zunächst stützen. Ein Rückfall unter 16.528 wäre hingegen ein Schwächesignal und könnte eine Konsolidierung bis 16.400/390 einleiten.
Dax-Chart von TradingView
Dax Unterstützungen (US)
16.592 – Horizontale
16.536 – Tagestief 06.12.
16.533 – Gap 05.12.
16.528 – ex Rekordhoch
16.456 – Horizontale
16.394/386 – Tagestief 05.12. / 04.12.
16.290/285 – ex Allzeithoch
16.279 – Tagestief 01.12.
16.263 – Tageshoch 30.11.
16.215 – Gap 30.11.
16.200 – Horizontale
Dax Widerstände (WS):
16.646 – 161,8% Extension (Welle 3)
16.656 – Gap 06.12.
16.727 – Tageshoch 06.12.
16.743 – Pivot R1
16.830 – Pivot R2
16.952 – 161,8% Extension
17.000 – Psycho-Marke
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