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Daytrading ist zurück – das erinnert an die Dotcom-Blase!

Wolfgang Müller

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am

Da war doch etwas zur Jahrtausendwende: Tausende von Depots wurden eröffnet, um an die begehrten Neuemissionen des Neuen Marktes zu kommen und Tausende von Anlegern glaubten, vom Daytrading leben zu können. Viele gaben dafür sogar ihren Job auf. Mit dem bekannten Ende. Jetzt schwappt eine Entwicklung aus Amerika zu uns, die etwas an diese Zeiten erinnern.

Daytrading: Traden, wenn es nichts kostet

Der Lockdown und die damit verbundene häusliche Quarantäne hat eine zweifelhafte Entwicklung losgetreten. Die pandemiebedingte Unterbrechung des US-Profisports und der Ausfall an Sportwetten hat viele Sportzocker zur Börse gebracht. Dazu jene, die früher mit Kryptowährungen gehandelt haben.

Einer der großen Auslöser für das vermehrte Daytrading war das verlockende Angebot von US-Brokern auf die Gebühren beim Handel zu verzichten. Zunächst von RobinHood, E-Trade und Schwab – andere folgten. Was für eine Gelegenheit billigst mit Aktien und Optionen so richtig zocken zu können. Zu einer Zeit, in der Investoren wie Warren Buffett, Ray Dalio, David Tepper und andere zur Vorsicht an den Aktienmärkten mahnen, lautet das Motto der Neuen: „Aktien gehen immer nur nach oben!“. Das postuliert zum Beispiel der in den USA inzwischen extrem populäre David Portnoy.

Besonders makaber: Viele US-Bürger haben die Schecks der Regierung benutzt, um an den Märkten mit Daytrading zocken zu können. Darunter viele, die keinerlei Erfahrung an der Börse haben – und was das Fatalste daran ist: Die letzten Wochen gaben ihnen recht, die Börsen stiegen fast ohne Rückschlag. So leicht geht das Geldverdienen, da könnte man doch einfach einmal den Hebel erhöhen, am besten auf Kredit.

Im Juni war der Neobroker Robinhood nach dem Selbstmord eines 20-jährigen Traders schwer in die Kritik geraten. Der Student hatte im komplexen Optionsmarkt mitgemischt und selbst zugegeben, nicht genau über die Risiken Bescheid zu wissen. Dabei soll der Kontostand von minus 700.000 Dollar sogar ein Computerfehler gewesen sein (genauer: eine noch nicht ausgeführte Buchung).

In diesem Zusammenhang wurde auch Kritik laut, mit dem Vorwurf, die Broker zielten darauf ab, die jungen Anleger ähnlich wie in einer Social Community süchtig nach Daytrading zu machen. RobinHood hingegen sagte, man wolle den Anlegern die Scheu vor den Aktienmärkten nehmen. Mittlerweile wächst der Druck und der Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Jay Clayton, versprach vergangene Woche in einer Anhörung: „Wir müssen sicherstellen, dass sich diese Dinge nicht wiederholen.“

RobinHood „ein historischer Name“ in aller Munde

Das erst im Jahre 2013 gegründete Startup wurde in der letzten Zeit zum Highflyer unter den Brokern. Man zählt mittlerweile 13 Millionen Kunden, allein seit Jahresanfang sind drei Millionen hinzugekommen, vorwiegend junge Trader, die Daytrading betreiben. Während die jungen Zocker sicherlich nicht für den Höhenflug der zusammen 30 Billionen Dollar schweren Indizes Nasdaq und S&P 500 verantwortlich sein können, stehen sie jedoch bestimmt für manchen unerklärlichen Anstieg von Aktien: Für den 800-Prozent-Sprung des insolventen Autovermieters Hertz oder auch die zeitweilige Hausse bei Airline-Aktien.

Schwappt die Entwicklung nach Deutschland?

Wie so oft macht auch die US-Bewegung in Deutschland Schule.

Startups wie Trade Republic, Gratisbroker, Smartbroker oderJust Trade bieten Aktienhandel zu Niedrigpreisen. Allerdings sind zwar Derivate wie Optionsscheine, Hebelprodukte oder Zertifikate im Angebot, nicht jedoch Optionen mit Nachschussverpflichtung.

Produkte, bei denen Anleger in die Situation geraten können, dass sie Geld nachschießen müssen, gehören nicht zum Angebot. Auch liegt die Zahl der Kunden noch im fünf beziehungsweise niedrigen sechsstelligen Bereich. Viele handeln mit Aktien oder investieren in ETF-Sparpläne und nur ein kleiner Teil mit Derivaten – vorerst. Sensationell niedrig scheinen die Ordergebühren zu sein, ein Euro pro Trade oder gar eine Flatrate von 4,99 Euro im Monat. Auch das animiert zum Daytrading.

Mal sehen, wohin diese Entwicklung in Deutschland hinführt?

Fazit

Geschichte wiederholt sich, zumindest ein wenig. Wieder einmal werden nach einem langen Börsenzyklus (2009 – 2020: S&P 500 von 666 auf 3393 Punkte) Anleger in den Markt gespült, animiert von Brokern, die mit niedrigsten Gebühren locken und damit zum Daytrading animieren. Desto länger so eine Phase dauert, desto größer wird die Bewegung. Wenn dann noch Stars in den USA wie David Portnoy, ein Sport-Blogger mit 1,5 Millionen Followern auf Twitter, seine Erfolge im Netz anpreist, verbunden mit der Botschaft, dass die Aktien nur steigen können, ist Gefahr im Verzug. Der Mann hält sich für einen besseren Investor als Warren Buffett, hat selbst aber noch keinen Aktiencrash (mit einem Depot) überstanden.

Daytrading wurde in der Coronakrise extrem populär

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    sascha

    8. Juli 2020 12:03 at 12:03

    Tja, auch die neue Generation muss lernen und bluten , wir haben das ja erlebt 2000.

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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am

Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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