Devisen

Debasement Trade gegen die USA aktiviert – Blick auf Aktien, Anleihen, Dollar

Bei US-Anleihen und US-Dollar läuft aktuell offenbar ein Debasement Trade, eine Absetzbewegung. Ein aktueller Überblick.

Dollar-Geldscheine
Dollar-Geldscheine. Foto: Claudio Kummerfeld

Der Debasement Trade ist in Gange. Zwar kann man sich wie schon in den letzten Monaten fragen, wie lange diese Bewegung diesmal andauern wird, denn die US-Märkte sollte man nie abschreiben. Aber für den Augenblick sehen wir eine Abkehr von Anlegern gegenüber US-Anlagen. Anleihen und US-Dollar werden verkauft, auch der Aktienmarkt schwächelt (parallel mit europäischen Aktien). Gleichzeitig rennen Gold und Silber von Rekordhoch zu Rekordhoch. Eine Flucht in Edelmetalle.

Debasement Trade bei Dollar und US-Anleihen

Eigentlich bedeutet der „Debasement Trade“, dass sich Anleger generell abwenden von Fiat-Währungen (wie Dollar, Euro etc) und von Staatsanleihen. Denn aufgrund explodierender Staatsschulden, Inflation und Papiergeldentwertung traut man dem etablierten Finanzsystem nicht mehr, und geht lieber in Gold, Silber, Immobilien, Krypto. Bitcoin und Co funktionieren derzeit nicht, aber Gold und Silber sind seit Tagen und Wochen der große Fluchtpunkt für die „Gemeinde“, die den Debasement Trade durchführt. Und allen voran verlässt man derzeit US-Anlagen.

Der folgende Chart zeigt die aktuelle Bewegung: Mittig im Chart sieht man eingekreist den Zeitpunkt, als Donald Trump am letzten Samstag verkündete, er werde gegen acht EU-Staaten Zölle verhängen, weil sie Soldaten nach Grönland entsandt hatten, und sich damit offenkundig gegen Trumps Bestreben stellen, dass Grönland Teil der USA werden soll. Seitdem sehen wir den Absturz im US-Dollar (Flucht aus der US-Währung = Debasement Trade). Die blaue Linie zeigt den Dollar-Index, der von Freitag Abend bei 99,04 auf jetzt 98,06 Punkte fällt. Auch sehen wir in der roten Linie: Die zehnjährige US-Anleiherendite steigt weiter an, von 4,22 % am Freitag Abend bis jetzt auf 4,30 %. Die steigenden Renditen zeigen fallende Anleihekurse – es herrscht also Verkaufsdruck. Hier finden Sie zu dem Thema auch den aktuellen Kommentar von Andre Stagge.

Chart zeigt den Debasement Trade bei Dollar und US-Anleihen

Dank Trumps Steuersenkungen, seinem Wunsch nach einer raschen 50 % Steigerung des Verteidigungsetats und anderer Maßnahmen, explodieren die Staatsschulden der USA in rasantem Tempo, und ein Ende ist nicht in Sicht. Das ist Wasser auf die Mühlen für den Debasement Trade, der sich gegen klassische Kapitalanlagen in den USA richtet. Dazu kommen Trumps Angriffe gegen die US-Notenbank, und seine immer exzessiveren Aussagen über Grönland, wie auch seine peinlichen Aussagen über seinen nicht erhaltenen Nobelpreis uvm. Das unseriöse Verhalten wird immer mehr gesteigert.

Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst bei der Swissquote Bank, schrieb heute früh, auszugsweise aus einer größeren Marktanalyse: „Der Kauf von Gold als Mittel, um sich den USA zu widersetzen, ist zu einem Thema geworden (der „Debasement Trade“).“ Das ist wohl einer der Gründe, warum Gold und Silber seit Tagen so massiv ansteigen. Flucht aus dem großen Trump-Chaos!

Ole Hansen von der Saxo Bank schrieb heute: „Gold erreichte einen neuen Rekordwert von über 4.700 USD, während Silber nach einem Anstieg auf fast 95 USD eine Pause einlegte. Grund dafür sind die wachsenden Bedenken hinsichtlich der aggressiven Haltung der Trump-Regierung gegenüber ihren globalen Partnern, zuletzt durch die Drohung mit Zöllen im Zusammenhang mit Grönland, die die Handelsspannungen erneut angefacht hat. Zusammen mit den Sorgen um die Unabhängigkeit der Federal Reserve und der wachsenden Unsicherheit gegenüber dem Dollar und US-Staatsanleihen angesichts steigender Staatsverschuldung bleibt die Nachfrage nach Sachwerten stabil, unterstützt durch ihr fehlendes Kreditrisiko, das Fehlen eines Emittenten und ihre lange Geschichte als Wertspeicher in Zeiten politischer und monetärer Unsicherheit.“ Dazu die Anmerkung: Was Ole Hansen hier beschreibt, kann man als gute Definition für den Debasement Trade ansehen, der sich im Augenblick gegen die USA richtet.

„Trump Makes Global Stocks Great Again“

Die Headline „Trump Makes Global Stocks Great Again“, die Bloomberg heute Mittag verwendet, ist natürlich ein Wortspiel in Anlehnung zu Trumps Ausspruch „Make America Great again“. Trumps Politik sorgt dafür, dass sich – wie zeitweise schon in 2025 – Anleger von Dollar, US-Anleihen und Aktien abwenden. Ob das eine lange anhaltende Bewegung ist, daran kann man zweifeln. Aber wie gesagt, im Augenblick läuft diese Bewegung offenbar.

Bloomberg berichtet aktuell: Nachdem sich der S&P 500 Index im April vom Rand eines Bärenmarktes erholt hatte und den Rest des Jahres einen Rekord nach dem anderen aufstellte, wertete Präsident Donald Trump dies als Zeichen dafür, dass er die USA – wie er es gerne ausdrückt – zum „heißesten” Land der Welt gemacht habe. Gemessen an den Aktienmärkten von Tokio über Frankfurt bis hin zu den Finanzzentren in den Entwicklungsländern fällt das Urteil über Trumps Rückkehr ins Weiße Haus jedoch deutlich weniger triumphierend aus.

Tatsächlich sind die Aktien weltweit – ohne die USA – seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr um rund 30 % gestiegen, was laut MSCI-Index etwa doppelt so viel ist wie der Anstieg des S&P 500. Seit 1993, als sich die Nation von einer Rezession erholte und Investoren in wachsende Märkte in Übersee strömten, hat die USA im ersten Jahr eines Präsidenten nicht so stark hinterhergehinkt.

Auch im Vergleich zu seinen Vorgängern schneidet Trump nicht besser ab: Was den S&P 500 angeht, so ist der Anstieg im ersten Jahr unter Trump laut CFRA nur der neuntbeste Start einer Amtszeit seit dem Zweiten Weltkrieg. Ronald Reagan, George H. W. Bush, Bill Clinton, Barack Obama, Joe Biden – und sogar Trump während seiner ersten Amtszeit – verzeichneten alle größere Zuwächse.

Statistik zeigt Aktien-Performance im S&P 500 nach den Amtsantritten von US-Präsidenten

Natürlich bestimmen US-Präsidenten nicht die Richtung des Aktienmarktes, so sehr sie auch dafür verantwortlich gemacht oder gelobt werden. Im Falle von Trump haben jedoch sein Handelskrieg, außenpolitische Überraschungen wie das Drängen auf eine Übernahme Grönlands durch die USA, Maßnahmen zur Ausübung einer größeren Kontrolle über Schlüsselindustrien und die Bedrohung der Unabhängigkeit der Federal Reserve die Anleger regelmäßig verunsichert (FMW: Debasement Trade). Dies hat wiederum die Rallye, die vor allem durch den Boom der künstlichen Intelligenz und die überraschend widerstandsfähige Wirtschaft, die er geerbt hat, angetrieben wurde, effektiv gebremst.

„Man hat es mit einem Mann zu tun, der garantiert für Unruhe an der Spitze sorgt“, sagte Rhys Williams, Chefstratege bei Wayve Capital Management LLC. „Wenn man den Lärm ignoriert und sich auf den Preis konzentriert, läuft die Wirtschaft gut“, sagte er. „Es gibt genug positive Faktoren mit diesem großen langfristigen Rückenwind in der KI, die wirklich alles, zumindest das BIP, in die richtige Richtung lenken sollten.“

Das Ergebnis steht im Widerspruch zu den Erwartungen der Anleger Ende 2024, als die Aussicht auf einen Sieg Trumps Spekulationen beflügelte, dass seine Steuererleichterungen und Deregulierungsagenda die ohnehin schon starke Wirtschaft weiter ankurbeln würden.

Stattdessen waren die ersten Monate seiner Präsidentschaft von Volatilität geprägt, als er den Milliardär Elon Musk mit der Kürzung der Bundesausgaben beauftragte und sich deutlich von der Politik seines Vorgängers distanzierte. Seine im April verhängten Zölle stürzten die Märkte in eine Talfahrt, bis er begann, sie wieder zurückzunehmen. Er hat auch versucht, weitreichende Befugnisse über Teile der Wirtschaft auszuüben – indem er Anspruch auf das Öl Venezuelas erhob, versuchte, den Banken eine Begrenzung der Kreditkartengebühren zu verordnen, gegen Rüstungsunternehmen wetterte und die Bundesregierung anwies, Beteiligungen an Unternehmen wie Intel zu erwerben, um nur einige Beispiele zu nennen.

„Die Gewinner und Verlierer wechselten ziemlich schnell“, sagte Rob Haworth, Senior Investment Strategy Director bei US Bank Asset Management, die Vermögenswerte in Höhe von über 540 Milliarden US-Dollar verwaltet. „Für Investoren war es schwierig, flexibel zu reagieren.“

Der US-Aktienmarkt hat die Unsicherheit weitgehend überwunden, was zum Teil auf die großen Gewinne der Giganten der Technologiebranche zurückzuführen ist, die sich in Position bringen, um das KI-Geschäft zu dominieren, sowie auf die Zinssenkungen der Fed.

Als jedoch der Dollar in der ersten Jahreshälfte einbrach, sich der Arbeitsmarkt abkühlte und Trump die europäischen Verbündeten dazu drängte, mehr für ihre eigene Verteidigung auszugeben, zogen die Aktienmärkte in Asien, Europa und Lateinamerika an den USA vorbei. Der MSCI-Index für Schwellenländer stieg im vergangenen Jahr um über 30 % und verzeichnete damit den größten Anstieg seit 2017.

Craig Basinger, Chefstratege bei Purpose Investments Inc., der schon früh auf die globalen Aktienmärkte gesetzt hatte, sagte, die Ansicht, dass Aktien aus anderen Ländern weiterhin besser abschneiden werden als US-Aktien, sei nicht mehr ungewöhnlich. „Geld folgt der Performance“, sagte er.

Die Entwicklung des US-Aktienmarktes war keineswegs schlecht. Der S&P verzeichnete den dritten zweistelligen Jahresgewinn in Folge, und die Wall-Street-Prognostiker gingen mit der Prognose eines weiteren Aufwärtsjahres ins Jahr 2026.

Grafik zeigt Underperformance von US-Aktien gegenüber ausländischen Märkten

Darüber hinaus gibt es angesichts der Stellung der USA als größte Volkswirtschaft der Welt und der starken Gewinne ihrer großen Unternehmen nach wie vor viele Optimisten. Gelegentliche Befürchtungen, dass Trumps Alleingang und seine Infragestellung der globalen Ordnung zu einer Flucht aus den US-Märkten führen könnten, haben sich bislang nicht bewahrheitet (FMW: Also noch kein großflächiger Debasement Trade?).

„Letztendlich sind die USA für langfristige Anleger, die nach den besten Wachstumschancen in den am schnellsten wachsenden Märkten suchen, immer noch die Nummer eins in der Hackordnung“, so Jamie Murray, Portfoliomanager bei Murray Wealth Group in Toronto.

Unter der Oberfläche war es jedoch seit Trumps Rückkehr ins Oval Office eine ziemlich volatile Entwicklung: Die 100 größten Mitglieder des S&P 500 verzeichneten im Jahr 2025 47 Fälle von starken Einbrüchen von fünf Standardabweichungen oder mehr, was laut Daten von Barclays der höchste Wert seit 1998 ist.

In diesem Jahr ist auch der Vorlauf zu den Kongresswahlen zur Mitte der Amtszeit ein Faktor. Solche Jahre sind für den Aktienmarkt in der Regel schwächer, was zum Teil auf das Risiko zurückzuführen ist, dass die Agenda des Präsidenten durch einen Sieg der Opposition aus der Bahn geworfen wird. Angesichts niedriger Zustimmungswerte und der Frustration der Wähler über die hohe Inflation und die hohen Zinsen hat Trump in den letzten Wochen mit der Festlegung von Zielzinssätzen für Hypotheken und Kreditkarten sowie der Stromkosten reagiert, die auf den Anstieg der KI-bezogenen Rechenzentren zurückzuführen sind. Dies hat dazu geführt, dass sich die Anleger auf weitere Volatilität einstellen, da er nun andere Bereiche der Wirtschaft ins Visier nimmt.

Darüber hinaus hat Trump beispiellosen Druck auf die Fed ausgeübt, die Zinsen zu senken, wobei seine Regierung sogar eine strafrechtliche Untersuchung gegen den Vorsitzenden Jerome Powell eingeleitet hat, was die Sorgen der Anleger um die weitere Unabhängigkeit der Bank geschürt hat. Trump wird auch einen Nachfolger für Powell nominieren, dessen Amtszeit als Vorsitzender im Mai endet.

„Zwischenwahljahre waren historisch gesehen die schlechtesten Jahre im Kalender“, sagte Mark Hackett, Chefstratege bei Nationwide Funds Group. „Im Allgemeinen sind Zwischenwahlen sehr umstritten, was meiner Meinung nach auch bei dieser Wahl der Fall sein wird, und das sorgt dafür, dass die Menschen sich nicht sehr wohl fühlen.“ Oder, wie er es zusammenfasste: „Der Markt mag keine Unsicherheit.“

Kommentar

FMW: Bei US-Aktien ist derzeit keine Rede vom Debasement Trade. Sie fallen aktuell wie auch europäische Aktien, weil Trump neue Zölle auf den Plan gerufen hat, weswegen auch von Seiten der EU kräftige Zölle gegen die USA folgen könnten. Bei US-Anleihen und US-Dollar sieht man aber aktuell in einem gewissen Umfang einen Debasement Trade. Ob der aber lange anhält, ist fraglich. Eskalieren könnte diese Absetzbwegung, sollten die USA Truppen auf Grönland landen, um damit Fakten zu schaffen!

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld

Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Claudio Kummerfeld hat langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Eigentlich sind die USA mit knapp 250 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt verschuldet …wenn man wirklich alle Sektoren… der öffentlichen wie privaten Verbindlichkeiten…. miteinbezieht…

    Die richtungsweisende Zehnjährige müsste demzufolge bei mindestens 5,5 Prozent liegen …um das Risiko adäquat eines Zahlungsausfalls abzubilden…

    Ich darf daran erinnern… das die amerikanische Umlaufrendite zu Beginn der Achtziger …unter Reagan.. bei über 15 Prozent lag …obwohl die Verschuldung…die Gesamtverschuldung wohlgemerkt…bei einem Bruchteil zu heute lag…

    Gold sagt hier ganz klar : Nein…! Bis hierhin und nicht weiter!

    Gucken Sie sich den Goldpreis 1981 an und heute!

    Das Vertrauen in den Greenback ist weg….

    Noch zur Jahrtausendwende war das Vertrauen in den Dollar groß….auch abzulesen am Goldpreis der bei um die 250 US Dollar die Feinunze lag….. .
    Heute fast das Zwanzigfache..!

    Das ist kein Zufall. Es gibt keine Zufälle in diesem Zusammenhang.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage