Gold

Hedgefondsmanager mit klaren Aussagen Debasement Trade: „Diversifizierung weg von US-Vermögenswerten“

Renommierte Hedgefondsmanager sprechen aktuell über den Debasement Trade, die Abwendung von Fiat-Währungen.

Ray Dalio in Davos
Ray Dalio in Davos. Chris J. Ratcliffe/Bloomberg

Die Märkte erholen sich derzeit von Trumps schlimmsten Drohungen, sich Grönland einverleiben zu wollen. Gestern sagte Trump, er wolle keine Gewalt anwenden. Die Aussage reichte, um die Märkte zu einer Kehrtwende zu bringen. Aber das dauerhafte Trump-Chaos, Beleidigungen, Zolldrohungen, Angriffe gegen die Fed – die gesamte Gemengelage erschüttert die Grundfesten der Verlässlichkeit des US-Kapitalmarkts. Der Debasement Trade läuft offenbar in einem gewissen Umfang – Anleger verabschieden sich aus Papiergeld und Staatsanleihen und tauschen um in Edelmetalle. Dies erklärt zumindest teilweise den enormen Aufwärtsdrang bei Gold und Silber.


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Debasement Trade

Nicht nur Privatanleger, vor allem Zentralbanken stocken ihre Goldreserven immer weiter auf. Erst vorgestern verkündete Polen, in 2026 satte 150 Tonnen Gold kaufen zu wollen. Heute wurde bekannt, dass Goldman Sachs davon ausgeht, dass Zentralbanken in 2026 gut 60 Tonnen Gold pro Monat aufkaufen werden. Die deutschen Kollegen von Bloomberg News schreiben heute (auszugsweise): Nachhaltige Entspannung ist indessen nicht in Sicht. Gold korrigierte nach dem gestrigen Rekordhoch nur minimal. Die Unze kostet inzwischen wieder mehr als 4.800 Dollar. Laut Ray Dalio findet bereits eine allgemeine Diversifizierung weg von US-Vermögenswerten statt. “Wenn man sich den Anstieg des Goldpreises um 67% ansieht, dann ist nicht nur ein Edelmetall, das um 60% steigt”, sagte der Hedgefonds-Milliardär in Davos mit Blick auf die Rally des letzten Jahres. Es gehe darum, “Fiat-Währungen zu diversifizieren, nicht nur Dollar” (FMW: Das nennt man den Debasement Trade). Es kauften vor allem Zentralbanken, aber auch andere, so der Gründer von Bridgewater Associates. Sein Kollege Ken Griffin von Citadel nennt den jüngsten Ausverkauf bei Japan-Bonds bereits eine “explizite Warnung” an die US-Politik.

Ray Dalio sieht anhaltende Diversifizierung weg von US-Vermögenswerten

Laut Ray Dalio, dem Gründer der Hedgefonds-Gesellschaft Bridgewater Associates, findet derzeit eine allgemeine Diversifizierung weg von US-Vermögenswerten statt, insbesondere durch globale Zentralbanken. „Wenn man sich den Anstieg des Goldpreises um 67 % ansieht, dann ist das kein Edelmetall, das um 60 % steigt“, sagte Dalio heute in Davos gegenüber Francine Lacqua von Bloomberg Television. „Es wurde vor allem von Zentralbanken gekauft, aber auch von anderen, um Fiat-Währungen zu diversifizieren, nicht nur Dollar.“


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Mit Blick auf die globalen Spannungen sagte er, dass viel Aufmerksamkeit auf den Handelskrieg gerichtet sei, aber nur sehr wenig auf das, was er als „Kapitalkrieg“ bezeichnete, und wie dieser sich auf die Märkte auswirkt. In Bezug auf die Äußerung von US-Präsident Donald Trump, der den Einsatz von militärischer Gewalt bei seinem Versuch, das dänische Hoheitsgebiet Grönland zu erwerben, ausschloss, sagte Dalio, die Rede sei „sehr wichtig gewesen, weil es eine Grenze gibt, eine rote Linie“.

„Wenn es zu einer militärischen Aktion kommt, hat das Auswirkungen auf den Kapitalkrieg“, fügte Dalio hinzu. Das Thema der Diversifizierung weg von US-Vermögenswerten hat nach den transatlantischen Spannungen und der Aussicht auf einen Bruch der NATO an Bedeutung gewonnen, als Trump seine Drohung, Grönland zu übernehmen, verschärfte.

Ken Griffin: Verkauf japanischer Anleihen „eindeutige Warnung” für die USA

Ken Griffin von Citadel sagte, der massive Verkauf japanischer Staatsanleihen in dieser Woche sollte als „explizite Warnung” an US-Politiker dienen, die Finanzen des Landes zu verbessern.

„Die Bond Vigilantes können auf den Plan treten und ihren Preis durchsetzen”, sagte Griffin gegenüber Bloomberg Television auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. „Was in Japan passiert ist, ist eine sehr wichtige Botschaft an das Repräsentantenhaus und den Senat: Ihr müsst unsere Finanzen in Ordnung bringen.”

Händler in Tokio bezeichneten den Handelstag am Dienstag als den chaotischsten seit langem, da die Renditen für japanische 30- und 40-jährige Anleihen um mehr als 25 Basispunkte sprangen – die größte Bewegung seit US-Präsident Donald Trumps „Liberation Day“-Zölle im vergangenen Jahr die globalen Märkte erschütterten. Dennoch sagte Griffin, dass sich die USA in einer anderen Lage als Japan befinden und wahrscheinlich nicht in unmittelbarer Gefahr sind.

„Die USA verfügen über so viel Reichtum, dass wir dieses Niveau der Defizitfinanzierung für einige Zeit aufrechterhalten können“, sagte er. „Aber je länger wir mit einer Kursänderung warten, desto drastischer werden die Folgen dieser Änderung sein.“

In einem ausführlichen Interview äußerte sich Griffin optimistisch über Trumps Deregulierungs-Agenda. Er lobte auch andere unter Trump laufende Projekte – darunter an der südlichen Grenze der USA – betonte jedoch, dass er ein starker Befürworter einer intelligenten Einwanderungspolitik sei. Viele der Führungskräfte von Citadel und Citadel Securities kommen aus aller Welt, sagte Griffin.

Kommentar

FMW: Die Warnungen vor den explodierenden Staatsschulden – gerade in den USA – sind Wasser auf die Mühlen der Anhänger des Debasement Trade. Immer mehr Neuverschuldung, drohende Inflation, Papiergeldentwertung. Es dürfte eine längerer Prozess sein, in dem sich Teile der Anlegergemeinde aus dem Fiat-Geldsystem verabschieden.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Claudio Kummerfeld hat langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

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