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Europa

Deflationsgefahr? Importpreise stürzen von +1,4% auf -0,2%

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Besteht Deflationsgefahr? Was ist da los? Na ja, mal ehrlich. Bis die Verbraucherpreise von aktuell +1,6% ins Negative rutschen, muss noch einiges passieren. Aber: Die aktuellen Daten sollten mehr als beunruhigen. Die deutschen Importpreise sind einer von drei Frühindikatoren für die letztlichen Verbraucherpreise. Denn diese Preise werden letztlich von Produzenten und Großhändlern an Supermärkte und somit an die Verbraucher weitergereicht.

Aktuell hat das Statistische Bundesamt verkündet, dass die Importpreise im Monat Mai gegenüber Mai 2018 um 0,2% gesunken sind! Das ist ein dramatischer Sturz, denn noch im April lag der Jahresvergleich bei +1,4%. In den Monaten davor waren es auch stets deutliche Plus-Werte! Man darf also annehmen, dass importierte Waren in den Folgemonaten mit deutlich weniger Preisdruck an den Endverbraucher weitergereicht werden. Der Grund für den Preisrückgang wird von den Statistikern wie folgt benannt:

Der Rückgang der Importpreise gegenüber Mai 2018 war vor allem durch die Entwicklung der Importpreise für Energie beeinflusst. Sie lagen im Durchschnitt um 4,1 % unter dem Stand des Vorjahresmonats (+0,1 % gegenüber dem Vormonat). Den größten Einfluss auf die Veränderungsrate für Energie hatte Erdgas mit einem Minus von 16,4 %. Auch Steinkohle (-10,3 %) war im Mai 2019 preiswerter als im Mai 2018. Dagegen war Erdöl um 2,7 % teurer als vor einem Jahr.

Deflation - Importpreise

Hier weitere Details im Wortlaut:

Die Preise für importierte Vorleistungsgüter lagen im Durchschnitt um 0,3 % unter dem Stand von Mai 2018 (-0,4 % gegenüber dem Vormonat). Im Vergleich zum Vorjahresmonat verbilligten sich unter anderem elektronische Bauelemente (-7,8 %) sowie Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen (-3,9 %). Dagegen lagen die Preise für Eisenerze (+28,1 %) sowie für Edelmetalle und Halbzeug daraus (+9,6 %) über dem Niveau von Mai 2018.

Importierte landwirtschaftliche Güter waren im Durchschnitt um 1,8 % teurer als im Vorjahr (+0,2 % gegenüber dem Vormonat). Während sich lebende Schweine (+31,7 %) und Kartoffeln (+27,9 %) gegenüber Mai 2018 deutlich verteuerten, wurden Äpfel (-17,2 %) und Rohkaffee (-6,9 %) zu niedrigeren Preisen importiert.

Die Preise für importierte Investitionsgüter waren im Mai 2019 um 0,3 % höher als im Mai 2018. Gegenüber dem Vormonat veränderten sie sich nicht. Während Maschinen (+1,5 %) sowie Kraftwagen und deren Teile (+0,6 %) im Vorjahresvergleich teurer waren, wurden Smartphones (-9,6 %) und Tablets (-7,5 %) günstiger importiert als im Mai 2018.

Die Importpreise für Konsumgüter (Gebrauchs- und Verbrauchsgüter) erhöhten sich im Mai 2019 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,1 % (+0,1 % gegenüber dem Vormonat). Verbrauchsgüter waren im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 % teurer. Die Importpreise für Gebrauchsgüter stiegen im Durchschnitt um 0,7 %.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Michael

    28. Juni 2019 10:11 at 10:11

    Ich verstehe nicht, was daran so dramatisch sein soll. Billigere Importpreise für Energie bedeutet doch, dass der Verbraucher mehr Geld für Konsum (bzw. die regelmäßigen Strompreiserhöhungen zwischen 5 und 10%) zur Verfügung hat. Gleichzeitig senkt das die Produktions- bzw. Nebenkosten der Produzenten und Märkte. Wenn ein ausländisches Smartphone billiger wird, trifft das nicht den Großhändler, Händler und Endkunden. Für erstere bleiben die Margen gleich oder werden sogar höher, letzterer gibt sein Geld für andere Güter aus (bzw. die regelmäßigen Nachzahlungen und Erhöhungen bei Mietnebenkosten oder irgendwelchen Versicherungen).

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      Thomas Wendel

      28. Juni 2019 21:05 at 21:05

      Das Problem ist, dass es ein Indikator für eine weltweite Rezession ist. Und die mögen die ZBs überhaupt nicht.
      Die 30’ger Jahre in den USA waren rezessionsbedingt. Das ganze Elend auf eine geringere Geldumlaufgeschwindigkeit (Rezession) zurückzuführen.

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        Michael

        29. Juni 2019 22:01 at 22:01

        Ja, immer diese Indikatoren für irgendwas. Die werden nie aussterben, weil man sie sich herbeiredet, wie es gerade am besten in den Kram passt. Was vor 90 Jahren passiert ist, sollte doch kein Naturgesetz sein, sondern Grundlage dafür, daraus zu lernen und die Fehler von damals nicht zu wiederholen.

  2. Pingback: Diese Meldungen bringt der heutige Samstag – 29. Juni 2019! | das-bewegt-die-welt.de

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Industrieproduktion in Deutschland: Katastrophaler Rückgang!

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Das Statistische Bundesamt hat soeben die Daten zur Industrieproduktion (Produktion im Produzierenden Gewerbe) für den Monat Oktober veröffentlicht. Sie ist im Vergleich zu Oktober 2018 um 5,3% rückläufig (im Vormonat waren es -4,5%). Die meisten großen Presseorgane achten auf den Monatsvergleich, also von September zu Oktober 2019. Hier gibt es ein kräftiges Minus von 1,7%, obwohl ein Plus von 0,1% erwartet wurde. Gestern hatten wir die aktuellsten Auftragseingänge besprochen, die ebenfalls extrem schwach sind mit -5,5% im Jahresvergleich. Also, die kräftige Rezession in der Industrie geht volle Fahrt weiter.

Industrieproduktion als Chart seit 2011

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EU: Einzelhandelsumsätze schwach – Deutschland auch beim BIP in „Abstiegszone“

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Vor wenigen Minuten wurden die Einzelhandelsumsätze aus der Eurozone veröffentlicht: sie fielen mit -0,6% schwächer aus als erwartet (Prognose war -0,5%). Zum Vorjahresmonat stiegen damit die Einzelhandelsumsätze lediglich um +1,4% und damit deutlich weniger als die erwarteten +2,2%.

Dazu wurden der Vormonat September von zuvor +0,1% auf nun -0,2% nach unten revidiert.

Besonders schwach war mit -1,9% Deutschland und Irland – kein gutes Omen für das Weihnachtsgeschäft. Dazu Eurostat:

„Among Member States for which data are available, the largest decreases in the total retail trade volume were registered in Germany and Ireland (both -1.9%) and Finland (-1.2%). The highest increases were observed in Portugal (+2.1%), Poland (+0.9%), Belgium and Romania (both +0.8%).“

Die Einzelhandelsumsätze im Oktober waren schwach

Das BIP der EU fiel in der letzten Veröffentlichung mit +0,2% aus wie erwartet. Auch hier: Deutschland in Sachen Wachstum in der „Abstiegszone“, während die mittelosteuropäischen Staaten das stärkste Wachstum verzeichnen:

„Among Member States for which data are available for the thirdquarter of 2019, Poland (+1.3%), Hungary (+1.1%) and Estonia (+1.0%) recordedthe highest growth compared with the previous quarter, followed by Bulgaria, Croatia and Slovenia(all+0.8%). The lowest growth was observed in Germany, Italy and Austria (all +0.1%).“

Deutschland ist Schlusslicht beim BIP

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Auftragseingänge Industrie: Katastrophaler Rückgang!

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Das Statistische Bundesamt hat soeben die Auftragseingänge für die Industrie (Verarbeitendes Gewerbe) für den Monat Oktober veröffentlicht. Im Vergleich zu Oktober 2018 ist es ein katastrophaler Rückgang von 5,5% nach bereits -5,0% im Vormonat. Im Monatsvergleich von September zu Oktober ist es ein Rückgang von 0,4% (erwartet +0,3%). Dabei gibt es eine klare Zweiteilung nach Inlands- und Auslandsaufträgen, wie auch die folgende Grafik zeigt. Im Zitat von den Statistikern:

Im Oktober 2019 fielen die Aufträge aus dem Inland im Vergleich zum Vormonat um 3,2 %, die Auslandsaufträge erhöhten sich um 1,5 %. Dabei nahmen die Auftragseingänge aus der Eurozone um 11,1 % zu. Die Auftragseingänge aus dem restlichen Ausland fielen dagegen um 4,1 % gegenüber September 2019.

Auftragseingänge Industrie im Langfristchart

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