Man darf sich getrost fragen: Die Chefs der großen Industrie-Konzerne, die sich hierzulande seit einigen Wochen mit dramatischen Appellen zur Deindustrialisierung zu Wort melden – wo waren die eigentlich, als Robert Habeck seine „Predigten“ abhielt? Da traute sich niemand öffentlich dagegen zu halten. Niemand wollte der böse CO2-Kapitalist sein, der sich gegen die „gute Sache“ stellt. Jetzt, wo das Desaster immer klarer erkennbar wird, sprechen immer mehr Konzernbosse die Probleme offen aus. Immerhin, besser spät als gar nicht? Jüngst hat sich BASF-Konzernchef Dr. Markus Kamieth mit glasklaren Aussagen über das Desaster der CO2-Zertifikate für die deutsche Industrie geäußert.
Deindustrialisierung: BASF-Chef mit Klartext über CO2-Zertifikate-Desaster
Letzte Woche meldete BASF seine Quartalszahlen. Im Rahmen der Zahlenanalyse gab es den üblichen Analysten-Call in Form einer LIVE-Videoschaltung, die Sie HIER in voller Länge einsehen können. Wichtig für unser Thema ist das Video ab Stunde 1:01 bis 1:06. Fünf Minuten lang redet BASF-Chef Dr. Markus Kamieth Klartext über die massiven Kosten der CO2-Zertifikate, und welches Desaster sie für die deutsche Industrie darstellen.
Ein CO2-Preissystem sei eigentlich eine gute Sache, so Dr. Markus Kamieth. Aber die Transformation gehe nicht so schnell voran in Europa. In Europa grüne Produkte günstiger oder besser herstellen als im Rest der Welt? Dies sei ein überholtes Bild. In den USA, China und Indien sei die Produktion deutlich günstiger, weil Energie dort günstiger sei, so Markus Kamieth. Er kratzt das Thema an, das man derzeit ständig sieht: Die Deindustrialisierung läuft auf Hochtouren. Deutsche Betriebe aus diversen Industriesegmenten können bei den hohen Energiekosten gegen ausländische Konkurrenten nicht bestehen. Man verlagert entweder ins Ausland oder geht pleite.
Das CO2-System in Europa sei nicht mehr zeitgemäß, so Markus Kamieth. Der CO2-Preis in Europa werde für die Industrie „wahnsinnig ansteigen“ in den nächsten Jahren. Und währenddessen mache der Rest der Welt nicht mit. Die Wettbewerbsintensität zwischen Europa und dem Rest der Welt verschiebt sich laut seiner Aussage enorm. Dies passiere nicht in der Zukunft, sondern jetzt. In den nächsten Jahren werden CO2-Preise „signifikant nach oben gehen“, so Markus Kamieth. Daher brauche das System aus seiner Sicht eine grundsätzliche Reform. Freie CO2-Allokationen könne man beispielsweise verlängern.
Der „Trend zur Schließung von Industrieanlagen“ in Europa werde sich „allein durch den CO2-Preis wahnsinnig beschleunigen„, so seine klare Aussage. Auf dem Tisch liegt „die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas“. Noch klarer kann man das Desaster der Deindustrialisierung nicht beschreiben. Die Debatte müsse mit offenen Visier geführt werden. Es nütze nichts, wenn wir immer in Grautönen diskutieren, so Markus Kamieth.
Zur Dimension nur bei BASF sagte der Konzernboss, das Unternehmen habe in 2024 CO2-Zertifikate in dreistelliger Millionenhöhe kaufen müssen. Die Zahl gehe in der nächsten Dekade deutlich über eine halbe Milliarde Euro, und gegen Ende der nächsten Dekade dann über 1 Milliarde Euro. Diese kosten hätte BASF nicht, wenn man die gleichen Produkte in China oder USA herstellen würde. Daran erkennt man laut der Aussage von Markus Kamieth den Wettbewerbsnachteil, den ein „gut gemeintes, aber schlecht gemachtes CO2-Zertifikatesystem“ in Europa haben kann. „Das geht ans Fundament der Industrie in Europa„, so seine klaren Worte. Das Wort Deindustrialisierung hat er selber nicht in den Mund genommen. Und er formuliert auch stets so, dass es noch Hoffnung gibt für die deutsche Industrie.
Kommentar
Es stellt sich die Frage: Ist sich die CDU, ist sich Friedrich Merz wirklich der dramatischen Lage der Industrie bewusst? Und falls ja, kann er sich bei der SPD durchsetzen mit wirklichen, großen Reformen, zum Beispiel beim CO2-Preis, um die Deindustrialisierung aufzuhalten? Immerhin – aktuell versucht Wirtschaftsministerin Reiche auf EU-Ebene eine Strompreis-Subvention für große Industriebetriebe durchzusetzen. Eine marktverzerrende Maßnahme, die aber kurzfristig notwendig ist? Im großen Bild aber, da stellt sich die Frage: Wie will man gegen eine staatsgläubige, auf höhere Steuern und Abgaben ausgerichtete SPD ankommen, auf die die CDU aber letztlich für Mehrheiten im Bundestag angewiesen ist? Ganz zu schweigen davon, dass man erst einmal den bürokratischen Apparat in Brüssel zu einem grundsätzlichen Umdenken überreden müsste. Von einer Frau von der Leyen sind außer ein paar warmen Worten keine strukturellen Änderungen zu erwarten, die eine große Entlastung für die europäische Industrie bringen dürften.
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BASF finde ich als Aktie ganz interessant aber die ist mE noch viel zu hoch bewertet.
Mein Großvater sagte immer auf Platt.
Es gibt kein größer Leid, als sich der Mensch selbst andeit.
Wer die AKWs abstellt, Kohlekraftwerke sprengt, nun auch die Gasleitungen herausreißen will, die Sanktionen verarbeiten muss, usw., sollte sich nicht über eine sich beschleunigende Deindustrialisierung wundern.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
@Helmut
Nix dagegen die grüne Idee zu kritisieren. Ich finde Vieles auch voll daneben. Die Partei braucht es eigentlich nicht mehr, die Energiewende ist so weite, dass sie sich von selbst fortpflanzt. Das liegt einfach an den Kosten, Windkraft ist so ziemlich das billigste.
Aber was hier gerade passiert in unserem schönen Land ist das offenbar werden, dass sich die Konzerne bös verzockt haben. So wie sich Merkel verzockt hat einschl. deren Fans naiv in den Abgrund. Kann man denn heute in Anbetracht der Diskussionen um Kürzungen des Sozialstaats, dem akuten Wohnungsmangel, den Wahlergebnissen extremer Parteien, noch ernsthaft gute Politik unterstellen?
Vor 10 Jahren lebten wir wie die Maden im Speck, unvorstellbar damals, dass es Grenzen des Machbarem gibt. Arrogant, von der Macht und eigenen Überlegenheiten geblendet.
Warum sollen das jetzt die Ärmsten hier ausbaden?
Das kann ein Hr. Merz unmöglich in 1 bis 2 Jahren wuppen. Und der sollte mal seine Terrier zurück pfeifen , die ständig noch den letzten vdrbliebenen Leistubgstträgern Faulheit implizit unterstellen. Das Gerede von Krankenkassenbeiträgeerhöhung, Kürzung von Sozialleistungen, Anhebung des Renteneintrittsalter…
Das ist ne ganz üble Nummer. Die Wähler werden das nicht mitmachen.
Die USA, China und Indien stehen mit ihrem Bekenntnis zu einem Energiemix, bestehend aus fossilem Erdöl, fossilem Erdgas, Wasserstoff, Wasserkraft, Sonnenenergie, Atomenergie, Kohleindustrie, Windenergie und Biomasse eben für eine kompetentere Energiepolitik, als unser Land Deutschland, weswegen die Industrie in den USA, in China und Indien vergleichsweise besser aufgestellt ist, als zur Zeit unsere deutsche Industrie.