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Deka: Gestiegene Provisionserlöse, Kunden verlieren

FMW-Redaktion

Die Deka-Fonds gelten als die Fonds-Marke der Sparkassen. Wenn Berater in den Filialen ihren Kunden Fonds verkaufen (ähhh anbieten), sind es zumeist die hauseigenen Fonds. Die Dekabank, der Abwickler im Hintergrund, hat gestern seine Zahlen für die ersten neun Monate des Jahres präsentiert. Die Provisionserlöse (also Transaktionsgebühren der Fonds etc) stiegen in den ersten 9 Monaten auf 807 Mio Euro gegenüber 719 Mio im Vorjahreszeitraum. Grund dafür seien laut Deka die höheren Volumen an Kundengeldern, die verwaltet werden.

Banken Frankfurt Deka
Die Frankfurter Skyline. Hier sitzen neben der Deka auch die anderen großen Fondsanbieter. Foto: Wolfgang Pehlemann / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

An Privatkunden wurden Investmentfonds und Zertifikate im Wert von 8 Milliarden Euro verkauft, 3 Milliarden mehr als im Vorjahreszeitraum. Dazu kommen noch 7 Milliarden von institutionellen Kunden, also insg. 15 Milliarden Zuwachs an verwaltetem Vermögen, 76% mehr als im Vorjahr. Das insg. verwaltete Vermögen wuchs aber nur um 11,4 auf 231,8 Milliarden Euro – folglich gab es einen effektiven Wertverlust bei der Deka. Seit Anfang 2015 gewann der Dax bis heute im Vergleich dazu ziemlich genau 10%. Natürlich ist das kein exakter Vergleich, da die Deka wie jeder Fondsanbieter diverse Fonds führt, die in verschiedenen Ländern und Branchen anlegen, und natürlich nicht nur in Aktien, sondern auch in Immobilien etc. Dennoch gilt der Dax als der Haupt-Gradmesser für Wertpapieranlagen für deutsche Anleger. Wer schlechter abschneidet als der Dax, hat als professioneller Geldverwalter eigentlich keine Existenzberechtigung.

Dekabank-Vorstandsvorsitzender Michael Rüdiger sagte zur negativen Gesamtperformance der Deka bisher in diesem Jahr, dass die „Marktverwerfungen im August und September“ daran schuld seien. Das mag sein, aber der Dax als Index selbst hat ja wie gesagt 10% zugelegt. Warum also sollte ein Anleger einen teuren Fonds kaufen und dazu noch neben einer Abschlussgebühr jährliche Verwaltungsgebühren zahlen, wenn ein plumper Indexfonds, der parallel zum Dax anlegt, besser läuft? Da haben wir wieder das Grundproblem der allermeisten „aktiv“ verwalteten Fonds, wo also hoch bezahlte Manager einzelne Aktien aussuchen, und dennoch auf breiter Front langfristig schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt. Oft wurde dies als spöttische Aussage abgetan, bis Ende Oktober eine Studie zeigte, dass z.B. auf 10 Jahres-Sicht 83% der aktiv gemanagten Fonds, die in deutschen Aktien anlegen, schlechter abschneiden als der Dax selbst.

Die Deka hat ihre Vertriebstruppe von 180 auf 215 Mitarbeiter ausgeweitet. Dabei handelt es sich um Mitarbeiter, die de facto aus der Deka-Zentrale ausschwärmen zu den einzelnen Sparkassen und dort in den Zentralen wie auch den Filialen Tag ein Tag aus gegenüber den Sparkassen-Beratern die neuesten Deka-Fonds anpreisen bzw. diese erklären. Die Berater erhalten dann freundliche Hinweise ihrer Vorgesetzten, sich „im Sinne ihrer Kunden“ auf diese Fonds zu konzentrieren. Und so kommt es, dass hohe Fondsvolumen zur Deka-Gruppe und anderen großen Fondsanbietern strömen.

Wenn die Aktienindizes auf breiter Front kräftig einbrechen sollten, was bei den aktuell extrem hohen Bewertungen durchaus möglich ist, wird sich mancher Kleinanleger schon fragen, warum er wie damals in der „Neue Markt“-Hausse bei so hohen Bewertungen in Aktienfonds eingestiegen ist. Lag es vielleicht an den warmen Worten des netten Herrn am Beratungstisch in der Bankfiliale? Anlagenotstand? Alternativlosigkeit? Wollte man das überhaupt, Verlustrisiken eingehen, oder wollte man nicht eigentlich nur eine gute Alternative zum 0% Sparbuch haben? Solange die Aktien steigen, ist alles gut. Wir wollen hier kein Pauschalurteil über alle Bankberater oder Banken/Sparkassen abgeben, aber die Statistik zeigt, dass gerade dieses Jahr die Anleger den Fondsanbietern wieder einen kräftigen Mittelzufluss bescheren – und das, wo die Aktienindizes bereits sehr sehr hoch bewertet sind – eine mehr als wacklige Angelegenheit gerade für die Anleger, die eigentlich nur ein paar Prozente mehr als auf dem Sparbuch gesucht haben.

Wie man gestern verkündete, will die Deka ab 2016 auch Hedgefonds anbieten, allerdings nur für institutionelle Anbieter. Dabei handele es sich laut Deka z.B. um Stiftungen und Versorgungswerke. Halleluja, ob die schon auf Hedgefonds als Anlagemöglichkeit gewartet haben, mit brutalsten Verlustrisiken? Aber die werden ja sicher wissen, was sie da unterschreiben. Laut Deka sollen es einfach strukturierte Fonds mit Long- und Short-Strategien werden, also dass man auch auf fallende Kurse setzen kann. Anders als bei US-Hedgefonds sollen diese Deka-Hedgefonds wie normale Aktienfonds täglich kündbar sein.




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1 Kommentar

  1. …zumal man bei den Spaßkassen noch ein extra Depot für die Deka-Fonds benötigt (Stand vor 10 Jahren) – Nixkönnerverein mit Spaßprodukten, aber ist vielleicht auch besser so: wer nicht zockt (zocken kann), verzockt sich auch nicht.

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