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Delivery Hero-Aktie: Ausgabepreis steht fest, morgen geht´s an die Börse

Mit der Delivery Hero-Aktie erlebt Deutschland morgen den größten Börsengang des Jahres. Bei einer Zeichnungsspanne von 22,00-25,50 Euro wurde der Ausgabepreis gestern (ohhh Wunder) bei...

FMW-Redaktion

Mit der Delivery Hero-Aktie erlebt Deutschland morgen den größten Börsengang des Jahres. Bei einer Zeichnungsspanne von 22,00-25,50 Euro wurde der Ausgabepreis gestern (ohhh Wunder) bei 25,50 Euro festgelegt, also dem Maximum. Schon kurz nach Zeichnungsstart war die Emission überzeichnet. Bis gestern soll es eine drastische mehrfache Überzeichnung gegeben haben. Also ist deutlich mehr Kaufwille vorhanden als Angebot.

Folglich ist es durchaus zu erwarten, dass der Kurs der Delivery Hero-Aktie morgen nach Erstnotiz anziehen wird. Daher ist es auch logisch, dass aktuell im vorbörslichen Handel („Handel per Erscheinen“ bei Tradegate) der Kurs bei 27,55-27,89 Euro liegt. Also erwartet man Stand heute, dass die Aktie morgen mit gut 10% Plus in den freien Handel startet.

Die Bewertung von Delivery Hero insgesamt liegt damit heute bei 4,4 Milliarden Euro. Das ist spürbar mehr, als es der Firmenchef eigentlich angesetzt hatte. Denn mit einer so hohen Bewertung könnte mittel- und langfristig die Kursphantasie fehlen. Interessant ist der Vergleich mit anderen bereits börsennotierten Essens-Lieferdiensten in Europa. Während Delivery Hero noch Verluste macht, schreiben Just Eat aus Großbritannien und Takeaway aus den Niederlanden bereits Gewinne. Deren Bewertungen liegen bei 5,1 und 1,6 Milliarden Euro.

Interessant ist auch, dass laut „Manager Magazin“ der Konkurrent „Lieferando“, der zu Takeaway gehört, heute beim Landgericht Hamburg ein einstweilige Verfügung gegen Delivery Hero erwirkt hat. Danach darf man erst einmal nicht mehr behaupten die Nummer 1 in Deutschland zu sein. Anscheinend gibt es hier Streitigkeiten, ob nun eine einzelne Plattform als Nummer 1 zu bewerten ist, oder ob man alle Plattformen zusammengerechnet als Nummer 1 ansehen kann, die zu einem Konzern gehören. So eine Gerichts-Nummer am Tag vor der Erstnotiz, das ist schon ein klares Zeichen für einen heftigen Konkurrenzkampf in dieser Branche!

Aber zurück zur morgigen Emission. Delivery Hero ist zwar 4,4 Milliarden Euro wert, bringt aber nur einen Teil der Aktien an die Börse. Daher liegt der Erlös bei 996 Millionen Euro, was aber immer noch reicht um das größte deutsche IPO des Jahres zu sein. Die Firma selbst erhält davon 465 Millionen Euro, wovon wiederum 300 Millionen Euro in die Schuldentilgung fließen. Altaktionär Rocket Internet erhält 264 Millionen Euro, womit man kritische Rocket-Aktionäre und Beobachter der Aktie ein Stück weit besänftigen könnte. Endlich mal Cash auf den Tisch des Hauses!

Zu Delivery Hero gehören die Marken „Lieferheld“, „Foodora“ und „Pizza.de“. Wie wir diese Woche bereits zum Vapiano-Börsenstart sagten, meinen wir auch heute: Die Überzeichnung und der vorbörslich höhere Kurs beweisen, dass bei Delivery Hero deutlich mehr Phantasie der Börsianer vorhanden ist als bei Vapiano. Die ganze Story ist aber wacklig. Die Konkurrenz macht bereits Gewinne, und man kann und muss die hohe Bewertung der Aktie kritisch sehen.

Die Aktie wird also etwas für Liebhaber ungezügelter Wachstumsphantasie sein. Dafür ist jede Menge Glauben und Hoffnung nötig, dass die Firma schnell wachsen und die Konkurrenz bei Seite schieben kann. Dass die Branche nicht gerade einfach ist, zeigt folgendes aktuelles Beispiel. Zwar scheint das Geschäftskonzept genial einfach zu sein, nämlich als Marktplatz an den vermittelten Aufträgen zu verdienen.

Aber die jüngsten Proteste von Fahrern zeigen die Schwächen des Konzepts, nämlich dass die Probleme und Kosten bisher auf die Fahrer abgewälzt werden, die zumal oft nicht ausgelastet zu sein scheinen. Mehr dazu im folgenden Video. Kurzfristig ist das natürlich ein toller Pluspunkt für Delivery Hero und die Konkurrenten. Aber wie in vielen anderen Branchen mit fragwürdigen „Arbeitsmodellen“ stehen Streiks uvm dieser Branche wohl erst noch bevor. Die Personalkosten könnten in Zukunft daher spürbar steigen, und die Gewinnmarge durch den hohen Konkurrenzdruck sinken. Es sei denn, dass sich ähnlich wie bei Amazon ein Konkurrent zum marktbeherrschenden Anbieter entwickelt.



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2 Kommentare

  1. Das ist eben mal wieder das alte Problem in Deutschland: Billig soll es sein und Angestellten sollen möglichst auch noch 12 Euro pro Stunde verdienen, so das alle zufrieden sind. Genau das ist es aber was in die Mehrheit der deutschen Köpfe nicht reingeht! Delivery Hero hat nur die Möglichkeit beim Personal einzusparen um Preise niedrig und Gewinnmargen hochzuhalten. Und nebenbei muss man ja Investoren noch eine tolle „Equity-Story“ bieten, da passen bessere Löhne nun mal nicht rein.

    Schrott in schöner Hülle, mehr nicht. Die Beteiligung passt ja wie angegossen zu Rocket Internet.

  2. Das Problem ist heutzutage die Geschwindigkeit, früher wurde ein Geschäft stetig aufgebaut
    verfeinert und es gab nur einen Chef. Dieser hat noch für seine Mitarbeiter gesorgt und zugesehen dass die Löhne stimmten und er selber als Chef hatte noch genug über hat, so das er selbst in die eigene Firma investieren konnte. Heute geht es nur noch um die schnelle Mark, da wird zusammen gestrichen was das Zeug hält, denn der Manager der sieht seine Marge und nicht mehr wie der Chef sein Geschäft und auch seine Mitarbeiter. Die Aktionäre möchten dann auch noch ein Batzen abhaben und das ist der Teil der dann an festen Arbeitsplätzen fehlt. Die Minijobs, Zeitarbeit und die Lohndumping ist dem Manager sein Gewinn.
    Die Aktionäre, ich nenne sie mal die schnellen Bänker, wollen dann ohne etwas zutun einen hohen Gewinn haben, was im Normalfall in die Sozialkassen fließen würde, durch Festangestellte mit guten Löhnen. Da der Chef auf lange Sicht arbeitet und der Manager nur das schnelle Geld will haben wir diese Probleme. Das nennt sich Globalisierung, Geld scheffeln, Steuervermeidung und die Regierung unterstützt das Geschehen und lässt das Volk absaufen.

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