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Demographiewandel, Bedarf an vielen „einfachen“ Arbeitskräften? Das ist wohl eine Illusion

Vor Kurzem kam die Meldung wie jedes Jahr. Amazon stellt für das Weihnachtsgeschäft mal wieder massenweise zusätzliches Personal ein. Diesmal sind es nur für die USA 120.000 temporäre…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Vor Kurzem kam die Meldung wie jedes Jahr. Amazon stellt für das Weihnachtsgeschäft mal wieder massenweise zusätzliches Personal ein. Diesmal sind es nur für die USA 120.000 temporäre neue Arbeitsplätze. Da könnte man doch fast denken: Hey, nicht so schlimm, dass in Büchläden, Kaufhäusern etc viel mehr normal bezahlte Jobs wegfallen. Dafür werden doch bei Amazon neue Jobs geschaffen. Gut, vielleicht etwas schlechter bezahlt, aber wo ein alter Job wegfällt, wird ein neuer Job geschaffen – das ist Zukunft, das ist Fortschritt und Wandel – so war es immer, und so wird es immer sein. Richtig? Falsch.

demographiewandel-automatisierung
Foto: Richard Greenhill and Hugo Elias/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Die Automatisierung betraf bisher nur die Produktionsstraßen der Industriebetriebe. Jetzt sind Logistik und Dienstleistung so richtig dran. Aber die ganzen sogenannten „Picker“, oder nenne man sie Läufer, die Menschen die in den großen Logistikzentren umherirren und Produkte aus den Regalen holen für den Versand an die Kunden – diese Menschen werden doch auch in Zukunft benötigt? Man mache sich da bitte keine falschen Hoffnungen. Das Video am Ende dieses Artikels zeigt, wie Amazon schon jetzt teilweise arbeitet. In dem hier gezeigten Logistikzentrum ist der Mensch bereits fast ganz abgeschafft.

Inzwischen sind auch längst Robotersysteme ausgereift, die bei Burger King und Co in den „Küchen“ die Burger komplett eigenständig frisch zusammenstellen können. Die Bestellung kann inzwischen auch vollständig auf Touchscreens von Kunden vorgenommen werden, was in angelsächsischen Ländern zum Beispiel bei Mc Donalds in der Realität umgesetzt wird. Viele Dienstleistungsjobs, von denen man glaubt die wird es immer geben, sind schon jetzt ersetzbar. Die Lawine rollt schon, viele merken es wohl nur noch nicht. Noch immer sprechen Politiker gerade in Deutschland von dem Demographiewandel, den es wohl de facto gibt. Es sterben mehr Menschen, als dass junge Leute im selben Ausmaß „nachwachsen“ um den Arbeitsmarkt aufzufüllen. Über das Rentendesaster möchten wir an dieser Stelle nicht näher sprechen.

Aber es geht um die Frage, ob wirklich durch die Privatwirtschaft jährlich hunderttausende Arbeitskräfte nachgefragt werden, die momentan und in Zukunft nicht besetzt werden können. Von fast allen Politikern in Deutschland wird übereinstimmend die Zahl von 500.000 oder 600.000 Menschen genannt. Diese Zahl soll angeblich jetzt schon die Lücke darstellen, die der Demographiewandel jährlich produziert. Arbeitsplatzangebote abzüglich vorhandenen Arbeitkräften = es fehlen jährlich 600.000 Arbeitskräfte für die deutsche Wirtschaft. Verdammt, dann hätte die Wirtschaft ja längst kollabieren müssen, so meinen wir zumindest.

Von Einrichtungen wie dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, der Bertelsmann-Stiftung und vielen anderen hört man immer wieder mal Zahlen von 420.000, 500.000 oder 600.000. Eine enorme Lücke, die jedes Jahr geschlossen werden muss. Erste Frage, die wir in anderen Zusammenhängen schon gestellt haben: Wenn die Lücke wirklich jetzt schon vorhanden ist, warum haben wir dann in Deutschland 2,6 Millionen (tatsächlich 3,5) Arbeitslose, die anscheinend nicht vermittelt werden können? Und wenn die Lücke jetzt schon so massiv zuschlägt wie manche Ökonomen es sagen, warum brummt die Wirtschaft dann nach wie vor auf Hochtouren?

Wir verstehen es nicht. Es ist sowieso verblüffend, dass Forscher, Ökonomen und wie sie alle heißen, überhaupt in der Lage sind stets so genaue Zahlen zu nennen für ein Thema, dass volkswirtschaftlich unmöglich zu kalkulieren ist. Von daher wollen wir uns an Zahlenspielen nicht beteiligen, sondern eher Trends ansprechen. Unsere These: Die Automatisierung, die seit diesem Jahr sogar offiziell vom Weltwirtschaftsforum in Davos die Dienstleistungsbranche großflächig ins Visier genommen hat, wird vor allem in den Industrienationen noch viel mehr Jobs überflüssig machen, als dass Jobs durch den Demographiewandel nachgefragt werden.

Ein Beispiel: Der Bevölkerungszuwachs in den deutschen Städten ist spürbar. Wohnungen werden explosionsartig nachgefragt. Dafür wird mehr Öffentlicher Nahverkehr benötigt. In Hamburg zum Beispiel ist der Bau einer ganz neuen U Bahn-Linie bereits beschlossen, die kreuz und quer durch die Stadt führen soll. Gestern wurde bekannt, dass man sich nun festgelegt hat, dass die U Bahn-Wagen komplett fahrerlos fahren werden. Also: Mehr Kapazitäten im Öffentlichen Nahverkehr, mehr Transport, aber keine neuen Arbeitsplätze beim Fahren der U-Bahnen. Bei Otto, Zalando, DHL, Amazon und Co wird die Entwicklung wie unten im Video zu sehen ist, wohl ebenfalls nicht aufzuhalten sein. Denn man mache sich da nichts vor.

All die Menschen, die jetzt noch in Logistikzentren schnell angelernt werden, und dort relativ einfach einen Job finden, werden von den Firmen nicht aus Mitmenschlichkeit beschäftigt. Sobald großflächig auf Automatisierung umgestellt werden kann, werden diese Unternehmen es tun. Wohin dann mit all den Menschen? Wir haben darauf noch keine Antwort gefunden. Die Politik und Ökonomie-Forschung hat darauf ja schon längst eine Antwort gefunden. Alles kein Problem, denn durch den Demographiewandel gibt es ja jedes Jahr eine riesige Lücke, und Bedarf für hunderttausende Arbeitsplätze!?!

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    leser

    18. Oktober 2016 13:02 at 13:02

    Bei der Passage mit Burger King und Roboter musste ich an den legendären Science Fiction „Soylent Green“ mit Charlton Heston aus dem Jahr 1973 denken (die Jüngeren unter uns werden den nicht kennen, lohnt aber anzusehen, wenn er nochmal im Fernsehen läuft).
    Vielleicht liegt der Grund für die hohe Sockelarbeitslosigkeit schlicht daran, dass Angebot und Nachfrage nicht zusammen passen. Nachfrage ist da, aber zu niedrigeren Preisen. Und der Massenimport an potentiellen Arbeitskräften dient schlicht dazu, den Lohndruck weiter zu erhöhen.

  2. Avatar

    gerd

    18. Oktober 2016 14:50 at 14:50

    Verstehen tue ich das sowie schon lange nicht.

    Sonst müssten sich doch alle Politiker freuen, falls demnächst bei EDEKA, sagen wir mal 10000 Arbeitsplätze wegfallen, und damit die angebliche Lücke von 400-600Tsd. kleiner wird.

    Und die Politik in Bayern müsste sich geschlossen gegen eine weitere Startbahn am Flughafen aussprechen. Denn die Wirtschaft hat ja bereits „gedroht“ dass mit der 3. Startbahn mindestens 10000 neue Arbeitsplätze geschaffen würden. Ja, die benötigten Arbeitnehmer gibt es gemäß der FachkräfteLÜGE aber angeblich gar nicht. Muss man sich aus den Rippen schneiden oder importieren.

    Und dieser Beispiele gibt es ja unzählige.
    Ein riesiger Widerspruch. Was denn nun eigentlich?
    Brauchen wir jetzt zusätzliche Fachkräfte oder brauchen wir mehr Arbeitsplätze?

    Oder ist das eine gewollte Endlosschleife? Bitte mehr Fachkräfte!
    o.k, jetzt habt ihr welche bekommen. ui, jetzt brauchen wir aber auch wieder mehr Arbeitsplätze. Nun, dann bauen wir die 3. Startbahn, das gibt Arbeitsplätze. Na, ei verblüff, jetzt fehlen uns doch auf einmal tatsächlich die Fachkräfte dafür. U.s.w. bis zum Weltuntergang.

  3. Avatar

    gerd

    18. Oktober 2016 15:02 at 15:02

    Übrigens, das Video ist schon beeindruckend.

    Aber benötigt diese ganze Robotertechnik nicht auch viele Menschen im Hintergrund, um die Steuerung und später die Wartung zu übernehmen?

  4. Avatar

    oscar

    18. Oktober 2016 16:25 at 16:25

    @gerd,
    öhm noch nix gehört von selbstreparierenden systemen??!!! wir werden hier verarscht bis die schwarte kracht. gegeneinander aufgehetzt um von den wirklichen, neoliberlen, gierkaptialistischen entwicklungen abzulenken. da gehört auch dieser mit allen mitteln der proppagandamaschinerie dauergefaselte fake-refugees invasion dazu. arbeitskräfte hahahaa, fachkrafte lol…sicher in bestimmten bereichendie besser draussen bleiben, schon. es sollen unruheherde geschaffen werden in denen man dan so richtig „ordnung“ machen kann warum nicht mit notstandsgesetzen…. aufgerüstet wird ja allerorten, natüüürlich nur zum schutz. klar danke auch für die neuen zustände. die man selber bekommt wenn man diese abartige aufoktruierte entwicklung und auflösung dieser gesellschaft beobachtet. wer hirn hat und es einsetzt, sich nicht dämlich polemisieren lässt von einer dilktatorisch, verordneten lügenpolemik, ja der ist mündig und wird bald selbigen offen stehen lassen…die spd rot grün versiffte jobagenda kennt ja wohl jeder inzwischen. oh sry jobwunder…ja man kann sich seit jahren nur noch wundern…wer kann verlässt eh dieses kranke kolonie, so er geld hat oder bürgen oder arbeitsplätze schafft. die deutschen will sonst keiner und nimmt auch keiner. so ist das in der welt

  5. Avatar

    joah

    18. Oktober 2016 16:50 at 16:50

    »Verdammt, dann hätte die Wirtschaft ja längst kollabieren müssen, so meinen wir zumindest.«

    Kollabieren bitte nicht mit kontrahieren verwechseln: die Resultate sehen wir bereits seit längerem.

    Ansonsten: Handel findet zwischen menschlichen Entitäten statt, hätte andernfalls seinen Zweck vollständig verloren – einjeder hat es in der Hand.

    »The might is where you spend your dollar.«

  6. Avatar

    bauer

    18. Oktober 2016 17:58 at 17:58

    Was kommt nach den Robotern?
    ——-Selbstmord wg.Unterbeschäftigung——–

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So tickt die Börse: Grenke, Wirecard und Steinhoff: Die Schwachstelle im System

Stephan Heibel

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am

Grenke droht nach Wirecard zum nächsten Debakel für die Börse zu werden, wenn das Unternehmen nicht schleunigst alle Vorwürfe entkräftet. Ich habe den Blick auf Gemeinsamkeiten mit Wirecard und Steinhoff geworfen und mit Hilfe eines Kunden die Schwachstelle im System gefunden, die Betrügereien zumindest ermöglicht. Ob Grenke die Schwachstelle genutzt hat, ist noch offen.

Nach Steinhoff und Wirecard spekuliert Fraser Perring nun auf betrügerische Machenschaften bei Grenke Leasing. Über seine Researchfirma Viceroy (Vize-König) hat er eine 64 Seiten lange Analyse zu Grenke veröffentlicht, die den Aktienkurs um über 50% hat einbrechen lassen. Das pikante daran: Perring selbst ist im Vorfeld der Veröffentlichung der Vorwürfe massiv short gegangen, verdient sich also eine goldene Nase an dem Kurseinbruch.

Inzwischen hat Firmenpatriarch Wolfgang Grenke zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Wir befinden uns meiner Einschätzung nach erst am Anfang einer Auseinandersetzung, die in den kommenden Wochen und Monaten mit immer neuen Details Anleger verunsichern wird. Ausgang ungewiss.

Da es sich um eine Masche handelt, die sich zu wiederholen scheint, habe ich mich ein wenig dahinter geklemmt, was nun wirklich das Problem ist. Stark geholfen hat mir dabei ein Kunde, der bei einem US-Unternehmen vor vielen Jahren entsprechende Machenschaften aufgedeckt hatte. Das System ähnelt sich immer wieder. Ich will versuchen, die Schwachstelle im System zu identifizieren, damit wir als Anleger das Risiko besser einschätzen können.

Es gibt verschiedene Wege, immaterielle Vermögensgegenstände zu Geld zu machen. Ich denke mir hier mal ein eigenes Beispiel aus: Die Software, die ich zum Betrieb des Heibel-Tickers entwickeln ließ, hat mich viel Geld gekostet. Da ich ohne die Software meinen Laden nicht betreiben könnte und ich sehe, was ich dadurch verdiene, ist die Software für mich subjektiv ein Vielfaches dessen wert, was ich dafür ausgegeben habe. Doch niemand möchte mir einen entsprechenden Geldbetrag dafür geben, denn für Dritte ist meine individuelle Software nahezu wertlos. Daher laufen Entwicklungskosten bei mir als Kosten und nicht als Investition. Einen Wert erschaffe ich damit nicht.

Wenn man nun hohe Wachstumsziele verfolgt und jeden Cent locker machen möchte, um ihn zu investieren, dann ärgern einen diese Kosten. Ich kann den Wert meiner Software nicht als Sicherheit hinterlegen, weil es niemanden gibt, der der Software einen in meinen Augen auch nur annähernd fairen Wert bemisst. Also könnte ich doch eine Auslandsgesellschaft gründen und diese kauft mir meine Software für meinen Wunschpreis ab. Das Geld für den Kauf erhält die Auslandsfirma aus einer anderen Abteilung meines Unternehmens und so fließen meinem Unternehmen Bargeld zu, während irgendwo anders eine Forderung entsteht. Die Forderung ist natürlich, und davon wäre ich als Unternehmensgründer überzeugt, durch den hohen Wert der Software sehr gut besichert.

Okay, hier verlassen wir meinen kleinen Heibel-Ticker als Beispiel, denn hier ist nun schon ein Konzern mit einer etwas komplexeren Struktur erforderlich.

Nun kommen die Wirtschaftsprüfer ins Spiel: Alle Gesellschaften, also sowohl die Konzernmutter in Deutschland als auch die Töchter in Luxemburg, Malta, Dubai und Brasilien (das sind nur zufällig Standorte von Grenke-Töchtern), werden dann von lokalen Wirtschaftsprüfern geprüft. Da kommen dann ein paar hochbezahlte und erfahrende Akademiker für mehrere Tage in die Räume des Unternehmens, drehen alles auf links und schauen nach, ob die jeweiligen nationalen Gesetze eingehalten wurden.

In Brasilien wird nicht geprüft, ob deutsche Gesetze eingehalten wurden. Es werden die jeweiligen Jahresabschlüsse nach den nationalen Gesetzen testiert.

Nun kommt der Konzernbilanzbuchhalter ins Spiel. Er übernimmt die Zahlen der einzelnen Landesgesellschaften und „konsolidiert“ sie in die Konzernbilanz. Bei diesem Vorgang würde dann der obige Softwarekauf herausgerechnet, da es sich um ein internes Geschäft handelt. Doch bei der Konsolidierung befinden wir uns in einem Bereich, den ich als anfällig bezeichnen würde: eine Schwachstelle.

Denn selbst im SAP-System gibt es noch kein ausgereiftes Modul, das diese Problematik zufriedenstellend gelöst hat. Bei meinen Recherchen habe ich in Erfahrung gebracht, dass SAP mit einem Partnerunternehmen derzeit ein solches System entwickeln möchte. Bis heute ist im SAP-System noch viel Handarbeit erforderlich, um die Konsolidierung umzusetzen. Viele Unternehmen haben an dieser Stelle eigene Lösungen entwickelt, die inzwischen vollautomatisch laufen, aber einen internationalen Standard gibt es noch nicht. Zu komplex sind die Anforderungen durch die Vielzahl der Geschäftsmodelle und die Vielzahl der beteiligten Länder bis hin zur Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten bzw. Handlungsspielräumen.

Wir haben es hier also mit testierten Zahlen zu tun, die im Zuge der Konsolidierung in einer Art verwendet werden, die nicht internationalen Gesetzen unterliegen. Es gibt Best Practice Vorschriften für Buchhalter, es gibt Empfehlungen und Leitlinien, aber meines Wissens riskiert ein Buchhalter, der im Rahmen der Konsolidierung „Fehler“ macht, nicht Kopf und Kragen, sondern erst einmal nur eine Rüge, sollte es auffliegen. „Hoppla, da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen“.

Auch die Konzernbilanz wird natürlich geprüft. Doch ist es dem Prüfer nicht zuzumuten, sämtliche oben genannten Feinheiten zu überblicken. Er muss die konsolidierten Zahlen als gegeben hinnehmen und prüft deren Konsistenz, nicht aber Herkunft. Fragen über die Herkunft wird der Konzernbilanzbuchhalter beantworten und da können Sie von ausgehen, dass er eine plausible Erklärung hat, denn er kennt das Geschäft ja wesentlich besser als der Prüfer.

Auch die Herkunft wird jedoch geprüft. Der oben genannte Kunde erzählte mir aus seiner Erfahrung, dass alle 5-6 Jahre zwei Hochschulabgänger von der Konzernzentrale in einzelne Landesgesellschaften geschickt wurden, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Erfahrene Prüfer wurden kaum eingesetzt, da es sich hierbei um einen Pflichtbesuch handelte, nicht jedoch um eine Pflichtprüfung: Zur Pflichtprüfung würde es nur werden, wenn falsche Ergebnisse teuer würden. Mangels entsprechender internationaler Sanktionsmechanismen in diesem komplexen Umfeld ist es für Prüfungsgesellschaften ökonomisch sinnvoll, dort ein paar günstige Arbeitskräfte hinzuschicken. Diese Frischlinge hören sich dann vor Ort mit stauenden Augen die Hintergründe zu den Zahlen an und glauben letztlich alles, was ihnen erzählt wird.

Nach einigen Jahren könnte der Konzern dann die 100%ige Softwaretochter aus Brasilien wieder übernehmen und in den Konzern eingliedern. Die Softwarefirma hat eine Software im Bestand, die über Jahre einen stabilen Wert ausgewiesen hat. Der entsprechende Kredit der Firma wird dann vom Konzern unter gleichen Bedingungen mit der gleichen Bescherung weitergeführt. Über die Zeit bläht sich die Bilanz des Unternehmens auf.

Grenke nutzt eine Partnerfirma im Ausland, CTP, um Leasingfirmen im Ausland zu betreiben. Diese Leasingfirmen werden nur dann zu Töchtern (also gekauft), wenn sie sich als erfolgreich zeigen. So werde das Risiko ausgelagert, sagt Patriarch Wolfgang Grenke. Viceroy Research behauptet, diese Auslandstöchter würden keinen Gewinn abwerfen, sondern nur über immer höhere Kredite einer anderen Konzerntochter, Grenke Finance, subventioniert.

In der Telco wurde Grenke nach den Eigentümern von CTP von VOR 2020 gefragt und ist einer Antwort ausgewichen, was von Perring über Twitter sofort mit Wirecard verglichen wurde, die auch lange Zeit Fragen zu Verhältnissen zwischen Partnergesellschaften nicht beantworten wollte. Mann Oh Mann, echt spannend!

Natürlich dürften Unternehmensteile Verluste erwirtschaften, das macht das ganze System noch nicht korrupt. Beispielsweise könnte so strategisches Wachstum verfolgt werden.

Ich würde die Situation derzeit so beschreiben: Es ist durchaus möglich, über ein Netz von Auslandsgesellschaften Zahlen vorzutäuschen, die nicht der Wirklichkeit entsprechend. Es gibt deutliche Schwachstellen in unserem System und es gab immer wieder Unternehmen, die diese Schwachstellen betrügerisch ausgenutzt haben. Viceroy hat nun bei Grenke viele Elemente entdeckt, die auch Unternehmen ausgewiesen haben, die diese Schwachstellen betrügerisch genutzt haben. Das allein reicht jedoch noch nicht, um Grenke den Betrug nachzuweisen.

Wer jetzt in Grenke investiert, weil die Aktie „günstig“ ist, der sollte sich der Gefahr bewusst sein. Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, ist die finanzielle Basis des Leasing-Anbieters gefährdet. Grenke ist nun gefordert, die Vorwürfe vollumfänglich zu entkräften. Das ist, sofern Grenke sauber wirtschaftet, ärgerlich, weil es ein Riesenaufwand bedeutet! Auf der anderen Seite ist es natürlich auch sehr riskant, wenn Grenke tatsächlich die oben genannte Schwachstelle das ein oder andere Mal genutzt haben sollte.

Wer also in Grenke spekulieren möchte, der sollte forensische Blanzprüfungsfähigkeiten haben, um sich eine Meinung zu bilden. Andernfalls gilt meine alte Regel: Bilanzierungsunregelmäßigkeiten = Finger weg! Warten wir’s ab, denn der Ausgang ist einmal mehr ungewiss.

Einer, der öffentlich darauf spekuliert, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, ist Fondsmanager Hendrik Leber von Acatis. Mindestens genauso wichtig wie das, WAS gesagt wird, ist, WER sagt es. Acatis ist mit 5,02% Anteilen an Grenke einer der Großaktionäre des Konzerns. In der Situation, wie sie ist, hat Leber keine andere Wahl, als die Vorwürfe als haltlos zu bezeichnen. Er hatte drei Möglichkeiten: Viceroy zustimmen, dann wäre seine Beteiligung schon morgen wertlos. Das kann er seinen Anlegern nicht antun, in diesem schlimmsten Fall müsste er zumindest versuchen, die Beteiligung noch irgendwie mit Verlusten loszuschlagen. Möglichkeit zwei wäre „nichts sagen“. Das kann ein so wichtiger Aktionär nicht ewig tun, sein Schweigen würde ihm irgendwann negativ ausgelegt. Möglichkeit 3 ist, die Vorwürfe als haltlos zu erklären. Entweder er trennt sich nun von seiner Beteiligung unter Verlust, oder aber er hat recht und steht am Ende als Fels in der Brandung da. Ungeachtet dessen, ob Leber tatsächlich weiß, was los ist, ist seine Aussage damit ziemlich wertlos, schade.

Ich bleibe am Ball und werde Updates in meinem Heibel-Ticker veröffentlichen. Bei Interesse geht es zur Anmeldung über www.heibel-ticker.de

So tickt die Börse

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Banken: Nach den großen jetzt die kleinen – Aufseher biegen Vorgaben zurecht

Claudio Kummerfeld

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Türme von Banken in Frankfurt

In der aktuellen Coronakrise sieht man es in vielen Bereichen. Wo es nicht passt, wird es von staatlicher Seite eben passend gemacht. Das ändert nichts an der miesen Lage, aber es sieht dann eben optisch besser aus. So zum Beispiel bei zahlreichen Zombieunternehmen, die auch nach der Krise wohl nicht wieder gesunden werden, die aber dank Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Jahresende weiter machen können. Völlig überschuldet, aber noch liquide. Läuft. Und die Banken, die bekamen auch schon Hilfe.

Aufsicht hilft Banken mit verschiedenen Maßnahmen

Seit März müssen die Banken Kredite, die sie ihren Kreditnehmern gestundet haben, nicht als Kreditausfälle abschreiben. Also sind offiziell keine Verluste sichtbar, obwohl diese Kreditforderungen in vielen Fällen wohl ganz oder teilweise wertlos sind. Und heute verkündet die BaFin, dass die kleineren Banken in Deutschland, die unter direkter Aufsicht der BaFin stehen, ab dem 22. September bis Juni 2021 eine Erleichterung erhalten. Es wird ihnen nämlich erlaubt „gewisse Risikopositionen“ gegenüber der Zentralbank zeitlich befristet nicht zu berücksichtigen, wenn sie die Verschuldungsquote berechnen. Details der Regelung und den Voraussetzungen zur Nutzung kann man hier nachlesen. Weiter sagt die BaFin heute, Zitat:

Der europäische Gesetzgeber hat mit Artikel 500b der Europäischen Eigenmittelverordnung (Capital Requirements Regulation – CRR) vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie eine zeitlich befristete Möglichkeit geschaffen, um gewisse Risikopositionen aus der Berechnung der Verschuldungsquote (Leverage Ratio) auszunehmen. Dies soll die Durchführung geldpolitischer Maßnahmen erleichtern. Gemäß Artikel 500b der CRR erklärt die BaFin nach Konsultation der Europäischen Zentralbank (EZB) als betroffener Zentralbank und in Koordination mit der Deutschen Bundesbank, dass außergewöhnliche Umstände vorliegen, die diesen Ausschluss rechtfertigen.

Die selbe Erleichterung zur Berechnung der Verschuldungsquote bei Banken hatte die EZB als Aufsichtsbehörde letzte Woche schon den großen Banken gewährt, die unter ihrer direkten Aufsicht stehen. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unseren heutigen Artikel über eine aktuelle Veröffentlichung der Bundesbank, wonach die Banken in Deutschland (als Gesamtbetrachtung) letztes Jahr 2 Milliarden Euro Verlust gemacht haben, nach 12,2 Milliarden Euro Gewinn in 2018.

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Bundesbank veröffentlicht erschreckende Zahl für deutsche Banken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Banken in Frankfurt

Die Coronakrise trifft die Wirtschaft und auch die Banken, das ist verständlich. Aber bei der folgenden Zahl möchten wir betonen, dass es um das Gesamtjahr 2019 geht, also die Zeit noch vor dem Ausbruch der Coronakrise. Las man die großen Medienpublikationen, dann lief ja noch in 2019 alles total rosig in der Wirtschaft. Gut, hier und da eine „kleine Delle“ bei den Autoherstellern. Aber es gab doch de facto Vollbeschäftigung, die Steuereinnahmen sprudelten. Alles war doch irgendwie in Ordnung?

Nein, einige Kritiker wie zum Beispiel Markus Krall weisen seit Jahren auf eine schwelende Krise hin, und auch speziell auf den sich immer weiter fortsetzenden Niedergang der Banken. Und dieser Niedergang sei eine sehr, sehr ernste Angelegenheit für die ganze Volkswirtschaft. Denn wenn Banken Verluste machen, schrumpft ihr Eigenkapital. Und je weniger Eigenkapital, desto weniger neue Kredite können Banken vergeben. Denn jeder Kredit muss mit einem gewissen Eigenkapital-Anteil als Sicherheit für Kreditausfälle hinterlegt werden.

Bundesbank präsentiert Jahresverlust für deutsche Banken

Und jetzt sehen wir was? Die Bundesbank schreibt ganz frisch in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht September, dass die deutschen Banken in der Gesamtbetrachtung (im Jahr 2019) 2,2 Milliarden Euro Verlust nach Steuern gemacht haben. Und das nach einem Gewinn in 2018 in Höhe von 12,2 Milliarden Euro. Und wie gesagt, in diesen 2,2 Milliarden Euro Verlust im deutschen Bankensystem war die gesamte Coronakrise ja noch überhaupt nicht berücksichtigt. Die kommt erst im folgenden Jahr 2020 noch oben drauf.

Der Chart im folgenden Tweet der Barkow Consulting zeigt, wie die deutschen Banken also zu Ende letzten Jahres insgesamt ins Defizit gerutscht sind, nach jahrelangen Gewinnen. Zuletzt waren sie im Zuge der Finanzkrise 2008 zwei Jahre im Minus gewesen. Zur Ehrenrettung der Bankenbranche darf man erwähnen, dass die Großbanken diesen Verlust im Jahr 2019 verursacht haben. Die große Bundesbank-Tabelle zeigt Finanzdaten nach Bankensektoren. Nur die Großbanken machten Verlust. Sparkassen, Volksbanken etc lagen in der Gewinnzone. Aber abwarten, wie das Gesamtjahr 2020 aussehen wird! Können die Zahlen möglicherweise optisch deutlich besser ausfallen, als sie es tatsächlich sind? Denn bis Ende September gilt eine Sonderregel, nach der Banken wegen Corona gestundete Kredite nicht als Kreditausfall abschreiben müssen. Wird diese Sonderregel bis Jahresende verlängert, könnten die Jahreszahlen der Banken für 2020 rein optisch weniger katastrophal aussehen.

Grafik zeigt Finanzdaten deutscher Banken im Jahr 2019

Hier auszugsweise Aussagen der Bundesbank im Wortlaut:

Die Betrachtung der einzelnen Bankengruppen zeigt, dass die Gesamtentwicklung wesentlich durch die Großbanken getrieben wurde. Vor allem aufgrund eines negativen Sondereffekts infolge des strategischen Umbaus bei einem Institut verringerten sich bei den Großbanken der Zins- und Provisionsüberschuss, wodurch die Großbanken einen starken Rückgang ihrer operativen Erträge um 3,1 Mrd € auf 27,6 Mrd € verzeichneten. Die Sparkassen wiesen 2019 mit 29,7 Mrd € um 0,9 Mrd € geringere operative Erträge aus als noch im Jahr zuvor. Die Kreditgenossenschaften konnten hingegen ihre operativen Erträge im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,2 Mrd € auf 22,1 Mrd € steigern. Den mit 1,6 Mrd € größten Anstieg bei den operativen Erträgen auf 20,8 Mrd € im Jahr 2019 verzeichneten die Regional- und sonstigen Kreditbanken.

Auch die Entwicklung der Eigenkapitalrentabilität wurde wesentlich durch den Sondereffekt bei einem Institut aus der Gruppe der Großbanken getrieben. Die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern in dieser Bankengruppe brach von 1,14 % im Vorjahr auf – 16,63 % im aktuellen Berichtsjahr ein.

Die Eigenkapitalrentabilität der Sparkassen sank

leicht um 0,33 Prozentpunkte auf 6,86 %. Dagegen steigerten die Kreditgenossenschaften ihre Eigenkapitalrentabilität um 1,04 Prozentpunkte auf 9,23 % und näherten sich damit anders als die Sparkassen ihrem langfristigen Mittel (10,76 %) an.

Chart zeigt Eigenkapitalrentabilität der Banken

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