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Den deutschen Spar-Michel umerziehen mit Nullzinsen? Gegenrede

Claudio Kummerfeld

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am

Der Handelsblatt-Autor Jan Mallien ist offenbar der Meinung, dass die Nullzinsen der EZB nicht nur eine geldpolitische Maßnahme sein sollen um die Kreditvergabe anzuregen, und um privaten wie gewerblichen Kreditkunden  den Zugang zu günstigen Krediten zu ermöglichen. Nein, die Nullzinsen sollen offenbar auch ein Instrument der Bestrafung und Umerziehung des Bürgers sein? Nämlich des Bürgers, der in der Coronakrise auf der Sonnenseite steht. Denn viele Menschen, die nicht von Jobverlust oder Kurzarbeit betroffen sind, häufen dieser Tage steigende Bankguthaben an.

Es ist klar. Wer nicht in Urlaub fliegt und nicht in Restaurants geht wie sonst üblich, und dazu noch ein wenig unterschwellige Zukunftsangst mit sich rumträgt, wird seit Monaten wohl stetig steigende Kontoguthaben anhäufen. Zum einen ist es für diesen Personenkreis ein beruhigendes Gefühl mehr Geld auf der hohen Kante zu haben. Und zum anderen kann man wie gesagt derzeit auch kaum bis gar kein Geld ausgeben, selbst wenn man es wollte. Also, Geld sparen ist doch eine gute Sache in der Krise, für denjenigen Bürger, der es sich leisten kann?

Oder ist es die Bürgerpflicht auch in dieser Krise (wie auch immer) krampfhaft zu konsumieren, sei es bei Zalando, Otto, Amazon oder im Kaufhaus mit Maske? Egal ob man etwas braucht, Hauptsache kaufen, kaufen, kaufen, um der Volkswirtschaft, dem Steuerhaushalt, und den Mitmenschen hinter der Ladenkasse bei Karstadt was Gutes zu tun? Liest man den aktuellen Kommentar des Handelsblatt-Journalisten Jan Mallien, dann kommt einem die Idee, dass die Nullzinsen ein Instrument sind, um dem deutschen Spar-Michel endlich seine „schlechte Angewohnheit“ (Sparen statt Konsumieren) abzugewöhnen.

Jan Mallien bezieht sich auf die wohl fortgesetzte Politik der EZB, nämlich weiterhin Nullzinsen und Negativzinsen. Richtigerweise weist er darauf hin, dass es die Gewinner und Verlierer der Coronakrise gibt, nämlich die Menschen in Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und brutaler Existenzangst – und auf der anderen Seite die Bürger mit Job und wachsenden Sparguthaben. Und eben die solle man per „Anreiz“ dazu bringen mehr zu konsumieren, statt zu sparen. Es sei „wünschenswert“, dass die Haushalte weniger sparen, so Jan Mallien. Dazu schreibt er Zitat „Niedrige Zinsen helfen, dieses Missverhältnis stärker ins Gleichgewicht zu bringen. Auch eine etwas höhere Inflation, die näher an zwei Prozent liegt, würde helfen. Beides entlastet die Schuldner und erhöht den Anreiz für die Haushalte, zu investieren und zu konsumieren statt zu sparen.“ Es sei deswegen gut so, dass die EZB „die Schleusen offen halte“.

Man kann die Politik der Nullzinsen schlecht oder auch gut finden. Man kann sie gut finden zur Ankurbelung der Wirtschaft. Aber sie als Umerziehungsmaßnahme für die Sparer zu betrachten? Das ist wohl die falsche Sichtweise. Und außerdem: Die Realität zeigt abseits aller ökonomischen Weisheiten: Der „einfache“ Bürger und Sparer, der lässt sich von der Abschaffung der Zinsen nicht beirren und auch nicht umerziehen. Die Realität der letzten Jahre zeigt nämlich, dass mangels Zinsen von den Bürgern schlicht und einfach die monatliche Summe, die aufs Sparbuch gepackt wird, ansteigt, sozusagen als Ausgleich für den nicht mehr vorhandenen Zins.

Jan Mallien schreibt „Wenn man zum Beispiel auf Restaurantbesuche verzichtet, bleibt mehr auf dem Konto, aber die Gastronomie erleidet Einbußen.“ Die niedrigen Zinsen und ein Ankurbeln der Inflation sollen den Sparer für sein Sparen bestrafen? Sollte der Bürger nicht selbst entscheiden dürfen, ob er spart oder konsumiert? Bislang hat ja noch nicht mal die Mehrwertsteuersenkung dazu geführt, dass die breite Masse der Bürger die Klamottenregale in den Innenstädten stürmt.

Auch wenn Jan Mallien es nett formuliert mit Worten wie „Wünschenswert“ und „Anreiz“, so geht es doch letztlich um die Bestrafung derer, die einfach nicht einkaufen wollen, sondern lieber sparen. Man könnte es auch den Versuch einer Umerziehung nennen. Vielleicht reichen die aktuellen Nullzinsen noch nicht aus? Vielleicht bald auch 0,5 Prozent Negativzinsen ab dem ersten Euro Sparguthaben auch für alle Bestandssparer, dazu noch Sparkonto-Gebühren als weiterer „Anreiz“ für Konsum? Und vielleicht noch ein paar zusätzliche Prozente weniger bei der Mehrwertsteuer, damit auch noch der letzte Spar-Michel begreift, dass er endlich sein Sparkonto zu leeren hat? Es müssen nämlich endlich neue Pullover, Hosen, Schuhe, Fernseher, Autos und Gartenmöbel her!

Gewiss, es geht wohl zu weit anzunehmen, dass Jan Mallien sich eine regelrechte Umerziehung der Sparer wünscht. Aber seine Worte haben ein bestimmtes Geschmäckle.

5 Kommentare

5 Comments

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    D.Webre

    13. November 2020 16:13 at 16:13

    Straight from the horse’s mouth:

    Artikel in der „Welt“ vom 12.11.2020

    Wolfgang Schäuble:

    “Der freie Zahlungs- und Devisenverkehr kann nicht länger eine Rechtfertigung für Steueroasen sein, die in Wahrheit Regulierungsoasen sind. Sie stehen exemplarisch für den Übergang von einem überzogenen Finanzmarkt zu schwerer Kriminalität – und wir lassen das zu.”

    “Ich meine, dass der Kapitalismus, wie wir ihn derzeit betreiben, auf Kosten der ohnehin Schwachen geht. Unter dem Stichwort `freier Welthandel` beuten wir Arbeitskräfte in Ländern wie Bangladesch in einer menschenunwürdigen Weise aus.”

    Quelle:
    https://www.welt.de/politik/deutschland/plus219858454/Wolfgang-Schaeuble-Wir-muessen-den-Schock-der-Pandemie-nutzen.html

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    D.Webre

    13. November 2020 17:22 at 17:22

    Ja, und wo geht die Dividende und der Aktienwert so hin?
    Und wo liegt damit auch die größte Einflussmacht?

    Im Jahr 2017 laut einem Artikel der Welt vom 30.03.2017:
    1. 1624,8 Millionen € Blackrock, USA
    2. 757,9 Millionen € KfW, Bundesrepublik Deutschland
    3. 700,0 Millionen € Vanguard, USA
    4. 678,1 Millionen € Norwegische Staatsfonds
    5. 641,2 Millionen € Deutsche Bank, Deutschland
    6. 632,1 Millionen € Familie Quandt / Klatten
    7. 406,0 Millionen € Bund,Bundesrepublik Deutschland

    Quelle:
    https://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article163262475/Die-Gewinne-der-Dax-Konzerne-kassieren-vor-allem-Auslaender.html

    Stand in Deutschland 2020:
    1. Arbeitslose: ( 2,78 Mio. Okt. 2020)
    2. Arbeitslose die nicht unter 1, erfasst sind: ( 0,76 Mio. Okt. 2020)
    3. Kurzarbeiter: ( 3,3 Mio. Okt. 2020)
    4. Hartz IV Empfänger: ( 3,83 Mio. Okt. 2020)
    5. Rentner gesamt ca. 21, Mio. 15,7 % davon prekär ( 3,2 Mio. 2019)
    Summe ca. 13,9 Mio entspricht ca. 16,7%
    Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland ca. 83,1 Mio

    Also die fallen bei mehr Konsum schon mal weg.
    Da muss man gar nicht erst nach Bangladesch schielen …

    >> Die untere Hälfte der Vermögensverteilung besitzt nach wie vor etwa 3 % des gesamten Nettovermögens (siehe Schaubild auf S. 25). Der Anteil der oberen 10 % der Haushalte am
    Gesamtvermögen sank von rund 60 % im Jahr 2014 auf 55% im Jahr 2017. Dafür erhöhte sich
    der Anteil der Gruppe zwischen dem neunzigsten Perzentil und dem Median im gleichen Zeitraum von 38 % auf 42 %. <<

    Quelle:
    https://www.bundesbank.de/resource/blob/794130/d523cb34074622e1b4cfa729f12a1276/mL/2019-04-vermoegensbefragung-data.p

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    Mike Lohmann

    13. November 2020 17:24 at 17:24

    Gelddrucken und die ungedeckten Scheine in rauhen Mengen unter die Leute bringen, die angeordnete Insolvenzverschleppung, die Gratiskredite zur Refinanzierung gewaltiger Schulden, Helikoptergeld an Bürger zur Verschwendung und Zwangskäufen anregen, Sparer enteignen und sie für schuldig erklären, dass sie zu wenig konsumieren und und und …. Bitte es ist dringend Zeit, die Politiker und Verantweortlichen endlich mal einem Intelligenztest zu unterziehen. Solche Typen reden noch davon, dass man den Bürger digital überwachen muss, damit er nicht noch ein paar Euro am Staat vorbeischleusen könne.
    Frage: Warum wohl sehen immer mehr Bürger die Regierungsmitglieder und Politiker allgemein als absolute Zumutung an? Ist das noch schwer zu erraten?

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    Peter Sallister

    13. November 2020 18:44 at 18:44

    Hallo d. Webre!
    Alles geht zurück auf den Konflikt jedes Einzelnen zwischen Eigeninteressen und denen der gerade herrschenden sozialen Umgebung.

    Der Herr Schäuble mit seiner finanziellen Abgesichertheit findet jetzt gerade den Gedanken spannend armen Schweinen irgendwo auf dem Planeten zur Seite springen zu wollen.

    Einem Robinhooder sind solcherlei Überlegungen fremd, er will ohne Rücksicht raffen, obwohl er wissen müßte daß dies nur geht wenn ein anderer verliert. Rücksicht? Altruismus? Ha ha.

    Herr Schäuble ist nicht der erste und einzige Mensch, der den „Egoismus“ der Einzelperson geißelt. Ich fürchte es war vor 2 Mio. Jahren schon zu „beklagen“.
    Ich habe so eine komische Ahnung, daß sich in einer Mio. Jahre überhaupt nichts ändern wird!

    Ich habe schon immer starke Bedenken gehabt wenn jemand die menschliche Art in Teile sezieren tut und dann seine Erkenntnisse zum besten gibt!

  5. Avatar

    leftutti

    14. November 2020 01:12 at 01:12

    @Mike Lohmann
    Ihr ständiges Gewäsch von Helikoptergeld an Bürger zur Verschwendung und Zwangskäufen … NERVT LANGSAM wegen seiner Widersprüchlichkeit. Es gibt und gab noch nie Helikoptergeld an Bürger.
    Ebenso nervt Ihr Bitte es ist dringend Zeit, die Politiker und Verantweortlichen endlich mal einem Intelligenztest zu unterziehen. Was würde das bringen? Es geht um Macht, Herrschaft, Positionen, um die Erhaltung politischer Posten. Verbunden mit wirtschaftlichen Zukunftsaussichten.

    Welche Rolle soll da und dort Intelligenz spielen? Wäre die nicht eher hinderlich?

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Atemmasken: Deutschland produziert sie ab Mitte 2021

Wolfgang Müller

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am

Es klingt ein bisschen wie ein Scherz, dass man jetzt den ersten Förderbescheid für die Produktion von Atemmasken seitens der Regierung erteilt hat, eine Allzweckwaffe für die Eindämmung von Covid-19. Im Frühjahr hatte man schmerzlich die Abhängigkeit von China in Sachen medizinischer Schutzausrüstung erkennen müssen. Der kleine Schönheitsfehler dabei: Die Produktion von Atemmasken beginnt erst im Sommer des neuen Jahres.

Der unvorhergesehene Mangel bei Atemmasken

Es war im Frühjahr ein kleiner Schock für das Hochtechnologieland Deutschland: Wir haben hierzulande zwar einen der Weltmarktführer für Beatmungsgeräte (Drägerwerk in Lübeck – Nummer drei für Intensivstationen, Nummer eins für mobile Geräte), aber bei Atemmasken war man in großem Maße abhängig von China. Die weltweite Ausbreitung von Covid-19 sorgte rasch für Ausfuhrverbote medizinischer Schutzausrüstungen und der Bundesregierung wurde klar, dass man handeln musste. Es wurde im Frühjahr ein Förderprogramm für alle Arten von Schutzmasken aufgelegt – und jetzt wurde der erste Förderbescheid an ein deutsches Unternehmen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier übergeben. Vorher wurden notfallmäßig Mund-Nasen-Schutzmasken produziert. Unglaublich, wer sich dabei alles an der Produktion beteiligt hat.

Die erste Firma ist Skylotec aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied, ein Unternehmen, welches vorher hauptsächlich Absturzsicherungen für Kletterer in der Industrie und im Freizeitbereich hergestellt hat.

Der Bund gab 3,2 Millionen Euro an Fördermitteln, zur Produktion von einer halben Milliarde Masken, ab Sommer diesen Jahres. Anschließend sollen auch die effektiveren FFP2- Masken hergestellt werden, 54 Millionen Stück. Skylotec bekommt damit ein Drittel der Investitionssumme vom Staat. Insgesamt liegen dem Wirtschaftsministerium 270 Anträge für eine staatliche Unterstützung in dieser Produktion vor. Wirtschaftsminister Peter Altmaier weiß natürlich, dass es kritische Fragen geben wird, warum es so lange dauert, bis ein so einfaches Produkt in die Massenfertigung geht. Seine Antwort:

„Man kann solche Programme nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis wir alle, die geimpft werden wollen, auch impfen können.“ Die Atemmasken würden in jedem Fall gebraucht werden. „Ob Corona oder nicht, es wird auch künftig Pandemien geben“, so der Minister.

Aber anscheinend hätte die Firma auch ohne Fördergelder mit der Investition begonnen, so der Geschäftsführer von Skylotec, Kai Rinklake.

Ob man im Spätherbst wirklich gleich noch Millionen an Atemmasken (zusätzlich) benötigen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Fazit

Inmitten der Euphorie um die Impfstoffzulassungen, bereits mit ganz konkreten Zahlen – in Hamburg plant man anfangs mit 7000 Impfungen pro Tag, in Berlin mit 5000 -, kommt die Meldung über die ersten Subventionsbescheide der Regierung in Sachen Atemmasken. Irgendwie ein grotesker Widerspuch: Eine Impfstoffentwicklung in noch nie gesehener Geschwindigkeit und die planerische Vorbereitung eines „Hightech-Produktes“ mit Produktionsbeginn in ein paar Quartalen. Ein Gutes hat die Sache: Laut dem Countrymeter liegt die Weltbevölkerung aktuell bereits bei über 7,85 Milliarden Menschen, der Zuwachs 2020 beträgt schon fast 89 Millionen neue Erdenbürger. Da ist es nicht verkehrt, sich prophylaktisch mit Infektionsschutzgerät auszurüsten: nach dem Virus ist vor dem Virus.

Deutschland produziert Atemmasken ab Sommer 2021

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Autoindustrie: Alles Euphorie oder was? Nur Tesla boomt!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Autos auf Parkplatz

Tesla boomt, aber so richtig! Aber dazu später mehr in diesem Artikel. Haben wir uns geirrt? Was ist hier los? Nein, schauen wir genauer hin. Gestern berichteten wir über die Meldung des ifo-Instituts zu den Geschäftsaussichten (!) der Autoindustrie für die nächsten Monate. Und die haben sich übelst verschlechtert dank dem zweiten Corona-Lockdown. Sie werden von ifo in einem Punkte-Index gemessen. Die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sanken demnach dramatisch von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November (hier die Details).

Verband der Autoindustrie erwähnt bei Inlandsproduktion erstes Plus in diesem Jahr

Aber die stark verfinsterten Aussichten der Autoindustrie sind ja etwas anderes als der derzeitige Zustand der Branche. Und geht man danach, dann ist die Laune gerade heute am 3. Dezember ziemlich gut. Da wäre zunächst der Automobilverband VDA mit seiner ganz frischen Meldung zu nennen. Die deutsche Autoindustrie hat im November zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Im abgelaufenen Monat liefen – unterstützt durch einen zusätzlichen Arbeitstag – 7 Prozent mehr Pkw in Deutschland vom Band (449.900 Einheiten). Damit wurde erstmals in diesem Jahr das Produktionsniveau eines Vorjahresmonats übertroffen. Zwar erwartet der VDA für das Gesamtjahr 2020 ein Volumen von rund 2,9 Millionen Neuzulassungen. Das sei ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber für den Pkw-Inlandsmarkt erwartet man im kommenden Jahr ein Wachstum von 9 Prozent auf 3,1 Millionen Neuzulassungen. Damit sei das Vor-Krisenniveau allerdings noch in weiter Ferne.

Analysten mit aktuellem Kommentar

Die Analysten der Commerzbank sehen in ihrem aktuellen Kommentar die Lage für die Autoindustrie recht optimistisch. Die deutsche Automobilindustrie habe den Einbruch aus dem Frühjahr wettgemacht. Im November wurden in Deutschland zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass zumindest die Industrie bisher durch die gestiegenen Infektionszahlen und die neuerlichen Corona-Einschränkungen nicht spürbar beeinträchtigt wurde, so der Analyst Dr. Ralph Solveen. Er erwähnt, dass auf Basis einer Saisonbereinigung fast 19 Prozent mehr Autos produziert worden seien als im Oktober. Damit seien die saisonbereinigten Produktionszahlen sogar etwas höher ausgefallen als im Durchschnitt des Jahres 2019, also vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Weiter sagt er, hier auszugsweise im Wortlaut: Zunächst einmal zeigen die heutigen Zahlen aber einmal mehr, dass die Industrie von den deutlich gestiegenen Infektionszahlen und den neuerlichen von der Politik verhängten Corona-Einschränkungen kaum beeinträchtigt wird.

Autozulassungen

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat heute Mittag Daten für die Autozulassungen im November veröffentlicht. Die zeigen einen guten Ist-Zustand für die Autoindustrie. Im November wurden in Deutschland 290.150 Neuwagen zum Straßenverkehr zugelassen. Damit liegt man 3,0 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Die Anzahl privater Zulassungen nahm um +22,8 Prozent zu, ihr Anteil betrug 39,4 Prozent. Die gewerblichen Zulassungen gingen um -14,7 Prozent zurück. Die Autozulassungen bei Tesla explodieren mit +500 Prozent! Hier weitere Details des KBA, auszugsweise im Wortlaut:

Die deutschen Marken Opel (+17,1 %), Audi (+3,1 %) und Mercedes (+0,5 %) erzielten Zulassungssteigerungen. Bei den weiteren deutschen Marken zeigten sich Rückgänge, die bei Smart (-49,2 %), VW (-18,4 %) und Ford (-15,8 %) zweistellig ausfielen. Mit 17,6 Prozent erreichte VW erneut den größten Neuzulassungsanteil.

Bei den Importmarken fiel die Neuzulassungsbilanz im November überwiegend positiv aus. Zweistellige Zuwächse von mehr als 30 Prozent zeigten sich bei Tesla (+500,0 %), Fiat (+42,7 %) und Toyota (+33,1 %). Um mehr als 20 Prozent waren die Zulassungen bei Renault (+29,2 %) und Citroen (+28,6 %) gestiegen. Ein Zulassungsminus von mehr als 20 Prozent zeigte sich hingegen bei Ssangyong (-48,0 %), Jaguar (-34,8 %), Mitsubishi (-27,0 %), Alfa Romeo (-21,9 %) und Seat (-21,6 %). Den größten Neuzulassungsanteil verzeichnete hier Skoda mit 5,9 Prozent.

Neuzulassungen mit alternativen Antrieben erfuhren im November eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vergleichsmonat. Mit 28.965 Elektrofahrzeugen legte diese Antriebsart um +522,8 Prozent zu. 71.904 Hybridfahrzeuge bescherten ein Plus von +177,2 Prozent, darunter 30.621 Plug-in-Hybride, die einen Zuwachs von +383,4 Prozent erreichten. Flüssig- und Erdgasfahrzeuge erzielten zusammen ein Plus von +51,9 Prozent wobei der Anteil 0,5 Prozent betrug. Den größten Anteil bildeten dennoch mit 40,4 Prozent die Benziner, deren Neuzulassungsvolumen gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um -32,3 Prozent zurückging, gefolgt von den Diesel-Pkw, deren Anteil nach einem Minus von -25,2 Prozent 24,3 Prozent betrug.

Die folgende Grafik zeigt vor allem ganz rechts mit den roten Balken, wie alle Hersteller bei den Neuzulassungen (teils dramatisch) verlieren im Vergleich Januar-November 2020 zu Januar-November 2019. Nur Tesla boomt mit +37,2 Prozent!

Heute Statistik zeigt im Zulassungsrückgänge für die Autoindustrie

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Finanzaufseher reaktivieren den „legalen Bilanzbetrug“ bei Banken

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Vom legalen Bilanzbetrug bei den Banken sprach schon vor Monaten Markus Krall. Ja und auch Nein, kann man dazu sagen. Wenn der Staat durch neue Gesetze oder Verordnungen eine Änderung vornimmt, wird eben aus einer Straftat oder einem Vergehen eine legale Vorgehensweise – so kann man es auch sehen. Werden Kreditforderungen bei Banken uneinbringbar, und der Kreditnehmer zahlt monatlich Tilgung und Zins nicht mehr, müssen die Banken die Forderung unter normalen Umständen eigentlich abschreiben.

Damit entsteht ein Verlust, der aus dem Eigenkapital der Bank ausgeglichen werden muss. Da die Finanzaufseher von BaFin und EBA (europäische Aufsichtsbehörde) aber richtigerweise annahmen, dass die Coronakrise massenweise Kreditausfälle und somit gigantische Verluste bei den Banken bescheren könnte, entschloss man sich im April dazu, den Banken europaweit eine kleine und unauffällige, aber extrem wichtige Erleichterung zuzugestehen. Sie waren von April bis Ende September nicht verpflichtet, bei gestundeten Krediten Abschreibungen vorzunehmen beziehungsweise Rückstellungen zu bilden.

Oder um es klarer auszudrücken: Schrottkredite mussten nicht länger als Verlust verbucht werden, womit die Bankbilanzen keine milliardenschweren Verluste ausweisen mussten. Und das, obwohl die Kreditforderungen in den Büchern Schrott waren. In welchem Umfang dies der Fall ist und war, wissen wir nicht. Denn wenn die Banken in ihren Büchern wertlose Forderungen weiter als werthaltig deklarieren, wie soll ein externer Beobachter dann wissen können, wie groß der Umfang des Schrotts ist?

„Legaler Bilanzbetrug“ bei Banken wieder erlaubt

Und nun lief diese Sonderregel bis Ende September. Von da an mussten auch diese wackligen Forderungen wieder wie früher sauber verbucht werden. Aber nun läuft ja die zweite Corona-Welle durch Europa. Viele neue Insolvenzen und damit ausgefallene Kredite drohen. Und was sehen wir da? Zack, EBA und BaFin veröffentlichten gestern die „Reaktivierung der Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien“. Dass es im Kern darum geht, dass Banken Schrott erneut nicht mehr als Schrott deklarieren müssen und daher auch keine Verluste ausweisen müssen, das wird so nicht direkt erwähnt. Man verweist nur auf die Reaktivierung einer alten Leitlinie (aber dort kann man es bei genauem Hinschauen nachlesen).

Zitat EBA aus April:

The aim of these Guidelines is to clarify the requirements for public and private moratoria, which if fulfilled, will help avoid the classification of exposures under the definition of forbearance or as defaulted under distressed restructuring.

Zitat BaFin im März:

So ist beispielsweise ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden.

Das Gute an dem Zeitpunkt könnte auch sein, dass sie über den Jahreswechsel (Stichtag 31.12.) gültig sind. Könnten Banken so die Chance haben, für das Gesamtjahr 2020 massenweise Schrottkredite als vollwertige Forderung im Jahresabschluss auszuweisen, womit gigantische Verluste vermieden werden können, obwohl sie real vorhanden sind? Denn die von nun an erfolgte Reaktivierung bedeutet, dass die Banken bis März 2021 wieder so tun können, als würden Schrottkredite vollwertige Forderungen in ihren Büchern darstellen. Ohne diese Reaktivierung müssen Banken automatisch damit beginnen Rückstellungen zu bilden für ausgefallene Kredite, bei denen die Kunden mit ihren Zahlungen mehr als 90 Tage im Verzug sind. Laut EBA können auch Kredite, die bislang nicht in den Genuss dieser „Erleichterungen“ kamen, nun auch von Zahlungsaufschüben profitieren.

Die BaFin erwähnt dazu, dass problematische Kredite auch weiterhin als solche in den Büchern ausgewiesen werden sollen. Aber hey, wenn ich Problemkredite als saubere Kredite deklarieren darf, dann nutze ich diese Gelegenheit doch? Zitat BaFin:

Die Reaktivierung werde sicherstellen, dass Darlehen, die bisher nicht in Zahlungsmoratorien einbezogen waren, nun auch einbezogen werden können. Die EBA will erreichen, dass die Institute weiter Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Problematische Engagements sollen sie aber sauber in ihren Bilanzen abbilden. Daher darf eine neue Zahlungsentlastung – einschließlich ggf. bereits schon gewährter Zahlungsentlastungen – nur innerhalb von insgesamt neun Monaten fällige Zahlungen betreffen.

Die EBA erlaubt den Banken neue Zahlungsziele ohne genaue Prüfung jeden Kredits zu akzeptieren. Die neue Regelung soll wie gesagt bis Ende März 2021 gelten. Wohl um so zu tun, als würde man die Zügel diesmal enger anziehen und die Lage genau im Griff haben, führt man zwei verschärfende Beschränkungen ein, die aber auch für bereits bestehende Moratorien schon gelten.

So sollen die Banken ihrer jeweiligen Aufsichtsbehörde (in Deutschland der BaFin) Pläne vorlegen, aus denen hervorgehen soll, wie man sicherstellen will, dass man rechtzeitig die Zahlungsunfähigkeit eines Kreditkunden in Bezug auf die dem Moratorium unterliegenden Kredite bemerkt. Klingt doch ziemlich nach Erstellung von ein paar schönen Seiten Papier, die abgeheftet werden. Wir denken uns einen Notfallplan aus, reichen den beim Amt ein, und hoffen das Beste. Die Aufsichtsbehörde hofft auch das beste, und ist froh, dass wie vorgeschrieben ein „Plan“ eingereicht wurde?

Und noch was. Wenn im Rahmen eines allgemeinen Zahlungsmoratoriums durch Banken neue Zahlungsziele vereinbart werden, dann dürfen sie nicht länger als neun Monate dauern. Damit wird die Dauer eines Moratoriums gegenüber einem Kreditnehmer ab 30. September insgesamt gekappt. Dabei sollen auch die vor dem 30. September bestehenden Moratorien mit einbezogen werden. Auch für sie gelten die neuen Regeln, selbst wenn dann die Spanne von neun Monaten überschritten werden sollte.

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