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Der aktuelle Blick des IWF auf die Eurozone…

Von Claudio Kummerfeld

Nach dem gestrigen Treffen hat der IWF seine aktuelle Sichtweise auf die derzeitige Entwicklung der Eurozone veröffentlicht. Der IWF ist der Meinung, dass derzeit eine zyklische Erholung der Eurozone im Gange ist, die aber gefährdet ist und durch eine kräftige politische Unterstützung vorangetrieben werden soll. Grund für die derzeitige Erholung laut IWF: der schwache Ölpreis, der schwache Euro und die Geldschwemme (QE) der EZB. Laut IWF ist das Griechenland-Problem bei rechtzeitiger und kräftiger politischer Hilfe in den Griff zu bekommen.

Der mittelfristige Ausblick für die Eurozone sei da schon düsterer aufgrund der schwachen Nachfragesituation in Europa und dem nur schleichenden Vorankommen bei strukturellen Reformen. Die Nachfrageseite soll u.a. dadurch angekurbelt werden, dass die Euro-Länder endlich die Bilanzen ihrer Banken aufräumen, also freischaufeln von faulen Krediten. Auf Deutsch gesagt: Länder wie Italien sollen laut IWF endlich „Bad Banks“ einführen, wie es Deutschland bereits getan hat. Auch würde das QE der EZB nicht so richtig wirken, solange die Bankbilanzen in Europa kaputt sind.

Der IWF weist auch darauf hin, dass in der Eurozone derzeit 7% aller ausgegebenen Kredite notleidend sind, also nicht bedient werden (non performing loans). Dies seit drei Mal so viel wie in den USA (ob man der Statistik wirklich glauben soll, kann man ernsthaft bezweifeln).
Externe Investoren könnten z.B. bei der Entschärfung der faulen Kredite helfen, indem sie den Banken faule Kredite abkaufen. Der IWF ist auch der Meinung die Eurozonen-Mitglieder sollten die Integration hin zu einer realen Kapitalmarktunion vorantreiben – also richtige gemeinsame Rettungstöpfe, ein einheitlicher Kapitalmarkt, Insolvenzrecht usw.

Fazit: Betrachtet man das gesamte Statement des IWF, zeigt sich: man möchte unbedingt, dass die europäische Politik Geld in die Nachfrageseite pumpt, z.B. in Infrastrukturprojekte, aber dann auch bitte in großem Umfang. Ebenfalls kann man die Aussagen so interpretieren, dass der IWF von Europa erwartet, endlich neues Geld nach Athen zu überweisen.



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1 Kommentar

  1. Das Statement ist sogar noch viel schlimmer: sie fordern nun offiziell eine Haftungsunion.

    „Einer für Alle, Alle für Einen.“ = am Ende alle tot

    Das daran zweifelhafte ist nur: wer wird denn am Ende noch kapitalstark genug sein, um zu haften, wenn rundherum schon alles schwächelt? Jetzt wird es langsam wirklich sehr gefährlich, denn das riecht sehr streng nach Totalenteignung.

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