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Der aktuelle Ölpreis-Absturz hat drei Gründe

FMW-Redaktion

Die Lagerbestände für US-Rohöl sind zwar in den letzten drei Wochen um 7 Millionen Barrels gefallen, aber herje, man schaue bitte auf die Grafik am Ende dieses Artikels. Sie zeigt die Lagerbestände seit Oktober 2015. Man ist immer noch voll am Top, und kommt nicht so recht davon runter. Die Tatsache, dass Rohöl bei den Lagern in den gestrigen Daten um 3,6 Millionen Barrels zurückging, ließ den WTI-Ölpreis gestern kurz über 50 Dollar springen (blauer Kreis).

Lagerbestände

Aber das war nicht nachhaltig. Denn beim genaueren Hinsehen wurde den Terminmarkt-Tradern gestern klar: Hey verdammt, die Benzinbestände und die Destillate sind in den Lagern um zusammen 6 Millionen Barrels gewachsen. Auch die US-Ölproduktion ist nun die 10. Woche in Folge gestiegen. Der Terminmarkt und so mancher Analyst fragt sich, wie man hört: Wann kommt denn endlich die Fördermengenkürzung der OPEC bei uns an? Wann entspannt sich das Überangebot endlich mal richtig? Vielleicht gar nicht, so unsere Fragen-Antwort? (tolles Wortspiel)

Libyen

Im Ölpreis-Chart sieht man rechts neben dem blauen Kreis den heutigen aktuellsten Absturz von 49,30 auf 48,50 Dollar. Grund hierfür sind die aktuelle Gerüchte, dass in Libyen zwei wichtige Öl-Felder wieder an den Start gehen und damit begonnen haben Öl für den Exportmarkt zu fördern. Es geht dabei um die Felder Sharara und El Feel, die zusammen ca 400.000 Barrels Kapazität haben sollen und diese nun auf den Weltmarkt bringen könnten. Ob und in welchem Umfang das nun wirklich geschieht, ist natürlich nicht exakt nachprüfbar, aber für diesen Rutsch von 80 Cents im Ölpreis hat dieses Gerücht schon mal gereicht.

Trump

Auch ist seit einigen Tagen in den Gedanken vieler Öl-Trader gerade in den USA das Bewusstsein vorhanden, dass US-Präsident Trump noch diese Woche ein Dekret erlassen will, das es ermöglichen soll in bisher blockierten Gegenden Öl und Gas zu fördern. Dabei geht es neben Gebieten auf dem Festland auch um Gebiete im Golf von Mexiko, im Atlantik oder in der Arktis. Barack Obama hatte es mit rechtlichen Hürden noch vor seinem Amtsende relativ schwer gemacht diese Gebiete wieder loszueisen für die Energieindustrie, aber Trump will es anscheinend jetzt versuchen, für mehr Jobs, mehr Business usw. Natürlich sind viele seiner Dekrete kläglich gescheitert, und auch hier wirkt es so, dass das ein schwieriges Unterfangen wird. Generell würde durch die Freigabe von bisherigen Schutzgebieten das Angebotsvolumen von in den USA gefördertem Öl noch weiter und schneller steigen. Unterschwellig fördert diese Angst einen aktuell schwachen Ölpreis, auch wenn das alles natürlich nicht von heute auf morgen funktioniert.

Der Ölpreis hat die Gewinne, die er seit Ende März gemacht hatte, jetzt wieder abgegeben. Dabei ging es doch für die Öl-Bullen so schön bergauf dank der OPEC-Euphorie, dass die Födermengenkürzung wirklich etwas bringe. Da nützt es aktuell auch wenig, dass der OPEC-Generalsekretär Barkindo heute sagt der weltweite Überhang sei dabei zurückzugehen. Übervolle Lager müssten aber „noch weiter“ fallen, so seine Aussage. Die bringt aktuell aber nichts im Sinne von steigenden Ölpreisen.


Der WTI-Ölpreis seit 21. März.



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1 Kommentar

  1. Wie gesagt, mich würden in diesem Zusammenhang auch die aktuellen Daten zur Entwicklung des
    US – Erdöl v e r b r a u c h s interessieren.
    Nicht, daß man demnächst mal wieder völlig überrascht feststellen muß, es war schon die beginnende Rezession der US-Wirtschaft, die hier so ihre Zeichen „setzt“. ;-)

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