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Anleihen

Der Anleihemarkt riecht Blut! Seltsame Bewegungen bei deutschen Staatsanleihen..

Während die Aktienmärkte fröhlich nach oben marschieren und vor Sorglosigkeit fast schon tropfen, gibt es merkwürdige Bewegungen am deutschen Anleihemarkt! Die Tektonik der Finanzmärkte verschiebt sich gerade heftig – und die Anleihemärkte sagen uns: da kommt ein Edrbeben!

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Während die Aktienmärkte fröhlich nach oben marschieren und vor Sorglosigkeit fast schon tropfen, gibt es merkwürdige Bewegungen am deutschen Anleihemarkt! Seit dem Sieg von Trump sind ja Staatsanlehen im Sinkflug – die einen mehr (Emerging Markets, USA, Italien etc.), die anderen weniger (vor allem deutsche Staatsanleihen).

Nun aber tut sich Merkwürdiges bei deutschen Staatsanleihen, vor allem bei der 2-jährigen deutschen Staatsanleihe, die als Euro-Schatz-Future an der Eurex gehandelt wird:

schatz23-11-16
(Schatz-Future – steigt der Kurs, fällt die Rendite, die Deutschland den Käufern der Anleihe bieten muß)

Und die Rendite der 2-jährigen deutschen Anleihe fällt heute auf ein neues Allzeittief! Was ist da los?

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Mit anderen Worten: das kann nur bedeuten, dass Investoren derzeit massiv in deutsche Staatsanleihen flüchten – vor allem in die kurzen Laufzeiten! Warum machen sie das? Weil sie Blut riechen. Sie antizipieren, dass nun Deutschland im Vergleich zu den USA der sichere Hafen ist, weil der Haushalt Deutschlands einigermaßen in Ordnung ist, während in den USA eine Schuldenlawine losrollt.

Der Vergleich zwischen der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe und der amerikanische 10-jährigen Staatsanleihe, die in den letzten Jahren meist recht parallel laufen, zeigt, wie sehr die Dinge hier auseinander driften seit einigen Tagen:

bund-und-us10-jaehrige
(Bundesanleihe schwarz, 10-jährige US-Anleihe orange)

Die Tektonik der Finanzmärkte verschiebt sich gerade heftig – und die Anleihemärkte sagen uns: da kommt ein Edrbeben!

Und der Dax hat auch irgendwie schlechte Laune:

dax23-11-162

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Nobbi

    23. November 2016 11:29 at 11:29

    ja derzeit herrscht chaos, die Märkte spielen verrückt.. deutet auf eine größere Bewegung demnächst hin aber vermutlich erst nächste Woche, aufgrund von Thanksgiving

  2. Avatar

    Marc

    23. November 2016 11:42 at 11:42

    Wenn jetzt die US Märkte korrigieren, armer Dax!

  3. Avatar

    frank.trg

    23. November 2016 12:17 at 12:17

    danke für den Beitrag, aber wieso kommt nun ein „Erdbeben“? Der Zinsverlauf ist doch ganz „normal“. Eine normale Zinskurve sieht so aus, dass die kurzen Zinsen (< 2Jh) niedrig sind und die langen Zinsen (10-jährige, od. 30-jährige) hoch sind. Genau das ist in Deutschland der Fall. Die kurzen Zinsen fallen, die langen Zinsen steigen. Also alles normal. Ungewöhnlich wäre es nur wenn es andersherum wäre, Stichwort inverse Zinskurve. ;

    10-jährige US-Staatsanleihen rentieren ungefähr mit 2,3% die 10-jährigen Deutschen mit 0,3%. Von Gleichlauf also keine Spur.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      23. November 2016 12:21 at 12:21

      @frank, aber der Abstand der Renditen ist lange eher gleich geblieben, siehe den Chart, in den letzten Tagen das extreme Auseinanderdriften. Erstaunlich ist doch, dass angesichts des sell-offs an den Anleihemärkten (mit steigenden Renditen) die 2-jährige deutsche Staatsanleihe heute ein neues Allzeittief bei der Rendite erreicht!

      • Avatar

        frank.trg

        23. November 2016 13:24 at 13:24

        danke für die Antwort. Jetzt verstehe ich es. Die 2-jährigen sind bislang also gleichgelaufen, nun ziehen aber die deutschen gegenüber den amerikanischen an. Aber wo sollen die Investoren denn sonst hin? So ungewöhnlich finde ich die Reaktion nicht. Ein „Erdbeben“ sehe ich deswegen aber nicht aufziehen.

  4. Avatar

    gerd

    23. November 2016 12:37 at 12:37

    Könnte es nicht auch sein, dass man der BRD auf längere Sicht auch nicht mehr so recht traut?
    Auf Sicht von zwei Jahren – bis zum Brexit-Termin- aber um so mehr?
    Ist jetzt nicht meine Meinung, aber ich stelle das mal so in den Raum. Weil ausgeschlossen ist ja nichts.

    • Avatar

      frank.trg

      23. November 2016 13:21 at 13:21

      so kann man es natürlich sehen. Demzufolge müsste man aber jeglichen Kursverfall als Vertrauensverlust werten. Die Deutschen Anleihen gelten immer noch als die sichersten, neben den Schweizerischen und den Japanischen, alle im negativen Bereich.

  5. Avatar

    Christoph

    23. November 2016 14:49 at 14:49

    sieht eher so aus, als ob einige BigPlayer der Eurozone weniger als zwei Jahre Restlebenszeit geben…

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Allgemein

EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Anleihen

China hält immer weniger US-Staatsanleihen – warum das kein Problem ist

Claudio Kummerfeld

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US-Flagge

China hält immer weniger US-Staatsanleihen. Laut aktueller Veröffentlichung des US-Finanzministeriums hielt China im Monat September ein Volumen von 1,061 Billionen US-Dollar. Vor genau einem Jahr waren es noch 1,102 Billionen Dollar. Der aktuelle Stand ist der niedrigste Wert seit drei Jahren. Der folgende Chart  zeigt, dass die Tendenz seitdem stetig fallend ist. Will sich da jemand unabhängig vom US-Dollar machen?

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Man kann gleich aus zwei Gründen sagen, dass diese Entwicklung für die USA als gigantischer Neuschulden-Aufnehmer kein echtes Drama darstellt. Denn die folgende Detailgrafik mit den aktuellsten Daten zeigt, dass das Volumen von US-Staatsanleihen, das durch ausländische Eigentümer gehalten wird, binnen Jahresfrist sogar gestiegen ist von 6,92 auf 7,07 Billionen Dollar.

Und zweitens kauft die US-Notenbank Federal Reserve genau wie die EZB und zahlreiche andere Notenbanken derzeit ja in gigantischem Ausmaß die Schulden des eigenen Landes auf. Nur so können die Länder in dieser Coronakrise massiv neue Schulden machen, und das auch noch mit traumhaft günstigen Konditionen. Seit Beginn der Coronakrise im März hat die Fed für 2 Billionen Dollar US-Staatsanleihen aufgekauft. Noch Mitte Februar lag die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen bei 1,57 Prozent. Jetzt sind es 0,86 Prozent.

Grafik zeigt die größten ausländischen Eigentümer von US-Staatsanleihen

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Allgemein

Logik der Transferunion: Fünf-Sterne fordern EZB zu Schuldenerlass für Italien auf

Claudio Kummerfeld

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am

Geld aus dem nichts von der EZB?

Die mit in der italienischen Regierung sitzende Fünf-Sterne-Bewegung hat heute in einem Blog-Eintrag die Europäische Zentralbank dazu aufgefordert, dass sie Italien einfach Schulden erlassen solle. Aber halt. Wie, was, warum? Die EZB kauft seit Jahren in Billionen-Höhe Anleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf, so auch die von Italien. Offiziell nicht, aber de facto werden die Regierungen von der EZB durchgefüttert (Staatsfinanzierung), mit oft nicht mehr vorhandenen Zinsen.

Und in der Coronakrise hat die EZB nochmal kräftig nachgelegt mit neuen Aufkaufprogrammen in Höhe von 1,35 Billionen Euro. So konnten die Länder in der Eurozone sich in der Coronakrise weiter kräftig verschulden, und die EZB stand als Aufkäufer am Anleihemarkt stets parat. Nun soll die EZB laut Fünf-Sterne-Bewegung Italien doch bitte diejenigen Schulden erlassen, die mit der Schuldenaufnahme für die Bewältigung der Coronakrise zu tun haben. Laut dem Blog-Eintrag gehe es um eine Summe von 140 Milliarden Euro, die bis Jahresende noch auf 200 Milliarden Euro steigen werde.

Die Fünf-Sterne-Bewegung deutet auch an, dass man sich am liebsten die Streichung aller italienischen Schulden wünscht, die von der EZB gehalten werden. Aber doch auf jeden Fall diejenigen, die mit Corona zusammenhängen. Denn das wäre leicht machbar und fair. Tja, so ist das im sozialistischen Märchenland. Man nimmt Kredite auf, die man eh nicht zurückzahlen will. Und in diesem Fall… was soll´s, die EZB gehört ja eh den Mitgliedsstaaten, also auch Italien? Daher kann man praktisch selbst Geld drucken, es an sich selbst verleihen, und dann sich selbst (über das Vehikel der EZB) die eigenen Schulden erlassen?

So einfach geht Politik im linken Märchenland, wo Geld aus dem Nichts entsteht, wo es nicht erwirtschaftet werden muss, und wo aus so einer Vorgehensweise keinerlei Probleme entstehen. Und natürlich, da kann man sich sicher sein… selbst wenn die EZB diese Forderungen gegenüber Italien wirklich streichen würde (was nicht passieren wird), dann wäre dies nicht die letzte derartige Forderung. Dann würde es heißen: Schaut her, es geht doch. Dann kann die EZB von nun an auch als Dauer-Einrichtung neue Anleihen kaufen, und danach auf die Rückzahlung der Forderungen verzichten. Dass die EZB dann selbst Verluste in Billionenhöhe anhäufen würde, welche wiederum Italien und alle anderen Eigentümer der EZB zu bezahlen hätten… egal.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank twitterte zu dieser Forderung aus Italien vor wenigen Minuten, dass dies die politische Logik der Transferunion sei. Ja, was soll man dazu noch sagen? Erst das Geld nehmen, und dann nicht zurückzahlen wollen, weil man es sowieso nie vor hatte. Das Geld entsteht ja irgendwo im luftleeren Raum. Aus der Illusion wird eine Wirklichkeit. Wo ist also das Problem, wenn man diese Schulden einfach streicht? So einfach und angenehm ist diese linke Sichtweise auf komplexe finanzielle Zusammenhänge.

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Anmeldestatus

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