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Der Anstieg des Dow Jones in historischen Dimensionen – Ähnlichkeiten zur Dotcom-Blase

FMW-Redaktion

In der 120-jährigen Geschichte des Dow Jones Average hat es schon viele extreme Bewegungen gegeben, und derzeit läuft einer der Extremsten! Wir hatten bereits darauf hingewiesen, dass gemessen am Relative-Stärke Index (RSI) der Index mit einem Stand über 87 noch nie so überkauft war wie derzeit, seit der Wahl Donald Trumps stieg der Dow Jones um knapp 1600 Punkte.

Hauptprofiteure in dem Index sind die beiden Banken Goldman Sachs und JP Morgan, die jeweils über 20% zulegen konnten und damit knapp ein Drittel des gesamten Anstiges des Dow Jones ausmachten. Von den 30 Unternehmen im Dow legten 25 Werte zu, acht davon stiegen seit der Wahl Trumps mehr als 10%. Der Index hat nun sieben Handelstage auf einem neuen Rekordhoch infolge beendet, wobei der durchschnittliche Anstieg in den letzten beiden Wochen 0,18% pro Handelstag beträgt. Das ist etwas weniger ist der durchschnittliche Anstieg im Frühjahr 1999, als der Index in etwas mehr als einem Monat von 10.000 auf 11.000 Punkte gestiegen war.

A propos 1999: im März des Jahres 1999 übersprang der Dow Jones erstmals die 10.000er-Marke, im Mai diesen Jahres war dann die 11.000er-Marke erreicht, danach ging es bis Januar 200 noch einmal gut 700 Punkte nach oben, bevor dann die Dotcom-Blase Anfang 2000 zu platzen begann.

Der letzt so schnelle Anstieg von mehr als 1000 Punkten im Dow Jones war also auf dem Hochpunkt der New Economy-Blase. Seit dem Jahr 2013 brauchte es für einen Anstieg von 1000 Punkten durchschnittlich 324 Tage – also fast ein Jahr. Zum Vergleich: als der Dow Jones im Jahr 1972 erstmals die 1000-Punkte-Marke überwand, dauerte es 5200 Tage, bis er dann im Jahr 1987 die 2000er-Marke überbot. Jedenfalls ist der aktuelle Anstieg von gut 1000 Punkte der bislang Schnellste in der Geschichte des Index, jedoch aus nachvollziehbaren Gründen nicht der prozentual größte Anstieg bislang.

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Seit der Trump-Wahl haben die globalen Aktienmärkte nun zwei Billionen Dollar an Marktkapitalsierung hinzu gewonnen – etwa genau so groß sind übrigens die Verluste an den globalen Anleihemärkten.

Vielleicht lässt sich die Rally an den US-Märkten mit den Geschehnissen im Jahr 2013 in Japan vergleichen. Damals gewann der jetztige Ministerpräsident Abe die Wahl, durch ihn schien alles anders zu werden, er hatte eine ultraexpansive Geldpolitik versprochen um die Deflationzu bekämpfen und dann auch tatsächlich durchgeführt. Viel geändert hat das bei der Inflation in Japan jedoch nicht. Nach dem Wahlsieg Abes jedenfalls stieg der Nikkei über 50% an – doch von ganz anderen Bewertungsniveaus kommend als die US-Aktienmärkte derzeit, die beim S&P500 mit einem KGV von 18 schon sehr hoch bewertet ist (faktisch dürfte das KGV eher bei 20 liegen, weil die derzeitigen Gewinnprognosen kurz vor der US-Berichtssaison wie jedesmal gesenkt werden).

In seinem gestrigen Webcast hat der Bond-King Jeff Gundlach prognostiziert, dass die US-Aktienmäkte mit dem Amtsantritt Trumps fallen würden. Vielleicht schon vorher, vielleicht später – aber jedenfalls ist die derzeitige Euphorie der New-Economy-Blase sehr ähnlich: man preist Dinge ein, die nicht der Fall sind, aber der Fall sein sollen irgendwann. Es wäre nicht erstaunlich, wenn man im Rückblick von der Trump-Blase und dann dem Trump-Crash sprechen würde..



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5 Kommentare

  1. Das wird ein sehr bitteres Erwachen geben.. genauso wie der Brexit beim FTSE bejubelt wurde/wird.. wird es auch dort mittelfristig nach unten gehen. Sobald der Stein ins Rollen kommt wird es einen harten Abverkauf geben.. Mit FED wird vermutlich nochmal neues Hoch kommen, bevor der erste Abverkauf einsetzt.. der wird dann auf Windowdressing harmlos ausfallen und Anfang 2017 wird wie Anfang 2016 ein harter Abverkauf kommen.. Die Manipulation wird nicht ewig funktionieren.. der „freie“ Markt wird sich irgendwann durchsetzen..

  2. wo kann man den Relative Stärke Index einsehen?

    1. Im MT4findet sich unter „Indikatoren“ der Eintrag RSI. Den einfach auf den Bildschirm ziehen, und ggf. anpassen.

  3. „Hauptprofiteure in dem Index sind die beiden Banken Goldman Sachs und JP Morgan, die jeweils über 20% zulegen konnten und damit knapp ein Drittel des gesamten Anstiges des Dow Jones ausmachten.“

    Und genau darum geht es doch, die Banken, die Versicherungen, die Finanzmarktwelt.

    Das waren, eben genau jene , die seit Lehman in den Keller gerassellet sind (und zwar überdurchschnittlich !!!) – die „Skandalnudel“, Deutsche Bank, weiß davon ein Lied zu singen sind, oder ? :D

    Steigende Zinsen tun der finanzmarktwelt gut, weil wir wegen Lehman viel zu lange auf einem Billigstzinsniveau daherdümpelten, deswegen werden beispielsweise Gebühren für Girokonten erhöht.

    Und den freien Markt sehen wir hier nicht, wir sehen einen Markt , der durch QE-Programme, beginnend mit der Lehman-Krise, verzerrt wurde, verzerrt deswegen, weil die Anleihenmärkte dadurch künstlich aufgeblasen wurden, wie ein Luftballon.

    VG

    Marko

  4. Nach dem Wahlsieg Abes jedenfalls stieg der Nikkei über 50% an – doch von ganz anderen Bewertungsniveaus kommend als die US-Aktienmärkte derzeit, die beim S&P500 mit einem KGV von 18 schon sehr hoch bewertet ist (faktisch dürfte das KGV eher bei 20 liegen, weil die derzeitigen Gewinnprognosen kurz vor der US-Berichtssaison wie jedesmal gesenkt werden).

    Aha, der Aktienmarkt (US) ist schon sehr hoch bewertet ? Mag sein .

    Nur, was soll man da noch zum Anleihenmarkt sagen ? Etwas hoch bewertet ? Ein kleines bißchen (Anleihen KGV) ?

    http://www.boerse.de/indizes/dax-kgv-und-anleihen-kgv/grafik

    Was ist eigentlich mit dem Ölpreis, der müsste doch ebenso in den Keller rauschen ?

    VG

    Marko

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