Allgemein

Der Ausverkauf des Euro und das Versagen der EZB

Der Ausverkauf des Euro und das Versagen der EZB

Das Währungspaar Euro gegen den US-Dollar (EURUSD) befindet sich in einem rasanten Abwärtssog. Schuld daran ist vor allem das Zögern der EZB. Während die US-Notenbank Fed die Warnsignale erkannt hat und die Geldpolitik schnell straffen will, zögert die EZB weiterhin die längst überfällige Zinserhöhung hinaus. Im Gegenteil: Man pumpt bis mindestens Juli weiter fröhlich Liquidität in die Märkte, obwohl die Inflation in der Eurozone bereits auf einem Rekordwert von 7,5 Prozent notiert. In manchen EU-Staaten wie Spanien und der Niederlande liegt die Teurungsrate indes schon über 10 Prozent. Das Zögern der Europäischen Zentralbank wird demnach zu einer immer größeren Belastung für den Euro. Sie riskiert nicht nur eine aus dem Ruder laufende Inflation, sondern gefährdet auch die Kaufkraft und Ersparnisse der Menschen, also ihren Wohlstand.

Innerhalb der EZB mehren sich zwar die hawkishen Töne, im Kern hält sie aber an ihrer ultralaxen Geldpolitik fest. Anstatt für eine Preisstabilität zu sorgen, ist die Finanzierung des verschuldeten Euroraums zu ihrem Primärziel geworden. Die Auswirkungen schlagen sich derzeit im Wechselkurs des Euro gegen den US-Dollar (EURUSD) nieder. Der Euro setzt seine Abwertung ungebrochen fort und verliert damit an den Märkten an Wert und Kaufkraft. Zudem zeigt sich an der ausufernden Inflation, dass sich die monetäre Überversorgung während des vergangenen Jahrzehnts und im Speziellen nach dem Corona-Crash rächt.

Die EZB hat versagt und muss endlich handeln

Um nicht vollends die Kontrolle über die Inflation zu verlieren und das Vertrauen in die Notenbank weiter zu beschädigen, muss die EZB reagieren – eher heute als morgen. Die US-Notenbank Fed hat den Weg geebnet, man muss nur noch folgen. Der Entschluss der EZB, die Anleihekäufe im dritten Quartal zu beenden, ist richtig, hätte aber schon früher kommen können. Ausreichen tut das allerdings noch lange nicht. Das Ende der Negativzinsen muss in diesem Jahr her. Das würde zumindest den Anstieg der Kapitalmarktzinsen ausbremsen und den Euro-Wechselkurs stützen.

Die Inflation ist nämlich gekommen, um zu bleiben. Daher fordern auch immer mehr Ökonomen die Zentralbank zum Handeln auf. Anstatt ihre Position der ultralockeren Geldpolitik nur zu überdenken, ist jetzt die Zeit gekommen, die beachtliche Geldentwertung und Abwertung des Euro zu stoppen. Eine Rezession scheint angesichts der zahlreichen Belastungsfaktoren sowieso unausweichlich zu sein – also besser Handeln und ein wenig die Kontrolle bewahren, als unkontrolliert in die Rezession/Stagflation zu steuern. Ein Versagen muss man der EZB auf jeden Fall attestieren. Dies hat bereits die Weltbank getan, als sie in ungewöhnlicher Schärfe den laxen Umgang der großen Zentralbanken mit der Inflation kritisierte. Nach Meinung der Weltbank reagieren die großen Zentralbanken wie in den 1970er-Jahren viel zu spät auf den Inflationsschock.

EURUSD: Der Absturz des Euro gegen den US-Dollar

Am 03.01.2021 hat der intakte Abwärtstrend im Währungspaar EURUSD begonnen. An dem Tag erreichte der Euro gegen den US-Dollar ein Hoch bei 1,234 USD. Heute Vormittag ist der Kurs mit dem Rutsch unter die Marke von 1,06 USD schließlich auf ein neues Zweijahrestief gefallen. Zudem hat das Währungspaar den gesamten Anstieg seit dem Corona-Crash negiert. Die Tiefs aus Mitte März 2020 bei 1,0636 USD stellen einen großen Support-Bereich dar. Ein Wochentief darunter würde den Abwärtstrend auf Wochenbasis bestätigen. Mit dem heutigen Tief bei 1,0585 USD hat der Wechselkurs ein tieferes Tief markiert. Allerdings schnellte der Kurs des Währungspaar anschließend wieder über die runde Marke von 1,06 US-Dollar.

Aufgrund des anhaltenden Abwärtstrends drängt sich die Frage nach den nächsten Rückzugsmarken auf. Unterhalb von den Tiefs bei 1,0635 USD befindet sich die nächste markante Unterstützungszone erst wieder bei rund 1,05 USD. Darunter rückt das Mehrdekadentief vom Januar 2017 bei 1,0339 USD wieder in den Mittelpunkt.

Für das Währungspaar EURUSD geht es an der Unterstützung bei 1,0636 um viel. Kann die markante Zone gehalten werden, dann besteht die Chance auf eine mehrwöchige Pullbackphase. Die ersten interessanten Anlaufpunkte liegen bei 1,080 und 1,0938 USD. Für eine nachhaltige Wende zum Besseren müsste der Euro dagegen den Abwärtstrend nach oben brechen. Dafür müsste jedoch das lokale Hoch bei 1,1184 überwunden werden, doch davon ist der Kurs noch weit entfernt.

Währungspaar Euro vs US-Dollar (EURUSD) - EZB und der Verfall

Disclaimer

Offenlegung gemäß § 80 WpHG zwecks möglicher Interessenkonflikte:
Der Autor dieser Veröffentlichung erklärt, dass er jederzeit in einem der genannten und analysierten bzw. kommentierten Finanzinstrumente investiert sein kann. Dadurch besteht möglicherweise ein Interessenkonflikt. Der Autor versichert jedoch, jede Analyse und jeden Marktkommentar unter Beachtung journalistischer Sorgfaltspflichten, insbesondere der Pflicht zur wahrheitsgemäßen Berichterstattung sowie der erforderlichen Sachkenntnis, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit erstellt zu haben.

Die Autoren der Veröffentlichungen verfassen jene Informationen auf eigenes Risiko. Analysen und Einschätzungen werden nicht in Bezug auf spezifische Anlageziele und Bedürfnisse bestimmter Personen verfasst. Veröffentlichungen von XTB, die bestimmte Situationen in den Finanzmärkten kommentieren sowie allgemeine mündliche Aussagen von Mitarbeitern von XTB hinsichtlich der Finanzmärkte, stellen keine Beratung des Kunden durch XTB dar und können auch nicht als solche ausgelegt werden. XTB haftet nicht für Verluste, die direkt oder indirekt durch getroffene Handlungsentscheidungen in Bezug auf die Inhalte der Veröffentlichungen entstanden sind.

Risikohinweis:
CFDs sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. 72% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFDs funktionieren und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren. Anlageerfolge sowie Gewinne aus der Vergangenheit garantieren keine Erfolge in der Zukunft. Inhalte, Newsletter und Mitteilungen von XTB stellen keine Handlungsansätze von XTB dar.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

16 Kommentare

  1. „Das Ende der Negativzinsen muss in diesem Jahr her. Das würde zumindest den Anstieg der Kapitalmarktzinsen ausbremsen und den Euro-Wechselkurs stützen.“
    Steigender Leitzins = sinkende Kapitalmarktzinsen? Ich dachte, steigende Leitzinsen treiben die Kapitalmarktzinsen noch mehr in die Höhe. Ist man ketzerisch könnte man auch vermuten, dass der Markt ohnehin macht was er will, unabhängig von Zentralbanken. Also wenn die Zentralbanken die Zinsen (endlich) erhöhen, sinken sie am Markt schon wieder. Daraus den Schluss zu ziehen, dass die Zentralbank dafür verantwortlich ist, ist aber möglicherweise falsch, es wäre demnach eine normale Marktregulierung.
    Zinsen können je nach Sektor die Inflation dämpfen oder anheizen. Auf dem Hypothekenmarkt wirken sie klar dämpfend auf die Immobilienpreise, bin ich aber ein Unternehmen das einen Investitionskredit braucht, werde ich die höheren Finanzierungskosten an die Lieferkette und das Endprodukt weitergeben.

  2. Man sollte die EZB-Chefin mit 900,00€ in Rente schicken. Hat nichts vernünftiges zu stande gebracht, ausser das Volk mit ihrer Inflationsrate für blöd verkauft.

  3. Okay danke für die Analyse, dieses Problem ist also gelöst. Brauchen wir nur noch eine Lösung für die „Flache Klickbait Blogpost“ Inflation

  4. Dipl.-Kfm. Udo Kreuder

    Es ist schon erstaunlich, wie lange sich eine Frau Lagarde in einer solch entscheidenden Position halten kann bei den Fehlentscheidungen und ihrem wiederholt gezeigten Mangel an fachlicher Kompetenz und kein Aufschrei der Gesellschaft zu vernehmen ist…

  5. Wenn der Euro auch zum Rubel verliert, wird Öl und Gas nochmal teurer. Aua!

  6. Pingback: Meldungen & Nachrichten vom 28.04.2022 | das-bewegt-die-welt.de

  7. Der Autor hat hier eine völlig falsche Annahme und zwar das die Inflation von der Geldmenge bestimmt wird.

    Die Inflation wird/wurde durch:

    – Zerstörte Lieferketten
    – Mehrwertsteuer Erhöhung
    – Energieknappheit wegen Russland

    ausgelöst.

    Werden diese Probleme in den nächsten Jahren behoben, legt sich das Thema wieder.

    Die Anleihenkaufprogramme wurden benötigt, damit der Staat genügend Geldmittel zur Verfügung hat, die C.Krise abzufedern.

    Maßnahmen die der Staat jetzt ergreifen sollte um seine Bürger zu entlasten und die Inflation in den Griff zu bekommen wären:

    – erneute Mehrwertsteuer Senkung
    – Einen vorübergehenden Gaspreisdeckel für Personen mit Gasheizung (den 1/2 durchschnittlichen Jahresverbrauch deckeln, nicht alles)
    – Zudem ein aufheben der Schuldenbremse und, wie ja eh schon geplant, ein großes Förderprogramm für erneuerbare Energien

    Zinsen erhöhen als „Allheilmittel“ zu verkaufen ist grob fahrlässig, zudem da sich Unternehmen, die sowieso bereits von der Inflation angeschlagen sind so auch noch hier mehr belastet würden…..
    was exakt Gegenteiliges bewirken würde

    1. @MMT, daher ist MMT die Lösung, haha! Die von Ihnen genannten Faktoren haben nur aufgrund der enormen Ausweitung der Geldmenge diesen inflationärenn Druck erzeugen können – ist das so schwer zu verstehen?

      1. Nagut ich lass mich mal auf ihr Beispiel ein….

        Also sagen wir mal wir hätten eine „stabile Geldpolitik“ betrieben (was auch immer sie darunter verstehen)

        und jetzt kommt Corona, ein Krieg innerhalb Europas und eine Energie-Krise….

        Als Folge: das Angebot von Gütern auf dem Markt sinkt….

        wo wäre die Inflation dann?

        und wie berechnen Sie diesen „Inflationsdruck“ verursacht durch die Geldmenge? gibts dazu Studien? Zusammenhänge? Kohärenzen zur Real-Wirtschaft?

        1. @MMT – sicherlich ist die momentane Inflation hauptsächlich durch eine Angebotsverknappung bedingt, aber es besteht die Gefahr, dass die hohe Inflation eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzt und darüber hinaus durch einen Vertrauensschwund eine Flucht aus der jeweiligen Währung stattfindet (wie z.B. bei @Helmut). Dadurch würde sich die Inflation sozusagen verselbstständigen.

          Hohe Zinsen haben bei einer Inflation – aus logischen Gründen – schon immer geholfen. Wenn aber eine immense Verschuldung besteht, wird das mit der Anhebung der Zinsen aber problematisch, da dieses eine unkontrollierbare Pleitewelle nach sich ziehen würde.

    2. @ MMT

      Sie scheinen ja ein ähnlich genialer Ökonom wie Herr Erdogan zu sein ;-)

      1. Was würden Sie dann machen um die Türkei aus dem ganzen rauszuholen?

        1. Erdogan zum Teufel jagen und den Reset-Knopf drücken…

        2. @ MMT

          Die Frage kommt wohl zu spät.

          Bei einer Inflation von 60 Prozent, Tendenz steigend, wird die türkische Notenbank voraussichtlich die Kontrolle verlieren.

          Da kann man nur noch zuschauen wann der Zeitpunkt erreicht ist, bis alle Dämme brechen. D.H. bis die türkische Nationalbank nicht mehr in der Lage sein wird, den Wechselkurs (vor allem zum Dollar) zu stabilisieren.

          Argentinien, Zimbabwe, Venezuela, etc. sind alles schöne Beispiele die lehren, was dann droht.

          Daher ist es auch eine tolle Idee, dass wir in Europa der Inflation mal einfach freien Lauf lassen.
          Und Fiskalprogramme, die direkt Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen sind natürlich ein grandiose Idee in einem inflationären Umfeld.
          Das ist diesmal natürlich vollkommen unproblematisch (wie uns die Geschichte lehren könnte). Dat hät noch immer jut jegangen ;-)

          1. Die Luftschlösser der EZB.

            Alle reden vom Green Deal und das dieser doch unser Energieprobleme mithelfen soll zu lösen.

            Die (noch nicht ganz vollzogene;-) Energiewende wird Billionen kosten und wir wollen am liebsten schon morgen von russischem Gas unabhängig werden. Das ist verständlich, aber auch realistisch?

            Herr Beck zumindest, hat da einige Zweifel:

            https://www.youtube.com/watch?v=ERCQ3ugDTBk

          2. @Richie Rich

            Argentinien, Venezuela, etc. hatten eine gewaltige Dysfunktionalität in der Wirtschaft, eine schlechte Fiskalpolitik hat den Ländern den Rest gegeben.

            Nicht vergleichbar mit unserer Situation.

            Nur Nebenbei…. Venezuela hatte auch damals die Zinsen angehoben… hatte aber nur einen kurzen positiven Effekt auf den Wechselkurs, dannach brach die Währung trotz der Zinserhöhen wieder ein.

            Fakt ist, es gab bisher in keinem Land eine Hyperinflation nur aufgrund einer zu hohen Geldmenge, dass eine stabil laufende Wirtschaft hatte.

            Beispiel:
            Die Hyperinflation in den 1920ern hatte ihren Ursprung in der Besatzungen der Industriegebiete der Gewinnermächte und der Zerstörten Infrastruktur Deutschlands.

            Somit hatte man eine schlechte Wirtschaft dessen wenige Produkte auch noch ins Ausland exportiert wurden um Kriegsschulden zu zahlen. Und in dieser Situation kam der grandiose Staat auf die Idee den Menschen Geld zu geben, damit sie sich Produkte (Lebensmittel, etc.) kaufen konnten, die nicht mehr produziert wurden. Angebot war knapp/nicht vorhanden -> Preis explodiert

            Dieser giftige Cocktail hatte die Hyperinflation ausgelöst…. und nicht die Geldmenge.

            Sorgt man mit einer guten Politik für eine Vollbeschäftigung in der Wirtschaft und Investiert an den richtigen Stellen (mit ganz bösen frisch gedruckten Geld), hat das einen Aufschwung zur Folge und nicht eine Inflation.

            Ich würde ebenso Behaupten, die Inflation, die wir jetzt gerade sehen hätte vermieden werden können, hätten wir in den letzten Jahren mehr Geld in die Handgenommen und in erneuerbare Energien investiert.

            Ebenso hätten wir, wie der liebe Herr Habeck schon sagte, 50 Mrd. pro Jahr in unsere Infrastruktur investieren sollen, dann hätten wir auch keine Rückständigen Straßen und nicht diese ewigen Internet Probleme etc.

            Zu deinem Türkei/Erdogan-Satz…. es ist natürlich leicht ohne genauere Betrachtung der Situation alles auf die Geldmenge zu schieben, dass machen ja unsere lieben Crashpropheten auch so gerne. Dabei werden grundlegende Sachen ignoriert, die erklären würden, warum die Türkei in dieser Situation ist (Fremdwährungsverschuldung, riskante Währungsspekulationen, etc.)

            wenn du dich da mehr einlesen willst: https://www.fspiecker.de/2021/12/30/haben-wir-nichts-aus-frueheren-waehrungskrisen-gelernt-der-fall-der-tuerkischen-lira-teil-1/

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage