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Der Crash im Jahre 1929 – gibt es heutzutage wirklich Parallelen oder warum einiges doch deutlich anders ist!

Gemeinsamkeiten – und Unterschiede zwischen der Lage vor dem Crash 1929 und heute!

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Die Zahl 1929 wird als Drohkulisse immer wieder verwandt, wenn es an den Börsen nach langen Aufschwungphasen zu Blasenbildungen in Assetklassen kommt. Weil der damit verbundene Crash ein gutes Beispiel in der neueren Wirtschaftsgeschichte dafür ist, wohin die Gier nach raschem Reichtum führen kann. Aber hat sich seit diesen 90 Jahren Wirtschaftsentwicklung nicht vieles so verändert, was zumindest eine Wiederholung der „Great Depression“ verhindern wird?

Hier ein paar Überlegungen zu einem Thema, zu dem es mehr Bücher gibt, als in einen normalen Schrank passen würden.

 

Zur Vorgeschichte

Es gibt immer wieder Parallelen zu den 1920-er-Jahren in vielen Volkswirtschaften. Zu dieser Zeit hatte eine unglaubliche Hausse den Dow Jones auf bis zu 381 Punkten getrieben – 1923 lag er noch bei ungefähr 100 Punkten. Man erwartete eine „eternal prosperity“ – einen ewigen Wohlstand. In dieser Fehleinschätzung der Lage spekulierten nicht nur Großanleger und Firmen, auch zahlreiche Kleinanleger riskierten viel – Millionen nahmen kurzfristig Kredite auf, um sich davon Aktien zu kaufen (oft galten allein die Aktien als Sicherheit), in der Hoffnung, diese mit den Gewinnen zurückzahlen zu können.

 

Dazu kam eine extreme Vermögensungleichverteilung, Bilanztricksereien und das ein oder andere Schneeballsystem. Kommt einem irgendwie bekannt vor, zur Zeit dominiert der Glaube an die (All)Macht der Notenbanken.

 

Die Folgen – the „Great Depression“

Kennzeichnend für die damalige Weltwirtschaftskrise war ein starker Rückgang der Industrieproduktion, eine Deflationsspirale, die Zahlungsunfähigkeit vieler Unternehmen und massenhafte Arbeitslosigkeit mit sozialem Elend und politischen Krisen.

Es sind die Bilder der Massenarbeitslosigkeit, die immer noch schockieren. In den USA stieg diese nach 1929 in den Folgejahren auf 25% (15 Mio. Amerikaner), die durchschnittlichen Einkommen fielen um 60%, im landwirtschaftlichen Bereich um 50%. In Deutschland kletterte die Arbeitslosigkeit bis 1932 auf ähnlichen Höhen, wie in den USA.

Dies führte auch zu gewaltigen politischen Umbrüchen und zur Radikalisierung, wir Deutsche können leider ein Lied davon singen. Der Dow Jones fiel bis 1932, erst im Sommer 1932 war der Boden bei 41 Punkten erreicht – der gleiche Wert wie im Mai 1896, dem Start des Dow Jones.

Der Index erreichte sein Hoch von 1929 erst im Jahre 1954 wieder, was natürlich auch mit dem zweiten Weltkrieg und seinen Folgen zusammenhing.

 

Was sind die Unterschiede zur heutigen Zeit?

Als Grund für diesen jahrelangen Jahrhundertcrash wurde die Reaktion der US-Notenbank auf die Kursexzesse genannt, die die Geldmenge im Anschluss an den „Schwarzen Donnerstag/Freitag“ 1929 um 30% verknappte. Das ist der wissenschaftliche Konsensus, dazu gesellte sich der stark aufgekommene Protektionismus. Eine überaus „hawkishe“ Fed im Zentrum einer Krise, heutzutage nicht denkbar.

Die heutigen Notenbanken kennen diese Zusammenhänge, am besten vielleicht der Ex-Fedchef Ben Bernanke (2006-2014), dessen Gedankenwelt geprägt war von der großen Depression ab 1929 – sie war sein Promotionsthema. Nach dem Crash ging es mit der Konjunktur bergab, die Banken gaben keine Kredite, der Geldfluss trocknete aus. Aus der sinkenden Kreditvergabe schloss die Fed, dass die Banken keine Liquidität bräuchten und ließ die Geldmenge schrumpfen. Mit den gerade zitierten katastrophalen Folgen.

Deshalb hat die US-Notenbank in der Finanzkrise ab 2007 die Lehren der dreißiger Jahre beherzigt. Fed-Chef Bernanke leitete in gigantischem Ausmaß Geld in die Finanzwirtschaft: Die Fed senkte die Leitzinsen auf fast null Prozent, gab Ausfallgarantien für Wertpapiere und Banken, arrangierte Rettungsmaßnahmen für Pleiteinstitute und kaufte schließlich massenhaft Anleihen auf. Nur hat man wieder den Fehler begangen, die Bilanz nicht rechtzeitig zurückzuführen und das Zinsniveau zu normalisieren.

Es gibt natürlich noch sehr viele Unterschiede zur damaligen Zeit wie die Existenz des Internets mit der zeitgleichen Verfügbarkeit von Informationen, Wellenbrecher an den Börsen mit automatischer Handelsunterbrechung, es gibt Börsenaufsichten (im Gegensatz zu 1929), heute sind die USA eine Dienstleistungsgesellschaft und nicht mehr von der Landwirtschaft dominiert.

Gleichgeblieben ist natürlich die Gier nach schnellem Reichtum, dafür nimmt man rasch Kredite auf und die Politiker unterstützen diese wundersame Geldvermehrung zumeist mit Abbau von Regulierungen in Schönwetterzeiten, weil es ja möglichst schnell gehen soll mit dem Reichwerden – am besten in einer Legislaturperiode.

 

Mein Fazit

Es wird keine Wiederholung à la 1929 geben, mit der damaligen Spirale der Deflation. Eher eine Inflationsspirale, denn die Notenbanken verfolgen mit ihrer Flut an billigem Geld gerade das Gegenteil. Ein schwacher Trost, denn im Prinzip werden die Folgen einer ausufernden Inflation auch zu gravierenden Vermögenseinbußen führen.

Ansonsten gibt es zu den „Roaring Twenties“ derzeit doch erschreckend viele Parallelen.

 

Ein „bank run“ in New York nach dem Börsencrash 1929

14 Kommentare

14 Comments

  1. Kritisch on fire

    3. April 2019 11:13 at 11:13

    Sehr geehrter Herr Müller!
    Mit ihren Analysen bin ich größtenteils einverstanden und finde sie ebenfalls größtenteils sehr treffend. Wie sie jedoch in ihrem letzten, heutigen Absatz zum Schluss kommen, dass die von ihnen erwartete ausufernde Inflation nicht am Ende in einer Deflationsspirale endet hat sich für mich noch nicht wirklich erschlossen?
    LG
    Kritisch

    • Wolfgang M.

      3. April 2019 12:17 at 12:17

      @Kritisch on fire. Da haben Sie eine wichtige Frage aufgeworfen. Das Thema ist doch, ob das Geld, welches von den Notenbanken gedruckt wird, nicht doch in die Realwirtschaft gelangt, dann haben wir die ausufernde Inflation. Bisher geht vieles an die Banken, die es nicht dem Kreislauf zuführen.
      Aber man muss sich nur anschauen, was die Reichsbank nach dem Ersten Weltkrieg gemacht hat. Sie hat Geld gedruckt, um den Staat zu finanzieren. Das führte zur Hyperinflation von 1923. Und wie sagte der Ex-Chelvolkswirt DB, Thomas Mayer:“ Es wäre zum ersten Mal in der Geschichte der Fall, dass eine monetäre Finanzierung des Staates nicht in einer politisch erzwungenen Geldvermehrung endete.“ Und das haben wir bereits in vielen Staaten.
      Deshalb denke ich eher an Inflation, als an Deflation, im Fall der Fälle.
      Viele Grüße

      • tm

        3. April 2019 12:53 at 12:53

        „Es wäre zum ersten Mal in der Geschichte der Fall, dass eine monetäre Finanzierung des Staates nicht in einer politisch erzwungenen Geldvermehrung endete.“ Und das haben wir bereits in vielen Staaten.“

        Wo denn? Das Geldmengengenwachstum ist doch nahezu überall sehr niedrig oder zumindest klar unter dem langfristigen Durchschnitt von vor 2008.

        Da sind die heutigen Parallelen zu 1929/33 auf jedenfall deutlich größer als die zu Deutschland 1923.

      • Kritisch on fire

        3. April 2019 13:00 at 13:00

        Sehr geschätzter Herr Müller!
        Vorab bedanke ich mich für ihre Antwort.
        Mein Ansatz zu meiner Meinung liegt aber darin, dass Deflation durch sinkende und zwar stark sinkende Preise eintreten wird, da man mit neu gedrucktem Geld die Wirtschaft ankurbeln wird wollen, jedoch die Konsumenten und Unternehmen mit ihrer ihnen eigenen Sensibilität einerseits den Konsum zurüchkschrauben werden (auf das Notwendigste) und andererseits die Unternehmen ihre Waren verkaufen werden wollen, was gezwungenermaßen die Preise senken wird. Also, aus meiner Sicht eine logische Spirale.
        Unabhängig davon glaube ich nicht daran, dass weiteres, ungezügeltes Gelddrucken nur infaltionäre Auswirkungen haben wird, weil meiner bescheidenen Meinung nach das Eine ohne dem folgenden Anderen nicht möglich ist.
        LG
        Kritisch

  2. Moritz

    3. April 2019 11:16 at 11:16

    Danke! Sehr schöne Gegenüberstellung. 🙂

  3. barthez

    3. April 2019 11:55 at 11:55

    Ja ,sehe ich genau so.Ich möchte ergänzend hinzufügen,daß am 15.08.1971 die Geldmenge von der limitierten Goldverfügbarkeit entkoppelt wurde.Die Folge ist eine völlig veränderte Risikobewertung der Geldschöpfung.Ein massiver Eingriff in die politische Bewertung von Privateigentum.Und der Grund für weitere Jahre der Sicherung des Weltfriedens.Das ist übrigens der Grund für das friedliche Zusammenleben in Europa, die Schaffung der EU kann nur einen eigenen kleinen organisatorischen Anteil daran geltend machen.Auch wichtig und wirksam zum Thema wäre, die Nichtmehrveröffentlichung der Geldmenge M3 seitens der FED ab 2006.Die Absprachen der ZB`s untereinander gehören sicherlich auch noch erwähnt.

  4. Übelkeit

    3. April 2019 13:30 at 13:30

    Die Notenbanken haben dafür gesorgt, dass der Zyklus künstlich verlängert wird, den Sysfemcrash können sie jedoch nicht verhindern. Dummes Ford wie ETFs wirken noch stabilisierend, aber wehe das Monster kommt erst einmal ins rutschen.

    Und die Inflation sehen wir vor allem bei den Assets. In der Realwirtschaft auch, aber deutlich geringer. Es fließt alles in die Spekulation. Wie 2008 wird beim Zusammenbruch das Geld knapp, da aus Panik keine Ausgaben getätigt und Kredite vergeben werden. Ergo Deflation.

    Die Inflation kommt erst später.

  5. Anni

    3. April 2019 13:32 at 13:32

    Ich sage nur: Immobilien…! Vielleicht nicht völlig gleich zu 1929, aber sehr sehr ähnlich. Jeder investiert momentan in Immobilien und davon viele zu 100% finanziert über die Bank. Mal sehen, wo das am Ende hinführt. Ich miete lieber erstmal weiter.

  6. Wolfgang M.

    3. April 2019 14:25 at 14:25

    Sehr schöne Diskussion hier mit gewichtigen Argumenten für die Deflationstheorie. Aber spinnen wir den Gedanken doch einfach weiter. Was würde denn bei einem richtigen Preiseinbruch bei Immobilien und Sachwerten geschehen? Die Halter von Bargeld (FIAT-Money) könnten sich diese Sachwerte zu Tiefstkursen einverleiben. Ist Geld nicht leichter zu entwerten, als Sachwerte? Hatten wir in den letzten 200 Jahren nicht über 270 Staatspleiten (allein Deutschland 7-mal dabei)? Deshalb ist für mich das Endszenario einer exponentiell sich verschuldenden Gemeinschaft die Inflation. Aber halt wann?
    Gruß

    • Kritisch on fire

      3. April 2019 16:39 at 16:39

      Noch einmal Hallo!
      Ja, auch ich finde die angeregte Diskussion sehr erfrischend und vorallem, was mich persönlich sehr freut, bisher auf einem angenehmen Niveau stattfindend. Jetzt aber zum Thema!
      Meiner Auffassung nach sind wir ja schon am Start der Deflationsspirale. Verursacht durch die schon fast panische Ausrichtung des Zinsniveaus auf Grund von Inflationszielen die nicht erreicht werden. Damit erreichen die sog. Zentralbänkler meiner Meinung nach genau das Gegenteil was sie eigentlich wollen (und das wissen diese in Wahrheit auch). Der einzige Grund für diese manische Ausrichtung nach der Inflationsrate liegt doch darin, dass nur durch Inflation Staatsverschuldung halbwegs im Griff zu halten ist – Hr. Draghi (Italiener) wird schon wissen warum er diesen Kurs verfolgt. In Frau Merkel hat er eine willfährige Gehilfin, da die ja mit der schwarzen 0 dem Volk Sand in die Augen streut.
      Irgendwie sollte man die Bürger über solch komplexe Zusammenhänge informieren um ENDLICH die Staats-Geldvernichter ihrer Ämter zu entheben und versuchen helle Köpfe an die Macht zu bringen, ausgestattet mit Gehältern von Spitzenmanagern und persönlichen Haftungen für ihre Handlungen. LEIDER nur ein Wunsch!

  7. Beobachter

    3. April 2019 16:12 at 16:12

    Ich denke, dass es diesmal mindestens so schlimm käme wie 1929 , denn. Ich denke dass es damals keine so grosse Unternehmensverschuldung gegeben hat,
    u. auch die Privatverschuldung wie Studentenkredite, Autokredite, Privatkredite u.s.w.damals weniger existierten. Meine Annahme,das es damals noch keine oder weniger Pensionsversicherungen gab, die z.B.heute zu etwa 80% in überteuerten Aktien angelegt sind u.bei einer 50% Korrektur drastische Folgen hätte.Vielleicht kann Wolfgang M. meine Annahmen bestätigen oder relativieren.
    Kurz u. bündig, heute wäre bei einem Crash die ganze Bevökerung betroffen, während es 1929 eher die Oberschicht ( Börseler ) betraf. Zudem würde heute ein Crash dank der Globalisierung das ganze Weltfinanzsystem erschüttern. GENAU DARUM DARF ES NICHT PASSIEREN , u.die Notbänker haben wieder alle Gelddruckmaschinen aktiviert. Für 3Monate hohe Aktienkurse wird wieder Alle verblenden.

  8. Wolfgang M.

    3. April 2019 16:57 at 16:57

    @Beobachter. Ihre Frage nach einem Vergleich zu den Schäden durch einen Aktiencrash à la 1929 in der heutigen Zeit dürfte unglaublich schwer zu beantworten sein. Klar würde ein Einbruch von 90% über 30 Bio.$ Verlust bedeuten, und damit mehr als ein Drittel der Marktkapitalisierung aller Börsen weltweit. Die Alterssparpläne der Amerikaner würde zertrümmert werden. Aber es gibt auch deutliche Unterschiede. Im Gegensatz zu damals sind heute nur noch 2% der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt und vieles läuft automatisiert ab. Damals, bei der großen Arbeitslosigkeit, mussten selbst Kinder 12 Stunden auf den Feldern arbeiten, um zu überleben. Dann die medizinische Versorgung, die Sozialsysteme, da merkt man schon den Fortschritt. Sie werden lachen, aber damals gaben die Banken noch hemmungsloser Kredite für Aktienspekulationen als heute. Selbst einfachste Arbeiter bekamen 90% Kredit von den Banken, um Aktien zu kaufen. Was wären aber die gesellschaftlichen Folgen? Die menschlichen Eigenschaften wie Angst und Gier, Hass und Neid, aber auch Empathie und Hilfsbereitschaft dürften sich nicht zu sehr gewandelt haben, dafür aber das Gefahrenpotenzial. Man denke nur an die hunderte Millionen (teilweise automatischen) Schusswaffen in den Staaten, damit könnte man eine Armee ausrüsten. Aber ich möchte nicht über die Folgen eines Jahrhundertcrashs spekulieren. Brutal, wären diese auf alle Fälle.
    Grüße

  9. Arthur Müller

    3. April 2019 18:19 at 18:19

    Man kann daraus fast immer schliessen das man aus der Geschicht nichts lernt, denn die gleichen Fehler widerholen sich immer im Turnus von zwei Generationen. Die erste Generation warnt und die zweite ignoriert die Warnungen.Das ist ein Indiz dafür das die Sucht nach dem schnellen Geld den Verstand blockiert.

  10. Lausi

    3. April 2019 20:22 at 20:22

    Ja, ja, die ewige Gretchenfrage: Wird nun die ganze „Chose“ (d.h. Überschuldung) in einer Deflation oder in einer Inflation enden. Das frage ich mich schon seit 2008. Letztendlich haben es mMn die Notenbanken in der Hand, und die scheinen – auf Teufel komm raus – keine Deflation zulassen zu wollen. Man braucht sich dafür nur die Bilanzen der Notenbanken anzusehen. Das Ende dieses „Spielchen“ kann nur eine Vertrauenskrise in die entsprechende Währung sein, und das kann – wie man am Beispiel von Japan sieht – auch mal locker 30 Jahre und mehr dauern. Vielleicht bringt ja eine weltweite Rezession das Boot zum kippen, wie sie jetzt möglicherweise ansteht. Herr Krall prognostiziert ja den großen Knall für 2020. Schaumermal

    Eine gute Metapher kann man hier sehen. Dabei muss man sich Herrn Adorf alias Generaldirektor Haffenloher als Zentralbank vorstellen – lol 🙂

    https://youtu.be/k25wI_TiYuU

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Rüdiger Born: Chance in US-Indizes?

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Hongkong – Proteste eine Gefahr für Zukunft des Finanzzentrums?

Nicht nur wegen der Proteste in Hongkong scheint China Pläne für eine Ablösung der Stadt als dominantes Finanzzentrum zu haben

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Hongkong gehört seit dem Abzug der Briten 1997 wieder zu China und hat eigentlich noch bis 2047 als so genannte Sonderverwaltungszone garantierte Sonderrechte. Diese sind durch die schon lange währenden Demonstrationen in Gefahr. China braucht Hongkong wirtschaftlich und umgekehrt. Aber jetzt bahnt sich eine neue Entwicklung an.

 

Hongkong – Bedeutung für Chinas Wirtschaft

Hongkong ist auf China angewiesen und vice versa. Wie amtliche Statistiken ausweisen, steht das Reich der Mitte allein schon durch seine geografische Nähe für die Hälfte von Hongkongs Handel. Zugleich stammen gut ein Viertel aller Auslandsinvestitionen in Hongkong aus China plus das Kapital aus diversen Steueroasen. Auch logistisch ist Hongkong vom Festland abhängig, denn ein Viertel des elektrischen Stroms bezieht man von dort sowie den größten Teil des benötigten Trinkwassers. Etwa 20 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet Hongkong mit Tourismus und Einzelhandel. Dabei kommen 80 Prozent der Touristen aus China, die in Hongkong Luxusgüter einkaufen.

Für chinesische Unternehmen hat Hongkong auch eine enorme Bedeutung. Die riesige Metropole ist ein Brückenkopf zu den globalen Finanzmärkten und Drehscheibe für viele Auslandsinvestitionen, die über die ehemalige britische Kronkolonie getätigt werden. Unbestritten auch die Dominanz der dort ansässigen Börse. Globale Investoren haben über die Börse in Hongkong 2,6 Billionen US-Dollar in chinesische Unternehmensaktien investiert. Chinesische Unternehmen nutzen die Stadt, um ausländisches Kapital einzusammeln. Dies ist aber nicht in Stein gemeißelt, wie wir gleich sehen werden.

 

Hongkong kämpft gegen die Rezession

 

Tourismus und Finanzindustrie sind wichtige Größen für das Bruttoinlandsprodukt Hongkongs. Die andauernden Proteste hinterlassen aber mehr und mehr Spuren in der Konjunktur. Allein die Schließung des Hongkonger Flughafens dürfte zu einem Ausfall von fast 14 Tausend Tonnen Fracht im Wert von rund 1,2 Milliarden US-Dollar geführt haben, wie ortsansässige Fondsmanager verlautbarten. Damit verbunden auch zurückgehende Besucherzahlen, schwächere Einzelhandelsumsätze und geringere Hotelbuchungen.

Hongkongs Regierung hat deshalb ein Konjunkturpaket im Wert von rund 19 Milliarden Hongkong-Dollar (circa 2,3 Milliarden Euro) angekündigt, was aber nicht besonders groß erscheint, wenn man Hongkongs BIP in Höhe von 330 Milliarden Euro in Relation dazu stellt.

Dessen Wirtschaft schwächelt bereits seit Monaten. Im zweiten Quartal des Jahres musste schon ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent vermeldet werden. Im laufenden Quartal dürfte es nicht besser laufen, sodass eine technische Rezession zu erwarten ist. 2018 war das Bruttoinlandsprodukt noch um drei Prozent gewachsen.

 

Chinas Zukunftspläne – Shenzen, die neue Finanzmetropole?

Auch wenn sich die Regierung in Peking dem Druck der Demonstrationen in Hongkong nicht beugen wird, so scheint man bereits Pläne für eine Ablösung der Stadt als dominantes Finanzzentrum zu haben.

Hongkongs Rolle als Finanzplatz könnte an Bedeutung verlieren.

Darauf deutet ein am Sonntag veröffentlichter Plan Pekings hin, in dem eine weitere Öffnung der Wirtschaft von Shenzhen bekanntgegeben wurde – eine riesige Stadt unweit zur Grenze von Hongkong. Die Stadt solle bis 2025 „eine der führenden Städte der Welt im Hinblick auf wirtschaftliche Stärke und die Qualität der Entwicklung“ werden und bis zur Mitte des Jahrhunderts eine der Top-Metropolen der Welt.

Chinesische Medien sprachen davon, dass Shenzhen besser werden solle als Hongkong und es die einzige Chance für das abtrünnige Hongkong sei, sich vollständig in China zu integrieren. Auch wenn dieses als Drohkulisse zu verstehen ist, als Warnung an die einstige britische Kolonie, den erworbenen Wohlstand nicht zu riskieren, scheint sich hier eine weitere Entwicklung in Gang zu setzen.

 

Fazit

Es wird aus vielen Aktionen deutlich. China möchte sich als Weltmacht etablieren, praktisch in einer neuen bipolaren Welt in Konkurrenz zum Westen auf technologischen und militärischen Gebieten. Gewissermaßen der „Nukleus“ für den laufenden und noch lange währenden Handelsstreit zwischen den USA und China. Seien es die Entwicklungen um Huawei und Co oder jetzt in Hongkong, man scheint auf eine Art Ost-West-Aufteilung neuer Prägung zuzusteuern. Mittendrin Deutschland, welches als Exportnation große Wirtschaftsbeziehungen sowohl mit den USA als auch mit China unterhält. Ob dies in Zukunft ohne Friktionen weiter möglich sein wird?

 

Hongkong war bislang der Hub für China zu den globalen Finanzmärkten

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Crack-Up-Boom und die Zentralbanken

Das Geldschöpfungsprivileg erlaubt den Zentralbanken die Inflation nach Belieben zu erhöhen – und das dürfte noch einmal einen Crack-Up-Boom auslösen

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Das Geldschöpfungsprivileg erlaubt den Zentralbanken die Inflation nach Belieben zu erhöhen – und das dürfte noch einmal einen Crack-Up-Boom auslösen!

 

Eine Frage des politischen Willens, nicht nur der Zentralbanken

In jüngster Zeit wird kontrovers über die Möglichkeiten der Zentralbanken diskutiert, die globale Wirtschaft in Gang zu halten und eine deflationäre Abwärtsspirale á la Japan in Folge der hohen Schulden auf globaler Ebene zu verhindern. Für mich persönlich ist die Potenz der Zentralbanken klar: sie können, wenn sie wollen.
Es ist nur eine politische Frage, wann und in welchem Umfang ein sogenannter Crack-up-Boom in der Wirtschaft von den Zentralbanken erzeugt und die Inflation angeheizt wird. Das Timing in dieser Frage ist direkt gekoppelt an den Eintritt einer das System destabilisierenden Weltrezession.

Diese Situation war in Japan seit dem Platzen der dortigen Immobilienblase Ende der Achtzigerjahre nie gegeben. Japan ist nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft mit starkem Fokus auf den Export. Die Staatsverschuldung liegt zwar bei 238 Prozent des BIP, davon sind aber nur 50 Prozent gemessen am BIP Auslandsschulden. Die nationale Bruttoersparnis liegt bei 25 Prozent und mit mehr als 1,3 Billionen US$ verfügt das Land über die zweitgrößten Devisenreserven der Welt (nach China und vor der Schweiz).

 

Trotz inverser Alterspyramide und Fachkräftemangel hat Japan stets vom Wachstum der Weltwirtschaft profitiert. Jetzt jedoch haben wir es mit einer Schuldenkrise historischen Ausmaßes auf globaler Ebene zu tun. Die letzte Wachstumslokomotive USA ist gerade dabei, ihre letzten schuldenfinanzierten Kohlen zu verbrennen. Eine Situation, die die Zentralbanken zwingt, auch ihr ultimatives Waffenarsenal einzusetzen.

Die Ultimative Bazooka der Zentralbanken: der Crack-up-Boom

Die ultimative Bazooka ist dabei der sinnbildliche Abwurf von Gratisgeld mit den Helikoptern der Zentralbanken. Eine weitere Option ist das sogenannte Schwundgeld, das das Sparen verunmöglicht und die Geldumlaufgeschwindigkeit massiv erhöht (siehe dazu meinen Artikel von gestern: „Negativzinsen – Schwundgeld für Überschuldete“). Unter der Prämisse, dass reale Zinssteigerungen wegen der globalen Überschuldung nicht mehr möglich sind, ist die Kombination dieser beiden genannten Maßnahmen die nukleare Option der Zentralbanken zur Überwindung des Japansyndroms.

 

Der Crack-Up-Boom

Wie nahe wir uns an einem solchen Szenario befinden, bei dem die Weltwirtschaft einen künstlichen Mega-Push erhält, zeigen die jüngsten Aussagen von Mario Draghi: Am 20. August zitierte die Financial Times aktuelle Überlegungen des amtierenden EZB-Präsidenten, den Wirtschaftssubjekten ohne Umweg über die Banken direkt frischgedrucktes (digitales) Geld in die sprichwörtliche Hand zu geben – für Konsum und Investitionen.
Das bisherige Zögern solche Maßnahmen in die Tat umzusetzen, ist dabei kein Ausdruck mangelnder Potenz der Zentralbanken, sondern deren Wissen um die Nebenwirkungen.

Übersetzt bedeutet Crack-Up-Boom nämlich sinngemäß Katastrophen-Aufschwung. Dieser rein künstliche Zyklus entfaltet in seinem Verlauf neben einer wirtschaftlichen Scheinblüte mit hohen nominellen Wachstumsraten und explodierenden Vermögenspreisen eben auch eine enorme zerstörerische Wirkung auf die Geldwertstabilität. Der Crack-Up-Boom stellt unweigerlich die Endphase eines übergeordneten Wirtschaftszyklus in einem Fiatgeld-System dar.

Wenn der politische Druck groß genug wird, schrecken die verantwortlichen „Währungshüter“ auch vor dieser nuklearen Option nicht zurück.

 

Empirische Belege für den Crack-up-Boom gibt es genug

Empirische Belege für diese politische Kausalität gibt es in der Geschichte des Geldes reichlich: von Weimar über Simbabwe, Venezuela und Argentinien bis hin zur jüngst erfolgten Entmündigung der Zentralbank in der Türkei. Ausnahmslos wurde dabei von Zentralbanken auf politischen Druck hin, gewollt oder ungewollt, der Geldwert massiv herabgesetzt.

Nochmals: dass es bislang zum Beispiel in Japan und Europa disinflationäre Tendenzen mit wirtschaftlicher Stagnation gibt, liegt nur an der Zurückhaltung der Zentralbanken in Bezug auf ihr atomares Waffenarsenal. Man könnte sagen, dass bis jetzt noch auf ein sensibles Gleichgewicht zwischen Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit von Banken, Unternehmen, Staaten und Verbrauchern auf der einen Seite sowie der Inflation auf der anderen Seite Rücksicht genommen wurde.

Die Hauptüberlegung für diese Rücksicht war dabei immer, das Vertrauen in das ungedeckte Geldsystem und die Reputation der „Währungshüter“ nicht unnötig zu zerstören. Doch wie sagte der Dichter Wilhelm Busch so schön: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde (eine Befürworterin des Schwundgeldes) scheinen genau an diesem Punkt angekommen zu sein.

 

Fazit: Die Zentralbanken und der absehbare Crack-Up-Boom

Noch haben die Zentralbanken gar nicht angefangen, ihre schärfsten Waffen einzusetzen – aus Angst vor den Folgen. Bislang wurden nur Löcher bei de facto bankrotten Banken und Regierungen gestopft und die Weltwirtschaft halbwegs stabilisiert. Von einem Crack-Up-Boom ist in der Realwirtschaft noch nichts zu spüren (mit Ausnahme der Vermögenspreise). Die Betonung liegt auf „noch“ und der Druck im Kessel steigt.

 

Die Zentralbanken sind auf dem Weg, einen Crack-up-Boom zu erzeugen

Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

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