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Der Crash im Jahre 1929 – gibt es heutzutage wirklich Parallelen oder warum einiges doch deutlich anders ist!

Gemeinsamkeiten – und Unterschiede zwischen der Lage vor dem Crash 1929 und heute!

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Die Zahl 1929 wird als Drohkulisse immer wieder verwandt, wenn es an den Börsen nach langen Aufschwungphasen zu Blasenbildungen in Assetklassen kommt. Weil der damit verbundene Crash ein gutes Beispiel in der neueren Wirtschaftsgeschichte dafür ist, wohin die Gier nach raschem Reichtum führen kann. Aber hat sich seit diesen 90 Jahren Wirtschaftsentwicklung nicht vieles so verändert, was zumindest eine Wiederholung der „Great Depression“ verhindern wird?

Hier ein paar Überlegungen zu einem Thema, zu dem es mehr Bücher gibt, als in einen normalen Schrank passen würden.

 

Zur Vorgeschichte

Es gibt immer wieder Parallelen zu den 1920-er-Jahren in vielen Volkswirtschaften. Zu dieser Zeit hatte eine unglaubliche Hausse den Dow Jones auf bis zu 381 Punkten getrieben – 1923 lag er noch bei ungefähr 100 Punkten. Man erwartete eine „eternal prosperity“ – einen ewigen Wohlstand. In dieser Fehleinschätzung der Lage spekulierten nicht nur Großanleger und Firmen, auch zahlreiche Kleinanleger riskierten viel – Millionen nahmen kurzfristig Kredite auf, um sich davon Aktien zu kaufen (oft galten allein die Aktien als Sicherheit), in der Hoffnung, diese mit den Gewinnen zurückzahlen zu können.

Dazu kam eine extreme Vermögensungleichverteilung, Bilanztricksereien und das ein oder andere Schneeballsystem. Kommt einem irgendwie bekannt vor, zur Zeit dominiert der Glaube an die (All)Macht der Notenbanken.

 

Die Folgen – the „Great Depression“

Kennzeichnend für die damalige Weltwirtschaftskrise war ein starker Rückgang der Industrieproduktion, eine Deflationsspirale, die Zahlungsunfähigkeit vieler Unternehmen und massenhafte Arbeitslosigkeit mit sozialem Elend und politischen Krisen.

Es sind die Bilder der Massenarbeitslosigkeit, die immer noch schockieren. In den USA stieg diese nach 1929 in den Folgejahren auf 25% (15 Mio. Amerikaner), die durchschnittlichen Einkommen fielen um 60%, im landwirtschaftlichen Bereich um 50%. In Deutschland kletterte die Arbeitslosigkeit bis 1932 auf ähnlichen Höhen, wie in den USA.

Dies führte auch zu gewaltigen politischen Umbrüchen und zur Radikalisierung, wir Deutsche können leider ein Lied davon singen. Der Dow Jones fiel bis 1932, erst im Sommer 1932 war der Boden bei 41 Punkten erreicht – der gleiche Wert wie im Mai 1896, dem Start des Dow Jones.

Der Index erreichte sein Hoch von 1929 erst im Jahre 1954 wieder, was natürlich auch mit dem zweiten Weltkrieg und seinen Folgen zusammenhing.

 

Was sind die Unterschiede zur heutigen Zeit?

Als Grund für diesen jahrelangen Jahrhundertcrash wurde die Reaktion der US-Notenbank auf die Kursexzesse genannt, die die Geldmenge im Anschluss an den „Schwarzen Donnerstag/Freitag“ 1929 um 30% verknappte. Das ist der wissenschaftliche Konsensus, dazu gesellte sich der stark aufgekommene Protektionismus. Eine überaus „hawkishe“ Fed im Zentrum einer Krise, heutzutage nicht denkbar.

Die heutigen Notenbanken kennen diese Zusammenhänge, am besten vielleicht der Ex-Fedchef Ben Bernanke (2006-2014), dessen Gedankenwelt geprägt war von der großen Depression ab 1929 – sie war sein Promotionsthema. Nach dem Crash ging es mit der Konjunktur bergab, die Banken gaben keine Kredite, der Geldfluss trocknete aus. Aus der sinkenden Kreditvergabe schloss die Fed, dass die Banken keine Liquidität bräuchten und ließ die Geldmenge schrumpfen. Mit den gerade zitierten katastrophalen Folgen.

Deshalb hat die US-Notenbank in der Finanzkrise ab 2007 die Lehren der dreißiger Jahre beherzigt. Fed-Chef Bernanke leitete in gigantischem Ausmaß Geld in die Finanzwirtschaft: Die Fed senkte die Leitzinsen auf fast null Prozent, gab Ausfallgarantien für Wertpapiere und Banken, arrangierte Rettungsmaßnahmen für Pleiteinstitute und kaufte schließlich massenhaft Anleihen auf. Nur hat man wieder den Fehler begangen, die Bilanz nicht rechtzeitig zurückzuführen und das Zinsniveau zu normalisieren.

Es gibt natürlich noch sehr viele Unterschiede zur damaligen Zeit wie die Existenz des Internets mit der zeitgleichen Verfügbarkeit von Informationen, Wellenbrecher an den Börsen mit automatischer Handelsunterbrechung, es gibt Börsenaufsichten (im Gegensatz zu 1929), heute sind die USA eine Dienstleistungsgesellschaft und nicht mehr von der Landwirtschaft dominiert.

Gleichgeblieben ist natürlich die Gier nach schnellem Reichtum, dafür nimmt man rasch Kredite auf und die Politiker unterstützen diese wundersame Geldvermehrung zumeist mit Abbau von Regulierungen in Schönwetterzeiten, weil es ja möglichst schnell gehen soll mit dem Reichwerden – am besten in einer Legislaturperiode.

 

Mein Fazit

Es wird keine Wiederholung à la 1929 geben, mit der damaligen Spirale der Deflation. Eher eine Inflationsspirale, denn die Notenbanken verfolgen mit ihrer Flut an billigem Geld gerade das Gegenteil. Ein schwacher Trost, denn im Prinzip werden die Folgen einer ausufernden Inflation auch zu gravierenden Vermögenseinbußen führen.

Ansonsten gibt es zu den „Roaring Twenties“ derzeit doch erschreckend viele Parallelen.

 

Ein „bank run“ in New York nach dem Börsencrash 1929

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Kritisch on fire

    3. April 2019 11:13 at 11:13

    Sehr geehrter Herr Müller!
    Mit ihren Analysen bin ich größtenteils einverstanden und finde sie ebenfalls größtenteils sehr treffend. Wie sie jedoch in ihrem letzten, heutigen Absatz zum Schluss kommen, dass die von ihnen erwartete ausufernde Inflation nicht am Ende in einer Deflationsspirale endet hat sich für mich noch nicht wirklich erschlossen?
    LG
    Kritisch

    • Avatar

      Wolfgang M.

      3. April 2019 12:17 at 12:17

      @Kritisch on fire. Da haben Sie eine wichtige Frage aufgeworfen. Das Thema ist doch, ob das Geld, welches von den Notenbanken gedruckt wird, nicht doch in die Realwirtschaft gelangt, dann haben wir die ausufernde Inflation. Bisher geht vieles an die Banken, die es nicht dem Kreislauf zuführen.
      Aber man muss sich nur anschauen, was die Reichsbank nach dem Ersten Weltkrieg gemacht hat. Sie hat Geld gedruckt, um den Staat zu finanzieren. Das führte zur Hyperinflation von 1923. Und wie sagte der Ex-Chelvolkswirt DB, Thomas Mayer:“ Es wäre zum ersten Mal in der Geschichte der Fall, dass eine monetäre Finanzierung des Staates nicht in einer politisch erzwungenen Geldvermehrung endete.“ Und das haben wir bereits in vielen Staaten.
      Deshalb denke ich eher an Inflation, als an Deflation, im Fall der Fälle.
      Viele Grüße

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        tm

        3. April 2019 12:53 at 12:53

        „Es wäre zum ersten Mal in der Geschichte der Fall, dass eine monetäre Finanzierung des Staates nicht in einer politisch erzwungenen Geldvermehrung endete.“ Und das haben wir bereits in vielen Staaten.“

        Wo denn? Das Geldmengengenwachstum ist doch nahezu überall sehr niedrig oder zumindest klar unter dem langfristigen Durchschnitt von vor 2008.

        Da sind die heutigen Parallelen zu 1929/33 auf jedenfall deutlich größer als die zu Deutschland 1923.

      • Avatar

        Kritisch on fire

        3. April 2019 13:00 at 13:00

        Sehr geschätzter Herr Müller!
        Vorab bedanke ich mich für ihre Antwort.
        Mein Ansatz zu meiner Meinung liegt aber darin, dass Deflation durch sinkende und zwar stark sinkende Preise eintreten wird, da man mit neu gedrucktem Geld die Wirtschaft ankurbeln wird wollen, jedoch die Konsumenten und Unternehmen mit ihrer ihnen eigenen Sensibilität einerseits den Konsum zurüchkschrauben werden (auf das Notwendigste) und andererseits die Unternehmen ihre Waren verkaufen werden wollen, was gezwungenermaßen die Preise senken wird. Also, aus meiner Sicht eine logische Spirale.
        Unabhängig davon glaube ich nicht daran, dass weiteres, ungezügeltes Gelddrucken nur infaltionäre Auswirkungen haben wird, weil meiner bescheidenen Meinung nach das Eine ohne dem folgenden Anderen nicht möglich ist.
        LG
        Kritisch

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    Moritz

    3. April 2019 11:16 at 11:16

    Danke! Sehr schöne Gegenüberstellung. 🙂

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    barthez

    3. April 2019 11:55 at 11:55

    Ja ,sehe ich genau so.Ich möchte ergänzend hinzufügen,daß am 15.08.1971 die Geldmenge von der limitierten Goldverfügbarkeit entkoppelt wurde.Die Folge ist eine völlig veränderte Risikobewertung der Geldschöpfung.Ein massiver Eingriff in die politische Bewertung von Privateigentum.Und der Grund für weitere Jahre der Sicherung des Weltfriedens.Das ist übrigens der Grund für das friedliche Zusammenleben in Europa, die Schaffung der EU kann nur einen eigenen kleinen organisatorischen Anteil daran geltend machen.Auch wichtig und wirksam zum Thema wäre, die Nichtmehrveröffentlichung der Geldmenge M3 seitens der FED ab 2006.Die Absprachen der ZB`s untereinander gehören sicherlich auch noch erwähnt.

  4. Avatar

    Übelkeit

    3. April 2019 13:30 at 13:30

    Die Notenbanken haben dafür gesorgt, dass der Zyklus künstlich verlängert wird, den Sysfemcrash können sie jedoch nicht verhindern. Dummes Ford wie ETFs wirken noch stabilisierend, aber wehe das Monster kommt erst einmal ins rutschen.

    Und die Inflation sehen wir vor allem bei den Assets. In der Realwirtschaft auch, aber deutlich geringer. Es fließt alles in die Spekulation. Wie 2008 wird beim Zusammenbruch das Geld knapp, da aus Panik keine Ausgaben getätigt und Kredite vergeben werden. Ergo Deflation.

    Die Inflation kommt erst später.

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    Anni

    3. April 2019 13:32 at 13:32

    Ich sage nur: Immobilien…! Vielleicht nicht völlig gleich zu 1929, aber sehr sehr ähnlich. Jeder investiert momentan in Immobilien und davon viele zu 100% finanziert über die Bank. Mal sehen, wo das am Ende hinführt. Ich miete lieber erstmal weiter.

  6. Avatar

    Wolfgang M.

    3. April 2019 14:25 at 14:25

    Sehr schöne Diskussion hier mit gewichtigen Argumenten für die Deflationstheorie. Aber spinnen wir den Gedanken doch einfach weiter. Was würde denn bei einem richtigen Preiseinbruch bei Immobilien und Sachwerten geschehen? Die Halter von Bargeld (FIAT-Money) könnten sich diese Sachwerte zu Tiefstkursen einverleiben. Ist Geld nicht leichter zu entwerten, als Sachwerte? Hatten wir in den letzten 200 Jahren nicht über 270 Staatspleiten (allein Deutschland 7-mal dabei)? Deshalb ist für mich das Endszenario einer exponentiell sich verschuldenden Gemeinschaft die Inflation. Aber halt wann?
    Gruß

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      Kritisch on fire

      3. April 2019 16:39 at 16:39

      Noch einmal Hallo!
      Ja, auch ich finde die angeregte Diskussion sehr erfrischend und vorallem, was mich persönlich sehr freut, bisher auf einem angenehmen Niveau stattfindend. Jetzt aber zum Thema!
      Meiner Auffassung nach sind wir ja schon am Start der Deflationsspirale. Verursacht durch die schon fast panische Ausrichtung des Zinsniveaus auf Grund von Inflationszielen die nicht erreicht werden. Damit erreichen die sog. Zentralbänkler meiner Meinung nach genau das Gegenteil was sie eigentlich wollen (und das wissen diese in Wahrheit auch). Der einzige Grund für diese manische Ausrichtung nach der Inflationsrate liegt doch darin, dass nur durch Inflation Staatsverschuldung halbwegs im Griff zu halten ist – Hr. Draghi (Italiener) wird schon wissen warum er diesen Kurs verfolgt. In Frau Merkel hat er eine willfährige Gehilfin, da die ja mit der schwarzen 0 dem Volk Sand in die Augen streut.
      Irgendwie sollte man die Bürger über solch komplexe Zusammenhänge informieren um ENDLICH die Staats-Geldvernichter ihrer Ämter zu entheben und versuchen helle Köpfe an die Macht zu bringen, ausgestattet mit Gehältern von Spitzenmanagern und persönlichen Haftungen für ihre Handlungen. LEIDER nur ein Wunsch!

  7. Avatar

    Beobachter

    3. April 2019 16:12 at 16:12

    Ich denke, dass es diesmal mindestens so schlimm käme wie 1929 , denn. Ich denke dass es damals keine so grosse Unternehmensverschuldung gegeben hat,
    u. auch die Privatverschuldung wie Studentenkredite, Autokredite, Privatkredite u.s.w.damals weniger existierten. Meine Annahme,das es damals noch keine oder weniger Pensionsversicherungen gab, die z.B.heute zu etwa 80% in überteuerten Aktien angelegt sind u.bei einer 50% Korrektur drastische Folgen hätte.Vielleicht kann Wolfgang M. meine Annahmen bestätigen oder relativieren.
    Kurz u. bündig, heute wäre bei einem Crash die ganze Bevökerung betroffen, während es 1929 eher die Oberschicht ( Börseler ) betraf. Zudem würde heute ein Crash dank der Globalisierung das ganze Weltfinanzsystem erschüttern. GENAU DARUM DARF ES NICHT PASSIEREN , u.die Notbänker haben wieder alle Gelddruckmaschinen aktiviert. Für 3Monate hohe Aktienkurse wird wieder Alle verblenden.

  8. Avatar

    Wolfgang M.

    3. April 2019 16:57 at 16:57

    @Beobachter. Ihre Frage nach einem Vergleich zu den Schäden durch einen Aktiencrash à la 1929 in der heutigen Zeit dürfte unglaublich schwer zu beantworten sein. Klar würde ein Einbruch von 90% über 30 Bio.$ Verlust bedeuten, und damit mehr als ein Drittel der Marktkapitalisierung aller Börsen weltweit. Die Alterssparpläne der Amerikaner würde zertrümmert werden. Aber es gibt auch deutliche Unterschiede. Im Gegensatz zu damals sind heute nur noch 2% der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt und vieles läuft automatisiert ab. Damals, bei der großen Arbeitslosigkeit, mussten selbst Kinder 12 Stunden auf den Feldern arbeiten, um zu überleben. Dann die medizinische Versorgung, die Sozialsysteme, da merkt man schon den Fortschritt. Sie werden lachen, aber damals gaben die Banken noch hemmungsloser Kredite für Aktienspekulationen als heute. Selbst einfachste Arbeiter bekamen 90% Kredit von den Banken, um Aktien zu kaufen. Was wären aber die gesellschaftlichen Folgen? Die menschlichen Eigenschaften wie Angst und Gier, Hass und Neid, aber auch Empathie und Hilfsbereitschaft dürften sich nicht zu sehr gewandelt haben, dafür aber das Gefahrenpotenzial. Man denke nur an die hunderte Millionen (teilweise automatischen) Schusswaffen in den Staaten, damit könnte man eine Armee ausrüsten. Aber ich möchte nicht über die Folgen eines Jahrhundertcrashs spekulieren. Brutal, wären diese auf alle Fälle.
    Grüße

  9. Avatar

    Arthur Müller

    3. April 2019 18:19 at 18:19

    Man kann daraus fast immer schliessen das man aus der Geschicht nichts lernt, denn die gleichen Fehler widerholen sich immer im Turnus von zwei Generationen. Die erste Generation warnt und die zweite ignoriert die Warnungen.Das ist ein Indiz dafür das die Sucht nach dem schnellen Geld den Verstand blockiert.

  10. Avatar

    Lausi

    3. April 2019 20:22 at 20:22

    Ja, ja, die ewige Gretchenfrage: Wird nun die ganze „Chose“ (d.h. Überschuldung) in einer Deflation oder in einer Inflation enden. Das frage ich mich schon seit 2008. Letztendlich haben es mMn die Notenbanken in der Hand, und die scheinen – auf Teufel komm raus – keine Deflation zulassen zu wollen. Man braucht sich dafür nur die Bilanzen der Notenbanken anzusehen. Das Ende dieses „Spielchen“ kann nur eine Vertrauenskrise in die entsprechende Währung sein, und das kann – wie man am Beispiel von Japan sieht – auch mal locker 30 Jahre und mehr dauern. Vielleicht bringt ja eine weltweite Rezession das Boot zum kippen, wie sie jetzt möglicherweise ansteht. Herr Krall prognostiziert ja den großen Knall für 2020. Schaumermal

    Eine gute Metapher kann man hier sehen. Dabei muss man sich Herrn Adorf alias Generaldirektor Haffenloher als Zentralbank vorstellen – lol 🙂

    https://youtu.be/k25wI_TiYuU

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Finanznews

ETFs – Monopolisierung der Aktienmärkte! Marktgeflüster (Video)

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Die rasanten Kursanstiege der großen US-Tech-Aktien ist auch eine Folge des passiven Investirerens durch ETFs (in den USA bereits 50% des Handelsvolumens, Tendenz steigend): wer etwa den MSCI World kauft, kauft damit 63% US-Aktien, vor allem die großen US-Tech-Werte wie Apple. Nicht zuletzt dadurch hat sich der Kurs von Apple seit Ende 2018 verdoppelt, ohne dass der Konzern Gewinn oder Umsatz gesteigert hätte. Je stärker wiederum die Kurse dieser US-Tech-Konzerne steigen, umso stärker wiederum ihre Gewichtung in den jeweiligen ETFs – ein Schneeball-Effekt, der noch dadurch verstärkt wird, dass dann Analysten ihre Kursziele für diese Aktien anheben (was wiederum neue Käufe nach sich zieht). So hat Apple alleine inzwischen die Marktkapitalisierung des gesamten australischen Aktienmarkts (der Schwergewichte wie BHP Billiton enthält). Kann das auf Dauer gut gehen?

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Aktien

Aktienmärkte: Fahnenstangen bei den Aktienkursen haben Substanz

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Immer weiter bergauf? Aktienmärkte steigen immer weiter an

Allzeithöchststände werden zum täglichen Ritual und Bewertungen spielen v. a. in den USA nur noch sekundär eine Rolle. Doch haben die Fahnenstangen der Aktienmärkte auch Substanz?

Die Attraktivität der Aktienmärkte hat sich stark gewandelt

Kaufte man klassischerweise an der Börse gehandelte Unternehmensanteile, um an einem erfolgreichen Geschäftsmodell zu partizipieren, regelmäßige Ausschüttungen zu erhalten oder die blühende Zukunft einer Aktiengesellschaft zu antizipieren, so haben sich die Gründe für den Erwerb von Dividendentiteln zuletzt stark gewandelt. Die klassischen Kaufmotive mögen heute auch noch eine Rolle spielen, werden aber in der Kursentwicklung durch andere Faktoren enorm verstärkt oder völlig verzerrt. Als Beispiel soll hier nur das starke Aufwärtsmomentum erwähnt sein, das ständig neues, nach schnellen Gewinnen trachtendes Kapital anzieht (die Hausse nährt die Hausse).

Doch es gibt darüber hinaus noch andere Impulse für die ungewöhnlich konstant steigenden Aktienmärkte, die man nicht per se als irrational oder nicht nachhaltig bezeichnen kann. Insofern ist die Fragestellung, ob die Fahnenstangen bei immer mehr Aktienkursen mit Substanz gestützt sind, durchaus berechtigt. Die Formulierung aus der Überschrift geht übrigens auf einen aufmerksamen Leser der FMW zurück und war die Inspiration für diesen Artikel. Vielen Dank dafür!

Der Zwang zur Nachahmung

In einem Artikel von Anfang Dezember hatte ich bereits auf den stattfindenden Impulswechsel für steigende Aktienmärkte hingewiesen. Dieser Wechsel vollzieht sich hin zur reinen zins- und liquiditätsgetriebenen Hausse, bei denen fundamentale Entwicklungen nur noch als Alibi-Investmentstory dienen, aber für die Bewertungen vieler Aktiengesellschaften sekundär sind. So ist es mittlerweile Usus, dass Unternehmen mit der hippsten Story und dem dynamischsten Momentum deutlich besser performen, als solide Unternehmen mit positivem Cashflow und moderaten Bewertungen.

Wobei die überteuerten Highflyer ganze Indizes nach oben ziehen und diese durch ihr zunehmendes Gewicht dominieren. Dies zwingt wiederum indexbasierte Anlageprodukte oder Benchmark orientierte Fonds dazu, ebenfalls diese Highflyer in ihren Portfolios überzugewichten. Andernfalls wird man als Fondsmanager schnell aussortiert, zumal der Siegeszug der passiven Indexfonds auch in dieser Branche zu einem Personalkahlschlag historischen Ausmaßes führt. Im Zuge der Trumpschen Steuerreform kam der Markt bekanntermaßen auch in den Genuss von Zusatznachfrage in Form von „Buybacks“ aus den Aktiengesellschaften selbst. Ein Effekt, der sich basiseffektbedingt sukzessive abschwächt. Nach ca. 1,3 Billionen US-Dollar im letzten Jahr soll es laut Schätzungen in diesem Jahr nur noch ca. 500 Mrd. US-Dollar Aktienrückkaufvolumina geben, also über 50 Prozent weniger.

Neuer Raketentreibstoff für die Börse

Dennoch verbirgt sich hinter den fahnenstangenartig ansteigenden Kursen eine gewisse Substanz. Diese Substanz speist sich ausschließlich aus der Geldpolitik der Notenbanken. Historisch niedrige Zinsen und eine Geldschwemme, die sich gemäß dem Cantillon-Effekt zu aller erst über die Banken und die Finanzmärkte ergießt, treibt die Vermögenspreise nach oben. Die Gründe für diese äußerst akkommodierende Geldpolitik sind so nachhaltig, dass sie eine echte Substanz darstellen. Welchen Zwängen die Zentral- und Notenbanken unterliegen und wie sich der Cantillon-Effekt nachhaltig auf die Vermögenspreise auswirkt, erläutere ich in diesem Video. Dort erfahren Sie auch, wie sich mit relativ wenig Aufwand und zu geringen Kosten ein auf diese außergewöhnliche Situation ausgerichtetes Wertpapierportfolio strukturieren lässt.

Der Zwang in die Aktienmärkte zu investieren

Die Abkürzung „TINA“ (There Is No Alternative) ist in Bezug auf die Aktienmärkte natürlich übertrieben, da es auch andere Vermögenswerte gibt, die von dem Raketentreibstoff der Notenbanken beflügelt werden. Gleichwohl gibt es aus Sicht professioneller Investoren und Geldverwalter einen enormen Rendite- und Anlagedruck. Aktien sind am leichtesten für Vermögensverwalter zugänglich, sie sind zudem hochfungibel und bieten im Idealfall zusätzlich laufende Erträge. Die Renditen vieler Aktien, zum Beispiel in Deutschland, erfüllen zudem nach wie vor die Anforderungen der Kapitaleigner. Durch die Ballung des Vermögens in relativ wenigen Händen generieren die Kapitaleigner permanent laufende Erträge aus Vermietung, Verpachtung, Dividenden, Sonderausschüttungen, Zinsen und Tilgungen. Dieses Geld muss neu angelegt werden und konkurriert mit der Zusatzliquidität aus den Notenbanken. Die Anforderungen für die Geldverwalter sind dabei hoch. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man unter 5 Prozent Bruttorendite p. a. bezogen auf die Gesamtkapitalverzinsung keine Chance am Markt hat – trotz Nullzinsumfeld.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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Aktien

Dow Richtung 30.000, Banken-Vergleich, Handelsdeal, Tesla und Wirecard

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Dow visiert 30.000 Punkte an, US-Banken verdienen gut - New York im Fokus

Die Indizes laufen super. Der Dow Jones läuft dieser Tage mit voller Kraft Richtung 30.000 Punkte. Über die aktuelle Lage am Markt sprechen im folgenden Video Sissi Hajtmanek und Manuel Koch in Frankfurt. Sie blicken zurück auf die aktuelle Handelswoche, wo vor allem die hochprofitablen US-Banken im Mittelpunkt standen. Die größten Banken in den USA (JP Morgan, Citi etc) meldeten ihre Zahlen. Vor allem der Branchenprimus JP Morgan konnte die Erwartungen deutlich übertreffen. Die Banken in den USA machen gigantische Gewinne. Sissi Hajtmanek und Manuel setzen die US-Banken in Relation zu der Ertragslage bei deutschen Banken.

Und da wird es interessant. Während die US-Banken (so unsere Anmerkung) ein großes Kapitalmarktgeschäft haben und somit unabhängiger von Zinsmargen sind, so haben sie zusätzlich noch ein existierendes Zinsumfeld dank der Fed, die die Zinsen in den USA in den Jahren nach der Finanzkrise wieder angehoben hatte, anders als die EZB. Die Banken vor allem in Deutschland hängen traditionell fast komplett von ihren Zinserträgen ab. Die EZB hat diese Ertragsquelle aber quasi vernichtet. Und so dümpeln die deutschen Banken vor sich hin, mit lächerlich niedrigen Erträgen in Relation zu den Konkurrenten in den USA.

Auch war diese Woche der Handelsdeal zwischen China und den USA ein wichtiges Thema. Sissi Hajtmanek erwähnt die Aufforderung von Donald Trump, dass die amerikanischen Landwirte schon mal mehr Traktoren kaufen sollten, weil die Chinesen so viele zusätzliche landwirtschaftliche Produkte aus den USA kaufen würden. Eine mehr als zweifelhafte Aufforderung, da der unterschriebene Phase 1-Deal ja nur ein erster Schritt zur Einigung im Handelskrieg ist. Und jederzeit kann dieses fragile Gebilde wieder zusammenbrechen.

Besprochen werden im folgenden Video auch zwei konkrete Handelsempfehlungen der trading-house Börsenakademie. Die Aktie von Tesla (derzeit über 500 Dollar) solle man zwar kaufen, aber erst mit einem Limit von 377 Dollar. Sie müsste also erstmal kräftig fallen, bevor sie entsprechend dieser Empfehlung wieder ein Kauf wäre. Auch die Aktie von Wirecard könne man kaufen, aber über dem aktuellen Kurs, nämlich mit einer Stop-Buy-Order bei 132 Euro. Und abschließend nochmal die Frage unsererseits: Läuft der Dow wirklich weiter mit voller Kraft auf die 30.000 Punkte-Marke zu? Noch fehlen dazu 635 Punkte. Aber das ist heutzutage ja kein großer Abstand mehr.

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