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Der Crash im Jahre 1929 – gibt es heutzutage wirklich Parallelen oder warum einiges doch deutlich anders ist!

Gemeinsamkeiten – und Unterschiede zwischen der Lage vor dem Crash 1929 und heute!

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Die Zahl 1929 wird als Drohkulisse immer wieder verwandt, wenn es an den Börsen nach langen Aufschwungphasen zu Blasenbildungen in Assetklassen kommt. Weil der damit verbundene Crash ein gutes Beispiel in der neueren Wirtschaftsgeschichte dafür ist, wohin die Gier nach raschem Reichtum führen kann. Aber hat sich seit diesen 90 Jahren Wirtschaftsentwicklung nicht vieles so verändert, was zumindest eine Wiederholung der „Great Depression“ verhindern wird?

Hier ein paar Überlegungen zu einem Thema, zu dem es mehr Bücher gibt, als in einen normalen Schrank passen würden.

 

Zur Vorgeschichte

Es gibt immer wieder Parallelen zu den 1920-er-Jahren in vielen Volkswirtschaften. Zu dieser Zeit hatte eine unglaubliche Hausse den Dow Jones auf bis zu 381 Punkten getrieben – 1923 lag er noch bei ungefähr 100 Punkten. Man erwartete eine „eternal prosperity“ – einen ewigen Wohlstand. In dieser Fehleinschätzung der Lage spekulierten nicht nur Großanleger und Firmen, auch zahlreiche Kleinanleger riskierten viel – Millionen nahmen kurzfristig Kredite auf, um sich davon Aktien zu kaufen (oft galten allein die Aktien als Sicherheit), in der Hoffnung, diese mit den Gewinnen zurückzahlen zu können.

Dazu kam eine extreme Vermögensungleichverteilung, Bilanztricksereien und das ein oder andere Schneeballsystem. Kommt einem irgendwie bekannt vor, zur Zeit dominiert der Glaube an die (All)Macht der Notenbanken.

 

Die Folgen – the „Great Depression“

Kennzeichnend für die damalige Weltwirtschaftskrise war ein starker Rückgang der Industrieproduktion, eine Deflationsspirale, die Zahlungsunfähigkeit vieler Unternehmen und massenhafte Arbeitslosigkeit mit sozialem Elend und politischen Krisen.

Es sind die Bilder der Massenarbeitslosigkeit, die immer noch schockieren. In den USA stieg diese nach 1929 in den Folgejahren auf 25% (15 Mio. Amerikaner), die durchschnittlichen Einkommen fielen um 60%, im landwirtschaftlichen Bereich um 50%. In Deutschland kletterte die Arbeitslosigkeit bis 1932 auf ähnlichen Höhen, wie in den USA.

Dies führte auch zu gewaltigen politischen Umbrüchen und zur Radikalisierung, wir Deutsche können leider ein Lied davon singen. Der Dow Jones fiel bis 1932, erst im Sommer 1932 war der Boden bei 41 Punkten erreicht – der gleiche Wert wie im Mai 1896, dem Start des Dow Jones.

Der Index erreichte sein Hoch von 1929 erst im Jahre 1954 wieder, was natürlich auch mit dem zweiten Weltkrieg und seinen Folgen zusammenhing.

 

Was sind die Unterschiede zur heutigen Zeit?

Als Grund für diesen jahrelangen Jahrhundertcrash wurde die Reaktion der US-Notenbank auf die Kursexzesse genannt, die die Geldmenge im Anschluss an den „Schwarzen Donnerstag/Freitag“ 1929 um 30% verknappte. Das ist der wissenschaftliche Konsensus, dazu gesellte sich der stark aufgekommene Protektionismus. Eine überaus „hawkishe“ Fed im Zentrum einer Krise, heutzutage nicht denkbar.

Die heutigen Notenbanken kennen diese Zusammenhänge, am besten vielleicht der Ex-Fedchef Ben Bernanke (2006-2014), dessen Gedankenwelt geprägt war von der großen Depression ab 1929 – sie war sein Promotionsthema. Nach dem Crash ging es mit der Konjunktur bergab, die Banken gaben keine Kredite, der Geldfluss trocknete aus. Aus der sinkenden Kreditvergabe schloss die Fed, dass die Banken keine Liquidität bräuchten und ließ die Geldmenge schrumpfen. Mit den gerade zitierten katastrophalen Folgen.

Deshalb hat die US-Notenbank in der Finanzkrise ab 2007 die Lehren der dreißiger Jahre beherzigt. Fed-Chef Bernanke leitete in gigantischem Ausmaß Geld in die Finanzwirtschaft: Die Fed senkte die Leitzinsen auf fast null Prozent, gab Ausfallgarantien für Wertpapiere und Banken, arrangierte Rettungsmaßnahmen für Pleiteinstitute und kaufte schließlich massenhaft Anleihen auf. Nur hat man wieder den Fehler begangen, die Bilanz nicht rechtzeitig zurückzuführen und das Zinsniveau zu normalisieren.

Es gibt natürlich noch sehr viele Unterschiede zur damaligen Zeit wie die Existenz des Internets mit der zeitgleichen Verfügbarkeit von Informationen, Wellenbrecher an den Börsen mit automatischer Handelsunterbrechung, es gibt Börsenaufsichten (im Gegensatz zu 1929), heute sind die USA eine Dienstleistungsgesellschaft und nicht mehr von der Landwirtschaft dominiert.

Gleichgeblieben ist natürlich die Gier nach schnellem Reichtum, dafür nimmt man rasch Kredite auf und die Politiker unterstützen diese wundersame Geldvermehrung zumeist mit Abbau von Regulierungen in Schönwetterzeiten, weil es ja möglichst schnell gehen soll mit dem Reichwerden – am besten in einer Legislaturperiode.

 

Mein Fazit

Es wird keine Wiederholung à la 1929 geben, mit der damaligen Spirale der Deflation. Eher eine Inflationsspirale, denn die Notenbanken verfolgen mit ihrer Flut an billigem Geld gerade das Gegenteil. Ein schwacher Trost, denn im Prinzip werden die Folgen einer ausufernden Inflation auch zu gravierenden Vermögenseinbußen führen.

Ansonsten gibt es zu den „Roaring Twenties“ derzeit doch erschreckend viele Parallelen.

 

Ein „bank run“ in New York nach dem Börsencrash 1929

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Kritisch on fire

    3. April 2019 11:13 at 11:13

    Sehr geehrter Herr Müller!
    Mit ihren Analysen bin ich größtenteils einverstanden und finde sie ebenfalls größtenteils sehr treffend. Wie sie jedoch in ihrem letzten, heutigen Absatz zum Schluss kommen, dass die von ihnen erwartete ausufernde Inflation nicht am Ende in einer Deflationsspirale endet hat sich für mich noch nicht wirklich erschlossen?
    LG
    Kritisch

    • Avatar

      Wolfgang M.

      3. April 2019 12:17 at 12:17

      @Kritisch on fire. Da haben Sie eine wichtige Frage aufgeworfen. Das Thema ist doch, ob das Geld, welches von den Notenbanken gedruckt wird, nicht doch in die Realwirtschaft gelangt, dann haben wir die ausufernde Inflation. Bisher geht vieles an die Banken, die es nicht dem Kreislauf zuführen.
      Aber man muss sich nur anschauen, was die Reichsbank nach dem Ersten Weltkrieg gemacht hat. Sie hat Geld gedruckt, um den Staat zu finanzieren. Das führte zur Hyperinflation von 1923. Und wie sagte der Ex-Chelvolkswirt DB, Thomas Mayer:“ Es wäre zum ersten Mal in der Geschichte der Fall, dass eine monetäre Finanzierung des Staates nicht in einer politisch erzwungenen Geldvermehrung endete.“ Und das haben wir bereits in vielen Staaten.
      Deshalb denke ich eher an Inflation, als an Deflation, im Fall der Fälle.
      Viele Grüße

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        tm

        3. April 2019 12:53 at 12:53

        „Es wäre zum ersten Mal in der Geschichte der Fall, dass eine monetäre Finanzierung des Staates nicht in einer politisch erzwungenen Geldvermehrung endete.“ Und das haben wir bereits in vielen Staaten.“

        Wo denn? Das Geldmengengenwachstum ist doch nahezu überall sehr niedrig oder zumindest klar unter dem langfristigen Durchschnitt von vor 2008.

        Da sind die heutigen Parallelen zu 1929/33 auf jedenfall deutlich größer als die zu Deutschland 1923.

      • Avatar

        Kritisch on fire

        3. April 2019 13:00 at 13:00

        Sehr geschätzter Herr Müller!
        Vorab bedanke ich mich für ihre Antwort.
        Mein Ansatz zu meiner Meinung liegt aber darin, dass Deflation durch sinkende und zwar stark sinkende Preise eintreten wird, da man mit neu gedrucktem Geld die Wirtschaft ankurbeln wird wollen, jedoch die Konsumenten und Unternehmen mit ihrer ihnen eigenen Sensibilität einerseits den Konsum zurüchkschrauben werden (auf das Notwendigste) und andererseits die Unternehmen ihre Waren verkaufen werden wollen, was gezwungenermaßen die Preise senken wird. Also, aus meiner Sicht eine logische Spirale.
        Unabhängig davon glaube ich nicht daran, dass weiteres, ungezügeltes Gelddrucken nur infaltionäre Auswirkungen haben wird, weil meiner bescheidenen Meinung nach das Eine ohne dem folgenden Anderen nicht möglich ist.
        LG
        Kritisch

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    Moritz

    3. April 2019 11:16 at 11:16

    Danke! Sehr schöne Gegenüberstellung. :)

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    barthez

    3. April 2019 11:55 at 11:55

    Ja ,sehe ich genau so.Ich möchte ergänzend hinzufügen,daß am 15.08.1971 die Geldmenge von der limitierten Goldverfügbarkeit entkoppelt wurde.Die Folge ist eine völlig veränderte Risikobewertung der Geldschöpfung.Ein massiver Eingriff in die politische Bewertung von Privateigentum.Und der Grund für weitere Jahre der Sicherung des Weltfriedens.Das ist übrigens der Grund für das friedliche Zusammenleben in Europa, die Schaffung der EU kann nur einen eigenen kleinen organisatorischen Anteil daran geltend machen.Auch wichtig und wirksam zum Thema wäre, die Nichtmehrveröffentlichung der Geldmenge M3 seitens der FED ab 2006.Die Absprachen der ZB`s untereinander gehören sicherlich auch noch erwähnt.

  4. Avatar

    Übelkeit

    3. April 2019 13:30 at 13:30

    Die Notenbanken haben dafür gesorgt, dass der Zyklus künstlich verlängert wird, den Sysfemcrash können sie jedoch nicht verhindern. Dummes Ford wie ETFs wirken noch stabilisierend, aber wehe das Monster kommt erst einmal ins rutschen.

    Und die Inflation sehen wir vor allem bei den Assets. In der Realwirtschaft auch, aber deutlich geringer. Es fließt alles in die Spekulation. Wie 2008 wird beim Zusammenbruch das Geld knapp, da aus Panik keine Ausgaben getätigt und Kredite vergeben werden. Ergo Deflation.

    Die Inflation kommt erst später.

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    Anni

    3. April 2019 13:32 at 13:32

    Ich sage nur: Immobilien…! Vielleicht nicht völlig gleich zu 1929, aber sehr sehr ähnlich. Jeder investiert momentan in Immobilien und davon viele zu 100% finanziert über die Bank. Mal sehen, wo das am Ende hinführt. Ich miete lieber erstmal weiter.

  6. Avatar

    Wolfgang M.

    3. April 2019 14:25 at 14:25

    Sehr schöne Diskussion hier mit gewichtigen Argumenten für die Deflationstheorie. Aber spinnen wir den Gedanken doch einfach weiter. Was würde denn bei einem richtigen Preiseinbruch bei Immobilien und Sachwerten geschehen? Die Halter von Bargeld (FIAT-Money) könnten sich diese Sachwerte zu Tiefstkursen einverleiben. Ist Geld nicht leichter zu entwerten, als Sachwerte? Hatten wir in den letzten 200 Jahren nicht über 270 Staatspleiten (allein Deutschland 7-mal dabei)? Deshalb ist für mich das Endszenario einer exponentiell sich verschuldenden Gemeinschaft die Inflation. Aber halt wann?
    Gruß

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      Kritisch on fire

      3. April 2019 16:39 at 16:39

      Noch einmal Hallo!
      Ja, auch ich finde die angeregte Diskussion sehr erfrischend und vorallem, was mich persönlich sehr freut, bisher auf einem angenehmen Niveau stattfindend. Jetzt aber zum Thema!
      Meiner Auffassung nach sind wir ja schon am Start der Deflationsspirale. Verursacht durch die schon fast panische Ausrichtung des Zinsniveaus auf Grund von Inflationszielen die nicht erreicht werden. Damit erreichen die sog. Zentralbänkler meiner Meinung nach genau das Gegenteil was sie eigentlich wollen (und das wissen diese in Wahrheit auch). Der einzige Grund für diese manische Ausrichtung nach der Inflationsrate liegt doch darin, dass nur durch Inflation Staatsverschuldung halbwegs im Griff zu halten ist – Hr. Draghi (Italiener) wird schon wissen warum er diesen Kurs verfolgt. In Frau Merkel hat er eine willfährige Gehilfin, da die ja mit der schwarzen 0 dem Volk Sand in die Augen streut.
      Irgendwie sollte man die Bürger über solch komplexe Zusammenhänge informieren um ENDLICH die Staats-Geldvernichter ihrer Ämter zu entheben und versuchen helle Köpfe an die Macht zu bringen, ausgestattet mit Gehältern von Spitzenmanagern und persönlichen Haftungen für ihre Handlungen. LEIDER nur ein Wunsch!

  7. Avatar

    Beobachter

    3. April 2019 16:12 at 16:12

    Ich denke, dass es diesmal mindestens so schlimm käme wie 1929 , denn. Ich denke dass es damals keine so grosse Unternehmensverschuldung gegeben hat,
    u. auch die Privatverschuldung wie Studentenkredite, Autokredite, Privatkredite u.s.w.damals weniger existierten. Meine Annahme,das es damals noch keine oder weniger Pensionsversicherungen gab, die z.B.heute zu etwa 80% in überteuerten Aktien angelegt sind u.bei einer 50% Korrektur drastische Folgen hätte.Vielleicht kann Wolfgang M. meine Annahmen bestätigen oder relativieren.
    Kurz u. bündig, heute wäre bei einem Crash die ganze Bevökerung betroffen, während es 1929 eher die Oberschicht ( Börseler ) betraf. Zudem würde heute ein Crash dank der Globalisierung das ganze Weltfinanzsystem erschüttern. GENAU DARUM DARF ES NICHT PASSIEREN , u.die Notbänker haben wieder alle Gelddruckmaschinen aktiviert. Für 3Monate hohe Aktienkurse wird wieder Alle verblenden.

  8. Avatar

    Wolfgang M.

    3. April 2019 16:57 at 16:57

    @Beobachter. Ihre Frage nach einem Vergleich zu den Schäden durch einen Aktiencrash à la 1929 in der heutigen Zeit dürfte unglaublich schwer zu beantworten sein. Klar würde ein Einbruch von 90% über 30 Bio.$ Verlust bedeuten, und damit mehr als ein Drittel der Marktkapitalisierung aller Börsen weltweit. Die Alterssparpläne der Amerikaner würde zertrümmert werden. Aber es gibt auch deutliche Unterschiede. Im Gegensatz zu damals sind heute nur noch 2% der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt und vieles läuft automatisiert ab. Damals, bei der großen Arbeitslosigkeit, mussten selbst Kinder 12 Stunden auf den Feldern arbeiten, um zu überleben. Dann die medizinische Versorgung, die Sozialsysteme, da merkt man schon den Fortschritt. Sie werden lachen, aber damals gaben die Banken noch hemmungsloser Kredite für Aktienspekulationen als heute. Selbst einfachste Arbeiter bekamen 90% Kredit von den Banken, um Aktien zu kaufen. Was wären aber die gesellschaftlichen Folgen? Die menschlichen Eigenschaften wie Angst und Gier, Hass und Neid, aber auch Empathie und Hilfsbereitschaft dürften sich nicht zu sehr gewandelt haben, dafür aber das Gefahrenpotenzial. Man denke nur an die hunderte Millionen (teilweise automatischen) Schusswaffen in den Staaten, damit könnte man eine Armee ausrüsten. Aber ich möchte nicht über die Folgen eines Jahrhundertcrashs spekulieren. Brutal, wären diese auf alle Fälle.
    Grüße

  9. Avatar

    Arthur Müller

    3. April 2019 18:19 at 18:19

    Man kann daraus fast immer schliessen das man aus der Geschicht nichts lernt, denn die gleichen Fehler widerholen sich immer im Turnus von zwei Generationen. Die erste Generation warnt und die zweite ignoriert die Warnungen.Das ist ein Indiz dafür das die Sucht nach dem schnellen Geld den Verstand blockiert.

  10. Avatar

    Lausi

    3. April 2019 20:22 at 20:22

    Ja, ja, die ewige Gretchenfrage: Wird nun die ganze „Chose“ (d.h. Überschuldung) in einer Deflation oder in einer Inflation enden. Das frage ich mich schon seit 2008. Letztendlich haben es mMn die Notenbanken in der Hand, und die scheinen – auf Teufel komm raus – keine Deflation zulassen zu wollen. Man braucht sich dafür nur die Bilanzen der Notenbanken anzusehen. Das Ende dieses „Spielchen“ kann nur eine Vertrauenskrise in die entsprechende Währung sein, und das kann – wie man am Beispiel von Japan sieht – auch mal locker 30 Jahre und mehr dauern. Vielleicht bringt ja eine weltweite Rezession das Boot zum kippen, wie sie jetzt möglicherweise ansteht. Herr Krall prognostiziert ja den großen Knall für 2020. Schaumermal

    Eine gute Metapher kann man hier sehen. Dabei muss man sich Herrn Adorf alias Generaldirektor Haffenloher als Zentralbank vorstellen – lol :-)

    https://youtu.be/k25wI_TiYuU

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Coronakrise: Warum stehen die Aktienmärkte noch so hoch?

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Die Coronakrise errreicht einen Hochpunkt nach dem anderen – und viele reiben sich derzeit verwundert die Augen: Warum stehen die Aktienmärkte so hoch, angesichts der schlechtesten Konjunkturaussichten in den vergangenen 100 Jahren? Gerade mal 20 bis 25 Prozent im Minus und nur leicht im Bärenmarkt. Spinnen die Börsianer – oder sehen Sie etwas anderes, was man aus den gegenwärtigen Daten nicht entnehmen kann? Hierzu ein paar Argumente aus der bullishen Sicht der Märkte.

Coronakrise: Was bringt uns das zweite Halbjahr?

Aus der Sicht der Börsen geht es fast nie um die Gegenwart oder die nahe Zukunft. Aktienmärkte fragen, wie sieht es in einigen Monaten aus? Also haben wir im Spätsommer 2020 noch Millionen von Coronainfizierten in den USA und ein Vielfaches davon an Arbeitslosen im Gefolge der Coronakrise? Das scheint sich in den Kursen derzeit niederzuschlagen.

Viele könnten von einer falschen Grundprämisse ausgehen.:Was nicht beachtet wird beim Vergleich mit früheren Rezessionen, selbst mit der von 1929 ist, dass es noch nie ein Situation gab, in der die Wirtschaft staatlich verordnet in Teilbereichen so auf null heruntergefahren wurde (und auch absehbar wieder hochgefahren wird).

Nicht einmal im Zweiten Weltkrieg wurde in den USA einem Friseur, einem Bäcker, einem Hot-Dog-Verkäufer u.a. die Arbeit untersagt. Das heißt aber auch, dass die kommenden Tage des Lockdowns alles überbieten werden, was es an kurzfristigen (!) Wirtschaftsindizes wie Arbeitslosenanträge, Verbrauchervertrauen etc. je gebeben hat. Klar, vermutlich erleben wird bald,  dass es wegen der Coronakrise in den USA 25 Millionen Arbeitslose geben wird –  in einem Land mit einer Hire-and-Fire-Mentalität. Aber Covid-19 hat ein natürliches Ende. Und dann wird es kurzfristig Anstiegsdaten aus tiefem Niveau geben, wie es sonst nur in Aufbauphasen nach einen Bombenkrieg möglich ist – einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt bereits China mit seinen Einkaufsmanagerindizes.

Beispiel Deutschland

Wir haben bereits in dieser Woche R-0 erreicht (Feststellung Robert-Koch-Institut): das heißt, ein Infizierter steckt nur noch einen Menschen an. Vor drei Wochen lag dieser Wert bei 3-7 und damit noch deutlich höher. Bereits in wenigen Tagen/Wochen wird sehr wahrscheinlich die Zahl der „active cases“ sinken und dann die ersten Maßnahmen der Integration ins Arbeitsleben erfolgen. Die Epidemiologen dürfen nur nicht zu früh Entwarnung geben, sonst würde durch Leichtsinn der ganze Effekt zunichte gemacht werden und sich der Schaden der Coronakrise noch  potenzieren. Nach dem 20. April wird es in Deutschland ziemlich wahrscheinlich mit einer leichten Exitstrategie losgehen.

Coronakrise: Wird die Arbeitslosigkeit Bestand haben?

Die US-Börsen sehen nicht mehr auf den Mai, in dem die schlechtesten Arbeitslosenzahlen seit 1930 kommen werden, sondern sie blicken vermutlich auf den Sommer und später. Deshalb fallen sie auch zur Zeit nicht so stark, trotz der schlechtesten Arbeitslosenzahlen, die man sich ausmalen kann. Man erwartet bereits das Schlimmste und wenn Goldman Sachs von 25 Millionen im Mai spricht, so ist das weitgehend schon eskomptiert. Sonst müssten die Börsen schon weit über 50 Prozent ihres Wertes verloren haben. Das ist ein Grund, warum die Aktienmärkte derzeit nicht in die Tiefen fallen, die dem aktuellen Wirtschaftseinbruch durch die Coronakrise entsprächen. Der Zukunftsaspekt der Börse und als zweiter Grund das 10 Billionen-Dollar-Rettungspaket weltweit, was den Konsum vor einem totalen Kollaps bewahrt.

Was einige Investoren immer noch unterschätzen, ist die absolute Hemmungslosigkeit, Schmerzfreiheit oder Radikalität der US-Regierung, um den US-Konsum zu retten. Wenn das 4 Billionen-Dollarpaket für die Coronakrise nicht ausreicht, wird man eben noch weitere Billionen hinterherschieben: es ist ein Wahljahr und Donald Trump wird ohne Rücksicht auf Verluste alle fiskalpolitischen Mittel einsetzen.

Dass er damit die Verschuldung der USA in gefährlichste Dimensionen anheben wird, das kümmert ihn bisher noch wenig. Schließlich hat er wohl den stärksten Glauben Aller in die Einzigartigkeit der US-Wirtschaft und deren Leitwährung. Spricht er nicht schon dauernd davon, wie gestärkt Amerika aus der Coronakrise hervorgehen wird? Noch glauben ihm die Weltmärkte: der Dollar ist nach wie vor die Leitwährung und die Federal Reserve kann als eine der wenigen Notenbanken in unvorstellbarem Ausmaß Geld drucken. Dass das nicht ewig gut gehen kann und auch in einem Desaster enden könnte (muss?) – das steht auf einem anderen Blatt. Bisher sind die USA eine der wenigen Länder, die noch niemals einen Staatsbankrott erleben mussten. Deutschland hingegen schon derer sieben, in den letzten 200 Jahren. God bless America..

Noch ein Wort zu China: Warum sind dort im Januar/Februar wegen der Coronakrise die Aktienmärkte nicht in die Tiefe gestürzt, als eine Schlüsselindustrie, die Automobilbranche, mit 92 und 80 Prozent Rückgang die schlechtest denkbaren Daten geliefert hat? Weil man erwartet hat, dass sich die Wirtschaft ab April/Mai von der Coronakrise wieder erholen wird. Was gerade auch geschieht.

Das ist nämlich auch für die USA der springende Punkt: Man kann doch nicht erwarten, dass die Masse der Friseure, Bäcker, Souvenirhändler (um nur ein paar einfache Beispiele zu nennen) auch in drei oder sechs Monaten noch arbeitslos sein werden. Von einem langsamen Wiedereinstieg im Flug- und Touristikgeschäft gar nicht zu reden. Die Touristikbranche steht für acht Prozent des weltweiten BIPs. Menschen werden wieder den Friseur (und viele Dienstleister, vom Masseur bis zum Fitnessstudio) brauchen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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ETF: Wie funktionieren sie – und sind sie auch in der Krise ungefährlich?

Sind ETFs auch in einer Krise geeignet? Über die Funktion eines ETF – und was in der Corona-Krise passierte

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ETF war das Zauberwort unter den Anlageprodukten: während Vermögensverwalter stetig Rückgänge bei den Zuflüssen an Kundengeldern verkraften mußten, traten die ETFs einen jahrelangen Siegeszug an. Wird das so bleiben? Ist ein ETF für jedermann geeignet? Und ist es vor allem auch ein „Krisen-sicheres“ Instrument? Hier ein kurzer Überblick über die relevanten Fakten!

Was ist ein ETF?

Der Begriff ETF stammt aus dem englischen und bedeutet „Exchange Traded Fund“. Vereinfacht gesagt, handelt es sich dabei um einen börsengehandelten Indexfonds der die Weiterentwicklung eines Portfolios aus Wertpapieren darstellt. ETFs sind also Fonds, die wie Aktien über die Börse gehandelt werden. Ein ETF kann unterschiedlichste Arten eines Index abbilden, z.B. einen bestehenden Index wie den DAX, aber auch eine Zusammenstellung einer Branche.

Die Anteile daran werden dann an der Börse gehandelt, genauso wie die Aktien eines einzelnen Unternehmens. Für die meisten Investoren ist es schwierig alle Aktien aus einem Index zu kaufen oder zu verkaufen, zudem würde es einen hohen Kapitaleinsatz erfordern. Es ist daher für viele Investoren viel einfacher und günstiger, einen ETF zu handeln, der eine definierte Auswahl an Aktien oder Anleihen enthält.

Der Kurs bestimmt sich wie bei einer Aktie durch den Markt, also durch Angebot und Nachfrage. Weil ein ETF nichts anderes als ein Paket aus Wertpapieren ist, entspricht der Kurs in der Regel dem Gesamtwert der zugrundeliegenden Aktien. Der wohl bekannteste ETF ist der MSCI World, es handelt sich um einen internationalen Aktienindex bestehend aus über 1600 Unternehmen weltweit. Eine große Anzahl an Anlegern nutzen diese Anlageform auch als Sparplan, es werden z.B. monatliche Sparbeträge eingezahlt, um über einen längeren Zeitraum durch den Zinseszins zu profitieren.

Wie entsteht ein ETF?

ETF-Anteile werden durch autorisierte Marktteilnehmer, auch Market Maker genannt, kreiert. Diese arbeiten mit bekannten Anbietern wie z.B. der DWS (Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen) zusammen, die Fondsparte der Deutschen Bank. Professionelle Finanzinstitutionen wickeln die Ausgabe und Rückgabe von ETF-Anteilen gemeinsam im Hintergrund ab. Das Ergebnis ist eine einfache und reibungslose Investmentform. Genau das macht es für Anleger auch so leicht, ein ETF wie eine Aktie an der Börse zu handeln.

ETF: Welche Unterschiede gibt es?

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von ETFs: Zunächst gibt es die physisch replizierenden Fonds. Wie das Wort physisch schon aussagt, handelt es sich hierbei um eine 100-prozentige Nachbildung eines Aktienindex wie z.B. dem DAX oder Dow Jones. Diese bestehen konstant aus 30 Unternehmen, dadurch kann eine sogenannte Vollreplikation angewendet werden. Jedes Unternehmen im DAX hat eine bestimmte Gewichtung, die von der Marktkapitalisierung abhängig ist. In einem physischen ETF-Index werden die Aktien gemäß ihrer Gewichtung gekauft. Das ist für Indizes möglich, die sich nur aus einer übersichtlichen Zahl liquider Aktien zusammensetzen. Ist der Index allerdings sehr groß – wie der MSCI World mit mehr als 1.600 verschiedenen Unternehmen – dann werden nur bestimmte Unternehmensanteile gekauft. Man spricht hierbei von der Teilreplikation.

Bei der synthetisch replizierenden Methode werden nicht die physischen Werte eines Index zugrunde gelegt, sondern es erfolgt eine Nachbildung über Derivate, zu Ihnen zählen Optionen, Termingeschäfte und Tauschgeschäfte (englisch: “Swaps”). Dabei schließt der Fonds einen Vertrag mit einem Swap-Partner ab, wie Finanzinstitute und Investmentbanken, die sich dazu verpflichten, im Tausch gegen eine Gebühr die Indexrendite zu „liefern“. Ein synthetisches ETF ist in erster Linie dafür geeignet, kostengünstig in Nischenmärkte oder Anlageklassen wie Rohstoffe zu investieren, die sonst für die meisten Investoren nur schwer zugänglich sind.

Was ist das Ziel und für wen eignen sich?

Das Ziel eines ETF ist es, genau die Rendite zu erzielen, die der entsprechende Index erzielt. Ein ETF versucht damit gerade nicht, durch gezielte Auswahl einzelner Aktien klüger und besser zu sein als die breite Masse der Investoren. Auf diese Weise können Sie einfach und günstig am Marktgeschehen teilhaben, Sie folgen einfach der Mehrheit. Die Zusammensetzung eines ETF-Index wird mehrmals jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst. Sie müssen sich also um nichts kümmern und können sich getrost zurücklehnen und sich im Erfolgsfall über ihre stetige Rendite freuen. Diese Anlageform eignet sich nicht nur für Profis, sondern insbesondere auch für Privatanleger, die ihr Portfolio nicht aktiv managen möchten und ihr Risiko über eine breite Auswahl an Aktien oder Anleihen streuen wollen.

Kritik an ETF

Im Wesentlichen gibt es zwei Kritikpunkte an ETFs: erstens führe ihr „Siegszug“ zu einer Monopolisierung der Märkte: Aktien wie Apple würden immer Markt-schwerer und daher in unzähligen ETFs immer stärker gewichtet. Dazu komme, dass immer mehr Indizes geschaffen werden (es gibt inzwischen mehr Indizes als Aktien), damit dann auf einen neu geschaffenen Index ein Index-ETF aufgelegt werden kann.

Die Folge: es gibt immer mehr ETFs, die auf eine vorhandene Liquidität der Marktteilnehmer trifft – insofern gaukelten die ETFs eine Liquidität vor, die faktisch gar nicht gegeben sei. Komme es zu crashartigen Situationen an den Märkten, könne der Siegeszug dieses Anlagevehikels  die Dynamik noch verstärken, so die Kritiker. Bei dem jüngsten heftigen Abverkauf im Gefolge der Corona-Krise kam es bislang vor allem in illiquiden Sektoren zu Problemen, etwa bei Junk Bonds – hier gab es deutliche Abweichungen zwischen dem Fondspreis und dem Preis der im Fonds enthaltenen Wertpapiere. Bei einem „großen“ ETF wie etwa dem SPY, der den Leitindex S&P 500 abbildet, kam es dagegen nicht zu derartigen Problemen.

Wie gut ist ein ETF auch in schwierigen Marktlagen geeignet?

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Finanznews

Aktienmärkte: Katastrophen-Zahlen – warum (noch) kein Abverkauf? Marktgeflüster (Video)

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Heute absolut katastrophale Arbeitsmarktdaten aus den USA und regelrechte Abstürze auch bei europäischen Konjunkturdaten – warum aber halten sich die Aktienmärkte angesichts solcher Horro-Meldungen noch recht passabel? Ist das alles wirklich schon eingepreist? Blicken die Aktienmärkte schon „hinter die Kurve“ und erwarten eine Besserung der Lage? Das Gegenteil ist der Fall: erst bei den anstehenden Daten, die den März volll erfassen, wird die ganze Dimension der Coronavirus-Krise sichtbar werden. So liegen die ersten Prognosen für die US-Arbeitsmarktdaten bei 20 Millionen (!) verlorenen Jobs. Aber neben der Erholung beim Ölpreis gibt es einen Grund, warum sich der Abverkauf de Aktienmärkte (noch) in Grenzen hält..

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