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Der deutsche Michel wird von der fortgesetzten EZB-Politik gleich doppelt getroffen

Und, wie geht es weiter mit der globalen Notenbanker-Politik? In Jackson Hole brachte man es fertig zu den interessanten Theman Geldschwemme und Zinsen nichts zu sagen. Also blickt der europäische Betrachter nun gespannt…

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Und, wie geht es weiter mit der globalen Notenbanker-Politik? In Jackson Hole brachte man es fertig, zu den interessanten Theman Geldschwemme und Zinsen nichts zu sagen. Also blickt der europäische Betrachter nun gespannt auf den 7. September. Da findet nämlich die nächste EZB-Sitzung statt. Alle Welt erwartet von dieser Sitzung, dass die EZB ankündigt, wie man schrittweise seine Anleihekäufe runterfährt. Oder vielleicht werden sie auch verlängert?

Die Aussagen an diesem Tag können den Euro-Wechselkurs stark beeinflussen. Aber etwas anderes wird wohl überhaupt nicht zur Debatte stehen. Die Zinsen! Denn die Inflation in der Eurozone bleibt mit 1,3% im Juli nach 1,3% und 1,4% in den Vormonaten viel zu gering, als dass man auch nur annähernd von dem Erreichen des EZB-Ziels (2% oder nahe 2%) sprechen könnte. Außerdem ist die angeblich so wichtige Kernrate der Inflation ebenfalls noch „so schwach“, obwohl man sich fragen könnte, was an 1,3% Inflation eigentlich schwach ist.

Denn die EZB sagt selbst, dass die Deflationsgefahren, weswegen die ganze Sause offiziell gestartet wurde, so gut wie nicht mehr existiert. Aber es ist, wie es ist. Die EZB will erst die Zinsen anheben, wenn die Inflation die 2% erreicht hat, und das nachhaltig. Damit meint man wohl mehrere Monate in der Headline und Kernrate bei wohl mindestens 1,8% oder höher! Also wird das wohl auf absehbare Zeit überhaupt nichts werden mit der Zinswende.

Das zeigte sich in den letzten Wochen auch in fallenden Renditen für die Ausgabe neuer deutscher Staatsschulden, wo Wolfgang Schäuble wieder zu deutlich niedrigeren Renditen Geld leihen konnte – bei kurzen Laufzeiten sogar immer noch mit Gewinn. Und der deutsche Sparer? Der guckt weiter in die Röhre. Selbst Nullzinsen auf dem Sparbuch werden durch die 1,3% Inflation zu einer satten realen Minusverzinsung. Egal ob man nun sein Geld auf dem Sparbuch parkt, oder ob man es Termingeld, Tagesgeld oder Festgeld nennt. Das Resultat ist immer das selbe, eine reale Minusverzinsung!

Aber der deutsche Michel wird gleich doppelt getroffen. Die Auswirkungen auf seine Bankguthaben kann der Sparer noch halbwegs direkt sehen. Aber die viel größeren Auswirkungen sieht er so gut wie gar nicht. Der Deutsche sorgt vor in Lebensversicherungen, Rentenversicherungen, Investmentfonds wie auch oft in der betrieblichen Rentenversicherung. Dies sind die großen, ja gigantischen Kapitalsammelstellen. Sie pumpen ihre eingesammelten Gelder zu großen Teilen in deutsche Staatsanleihen, weil es per Definition sichere Geldanlagen sind (mündelsicher).

Und dort gibt es seit mehreren Jahren Nullzinsen, oder selbst bei neu ausgegebenen 10 Jahren Laufzeit aktuell nur 0,5% Verzinsung. Damit ist man auch hier bei einer realen Negativrendite. Und vor allem kürzere Laufzeiten bringen Wolfgang Schäuble wie gesagt fette Gewinne (hier eine konkrete Beispielrechnung). Diesen Gewinn zahlt der deutsche Michel. Indirekt, aber er zahlt ihn! Denn durch diese Verluste, die ja bei den Kapitalsammelstellen entstehen, wird in vielleicht 20 oder 30 Jahren, wenn der Arbeitnehmer in Rente geht, spürbar weniger von den Rentenkassen ausgeschüttet als heute noch gedacht.

Das ist ja das Angenehme an der Sache. Man sieht es nicht, man spürt es nicht. Erst in 20 oder 30 Jahren wird das Jammern des heute vielleicht 35jährigen Arbeiters groß sein. Es ist umso größer, je länger jetzt die realen Nevativrenditen an den Geldern der monatlichen Einzahler fressen. Aber das ist ja das Schöne für den Augenblick – dieser Effekt ist jetzt nicht greifbar, von daher gibt es keine Straßenproteste „empörter Sparer“. Dabei ist es wohl auch fraglich, ob es in 30 Jahren einen Massenprotest der empörten Sparer geben wird, wenn die tatsächlichen Erträge auf den Tisch kommen.

Wie sagte Mario Draghi so schön? Meine Güte, wenn ihr euch über Nullzinsen beschwert, dann kauft doch Aktien! Und ja, dieses abgeschaffte Zinsniveau lässt die Preise anderer Anlageklassen allesamt günstig aussehen. Wenn man für Anleihen 0% erhält, wirkt alles andere attraktiv. So steigen die Kurse von Anleihen relativ fragwürdiger schwacher Unternehmen, die Kurse von Aktien, die Kaufpreise für Immobilien, Antiquitäten, und und und.

Abgesehen davon: Der Zins für Anleihen ist neben der Rendite auch immer ein Gradmesser für das Ausfallrisiko. Je höher das Risiko, desto höher die Rendite, bisher jedenfalls. Die EZB zerstört somit die Wahrnehmung, was eigentlich risikobehaftet ist, und was nicht. Der vormalige Notenbanker und OECD-Ökonom Dr. Michael Ivanovitch hat aktuell bei CNBC seine Gedanken über die Geldpolitik der großen Notenbanken geäußert. Zusammenfassend kann man sagen, dass er das Wachstum der Kreditvergabe in der Eurozone mit 2,6% immer noch als ziemlich schwach ansieht. Diese Wachstumsrate zeige keine Wiederkehr des privaten Konsums.

Daher rechne er nicht mit einem Ende des geldpolitischen Stimulus durch die EZB. Sein längerer Kommentar zu dem Thema kann so gedeutet werden: Die deutsche Kritik an der Geldpolitik ist inhaltlich richtig, nämlich dass gerade die Südländer durch das billige Geld keinen Druck haben Reformen durchzuführen. Aber genau so sieht er das billige Geld als wohl nach wie vor als notwendig an um die Konjunkturerholung aufrecht zu erhalten. Na dann, liebe Sparer, das dauert wohl noch mit den Zinsen…


EZB-Chef Mario Draghi. Foto: EZB

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    olli8+

    28. August 2017 18:14 at 18:14

    Liebe Journalisten
    Wie vornehm ist doch hier Ihre Formulierung.
    „Der deutsche Michel wird nicht doppelt getroffen“ sondern doppelt bestrafft!!

  2. Avatar

    TINOGRUCHMANN

    28. August 2017 19:23 at 19:23

    Meine Frage an die Redaktion,was war denn davor anders, ob die Sparer nun 1,5% Zinsen bekommen bei einer Inflation von 3% oder 0 bei einer Inflation von 1,5, hier nur die etwas einfach gemachte Verhältnisgleichung, bringt doch auch nicht viel, und am Ende haben selbst bei Zinsen über dem Inflationsniveau nur geringe Teile der Bevölkerung profitiert,
    Hier muß klar gesagt werden, das System ist am Ende und nur durch diese Massnahmen kommt es noch ein paar Schritte weiter, ich persönlich würde Helikoptergeld bevorzugen da kommt zumindest am Anfang ein großer Teil in der Bevölkerung an, wenn eine Party dann für alle

    • Avatar

      Gerd

      28. August 2017 21:39 at 21:39

      TINOGRUCHMANN:
      „…ob die Sparer nun 1,5% Zinsen bekommen bei einer Inflation von 3% oder 0 bei einer Inflation von 1,5“

      Ist schon klar. Aber diese Konstellation will ja ebenfalls keiner. Und wann gab es diese fiktive Kombination? In „normalen“ Zeiten? Sicherlich nicht.
      Normal war Jahrzehntelang in Deutschland ein Realzins von um die 4%, mal etwas mehr, mal etwas oder auch viel weniger. Aber in der Regel waren die Zinsen in jedem Fall höher als die Inflation.

      Andererseits, wie Sie sagen, es hat ja sowieso nicht jeder von den Guthaben-Zinsen profitiert. Es gibt ja hier auch mindestens zwei, drei Foristen, die im Zusammenhang mit dem Begriff FIAT-Money ständig das System mit den Zinseszinsen beklagen. Na also. Wo es keine Zinsen mehr gibt, kann es erst recht auch keine Zinseszinsen geben. Dann hätte das demzufolge ja auch sein Gutes.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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