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Der eindeutige Wandel im US-Einzelhandel

Der US-Einzelhandel wandelt sich rasant. Große alte etablierte Marken werden hinweggefet. Entweder machen sie ganz dicht, oder sie müssen sich radikel gesund schrumpfen. Das liegt einerseits daran, dass in den...

FMW-Redaktion

Der US-Einzelhandel wandelt sich rasant. Große alte etablierte Marken werden hinweggefet. Entweder machen sie ganz dicht, oder sie müssen sich radikel gesund schrumpfen. Das liegt einerseits daran, dass in den letzten Jahrzehnten riesige Überkapazitäten geschaffen wurden mit viel zu viel Volumen an Einzelhandelsfläche – dies wird jetzt korrigiert. Aber noch stärker wiegt die Verschiebung weg vom stationären Einzelhandel hin zum Onlineshopping. Dort hat Amazon in den USA einen Marktanteil von mehr als 50%.

Die Entwicklung des Marktes in den USA ist im folgenden Chart ziemlich einfach nachvollziehbar. Der Einzelhandel übers das Internet wuchs vom Anfang der 90er-Jahre bis jetzt von 2 auf 45 Milliarden Dollar. Der prozentuale Anteil beim Onlineshopping am gesamten US-Einzelhandel wuchs im selben Zeitraum von 1% auf 11%. Der Wachstumsverlauf in Dollar wie auch der prozentuale Anteil ist ähnlich, wie die Grafik gut zeigt.

Es handelt sich um einen stetigen Aufwärtstrend, der keine Grenze zu kennen scheint. Die folgende Grafik zeigt die Verschiebung der Arbeitsplätze, weg vom stationären Handel (rot), hin zu neuen Arbeitsplätzen in den großen Logistikzentren der Onlinehändler (blau). Grau hinterlegt sind in der Grafik zwei Phasen mit einer Rezession. Die stationären Einzelhändler bauten nach den Rezessionen immer weiter ab. Die Onlinehändler haben sie relativ schnell verkraftet, und weiter Personal aufgebaut.

Dabei ist natürlich anzumerken, dass die Frage lauten sollte: Was für neue Jobs entstehen denn durch diesen Strukturwandel im US-Einzelhandel? Die Bezahlung in einem Logistikzentrum wird wohl kaum vergleichbar sein für jemanden, der jahrelang in einer Buchhandlung als auskunftsbereite Fachkraft gearbeitet hat. Laut der Veröffentlichung der New Yorker Notenbank wurden seit 2013 durch stationäre Einzelhändler netto 80.000 Arbeitsplätze gestrichen, und bei Onlinehändlern 100.000 neue geschaffen. Also eine positive Bilanz? Ist das möglich?

Laut der Notenbank zeigt dieser Verschiebungstrend kein Anzeichen eines Nachlassens. Im Gegenteil – im laufenden Jahr sollte er laut jüngsten Daten sogar noch zunehmen. Die Notenbank weist auch auf einen sehr wichtigen Umstand hin. Denn die geografische Verteilung von Jobs bei Onlinehändlern sei völlig anders als bei stationären Einzelhändlern. Das ist logisch nachvollziehbar. Denn so sei die Verteilung der stationären Einzelhändler landesweit in einer festen Relation zur Bevölkerungszahl zu sehen, denn sie verkaufen ihre Produkte ja dort, wo die Menschen leben.

Onlinehändler hätten diesen Zwang nicht. Die Notenbank hat zahlreiche US-Landkreise (Counties) mit sehr ländlichem Charakter analysiert. Von 2012 bis 2016 seien in 75% dieser Counties netto Arbeitsplätze im Einzelhandel verloren gegangen. Und warum? Logisch, die neuen Einzelhandels-Jobs bei Onlinehändlern konzentrieren sich in den wenigen Counties, wo die Onlinehändler ihre Logistikzentren betreiben. Was kann man daraus schlussfolgern? Vermutlich wird die Landflucht in den USA weiter zunehmen, und Menschen werden notgedrungen dorthin umziehen, wo große Logistikzentren angesiedelt werden. Damit dürften kleine Städte noch mehr veröden als oft ohnehin schon.

Die Notenbank verweist aber auch auf positive Effekte des Onlineshoppings. Neben den direkt in den Logistikzentren entstehenden Arbeitsplätzen würden auch Lastwagenfahrer und die ausliefernden Paketboten von diesem Trend profitieren. Und letztlich seien kleine Produzenten auch die großen Gewinner. Sie könnten ihre Waren einfach überall verkaufen ohne ein eigenes Vertriebsnetzwerk oder eigene Lagerbestände vorhalten zu müssen.



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