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Der Euro als neuer „sicherer Hafen“

Von Markus Fugmann

Eines ist doch sehr auffällig derzeit: die geopolitischen Spannungen erreichen einen neuen Hochpunkt durch die Missiles Nordkoreas – und der Dollar wird abverkauft. Das bedeutet: der Dollar ist scheinbar nicht mehr der sichere Hafen, nicht mehr die Fluchtwährung, wenn es an den Märkten ungemütlich wird. Jahrelang galt: wenn es ungemütlich wird, geht man in den Dollar, schon weil bei Markttubulenzen viele nicht-Dollar-Investoren ihre Positionen glatt stellen müssen, weil ihre Risikopositionen meist auf Dollar lauten.

Nun ist aber scheinbar ein Paradigmenwechsel im Gang: der Dollar legte mit der Wahl Trumps stark zu, um dann aber – nachdem immer klarer wird, dass Trump eher ein Papiertiger denn ein echter Tiger ist – stark unter Druck zu kommen. Zum Euro verlor die amerikanische Währung in diesem Jahr 14%!

Blickt man auf amerikanische Finanzmedien, so fällt auf, wie ausgesprochen positiv derzeit die Berichtserstattung zur Eurozone ist. Man nimmt zur Kenntnis, dass die Wirtschaftsdaten aus der Eurozone stärker sind als in den USA, US-Fondsmanager und Hedgefondmanaer blasen zum Einstieg in den europäischen Aktienmarkt (mit bislang mäßigem Ergebnis, das jedoch durch die Euro-Stärke etwas aufgehübscht wird).

So oder so: der Euro erscheint nun als „sicherer Hafen“, während noch vor wenigen Monaten fast unisono in amerkianischen Finanzmedien von Europa und dem Euro abgeraten worden war. Ein Blick auf den von Sentix ermittelten „Euro Break-Up Index“, der die Wahrscheinlichkeit für ein Auseinanderbrechen der Gemeinschaftswährung bemißt, zeigt, wie stark der Euro inzwischen als „sicher“ eingestuft wird. Der Index (also das Risiko eines Auseinandebrechens) handelt nur knapp über seinem Tief:

Aus Sicht der Amerikaner aber hat der Euro nun einige Vorteile: die politische Lage gilt nach den Wahlen in Holland dund Frankreich als stabil, von der Bundestagswahl im September dürfte keinerlei Gefahr auszugehen. Anders als in den USA scheinen die politischen Führungskräfte in den europäischen Kernsataaten verlässlich und rational, zumal die Trump-Administration neben dem täglichen Chaos, das sie produziert, nicht wirklich an Dollar-Stärke interessiert zu sein scheint und sich mit einem schwachen Dollar Wettbewerbsvorteile verschaffen will. Die politische Lage in den USA, aber etwa auch in Großbritannien wird als unsicher eingeschätzt, anders als in der Eurozone.

Und der Euro steigt und steigt – seit einigen Wochen, das zeigen Daten der CFTC, sind Spekulanten long im Euro (mit einem Netto-Long-Verhältnis von ca. 2:1). Die Gemeinschaftswährung ist derzeit deutlich überkauft, profitiert aber neben der neuen Eigenschaft als „sicherer Hafen“ auch vom Taper-Talk, also von der Aussicht, dass die EZB ihre Anleihekäufe verringern, absehbar sogar einstellen wird.

Im mittleren Zeitfenster wird der Euro durch die Wirtschaftsdaten gestützt (niedrigste Arbeitslosenquote seit acht Jahren, BIP bei 2,1%) aber je näher der Tag der EZB-Sitzung (07. September) rückt und je höher der Euro nun steigt (heute der höchste Stand seit Anfang 2015), umso größer die Wahrscheinlichkeit für eine verbale Intervention durch EZB-Mitglieder – oder bei der PK der EZB in gut einer Woche durch Aussagen von Draghi. Die 1,20er-Marke dürfte dabei für die Notenbank symbolische Bedeutung haben – der langfristige Durchschnitt des Euro-Kurses zum US-Dollar liegt übrigens bei 1,21, also praktisch auf dem Niveau, auf dem wir jetzt sind.

Noch hat der Euro also Momentum – aber die Höhenluft bigt nicht nur für Menschen, sondern auch für Währungen Gefahren..



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