Folgen Sie uns

Allgemein

Der Euro wird so oder so gestärkt aus der Griechenland-Krise hervorgehen!

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von Claudio Kummerfeld

Eine gewagte und sicherlich umstrittene These – zwei Szenarien, am Ende mit dem selben Ergebnis für die Eurozone. Der Euro wird so oder so gestärkt aus der Griechenland-Krise hervorgehen!

EZB Rat oberster Hüter des Euro
Der EZB-Rat um Mario Draghi.
Foto: Europäische Zentralbank

Auch wenn heute die frischen Vorschläge von Alexis Tsipras von den Mitgliedern der Eurogruppe, vom ESM, EZB und IWF geprüft werden – auch wenn kurz darauf abgestimmt wird in Parlamenten und Regierungen: ob Griechenland im Euro bleibt oder doch ausscheidet, wird nicht in wenigen Tagen entschieden. Es gibt zwei Szenarien für Griechenland und die Eurozone. Der Euro als Währung, so wird oft spekuliert, ist durch die Griechenland-Krise schwer beschädigt und würde durch den Austritt eines Mitgliedslandes schweren Schaden nehmen in der globalen Wahrnehmung der Gemeinschaftswährung. Schauen wir uns das mal näher an!

Szenario 1: Grexit

Nehmen wir an Griechenland scheidet tatsächlich aus dem Euro aus. Das Land macht, wie alle wissen, im Gesamtkontext der Eurozone nur einen sehr kleinen Anteil aus – so gering, dass es fast nicht auffällt, wenn dieser Anteil wegfällt.

Die sogenannten Target2-Forderungen, die die anderen Notenbanken gegenüber der griechischen Notenbanken jetzt schon haben, würden letztendlich bei einem Grexit an diesen Notenbanken (wie der deutschen Bundesbank) hängen bleiben. Sie hätten dann weiterhin eine Forderung gegenüber der griechischen Notenbank in ihren Büchern stehen, die aber durch den Grexit aus dem Eurosystem ausscheidet. So würde in der Bilanz der Bundesbank wohl eine Forderung gegenüber Dritten als Vermögensgegenstand vorhanden sein. Auch wenn der wertlos wäre, könnte man ihn einfach in der Bundesbankbilanz offen vor sich hin schlummern lassen, so dass er in nicht realisiertem Zustand den deutschen Bundeshaushalt nicht belastet.

Aber abgesehen davon ist ja viel entscheidender, welchen internationalen Reputationsverlust das Ausscheiden eines Landes aus der Eurozone nach sich zieht. Es gibt viele Meinungen, dass genau dadurch ein großer Ansehensverlust des Euro bei anderen großen Playern entstehen würde, die ihrerseits wichtige Währungen repräsentieren, also USA, China, Schweiz, Japan. Ich sehe es genau andersrum. Alle Welt kriegt derzeit täglich neu vorgehalten, wie pleite und überschuldet Griechenland ist. Scheidet es aus der Eurozone aus, verliert sie ein (monetär betrachtet) „krankes Mitglied“ und steht ohne Griechenland stärker da als vorher. Denn wie man in den letzten Wochen gesehen hat, waren sich bei Abstimmungen rund um Griechenland alle anderen 18 Eurogruppen-Mitglieder stets einig. Das hätte in der Medienlandschaft auch mal Erwähnung finden können. Bei 18 souveränen Regierungen würde man denken, dass es da zu Abstimmungen kommt von z.B. 16 zu 3 oder 12 zu 7. Aber nein – es ist nach meiner Meinung ein Bild der Geschlossenheit, dass es 18 souveräne Regierungen schaffen dauerhaft geschlossen aufzutreten.

Der Euro ist eine ganz neue Währung, denn 15 Jahre sind praktisch nichts. Dazu noch erstreckt sich diese Währung über 19 souveräne Staaten. Und jetzt erlebt dieses Konstrukt seine erste echte Krise. Wenn ein Mitglied es wirtschaftlich und politisch nicht schafft oder schaffen will in diesem Währungsraum weiterhin Mitglied zu sein, kann es doch ausscheiden. Europa ist ja schließlich kein Einheitsstaat mit Zentralregierung. Was ist also vom Ansehen des Euro her so schlimm daran, wenn ein Land ausscheidet? Der Rest steht geschlossen zusammen, und die EZB ist (bei aller Kritik) eine unabhängige und weltweit anerkannte Institution. Man denke nur an den legendären Ausspruch von Mario Draghi „wir werden alles tun was notwendig ist um den Euro zu retten“. Nur diese Drohung reichte um sämtliche Hedgefonds in die Flucht zu schlagen. Das zeigt: Die EZB funktioniert und wird als starker globaler Player wahrgenommen.

Ich glaube nach einem Grexit würde der globale Kapitalmarkt zur Kenntnis nehmen, dass alle anderen 18 Mitglieder der Eurogruppe vereint zusammenstehen und eine Sprache sprechen. Der Euro wird dann noch gefestigter dastehen als bisher.

Szenario 2: Griechenland behält den Euro

Was passiert, wenn Griechenland im Euro bleibt? In der Tat hat die Eurozone dann ein wirtschaftlich schwaches Mitglied, dass alimentiert werden muss mit Notkrediten und Nothilfen, und das über einen längeren Zeitraum. Aber das wird „begleitet“ werden durch harte Spar- und Reformauflagen. Kommt es zu Turbulenzen am Devisenmarkt, kann Mario Draghi seine „whatever it takes“-Keule rausholen.

Es gibt ja den Spruch „jede Gemeinschaft ist nur so stark wie sein schwächstes Mitglied“. Bleibt Griechenland im Euro, wird die Eurogruppe das Land umfassend stützen. Das Ausland sieht dann „schau mal an, das schwächste Teil eines Gebildes wird umfassend gestützt, man steht füreinander ein“. Problematisch wäre es in der Außenwirkung nur, wenn das Land im Euro bleibt und kein weiteres Hilfsgeld nach Athen fließt.

Das Entscheidende für die Außenstehenden außerhalb der Eurozone ist das Vertrauen in den Zusammenhalt der Mitgliedsländer (Eurogruppe 18 Länder einer Meinung), und in die Stärke der Institutionen (EZB). Dann kann man auch Vertrauen in eine Währung wie den Euro haben. Der nach außen bekundete Wille, etwas durchzuziehen, das Projekt Euro weiterzuführen, sorgt für Vertrauen bei Investoren, die nach Verlässlichkeit suchen. Wird das schwächste Mitglied der Familie umfassend gestützt, ist genau das ein Zeichen von Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Es ist genau so positiv für den Euro wie eine klare Bereinigung (Grexit).

Das wirklich Negative für den Euro wäre ein völlig chaotisches Staatspleite-Griechenland mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen, das seine Schuldenraten nicht bedient und keine Hilfen bekommt. Da könnte man als externer Investor sagen „Moment mal, auf solchen Staaten basiert euer harter Euro?“.

Die Eurozone muss ihr Hauptproblem lösen

Egal ob Grexit JA oder NEIN oder ob man meine Meinung teil oder nicht: Die Eurozone hat ein Problem, dass sie endlich lösen muss. Die 18 Mitgliedsländer haben zwar eine gemeinsame Währung, aber keine gemeinsame Wirtschaftspolitik. Kritiker des Euro ziehen diesen Hauptkritikpunkt immer wieder heran, der meiner Meinung nach auch berechtigt ist. Es ist schwierig und mit großen Anstrengungen verbunden Länder mit verschiedenen wirtschaftlichen Voraussetzungen in ein einheitliches Währungskorsett zu zwängen. Genau dadurch gibt es ja Probleme wie in Griechenland. Hier muss langfristig eine politische Lösung her, im Klartext mehr wirtschaftliche Union in der EU.

Die EZB versucht derzeit Länder wie Spanien, Portugal und Italien mit dem aktuellen Anleihekaufprogramm (QE) zu pushen, damit dort die Wirtschaftsleistung anspringt. Diese Maßnahme unterscheidet sich aber nicht von dem, was die USA für ihre eigene Wirtschaft in viel größerem Umfang getan haben. Mit dem QE können die wirtschaftlichen Unterschiede erstmal monetär zugeschüttet werden, aber wie gesagt, langfristig muss eine Angleichung der Wirtschaftspolitik her, sonst wird man auch in Zukunft Probleme mit unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeit in der Eurozone haben.

Langfristig gesehen

Auch wenn es zu kurzfristigen Turbulenzen kommen sollte, so glaube ich daran, dass der Wille von Eurogruppe + EZB das Projekt „Euro“ ernsthaft durchzuziehen, diese Währung noch stärker machen wird. Garant dafür, so meinen Meinung, werden auch die baltischen Staaten sein. Dass man dort entschlossen ist „hart durchzugreifen“ und nicht zimperlich ist, hat am Montag die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite gezeigt. Als man eigentlich in Brüssel zusammengekommen war um neue Vorschläge von Alexis Tsipras zu prüfen, und dann mal wieder keine Vorschläge gekommen waren, sagte sie in die TV-Kameras „wir haben neue Vorschläge für heute versprochen bekommen. Aber für Griechenland bedeutet „heute“ wohl immer manana (morgen). Aber in Europa kann es nicht immer noch einmal manana geben“. Die Frau weiß was sie will. Die Balten und Slowaken, die übermenschliche Anstrengungen unternahmen um ihre aktuelle Verschuldung fast auf 0 zu drücken, werden auch ein Auge darauf haben, dass ihr Euro hart bleibt!





Aus Versehen hatten wir geschrieben Dalia Grybauskaite sei lettische Präsidentin. Natürlich ist sie litauische Präsidentin. Dies haben wir im Text korrigiert.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Kris Clever

    10. Juli 2015 14:18 at 14:18

    dalia Grybauskaite ist litauische Ministerpräsidentin!

  2. Avatar

    admin

    10. Juli 2015 14:30 at 14:30

    Hallo Kris, danke für den Hinweis. Natürlich ist das Litauen und nicht Lettland. Das Versehen haben wir sofort korrigiert, danke!

  3. Avatar

    neuheide

    10. Juli 2015 15:11 at 15:11

    wie lange muss die europäische bevölkerung den mundstuhl,der eurodikatoren und deren mainstreammaulhuren noch ertragen?

    wie lange glaubt die finanzmafia noch,ihren raubzug gegen die restliche 99% bevölkerung noch durchführen zu können?

    an den verfasser dieses artikels,all das was sie an betrug,verschleierung zugunsten des banken/konzernkartells veröffentlichen.

    ihre verbrechen bleiben im netz.
    es wird die zeit kommen an dem sie gezwungen werden,verantwortung nicht nur für das was sie jetzt unters volk bringen tragen.
    auch die euroholiker zu zeiten der euroeinführung.
    die blühende landschaften,reichtum für alle versprachen und noch immer vom betrugsmainstream als „experten“ herrangezogen werden,sie alle werden sobald deutschlands bevölkerung aufwacht,zur rechenschaft gezogen.

  4. Avatar

    Michael

    10. Juli 2015 16:41 at 16:41

    Sicherlich war Griechenland keine Bereicherung für die Eurozone. Die Vorschläge von Tsipras gehen nicht einmal als Unverschämtheit durch. Das Problem besteht darin, dass falls die Griechen mit dieser Masche durchkommen, andere das auch so wollen. Zum Beispiel Spanien und Frankreich. Das sind ganz andere Kaliber, die in der Lage sind in Europa für politische Instabilität zu sorgen. Die Veranstaltung der roten/linken Medien und Ökonomen kann man nur mit Entsetzen zur Kenntnis nehmen. Im Prinzip müssten die „Nordstaaten“ (zu denen Österreich nicht gehört), geschlossen aus dem Euro austreten, falls Tsipras mit dem verkappten Schuldenschnitt durchkommt.

    Es ist scheixegal, ob die nationalen Zentralbanken ihre Griechenpositionen abschreiben oder nicht. Das Geld sehen sie nur zum Teil wieder, wenn Griechenland rausfliegt. Ansonsten können sie das komplett als Spendenquittung ausbuchen. Es war ja von Anfang an klar, dass wir mit Draghi einen Trojaner untergejubelt gekriegt haben.

    Was da von den Griechen auf dem Tisch liegt und sogar noch diskutiert wird ist eine politische Atombombe. Sollte Griechenland im Euro bleiben, wäre das der Anfang seines Endes. Kein Grund zur Unruhe, man kann seine Ersparnisse noch in Fremdwährungen mit solider fundamentaler Basis in Sicherheit bringen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Allgemein

EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage