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Der Fleischmarkt zeigt: Die Krise ist in vollem Gange!

Fleisch Teller

Gemäß der Maslowschen Bedürfnishierarchie wollen zunächst Grundbedürfnisse befriedigt wissen, bevor sie sich weiteren Dingen widmen. Diese Theorie können wir auch auf die Wirtschaft übertragen. Je wohlhabender die Menschen sind oder sich fühlen, umso eher sind sie bereit, Geld für Dinge auszugeben, die zur Grundbedürfnisbefriedigung nicht zwigend nötig sind. In der Krise wird die Pyramide von oben nach unten beschritten. Zuerst wird auf Luxus verzichtet, bevor es ans Eingemachte geht. Luxus ist zum Beispiel Fleisch vom Rind als eine der teuersten Fleischsorten. Das ist zur Zeit weniger gefragt, als von den Rinderzüchtern erhofft. Die Futures zeigen eine ausgeprägte Contango-Situation. Rindfleisch ist bei sofortiger Lieferung deutlich günstiger als bei Lieferung zum Beispiel am Jahresende. Und der Preis fiel in den vergangenen Monaten bereits beträchtlich, während die Lagerbestände Rekordmarken erreichten.

China ist gleich von zwei Epidemien geplagt

In China startete nicht nur die jetzt um die Welt gehenden Coronaviren. Schon im vergangenen Jahr hatte China extreme Probleme mit der Schweinepest, von der wir heute kaum noch etwas hören. China musste rund 40% des eigenen Schweinebestandes notschlachten und das Fleisch vernichten. Da China der größte Verbraucher und Erzeuger von Schweinefleisch auf der Welt ist, konnten die Ausfälle durch die Schweinepest nicht durch Importe von Schweinefleisch ausgeglichen werden. Verglichen mit dem Vorjahr stieg der Preis für Schweinefleisch in China im Februar 2020 um 116%. Die Lebensmittelpreise stiegen insgesamt um 21,9%. Und das ist keine Auswirkung des Coronavirus. Bereits im vergangenen November lag die Lebensmittelpreisinflation bei 19,1%!

In Ermangelung von Schweinefleisch griffen auch Chinesen vermehrt auf das deutlich teurere Rindfleisch zurück. Vor allem US-amerikanische Farmer rieben sich die Hände, sind doch die USA größter Rindfleischproduzent der Welt und mit gesättigtem eigenen Markt immer auf der Suche nach neuen Absatzmärkten. Doch der Plan ging nicht auf. Und er wird im Angesicht des Coronavirus (heute sogar 30 Tage Einreisestopp für Europäer in die USA) in diesem Jahr wohl auch nicht mehr aufgehen. Denn zur ohnehin hohen Nahrungsmittelinflation in China kommen nun noch weitere wirtschaftliche Nöte. Was bei den Verbrauchern ganz oben auf der Streichliste stehen dürfte, ist besonders teures Fleisch.

Die Stimmung ist bei den US-Fleischproduzenten noch gut

Interessant sind die sich völlig konträr gegenüberstehenden Ansichten über die Preisentwicklung in diesem Jahr. Während Analysten von einem phantastischen Jahr ausgehen, meldete die US Agrarbehörde bereits im Januar massiv steigende Lagerbestände. Obwohl das Coronavirus in weiten Teilen des Januars noch kein großes Thema war, bauten sich in den USA bereits die größten je im Januar verzeichneten Lagerbestände von Hühnerfleisch aller Zeiten auf. Rindfleisch: höchster Bestand seit 2008. Selbst das in China knappe Schweinefleisch stapelt sich in den Kühlhallen der Vereinigten Staaten und die Fleischindustrie geht davon aus, dass die Bestände im Februar weiter anstiegen.

Erst am Dienstag erschien im Beef Magazine ein Artikel, der das Bild für die US-amerikanischen Farmer für 2020 kaum bunter hätte malen können. Die Zahl der Rinder gehe zurück, was den Preis stabilisiere. Gleichzeitig meldet aber auch das Beef Magazine, dass seit 2008 in keinem Januar so viele Rinder auf der Weide standen wie in diesem Jahr. Es wird eine Rekordproduktion an Rindfleisch prognostiziert, wobei erwartet wird, dass der Export mit Leichtigkeit 50% der Mehrproduktion verglichen mit vergangenem Jahr abnehmen könnte. Insgesamt wird mit steigender Nachfrage und damit auch steigenden Preisen gerechnet.

Wie ein solcher Artikel noch am 10. März erscheinen konnte, ist mir schleierhaft. Der wirtschaftliche Abschwung ist weltweit in vollem Gange. Das Wort China taucht im Artikel dennoch kein einziges Mal auf, Coronavirus einmal, Krise gar nicht.

Saisonal zu erwartender Preisanstieg bleibt beim Fleisch aus

Ein realistischeres Bild der Lage zeichnen andere Artikel. So vermisst das Branchenmagazin Feedstuffs die saisonal zu erwartenden Preisanstiege beim Rindfleisch. Exporteinbrüche seien sicher, sinkende Nachfrage im Inland bedingt durch das Coronavirus könne noch dazu kommen. Der vom Magazin befragte Experte der Oklahoma State University meint denn auch, die Markterwartungen könnten „signifikant“ geändert werden müssen, dazu seien aber weitere Beobachtungen der Angebots- und Nachfrageseite nötig.



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2 Kommentare

  1. Da wir gerade beim Thema Fleischmarkt und Corona sind, wäre es vermutlich hilfreich, einmal beim neuen Messias Erdogan nachzufragen. Der Mann verschachert und transportiert zu Hunderttausenden menschliche Fleisch-Einheiten von den Südost-Grenzen in Bussen quer durchs Land an die Nordgrenzen, natürlich ohne jegliche Ansteckungsgefahr.

    Ein einziger Corona-Infizierter in der Türkei, der längst genesen ist? Mehr gibt es nicht im Land des aufkeimenden religiösen Glaubens? Solche Werte registrierten die Statistiker und Mediziner ansonsten nur in Vatikanstadt (wo der Glaube per se verwurzelt ist), der Mongolei, in St. Barth, Togo und ähnlich global vernetzten Staaten und Gesellschaften. EIN EINZIGER Infizierter seit Bekanntwerden des Virus, und das trotz und/oder wegen völliger Pressefreiheit, einem perfekten Gesundheitssystem, absoluter Transparenz?

    Nun gut, man hat ja keine Grenze zum Iran, und es wurden immerhin schon 2000 Coronatests landesweit durchgeführt (Zum Vergleich: In Südkorea wurden 140.000 Menschen getestet). Dennoch sollte man nicht alle Möglichkeiten ausschließen, vielleicht haben Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2 einfach keinen Bock oder es fehlen ihm die virulenten Eier, auf osmanische Menschen überzuspringen.

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