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Anleihen

Der Gigant kauft keine deutschen Staatsanleihen mehr – und übt heftige Kritik an der EZB

Claudio Kummerfeld

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Nach allem menschlichem Ermessen wird die EZB am 12. September ihre Zinsen weiter senken und/oder ein neues Anleihekaufprogramm auflegen. Damit werden die Banken genötigt ihren Sparern Negativzinsen aufzudrücken (erst vor Kurzem warnten die Volksbanken), oder sie über ihre Girokonten mit deutlich steigenden Gebühren zur Kasse zu bitten. Und die großen Kapitalsammelstellen? Alles Geld was der deutsche Michel fürs Alter spart, über die gesetzliche Rente, Betriebsrentenkassen, Fonds, Lebensversicherungen etc, wird zu großen Teilen in deutschen Staatsanleihen angelegt, da sie als „mündelsicher“ gelten. Das bedeutet, dass sie vor Verlusten geschützt sind.

Aber seit Kurzem bieten ALLE deutschen Staatsanleihen (egal welche Laufzeiten) eine negative Rendite. Es macht also für renditeorientierte Langfristinvestoren gar keinen Sinn mehr deutsche Papiere zu kaufen. Sonst müsste man den Anlegern Verluste für ihre Altersvorsorge präsentieren. Ihr zahlt 100 Euro ein, und wir machen daraus für euch 98 Euro? Das kann man dem Sparer wohl nur schwer verkaufen. So hat der Chef der Allianz Oliver Bäte gestern verkündet, dass der Konzern (mit 650 Milliarden Euro Anlagesumme einer der ganz Großen) keine deutschen Bundesanleihen mehr kaufe.

Das ist nur zu gut nachvollziehbar. Die Allianz dürfte nicht die einzige große Kapitalsammelstelle sein, die sich von deutschen Papieren abwendet. Aber dadurch entstehen zwei Fragen. Erstens: Wohin weicht man als Anleger aus, der das Geld der Anleger ja irgendwo arbeiten lassen muss? Man kann zum Beispiel innerhalb der Eurozone ausweichen auf Staatspapiere anderer Länder, die ein größeres Ausfallrisiko haben, und somit noch positive Renditen aufweisen. Zweitens: Wer kauft dann überhaupt noch deutsche Staatsanleihen? Wir hatten es gestern schon besprochen. Derzeit dürften vor allem in den Erstauktionen wohl nur noch Zocker statt Anleger die Papiere kaufen, weil sie auf weiter steigende Kurse (fallende Rendite) setzen.

Oliver Bäte kritisiert auch scharf die Politik der EZB. Denn ja, so haben wir es auch schon oft besprochen… alle verlieren. Banken, Kunden… nur der deutsche Staat gewinnt, der massiv Zinsen spart, und sogar noch fette Zinsgewinne macht. Ach ja, natürlich gewinnen auch die Kreditkunden. Die hätten wir fast vergessen. Laut Bäte hätte sich die beabsichtigte Wirkung der EZB (Inflation Richtung 2%) trotz Anleihekäufen von 2,6 Billionen Euro nicht eingestellt. Staaten hätten keinen Druck mehr ihre Haushalte zu sanieren. Der Negativzins hätte nichts mehr mit Ökonomie zu tun. Es gehe vielmehr darum Schuldner zu entlasten (damit meint er die Staatshaushalte).

Was soll man dazu sagen. Herr Bäte reiht sich ein in eine immer länger werdende Schlange der Kritiker. Neu ist hier nur: Hinter ihm stehen gigantische Geldsummen, die irgendwo investiert werden müssen, um Rendite für die Anleger zu erwirtschaften. Kann seine Abkehr von deutschen Staatsanleihen etwas ändern? Wohl kaum. Man sieht ja, wie resistent die EZB gegen Kritik ist. Und die neue Chefin Christine Lagarde ist Politikerin. Sie dürfte trotz aller Unabhängigkeit der EZB in politischen Dimensionen denken. Es dürfte also mehr denn je darum gehen die Staatshaushalte zu entlasten und die Konjunktur der Euroländer zu stützen, als sich um die Preisstabilität zu sorgen.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Koch

    29. August 2019 10:20 at 10:20

    Und die neue Chefin,Christine Lagarde…Ich erbete Aufklärung wieso,weshalb,warum sie quasi als neue EZB-Chefin tituliert wird.Wer hat sie gewählt,bestimmt oder dorthin gemauschelt?

    • Avatar

      Wolfgang M.

      29. August 2019 10:42 at 10:42

      @Koch. Hallo. So wurde es von den Medien im Juli verbreitet:
      Die EU-Finanzminister haben Christine Lagarde offiziell als neue Präsidentin der EZB nominiert. Wie der EU-Rat mitteilte, soll die endgültige Ernennung der bisherigen Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) beim EU-Gipfel im Oktober fallen.
      Die endgültige Entscheidung für die Amtsübernahme ab 1. November ist damit noch nicht gefallen. Die EU-Staats- und Regierungschefs müssen unter anderem noch mit dem Europaparlament beraten, bevor sie abschließend abstimmen.
      Sie können also noch hoffen?!
      Gruß

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Anleihen

Andre Stagge: Steigende US-Rendite, US-Wahl, Aktienmarkt – sein aktuelles Trading

Redaktion

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Der Experte Andre Stagge spekuliert aktuell auf die steigende Rendite für US-Staatsanleihen, und hat daher den Future für Staatsanleihen geshortet (Renditen und Kurse bewegen sich logischerweise immer exakt gegenläufig). Im folgenden brandaktuellen Video erklärt er die derzeitigen Zusammenhänge am Kapitalmarkt. Als da wäre die heutige Wichtigkeit der US-Wahl in Georgia und deren Folgewirkungen auf die US-Politik und die Kapitalmärkte. Auch geht es darum, dass steigende Aktienmärkte und steigende Anleiherenditen dauerhaft nicht parallel existieren können. Denn es ist, wie es ist. Deutlich höhere Renditen machen Anleihen attraktiver und sorgen eigentlich für einen Geldfluss raus aus Aktien.

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Anleihen

Hellmeyer, Halver, Leber und Co – optimistisch ins neues Jahr!

Claudio Kummerfeld

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Wie wird das Börsenjahr 2021 laufen, und wie werden einzelne Anlageklassen wie Aktien, Gold oder Anleihen performen? Dazu äußern sich im folgenden Video Folker Hellmeyer von Solvecon Investment, Robert Halver von der Baader Bank, Frank Fischer von Shareholder Management, Thomas Romig von Assenagon, Dr. Hendrik Leber von ACATIS und Johannes Hirsch von antea. Natürlich hat jeder der hier gezeigten Personen im Detail unterschiedliche Standpunkte. Aber wenn man das große Bild betrachtet, dann herrscht für den Aktienmarkt doch ein recht großer Optimismus. Klar, die Coronakrise scheint mit dem Impfungen ein Ende zu finden, und Joe Biden bringt Ruhe in die Kiste, nach vier chaotischen Trump-Jahren. Aber gelten „Experten“ mit ihren Jahresaussichten nicht oft als Kontra-Indikatoren? Aber gut, bilden Sie sich Ihre eigene Meinung. Die Begründungen der Experten sind jedenfalls inhaltlich schlüssig und durchaus nachvollziehbar.

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Allgemein

EZB betreibt keine Staatsfinanzierung? Man schaue auf diese Analyse

Claudio Kummerfeld

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EZB-Tower in Frankfurt

Erst gestern berichteten wir. Mit Blick auf die Risikoprämien scheint es kein Risiko mehr bei Staatsanleihen in der Eurozone zu geben. Für Portugal sind sie negativ, bei Spanien direkt an der Null-Linie, und auch Italien kann sich immer günstiger verschulden. Die EZB drückt alles immer weiter runter. Die totale Rettung der Notenbank sorgt dafür, dass sich das Risiko vermeintlich in Luft auflöst.

Ursprünglich betrug das Corona-Notfall-Anleihekaufprogramm der EZB (PEPP) 750 Milliarden Euro. Dann wurde es aufgestockt auf 1,35 Billionen Euro. Und gestern erfolgte die erneute Aufstockung um 500 Milliarden Euro auf nun insgesamt 1,85 Billionen Euro. Auch der Zeitraum der möglichen Aufkäufe wurde bis ins Jahr 2022 verlängert. Die Orgie aus Gelddrucken, Anleihekäufen, abgeschafften Zinsen, Liquidität für Banken zu Negativzinsen uvm scheint immer weiter zu gehen.

EZB kauft nur am Sekundärmarkt

Immer wieder sagt sich der kritische Beobachter: Hier findet doch durch die Europäische Zentralbank eine Staatsfinanzierung statt. Denn sie kauft in gigantischem Ausmaß die Staatsanleihen der Eurozonen-Mitglieder auf. Ohne diese Käufe gäbe es zum Beispiel in Italien wohl längst desaströse Zustände, weil die privaten Marktteilnehmer die Mengen an Papieren gar nicht kaufen würden. Und da ist ja noch ein wichtiger Mechanismus, auf den die EZB offiziell verweisen kann. Man kauft die Staatsanleihen nicht in der Erstauktion der Anleihen, sondern erst danach am freien Anleihemarkt (Sekundärmarkt). Also müssen die zu den Auktionen zugelassenen Banken in der Erstauktion die Staatsanleihen kaufen. Erst danach, wenn die Anleihen frei handelbar sind, kauft die EZB sie auf.

Geht man danach, ist doch alles in Ordnung? Denn eine offizielle glasklare Staatsfinanzierung wäre es ja nur, wenn die EZB direkt bei der Emission (Primärmarkt) als Erstkäufer die Staatsanleihen von den Regierungen kaufen würde. Aber so wie man es jetzt macht, kann man sich bequem zurücklehnen. Alles in Ordnung also? Formal wohl schon. Dennoch ist es klar. Die Banken hätten die letzten Jahre und auch erst recht in 2020 niemals diese Mengen Staatsanleihen in den Auktionen kaufen können, wenn danach nicht die EZB ständig als Abnehmer bereit gestanden hätte.

Aktuelle Analyse

Aber man schaue bitte auch auf die von der Commerzbank veröffentlichte Analyse, die nach der gestrigen Verkündung der EZB publik gemacht wurde. Nicht irgendwer, sondern der CoBa-Chefvolkswirt Dr. Jörg Krämer hat diese Analyse veröffentlicht. Seine Ausführungen zeigen die auffallend ähnlich großen Dimensionen der Aufkaufprogramme der EZB in Relation zu den zu finanzierenden Defiziten der Euro-Staaten. Aber lesen Sie selbst. Hier im Wortlaut:

Seit Ausbruch der Pandemie entsprechen die Nettokäufe an Staatsanleihen durch die EZB den Netto-Anleiheemissionen der Euro-Staaten. Mit anderen Worten: Die EZB hat faktisch die gesamten Haushaltsdefizite finanziert (s. Grafik). Die Aufstockung und Verlängerung der PEPP-Anleihekäufe erlauben es der EZB, bis März 2022 über den Ersatz auslaufender Anleihen hinaus in jedem Monat 92 Mrd Euro für den Kauf neuer Anleihen auszugeben. Die monatlichen Käufe bleiben damit so hoch wie seit August. Nach unseren Berechnungen dürfte die EZB mit ihren Anleihenkäufen auch im kommenden Jahr die gesamten Haushaltsdefizite finanzieren. Das läuft auf einen Blankoscheck für die Finanzminister hinaus. Weil darüber hinaus vor allem die südlichen Länder hohe Mittel aus dem Corona-Wiederaufbaufonds erhalten dürften, werden ihre Netto-Emissionen 2021 unter Berücksichtigung der EZB-Käufe wohl negativ sein. Diese künstliche Verknappung schirmt die Anleihen vor allem der Peripherieländer weitgehend von den eigentlichen Marktkräften ab; nur deshalb erwarten wir, dass die Risikoaufschläge beispielsweise italienischer Staatsanleihen 2021 weiter sinken dürften.

Im Zweifel legt EZB nach

Wer meint, mit den heutigen Beschlüssen sei das Ende der Fahnenstange erreicht, dürfte sich irren. Auf der Pressekonferenz behielt sich Präsidentin Lagarde vor, die Käufe möglicherweise weiter aufzustocken. Wir erwarten ohnehin, dass die EZB nach dem Auslaufen des PEPP-Kaufprogramms im Frühjahr 2022 das monatliche Volumen des normalen APP-Kaufprogramms erhöht – und zwar von 20 Mrd auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies u.a. mit einer unter zwei Prozent liegenden Inflation. Sie prognostiziert für die entscheidende Kerninflation 2022 ohnehin nur 1,0%.

Grafik zeigt Anleihekäufe der EZB und Emissionen der Staaten

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