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Der große Wandel: Auftragsfertiger kauft wohl ehemaligen Elektronikriesen

FMW-Redaktion

So musste es ja irgendwann einmal kommen, wenn Elektronikkonzerne quasi ihre gesamte eigene Produktion an Auftragsfertiger auslagern. Hauptsache man hat sich verschlankt, überflüssige Prozesse „outgesourct“, so wird das Motto in den Chefetagen in den letzten 20 Jahren gewesen sein. Jetzt aber bestätigt der Chef des taiwanesischen Auftragsfertigers Foxconn Terry Gou (der Gigant in der Branche), dass man vom einstigen japanischen Elektronikriesen Sharp den Vorzug erhalten habe exklusiv über den Kauf von Sharp durch Foxconn zu verhandeln. Bis Ende des Monats soll der Deal abgeschlossen werden. Der Kaufpreis soll angeblich bei 5 Milliarden US-Dollar liegen. Ein von der japanischen Regierung kontrollierter Innovationsfonds soll nur die Hälfte geboten haben. Die Regierung in Tokyo hat Interesse das Know How und die Lizenzen von Sharp im Land zu halten, aber anscheinend war dieses Bedürfnis keine 5, sondern nur 2,5 Milliarden Dollar wert.

Der Drang zur kompletten Auslagerung der Produktion gilt nicht nur für Apple oder früher Nokia (wo die noch am Markt vorhanden waren), sondern u.a. auch für japanische Hersteller wie Sony und Sharp. Und Sharp ist jetzt vom Elektronikriesen zum schwachen verwertbaren Objekt geschrumpft. Solange das Geschäft gut läuft wie bei Apple, ist das alles total super. Mit der Produktion hat man nichts am Hut. Ist sie stark rückläufig, muss man selbst keine Mitarbeiter entlassen und hat folglich den ganzen damit verbundenen Stress nicht an der Backe. Man muss einfach nur seine Auftragsgröße beim Auftragsfertiger reduzieren, und das war es dann schon. Aber bei Firmen, die strukturelle Probleme haben, stellt man dann fest, dass sie sich selbst eigentlich outgesourct haben. Ein Elektronikhersteller ohne eigene Produktion, ist das überhaupt noch ein Hersteller? Er ist dann eher nur noch ein Produktentwickler + Lizenzinhaber, mehr nicht.

Der Auftragsfertiger produziert nach exakten Vorgaben des Auftraggebers, und muss dafür natürlich die technischen Spezifikationen inkl. Innovationen erfahren, um diese jeweils neuesten Produkte des Kunden bauen zu können. So gibt es trotz sicherlich strengster Vertragsvereinbarungen zum geistigen Eigentum zwischen beiden Parteien einen Technologietransfer weg vom eigentlichen Markennamen hin zu einem unbekannten „Subunternehmer“. Der wird durch diesen Technologietransfer sagen wir mal „nicht dümmer als vorher“.

Und Giganten wie Foxconn haben durch die schiere Masse an gefertigten Produkten selbst bei überschaubaren Gewinnmargen die Möglichkeit riesige Berge an Cash, Know How, Manpower und industrieller Infrastruktur aufzubauen. Jetzt braucht man ganz am Ende eigentlich nur noch die Produktlizenzen, dann ist der bisherige Markenhersteller überflüssig, mal ganz im Allgemeinen gesprochen.

Wie man hört, soll Foxconn vor allem interessiert daran sein durch den Kauf der ganzen Firma an die Eigentumsrechte für Sharp´s „Cutting Edge“-Technologie zu kommen. Ob Foxconn sich irgendwann wandeln möchte zu einem Markennamen und vollwertigen Elektronikkonzern, ist noch nicht klar, aber der Weg dorthin wäre offener denn je. Ob Sharp der letzte Markenname war, der von einem Auftragsfertiger (Subunternehmer) geschluckt wird?



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