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Öl-Nachfrage, strategische Reserven, Lagerbestände und China

Redaktion

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FMW-Redaktion

Immer noch schwirren um 1,5-2 Millionen Barrels an Überkapazitäten pro Tag um den Globus. Irgendwo müssen sie bleiben, wenn sie nicht verkonsumiert werden. Am Transparentesten kann man das immer noch in den wöchentlich veröffentlichen US-Lagerbeständen sehen (Chart). Sie steigen kontinuierlich an auf zuletzt 538 Millionen Barrels. Für heute Abend werden die API-Daten mit +3 Mio Barrels erwartet. Jüngste Daten aus China zeigen (General Administration of Customs), dass die Öl-Importe im 1. Quartal 6% höher lagen als im Q4 2015 und, das ist noch viel entscheidender, im Vergleich zum Q1 2015 um 13% angestiegen sind. Im März waren es 7,7 Millionen Barrels pro Tag.

Aber auch dort wandern diese gestiegenen Importmengen nicht wie hoffnungsvoll erwartet in den Konsum der Autofahrer und der Industrie. Wie Schätzungen verschiedener Beobachter nahe legen, baut China derzeit seine sogenannte „strategische Ölreserve“ kräftig aus – also Reserven in riesigen Öltanks, die Staaten anlegen für schlechte Zeiten – man weiß ja nie, ob mal eine neue Ölkrise ausbricht. Auch letztes Jahr luden die niedrigen Ölpreise China dazu ein kräftig aufzustocken. Momentan soll es an chinesischen Terminals für Öltanker sogar zu Staus kommen. Gerüchteweise, was aber nicht offiziell bestätigt wurde, sollen im 1. Quartal 60-70 Millionen Barrels Öl in die strategische Reserve Chinas geflossen sein. Offiziell weiß man, dass diese Reserve in 2015 um 100 Millionen Barrels aufgestockt wurde.

Dieser aktuelle enorme Anstieg in der strategischen Reserve wäre eine enorme künstliche Verzerrung nach oben auf der Nachfrageseite. Eine hohe Nachfrage aus China ist also keine nachhaltige Erhöhung tatsächlicher höherer Konsumnachfrage, wenn das Öl nur in eine Reserve fließt – ganz im Gegenteil: Langfristig bedeuten weltweit volle Lager von Staaten, dass ab einem bestimmten Punkt von dieser Seite die Nachfrage von jetzt auf gleich einbrechen kann, weil die strategische Reserve irgendwann das geplante Soll erreicht hat.

Real hilft der Öl-Nachfrage aus China derzeit der Umstand, dass nach einer dortigen Regeländerung Kleinstraffinerien erlaubt wird mehr Öl zu importieren. Dazu zählen Raffinerien mit Kapazitäten von bis zu 100.000 Barrels pro Tag. Sie konnten bisher ihre Kapazitäten nur eingeschränkt benutzen, was sich jetzt ändert – das scheint der Nachfrage tatsächlich etwas zu helfen. Aber im Augenblick scheint der Effekt der staatlichen Nachfrage zum Auffüllen der eigenen strategischen Reserve den weltweiten Markt der Öl-Nachfrage zu verzerren. Man kann aber auch andersrum argumentieren und sagen „Nachfrage ist Nachfrage“.

Viele Analysten in den USA rechnen nach jüngsten Nachfragedaten aus den USA für das Frühjahr mit einer kräftig anziehenden Öl-Nachfrage in den im Sommer. Fällt China als Nachfrager zurück, springen die Amis im Sommer mit ihren Spritschluckern ein? Kann man es im positiven Sinne auch so betrachten?

Öllager
Öl-Lagerbestände der USA seit Oktober in Mio Barrels.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Steven

    26. April 2016 17:17 at 17:17

    Die Frage ist …wann ist das Limit der Lager erreicht ?!

  2. Avatar

    Disagio

    26. April 2016 22:17 at 22:17

    Ich habe mal gelesen, – ich meine, das war sogar hier auf FMW – dass die amerikanische Lagerkapazität ca 530 Mio Barrel beträgt. Wenn dem so wäre, müssten ja schon einige Tanker als schwimmende Lager unterwegs sein……. lange kanns nicht mehr dauern bis es knallt…..

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