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„Der Handelskrieg wird überbewertet“: oder „Lernen´s a bissl Geschichte“, Herr Hellmeyer!

Man möchte Herrn Hellmeyer mit den Worten des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Kreisky dringend raten: "Lernen´s a bissl Geschichte"..

Folker Hellmeyer war einst Chefvolkswirt bei der Bremer Landesbank – und ist auch nach seinem Weggang dort immer noch eine Stimme, die Gehör findet. Hellmeyer meint, die Konjunktur sei doch nach wie vor robust, und man könne fast froh sein, dass die deutsche Wirtschaft etwas abkühle, da sonst eine Überhitzung drohe. Nunja, angesichts der doch sehr deutlichen Abschwächung kann man das so sehen – muß man aber nicht..

Folker Hellmeyer äussert sich auch zum Thema Handelskrieg – und begeht nach unserer Auffassung dabei einen typischen Fehler: er rechnet schlicht hoch, was die US-Zölle in Sachen US-BIP bedeuten (nämlich recht wenig) und schließt daraus, dass das Thema überschätzt werde. Das jedoch ist viel zu kurz gedacht: es geht um Psychologie und Investitionsbereitschaft, es geht vor allem auch um Lieferketten, die unter großem Aufwand und noch größeren Kosten neu aufgestellt werden müssen. Und es geht auch darum, dass ein Handelskrieg zwischen den beiden stärksten Wirtschaftsnationen der Welt nicht einfach so verpufft, sondern eine Kettenreaktion hervorruft!

Wer wissen will, welche Auswirkungen Zölle und eine egomanische Wirtschaftspolitik haben, der sollte sich die 1930er-Jahre anschauen  – damals war die nominale Auswirkung der Zölle auch gering, aber die Folgewirkungen, der Ratenschwanz, der „mit dranhängt“, umso größer. Und so möchte man Herrn Hellmeyer mit den Worten des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Kreisky dringend raten: „Lernen´s a bissl Geschichte“!



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8 Kommentare

  1. Hallo Herr Fugmann,

    ich habe gerade gepetzt ;-)
    Ich hoffe, Herr Hellmeyer gibt Ihnen fachliches Kontra an dieser Stelle…

    1. @Frankie, ich bin gespannt! :)

      1. Sehr geehrter Herr Fugmann,

        vielen dank für Ihre Replik.
        1. Die Lieferketten bleiben zunächst erhalten, da es in den USA gar nicht das Produktionspotential gibt, die Importe aus China zu ersetzen. Damit ergeben sich Preiseffekte, die den Standort der USA schwächen. Im Mengengrüst der chinesischen Exporte hat das überschaubare Folgen – ich gehe von maximal 15% aus. Dagegen muss man der Sachlichkeit wegen, die von Peking getroffenen Maßnahmen gegenüberstellen, die die Vernentzung der Weltwirtschaft ex USA forcieren (Senkung von Zöllen und Importbarrieren, Öffnung der Märkte).
        2.ich stimme zu, dass eine solitäre quantitative Betrachtung nicht Ziel führend ist. Die psychologischen Effekte sind aber primär an den Finanzmärkten ein Belastungsfaktor.
        3. Die Kettenreaktion sehe ich in dieser Form nicht, sondern es ist erkennbar, dass sich die Weltwirtschaft ex USA (=85% der Weltwirtschaft) formiert, um das Konstrukt der globalen Wirtschaft zu erhalten. Das ist auch der Unterschied im historischen Kontext. Hier einfach die Historie zu bemühen ist oberflächlich. Ich weise Ihren Vorwurf umfänglich zurück. Die Unterschiede der wirtschaftlichen und politischen Strukturen zu der Vergangenheit sind ausgeprägt wie nie und unterminieren den Anspruch, die Erfahrung der Vergangenheit auf das aktuelle Szenario zu extrapolieren. Gleichwohl ist Demut geboten, da Politik unintelligenter sein kann, als man landläufig unterstellt.

        Mit einem freundlichen Gruß
        folker Hellmeyer

        1. „Weltwirtschaft ex USA (=85% der Weltwirtschaft) “

          nominales BIP USA: rund 21 Bio. USD
          nominales BIP Welt: rund 84 Bio. USD

          15% Anteil USA?

  2. @ Folker Hellmeyer, die Diskussion über den Handelskrieg ist unnötig, es braucht eben überhapt keine Gründe mehr um die seit 10Jahren künstlich hochgepushten Börsen ( vor allem USA ) zu korrigieren.
    Bitte den Artikel von Felix Zulauf „ DER FLÜGELSCHLAG DES SCHMETTERLINGS“ lesen.
    Und wenn schon gibt es einige Gründe , die auch diese Hausse stoppen werden.Sie sind mir schon öfters
    aufgefallen, dass gemäss ihrer Meinung die Börsen immer nur steigen können.
    Da aber ausser den USA die meisten Börsen schon beträchtlich gefallen sind, müsste ich annehmen, dass sie diese Baisse verpasst haben, u.noch Nichts gelernt haben.
    Ich möchte sie freundlich fragen wie die Performace ihrer verwalteten Vermögen seit anfang 2018 aussieht?

  3. @ Beobachter:

    da muss ich jetzt aber eine Lanze für Herrn Hellmeyer brechen. Ich erinnere mich noch sehr gut, als es Anfang der Nuller Jahre bei n-tv die Sendung „Bulle oder Bär“ gab, bei der Experten die jeweilige Seite vertraten und das Publikum am Ende abstimmen durfte, wer mehr überzeugte.
    Obwohl es damals Mainstream war, dass die Kursrückgänge zwischen 2000 und 2003 doch eher Nachkaufgelegenheiten seien, vertrat Herr Hellmeyer konsequent die Bärenseite (nur einmal war er -glaub ich- bullisch).
    Soviel zu dem Vorwurf, Hellmeyer könne nur „Bulle“.

    1. naja, offenkundig lag er allerdings falsch mit seiner damaligen Aussage.

  4. @ Frankie 68, ich beziehe mich auf die Videos der letzten Monate, u. wenn er jetzt bullisch ist , hat er mindestens aus der 08 er – Krise Nichts gelernt., obwohl die Situation wegen der Mehrfachverschuldung
    ( Staaten u. Unternehmen) heute viel explosiver ist.

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