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Der interessante Fall des Kim Dotcom: Halb gewonnen, halb verloren

FMW-Redaktion

Sie erinnern sich noch an Kim Schmitz oder „Kimpire“, oder „Kimble“, oder aktuell „Kim Dotcom“ (sein aktuell wirklicher Name)? Alle paar Monate hört man etwas von ihm aus Neuseeland, je nach Fortschritt seiner wohl noch ewig dauernden Auslieferungs-Verhandlung Richtung USA. Es geht darum, ob er mit seiner ehemaligen Online-Plattform Megaupload eine Art frei zügängliches Werkzeug geschaffen hat um Urheberrechtsverletzungen vorzunehmen. Nach seinen Angaben habe er lediglich die Plattform bereit gestellt. Was die Nutzer dort getrieben haben, damit habe er nichts zu tun gehabt. Grundsätzlich könnte man auch die Google/Youtube-Betreiber das selbe fragen, ob sie haftbar sind für alles, was auf Youtube hochgeladen wird – aber das ist ja anscheinend nicht das selbe?


Kim Dotcom ehemals Kim Schmitz. Foto: William Stadtwald Demchick / Wikipedia (CC BY 3.0)

Wie auch immer. Nach dem heutigen Urteil eines Gerichts in Neuseeland darf Kim Dotcom an die USA ausgeliefert werden. Natürlich hat er sofort Berufung angekündigt. Durch wohl noch zwei folgende höhere Instanzen kann sich die Angelegenheit noch sehr lange hinziehen, aber wichtiger ist etwas anderes. Das Gericht in Neuseeland hat verkündet, dass er nicht aufgrund von Urheberrechtsverletzungen ausgeliefert werden kann. Also kann er nach möglicher Auslieferung deswegen auch nicht in den USA angeklagt werden, richtig? Denn laut Verteidigern sei Urheberrechtsverletzung in Neuseeland, wo Dotcom lebt, keine Straftat. Das Gericht entschied deswegen, dass er gerade wegen Urhberrechtsverletzungen nicht an die USA ausgeliefert werden dürfe.

Wohl aber dürfe er wegen Betrug ausgeliefert werden, um den es hierbei gehe. Dieser rechtfertige eine Auslieferung. Nun kann es aber knifflig werden. Denn die Auslieferung wollen die USA ja gerade wegen dem Vorwurf des Urheberrechtsverletzung, des angeblich größten Falls in der US-Geschichte (laut FBI ein Schaden von 175 Millionen US-Dollar). Schwenkt man folglich jetzt bei den US-Anklägern schnell um von Urheberrecht auf den „größten Betrugsfall“ in Sachen Online-Datenbetrug in der Geschichte? Dotcom sieht es heute so, dass er gewonnen habe. Denn die Auslieferung wegen des Urheberrechts sei vom Tisch. Das sei eine Blamage für Neuseeland. Das erwähnt er wohl deshalb, weil man auf Basis dieses Vorwurfs damals das Anwesen von Dotcom im Auftrag der USA gestürmt hatte. Weder er noch seine Mitarbeiter hätten Gesetze in Neuseeland gebrochen, so Dotcom. Deswegen versuche man es jetzt durch die Hintertür zu kommen mit dem Vorwurf des „Betrugs“.

Wie vorhin gesagt: Es wird von den Argumenten her interessant werden. Denn wenn Sie hier klicken, können Sie die Original-Veröffentlichung der US-Justiz aus 2012 lesen. Da geht es nur um Urheberrecht. Will oder muss man jetzt alles zügig umschreiben auf „nur noch Betrug“? Dafür sind wir bei FMW zu wenig Experten für US-Recht/Neuseeländisches Recht. Aber allemal wird es zunehmend interessant. Wer es im Detail mag, hier die heutige Mitteilung von Kim Dotcom´s Anwälten:


Media Statement From Dotcom Legal Team.

This case is no longer the „largest criminal copyright case“, 1 at least as far as New Zealand is concerned. As we have said all along, there is no such offence under our Copyright Act. We were right. However, this afternoon the High Court judgment 2 was issued and, ultimately, although it concluded we are right, 3 the Court concluded that Kim is still eligible for surrender.

To win the major plank 4 of the case but to get that outcome is extremely disappointing. However, we are far from defeated. It is hard to accept the logic that, if the conduct that all accept at its heart relates to assertions of breach of copyright is not an offence under that Act, how it can nonetheless be massaged into a general fraud offence. In fact, that thinking has been rejected outright in the Supreme Court in the United States.

The High Court has accepted that Parliament made a clear and deliberate decision not to criminalise this type of alleged conduct by internet service providers, 5 making them not responsible for the acts of their users. For the Court to then permit the same conduct to be categorised as a type of fraud in our view disrupts Parliament’s clear intent. The High Court decision means that Parliament’s intended protection for internet service providers is now illusory. That will be a concern for internet service providers and impact on everyone’s access to the internet.

The last hurdle to what we say is the correct outcome – no extradition – will now need to be determined by the Court of Appeal. We remain confident that this last point, which would prevent extradition in this complex and unprecedented legal case, will be resolved in Kim’s favour in a manner consistent with Parliament’s intent, international law and, importantly one might think, the United States‘ own law.

Whilst many have struggled to get beyond the United States‘ hype in this politically charged and misunderstood case, an objective observer will now realise that there is much more to this case than they were previously informed of from the District Court judgment.

Whether Kim has committed an offence under New Zealand copyright law has finally now been answered in his favour; he has not. Whether our law should still permit him to be extradited to the United States under an Act that has no interest in copyright, is the question that remains now to be answered by our Courts. We say no and we are confident that this must be right.

Whether you are a supporter of Kim’s or not, these are important principles of law for us all and the very issues that we need our justice system to grapple with if we want a credible and safe process for extradition to any requesting country, including those with whom we have a close commercial and political relationship.

Ron Mansfield, Barrister

Dotcom Legal Team

20 February 2016



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1 Kommentar

  1. …ich glaube irgendwo ist gerade ein Sack Reis umgefallen.

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