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Der IWF will die Golfstaaten dazu bringen das westliche Steuermodell einzuführen

Relativ unbemerkt von der Weltöffentlichkeit war die Anwesenheit von IWF-Chefin Lagarde diese Woche in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Beim „Arab Fiscal Forum“ sprach sie vor Entscheidungsträgern…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Relativ unbemerkt von der Weltöffentlichkeit war die Anwesenheit von IWF-Chefin Lagarde diese Woche in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Beim „Arab Fiscal Forum“ sprach sie vor Entscheidungsträgern der Golfstaaten. Die leben bekanntlich von Öl-Einnahmen, welche dann an das Volk verteilt werden (vereinfacht dargestellt). So einfach war das bislang. Aber steigende Bevölkerungszahlen und ein seit 2014 drastisch gesunkener Ölpreis legten die ganze Schwäche dieses extrem simplen, aber bislang funktionierenden Wirtschaftssystems offen.


IWF-Chefin Christine Lagarde. Foto: Fonds monétaire international / Gemeinfrei

Jetzt muss und will man in den Golfstaaten (Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate etc) umdenken. Ob diese Umdenken wirklich strukturell anhält, wenn der Ölpreis vielleicht wieder auf 70 oder 80 Dollar steigt und somit die Defizite wieder zu Überschussen werden – das darf bezweifelt werden! Aber aktuell hat IWF-Chefin Lagarde das getan, was bereits letztes Jahr schriftlich durch den IWF festgehalten wurde. Die Golfstaaten sollten, so der IWF, ihre Einnahmen auf eine viel breitere Basis stellen. Um diese breitere Basis in einem kurzem Begriff darzustellen, haben wir für diese Artikel-Headline mal den Begriff „westliches Steuermodell“ verwendet .Denn der Westen, mit dem wir Europa und Nordamerika meinen, lebt von einer breit angelegten Besteuerung der Bevölkerung.

Da wären einmal die direkten Steuern (Einkommensteuer etc), und die indirekten Steuern wie Mehrwertsteuer, Tabaksteuer usw. Die sind natürlich viel schonender unters Volk zu bringen, da sie nicht sichtbar sind. Die Gesamtpreise der Produkte steigen zwar, aber einen Extra-Steuerbescheid für eine Packung Zigaretten bekommt man dafür nicht in die Hand gedrückt. Auch Immobiliensteuern seien laut Lagarde für die Golfstaaten denkbar. Sie empfiehlt den Golfstaaten genau diesem Modell zu folgen, auch wenn sie natürlich nicht direkt davon spricht ein Steuermodell zu kopieren. So sollen die Golfstaaten doch bitte Einkommensteuern einführen, Tabaksteuer, Mehrwertsteuer usw. Anfangen könne man beispielsweise mit Steuern auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke.

Die Anstrengungen in dieser Hinsicht, an denen einige Länder der Region mit Hilfe des IWF bereits arbeiten würden für einen Start von Mehrwertsteuern in Höhe von 5% im Jahr 2018, würden Mehreinnahmen für diese Länder in Höhe von 1-2% des Bruttoinlandsprodukts bringen. Mexiko hätte seine Steuereinnahmen abseits vom Öl so um 3% des BIP gesteigert. Ägypten, Jordanien und der Libanon würden im Bereich der Mehrwertsteuern bereits erfolgreich sein, so der IWF. Der Libanon und Jordanien hätten beispielsweise dank der Mehrwertsteuer ihre Zolltarife und Einkommensteuern senken können. Lagarde im Originalwortlaut:


Key tax reform priorities

If tax reforms are to be successful and achieve their targets, policymakers will need to focus their tax policy on key priorities.

In the oil-exporting countries, this means diversifying the sources of revenue away from oil and gas.
As a first step, countries are introducing a VAT and other consumption taxes—for example on tobacco and sugar-sweetened beverages. Over time, governments may also consider deriving additional revenue from income and property taxation.

Countries in the Gulf, for example, are working to introduce a harmonized VAT in 2018. These efforts—which the IMF has supported through is technical assistance—could raise anywhere from 1 to 2 percent of GDP, assuming a VAT rate of 5 percent.

Our experiences in other regions underscore the positive impact of diversification. Mexico, for example, was able to boost its non-oil tax revenue by more than 3 percent of GDP—by broadening the VAT base and raising energy taxes and personal income tax rates.

In the oil-importing countries the key priority is to generate higher revenue by broadening the base of existing taxes. Such reforms would make tax systems simpler, more efficient, and more equitable.
This requires, for example, rationalizing multiple VAT rates and other tax preferences. Some of the key measures here include simplifying the rate structure and getting rid of exemptions, tax holidays and other carve-outs that benefit only a few and create opportunities for arbitrage.

Egypt, for example, last year approved the replacement of the old general sale tax with a new VAT. Once fully implemented, the new VAT will raise 1.5 percent of GDP more in revenue than the old tax.
Another good example is Jordan and Lebanon, where a well-designed and well-administered VAT has allowed for other growth-friendly measures, such as lowering customs tariffs and reducing income tax on labor and capital.

In some countries, tax reform also means making tax systems more progressive—by lifting the top marginal tax rate on personal income. And of course, current tax rules should be applied in a consistent and coherent way.


Erfolgsbeispiele laut Lagarde:


Let me give you some examples of what we have done over the past 12 months:
• In Algeria, we have provided advice on how to improve tax compliance and the quality of taxpayer services.
• In Egypt, we have helped the revenue administration to gear up for the introduction of the VAT.
• In Iraq, we have provided a diagnostic assessment of the tax and customs administrations.
• In Jordan, we have helped improve the accuracy of taxpayer data—which can improve tax compliance and reduce tax arrears.
• In Lebanon, we have provided advice on reducing VAT refund fraud, and we have helped strengthen risk management procedures.




Quelle: IWF

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    frank.trg

    15. Februar 2017 15:33 at 15:33

    wie soll das funktionieren? Die feudalen Machtstrukturen und das korrupte Regierungssystem der Golfstaaten wird doch damit erkauft dass man die eigene Bevölkerung nicht mit nervigen Steuern belastet. Führt man westliche Höchststeuersätze ein, begehrt das Volk auf und jagt die Köngisfamilien von den Fleischtöpfen. Aber der IWF ist immer für lustige Vorschläge bekannt…

    • Avatar

      gerd

      15. Februar 2017 17:25 at 17:25

      Die Dame hat Ideen!
      Aber das Wichtigste hat sie vergessen.
      Unbedingt auch die GEZ-Zwangsgebühr einführen lassen, ohne die läuft letztlich gar nix.

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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