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Der kleine Abverkauf ging weiter – erleben wir nach Q1 ein „Sell on News“

Eine Entscheidung steht an. Entweder kommt zum Ende der Quartalssaison ein „Sell on good News“ – oder Schieflagen sorgen für erneute Rally

Wolfgang Müller

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am

Tagelang schlichen sich die Kurse an der Wall Street (Nasdaq und S&P 500) auf neue Höhen, nicht signifikant, aber doch Zuversicht einflößend. Ich habe innerhalb von 3 Wochen mehrfach darauf hingewiesen:  Eine Entscheidung steht an. Entweder kommt zum Ende der Quartalssaison ein „Sell on good News“, da die abgesenkten Prognosen in Summa doch deutlich übertroffen wurden – nicht zu vergessen das Q1-BIP mit 3,2%, welches wieder einmal die Frage nach der Sinnhaftigkeit von teuren Analyseabteilungen aufwirft.

Oder die Hedgefonds und manche „Mutual Funds“ haben eine solche Schieflage, dass sie in den Markt müssen. Vermutlich sind einige in den letzten Tagen doch schon eingestiegen, denn manchmal stiegen die Kurse noch in den letzten Minuten vor Börsenschluss – durch ein bisschen „Smart Money“.

Natürlich hat auch Jerome Powell mit seinem neutralen Ausblick die Hoffnung auf baldiges, noch billigeres Geld zerstoben. Ein Grund für Gewinnmitnahmen, ebenso wie die gestrige Meldung über Schwierigkeiten in der Umsetzung des China-Deals. Kurzum, es wäre eigentlich angerichtet für eine Korrektur der ungestümen Aufwärtsbewegung.

Warum der Dax eine kurzfristige Chance auf eine moderate Gegenbewegung hat, ebenso wie Europa

 

Nicht unangekündigt ist die gegenwärtige Stabilität des Dax. Dafür kann man ein paar Gründe anführen. Ein erster Grund ist die opulente Dividendensaison gerade in den ersten beiden Maiwochen zu nennen. Ein weiteres Argument stellt die niedrigere Bewertung der Dax-Werte im Vergleich zu den USA dar. Dazu kommen Unternehmensmeldungen, wie gestern von VW, aber auch ein Glyphosaturteil der US-Umweltbehörde bei Bayer, die das Rezessionsgespenst etwas vertreiben. Aber es gibt auch ein paar allgemeine Konjunkturdaten für Europa, die ein bisschen Hoffnung aufkommen lassen.

  • Das BIP für die Eurozone für Q1 lag bei 0,4%, auf Jahressicht bei 1,2%, besser als erwartet
  • Italien sprang mit plus 0,2% aus der Rezession
  • Die Arbeitslosigkeit in der EU fiel auf 7,7%, dem niedrigsten Stand seit Jahren
  • Das Ifo-Wirtschaftsklima der EU-Zone stieg von minus 11,1 auf minus 6,3 Punkte. Nicht wegen der Verbesserung der aktuellen Lage, sondern wegen nicht mehr ganz so pessimistischer Aussichten.
  • Die Ifo-Experten erwarten ein Wachstum von 1,3 Prozent für das laufende Jahr.
  • Die Aussichten für das kommende halbe Jahr haben sich in vielen Euroländern aufgehellt, am deutlichsten  in Frankreich, Belgien und Griechenland, aber auch in Deutschland, Italien und Spanien.

 

Speziell für Deutschland sind die Industriedaten laut Erhebung von Markit noch grottenschlecht – bei der aktuellen Umfrage bei 500 Firmen stieg der Einkaufsmanagerindex um 0,3% auf äußerst magere 44,4 Punkte. Damit hat der Index aber zum ersten Mal seit neun Monaten zugelegt. Ob dies bereits die Talsohle ist, bleibt abzuwarten.

Was ist fast vergessen hätte zu erwähnen, ist die schon längere Zeit andauernde Dollarstärke, respektive Euroschwäche, die den Exportwerten wieder etwas „windfall profits“ einspielen könnte.

 

Fazit

Alles neu macht der Mai. Es ist wirklich spannend, welcher der benannten Punkte verantwortlich für den Pendelausschlag sein wird – nach unten oder vielleicht doch nochmal nach oben. Ein „Weiter so“ dürfte es nach meiner Einschätzung nicht geben, mit nur kleinen Kursschwankungen etwas unterhalb der US-Allzeithochs.

 

By Arnoldius – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5716840

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Prognostiker

    3. Mai 2019 11:51 at 11:51

    Spätestens am Mai Verfall in zwei Wochen ist Schluss mit lustig.Das provozierte AZH beim S&P fand schon keine Anschlusskäufe u.war eine Eintagsfliege.
    Permabullen mit grossen Anlagen könnten schon einmal Gewinne mitnehmen oder absichern u.als Denkanstoss den Chart von Dez.2018 anschauen.

  2. Avatar

    Marko

    3. Mai 2019 14:12 at 14:12

    Also Wolfgang,

    das hier ist eine ganz tolle Analyse von Dir, ja !

    Schau mal, das sell-May-and-go-away „wir kassieren noch ein paar Dividenden“, danach ab in den Sommerurlaub, September /Oktober kommen wir zurück, das wäre doch das „übliche Muster“, machen wir uns da nix vor ?

    Nur der Markt, wir Menschen, sind nicht „üblich“ sind nicht berechenbar, oder, der Markt sowieso nicht ?

    Wenn dem so sein sollte, schalte ich meine Algos-auf den üblichen „Sell-in-May“-Modus und gut ist ?

    Das könnte man schon machen, nur teuer könnte es schon werden für die Hedge-Fonds, Big Boys usw? Und bitte bedenkt doch die Sondersituation, Brexit, Niedrigzinsen / EZB usw…

    Herr Powell hat richtig reagiert, nämlich gar nicht.

    Der Hauptpunkt ist der, dass zwischen den Amis und Europa Bewertungsdifferenzen bestehen (sowohl auf den Aktien- und den Anleihemarkt bezogen). Die FED hat durchaus richtig reagiert mit Ihren Zinserhöhungen, nur : das wird erstmal vorbei sein, Zinssenkungen der FED wird es wohl auch nicht geben. Der Markt steht (derzeit) auf „Standstill“.

    Abwarten, bis die EZB reagiert.

    Na ja, da gibt es wohl ein paar „Gold-Fans“, die auf ein Wiedererwachen des Goldes hoffen, – geht doch long.

    Wenn Ihr den „abnormalen“ Anstieg des Aktienmarktes seit 2008 meint, ja, mag sein, nur dann muss ich den „abnormalen“ Anstieg des Anleihemarktes genauso erwähnen. Das damals war eine „Finanzmarktwelt-Krise“ und beide Notenbanken haben dies ganz gut gelöst ?

    Eine „Auflösung“ dieses Druckes wird es wohl nur dann geben, sollte die EZB sagen : Lehman, bzw. die ganze Lehman-Krise ist vorbei…

    Und dann würde die Vola in den Markt wieder „reinkommen“…

    Aber : Wenn Ihr meint, Mitte Mai short gehen zu wollen….

  3. Avatar

    Allergiker

    3. Mai 2019 14:33 at 14:33

    @ Marko, hast du noch nicht gemerkt ,dass dein tausendfach wiederholter Sch…. überhaupt niemand mehr hören möchte.

  4. Avatar

    Roberto

    3. Mai 2019 14:51 at 14:51

    …das schlimme ist ja nicht nur der Inhalt den Marko von sich gibt, sondern die Schreibweise mit den völlig falschen Zeichensetzungen die einem Leser Kopfschmerzen bereiten. Ich will seine Texte daher gar nicht lesen.

  5. Avatar

    Ranzentier

    3. Mai 2019 16:43 at 16:43

    …ich gebe zu das die Situation für Bären schwer auszuhalten ist und die doch etwas höhnisch anmutenden Kommentare von Marko ab und an weh tun, aber er hat grds. Recht in der Gesamtaussage, dass es ein Bullenmarkt ist und man eigentlich die Bullenwelle mitreiten muss, so lange sie läuft…die amerikanischen Banken werden die Kurse dorthin bewegen, bis auch der letzte Shortie aufgeben muss und erst dann wird das hier oft angesprochene Szenario eintreffen, aber eben erst dann…

  6. Avatar

    Roberto

    3. Mai 2019 18:26 at 18:26

    @ Ranzentier. Das ist ja gar nicht das Problem das die Märkte steigen. Da kann man sich ja entsprechend positionieren oder absichern. Es geht vielmehr darum WIE dieser Marko schreibt und das es ziemlich anstrengend ist ständig die gleichen Sätze zu lesen.

    • Avatar

      Michael

      3. Mai 2019 21:59 at 21:59

      @Roberto, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen…

      Alleine in Ihrem kurzen Kommentar finden sich sechs Rechtschreib- oder Grammatikfehler. Und auch inhaltlich sind Ihre Beiträge gleichbleibend und ermüdend.

      Wieso lesen und kommentieren Sie den Schwachsinn von @Marko, wenn ohnehin jeder weiß, dass ein inhaltsleerer Troll dahinter steckt? Beantworten Sie doch lieber meine Fragen, von denen Sie sich seit einiger Zeit mit eingekniffenem Schwanz distanziert haben, weil Ihnen offenbar die Argumente fehlen.

  7. Avatar

    Therapeut

    3. Mai 2019 20:39 at 20:39

    @ Ranzentier, u.zudem ,da er hauptsächlich vom DAX redet hat er eben nicht Recht.Der DAX ist von 13600 auf 10200 gefallen u.ist erst in den letzten Monaten wieder gestiegen. Während der ganzen Baisse hat er die Bären verhöhnt. Ich bin nach mehreren Aufregern so weit, dass ich ihn eher bedauere.

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Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

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Aktien

Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

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Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

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Aktien

Aktien: Blase? Manches spricht wohl eher dagegen!

Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Warum fallen die Börsen nicht bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“?

Wolfgang Müller

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Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Derzeit wundern sich viele über die Langlebigkeit der Euphorie an den Märkten bei bestimmten Aktien: bei den ständig zitierten Mode-Aktien, ob im Elektromobil- oder im Wasserstoffbereich, oder bei Pennystocks, die teilweise jenseits von Gut und Böse notieren. Aber auch über unglaubliche Stories bei den wiederentdeckten aus dem Bereich Aktien . Dort ist nicht alles „Dreck“, der nach oben gespült wird. Es gibt hierfür sogar fundamentale Zusammenhänge. Unabhängig von einer bevorstehenden Korrektur, die aufgrund der Hemmungslosigkeit von bestimmten Anlegerkreisen, immer wahrscheinlicher wird.

Aktien und die Mutter aller Kursanstiege

„We are in a bubble, but it’s a rational bubble“, so der sehr geschätzte Pimco-Berater Mohamed-El-Erian kürzlich in einem Interview. Was meint er damit?

Natürlich den großen Einsatz der Notenbanken, der alte Relationen bei Gewinn- und Umsatzdaten von Aktien und Indizes relativiert, deshalb ist es stets etwas verwunderlich, warum man alte Daten als Vergleichsmaßstab für Übertreibungen heranzieht.

Was bereits seit vielen Jahren die Aktienmärkte unterstützt, ist die Marginalisierung der Anlageklasse Anleihen, wie an diesem Chart ersichtlich, der eine Korrelation zwischen Bilanzausweitung der Notenbanken und dem Welt-Aktienindex aufzeigt.

Aktien - eine Blase? Die Bilanzen der Notenbanken

Die Branchenrotation

Als man im Spätsommer 2020 erkannt hat, dass es in absehbarer Zeit eine medizinische Lösung für die Covid-19 Pandemie geben könnte, ist eine Gattung von Aktien angesprungen, die besonders unter den Wirtschaftseinbrüchen gelitten hat und bereits schon ein Jahrzehnt die Wachstumsaktien underperformt – der Sektor der Small Caps. Klar ist der Nebenwerte-Index Russell 2000 sehr schnell gestiegen und manche Branchen wie der Energiesektor haben kleine Fahnenstangen ausgebildet – aber ist das eine Bubble? Wenn man sich die langfristige Performance betrachtet? Ich habe bereits im Herbst in einigen Artikeln darüber berichtet, dass es langfristig immer zu einem Ausgleich zwischen den Großen und den Kleinen und zwischen Value und Growth gekommen ist. Mit Small Caps meine ich natürlich nicht die vielen Pennystocks, die von Neo-Zockern derzeit „gehypt“ werden. Auch diese scheinbare Erfolgsgeschichte wird ein Ende haben. Hier sieht man die großen Zyklen der Auf- und Abschwünge.

Aktien in einer Blase? Small Caps

Zu Zeiten von Corona ein 42-Jahrestief, getrieben durch den Hype um die GAFAM-Titel. Die Small Caps befanden sich vor ein paar Monaten noch auf einem 20-Jahrestief und es ist nicht alles „Dirt“, der nach oben gespült wird.

Value gegen Growth

Wie bereits erwähnt, gibt es seit Jahrzehnten einen Zweikampf zwischen den Wachstums- und den langweiligen Aktien aus dem Bereich Value, bei denen es immer wieder zu einem Ausgleich in der Performance gekommen ist. Was liegt also näher, als dass der technogielastige Nasdaq-Index nach seinen 1100 Prozent Performance seit 2009 sich eine Zeitlang schlechter entwickeln wird, als die Aktien aus dem Bereich Value? Dafür dürften schon allein die Regulationen unter der neuen Regierung Biden sorgen. Deshalb wird die Breite der Kursanstiege zunehmen, weil die Big Seven mit ihren 27 Prozent Marktanteil an Dominanz verlieren könnten. Hier ein langfristiger Chart, der das Auf- und Ab zwischen den Anlageklassen dokumentiert.

Die Vergleiche zwischen Energie- und Finanztiteln und dem S&P 500 und zwischen Gesundheit, Konsumgüterherstellern, Versorgern und dem Leitindex.

Die Entwicklung der Aktien Zykliker und defensive Aktien

Fazit

Warum fallen die Börsen nicht „Stante Pede“ bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“? Zum einen, weil die oben beschriebene Branchenrotation läuft und weil die Märkte Corona abgehakt haben und aufgrund des zeitlichen Vorlaufs schon auf den Herbst blicken. Unabhängig von den jederzeit möglichen Korrekturen, aufgrund der vielen Anleger, die glauben an den Börsen einen „Free Lunch“ zu bekommen. Bei dem Irrsinn am Optionsmarkt mit kleinen Titeln, die immer wieder „Gamma-Squeezes“ auslösen. Deshalb kann jederzeit ein Washout einsetzen, die Volatilität steigen.

Vergessen wir aber bei all der Zockerei mit den kleinen Aktien nicht. Alle 2000 Werte im Russell zusammen besitzen nicht einmal ein Zehntel der Marktkapitalisierung des Aktienmarktes in den USA. Allein eine Enttäuschung bei einem FAANG-Wert in dieser Berichtssaison wird größere Marktreaktionen zeitigen, wie ein Wert GameStop, auch wenn er auf absurde 10 Milliarden Dollar gepusht wird, es ist nicht einmal ein halbes Prozent von Apple. Die große Gefahr lauert im Nasdaq.

Der Verlauf der Corona-Krise, Beispiel USA: Die Coronainfektionen haben bereits offiziell die schreckliche Zahl von 26 Millionen Bürger (7,7 Prozent der Bevölkerung erreicht). Nimmt man die Dunkelziffer in moderater Form hinzu, dürfte man schon bei 100 Millionen Menschen angelangt sein. Aber wie viele Menschen wurden schon in wenigen Wochen geimpft? Über 22 Millionen und es werden in Kürze mehr als eine Million pro Tag sein, wenn AstraZeneca, Johnson&Johnson, CureVac, Novavax, Inovio, Sanofi und viele andere auch noch auf den Markt drängen (nach BioNTech und Moderna). Die Zahl der Impfstoffprojekte beträgt aktuell 186, 60 davon sind in klinischen Studien. Da scheint das Vorhaben der USA die eigene Bevölkerung bis in den Spätsommer immunisiert zu haben, gar nicht so abwegig zu sein. Nicht so sehr in der EU, die sich beim Ordern der Impfdosen über den Tisch hat ziehen lassen (America und Money First). Darauf blicken die Märkte – aber was das mit Kapitalmarktzinsen, Inflation und Firmenpleiten zu diesem Zeitpunkt macht, das ist das Thema des Herbstes und kann auch heute nicht von den Börsen beurteilt werden.

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