Folgen Sie uns

Allgemein

Der Mindestlohn hat auch Nachteile – hier ein konkretes Beispiel

Der Mindestlohn für Deutschland von anfangs 8,50 Euro und jetzt 8,84 Euro ist ein Erfolgsmodell, da sind sich inzwischen so ziemlich alle einig, wenn man das Gesamtbild betrachtet! Auch wir hatten ihn stets kritisch begleitet, und müssen sehen, dass der…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Der Mindestlohn für Deutschland von anfangs 8,50 Euro und jetzt 8,84 Euro ist ein Erfolgsmodell, da sind sich inzwischen so ziemlich alle einig, wenn man das Gesamtbild betrachtet! Auch wir hatten ihn stets kritisch begleitet, und müssen sehen, dass der große Crash in der deutschen Wirtschaft ausgeblieben ist. Aber wo er vielen Arbeitnehmern höhere Löhne beschert, erhöht er auch für viele Kunden die Preise (Friseurbesuche etc). Hier und heute möchten wir mal ein Beispiel schildern, wie sich der Mindestlohn ganz konkret negativ auswirkt, nämlich für Studenten, die Praktika suchen.

Wenn Studenten Praktikantenstellen annehmen, sind diese wie normale Arbeitsstellen seit Einfürhung des Mindestlohns mindestlohnpflichtig, wenn sie länger als drei Monate dauern. Das hat konkrete Auswirkungen, wie aktuelle Daten einer repräsentativen Studie des Deutschen Stifterverbandes zeigen. Man könnte jetzt behaupten, dass dieser Verband eine Art gut getarnter Lobbyverband großer Unternehmen ist, aber dort behauptet man zumindest, dass die folgenden Daten aus einer repräsentativen Studie stammen! Die Ergebnisse sind aber logisch nachvollziehbar. Denn wo Praktikanten kaum oder fast gar nichts zu einer aktiven Wertschöpfung für Unternehmen beitragen können, kann der Unternehmer auch kaum richtige Löhne zahlen.

Daher ist es nachvollziehbar, dass Praktika von mehr als 3 Monaten von der Anzahl her rückläufig sind, weil sich Unternehmen diesen Spaß nicht mehr leisten können. Laut der Studie haben von 2014 auf 2015 die deutschen Unternehmen (mehr als 50 Mitarbeiter) ihre Ausgaben für studentische Praktika von 612 Millionen Euro auf 975 Millionen Euro erhöht. Jedes sechste Unternehmen gibt aber an die Zahl der Praktikumsstellen reduziert zu haben wegen dem Mindestlohn. Von 2014 auf 2015 sollen 53.000 Praktikumsstellen für Studenten in Unternehmen verloren gegangen sein.

Der Stifterverband weist darauf hin, dass die Anzahl der Studierenden stetig zunimmt. Von 2012 auf 2015 liegt die Zunahme bei 300.000 von 2,5 Mio auf 2,8 Millionen. Gleichzeitig sei die Zahl der studentischen Praktika in diesen drei Jahren aber praktisch gleich geblieben (246.000 / 248.000). Von 2014 auf 2015 soll es nach Schätzungen einen kräftigen Rückgang gegeben haben von wohl 300.000 auf 248.000, den man im zeitlichen Zusammenhang wohl deutlich mit der Mindestlohn-Einführung verbinden kann.

Laut der Studie haben große Unternehmen Praktika mit einer Durchschnittsdauer von 16 Wochen sogar kräftig gesenkt von 2014 auf 2015 von einer Zahl von 220.000 auf 175.000. Immerhin ein Minus von 45.000 Stellen in nur einem Jahr! Mittelgroße Unternehmen, die kürzere Laufzeiten von im Schnitt 9 Wochen anbieten, haben die Anzahl der Praktika nur von 81.000 auf 73.000 gekürzt.

Das würde bedeuten: Die Studenten mit mehr als 3 Monate Praktikum erhalten jetzt deutlich mehr Geld als bisher (Mindestlohn 8,84 Euro). Damit kann man aber weniger Studenten bezahlen, und muss die Gesamtzahl der Stellen kürzen. Das ist eigentlich ein grundlegender Effekt, den Kritiker des Mindestlohns für den gesamten deutschen Arbeitsmarkt befürchtet hatten. Aber anscheinend ist er im kleinen „harmlosen“ Rahmen von studentischen Praktika ansatzweise messbar.

Der Stifterverband erwähnt, dass es bedenklich sei, dass dasPraktikumsangebot nicht mehr mit den steigenden Studierendenzahlen mithalten könne. Daher schlägt man gerade auf für konjunkturell schlechtere Zeiten vor schon ab dem ersten Praktikumstag für alle Stellen eine Vergütung festzulegen. Die solle aber generell nur bei der Hälfte des Mindestlohns liegen. Dies könne man damit rechtfertigen, dass Praktika je zur Hälfte Arbeit und Lernen seien. Wenn schon jetzt in dieser sehr guten Konjunkturlage durch den Mindestlohn viele Stellen verloren gingen, dürfte das bei schwacher Konjunktur noch mehr gestrichen werden. Das ist logisch nachvollziehbar. Und den Mindestlohn für Praktikanten generell halbieren? Dafür gibt es wie in anderen Bereichen für beide Sichtweisen gute Argumente!

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Gixxer

    14. März 2017 15:58 at 15:58

    Das kann durchaus alles so passen.
    Da ich beruflich immer wieder mit den Bereichen Praktika und Mindestlohn zu tun habe, weiß ich aber auch, dass es Firmen gibt, die Praktikas ausnutzen, um billige Arbeitskräfte zu generieren. Dies ist in der Zwischenzeit nicht mehr so gut möglich. Vielleicht sind die Gesamtzahl der Praktika auch deshalb gesunken, da diese Firmen jetzt nicht mehr nach diesem Prinzip arbeiten und stattdessen evtl. „richtige“ Leute einstellen.
    Ich weiß es nicht, es wäre aber möglich.

  2. Avatar

    isntit

    15. März 2017 01:21 at 01:21

    Zumindest bei den Architekten und Grafikdesignern, wo ich mich auskenne (war/bin in beiden Bereichen tätig), wurden Praktikanten jahrzehnteelang gnadenlos als billige Arbeitskräfte ausgenutzt, oft mit Brutto-Monatslöhnen zwischen 400 und 800 Euro. Aber nicht nur für drei Momate, sondern über ein oder zwei Jahre! Glücklicherweise hat der Mindestlohn dem ein Ende gemacht (soweit er nicht mit Werkverträgen, falschen Pflichtpraktika etc. umgangen wird). Spätestens nach 3 Monaten (=Einarbeitungszeit) müsste der volle Mindestlohn bezahlt werden, alles andere kann man nur als Dumpinglohn bezeichnen.

    • Avatar

      Gixxer

      15. März 2017 14:04 at 14:04

      Meine Rede.

  3. Avatar

    isntit

    15. März 2017 01:24 at 01:24

    Zumindest bei den Architekten und Grafikdesignern, wo ich mich auskenne (war/bin in beiden Bereichen tätig), wurden Praktikanten jahrzehntelang gnadenlos als billige Arbeitskräfte ausgenutzt, mit Brutto-Monatslöhnen zwischen 400 und 800 Euro, bei bekannteren Firmen oft auch für lau (ist ja toll für den Lebenslauf). Aber nicht nur für drei Momate, sondern über ein oder zwei Jahre! Glücklicherweise hat der Mindestlohn dem ein Ende gemacht (soweit er nicht mit Werkverträgen, falschen Pflichtpraktika etc. umgangen wird). Spätestens nach 3 Monaten (=Einarbeitungszeit) müsste der volle Mindestlohn bezahlt werden, alles andere kann man nur als Dumpinglohn bezeichnen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Sparverträge: BaFin rät Kunden zu aktivem Vorgehen gegen Banken

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Sparverträge sind seit Jahren ein heißes Thema bei Banken, und zwar wegen den in den „guten alten Zeiten“ versprochenen hohen Zinszahlungen. Heute dann der Hammer! Ein höchst ungewöhnlicher Vorgang ist das, was von Seiten Deutschlands oberster Finanzaufsicht BaFin da heute veröffentlicht wurde. Es geht um Prämiensparverträge, welche die Bankkunden sorgfältig überprüfen sollen. Viele ältere Verträge enthalten laut BaFin Zinsanpassungsklauseln, mit denen Banken die zugesicherte Verzinsung einseitig abändern könnten. Diese Klauseln sind laut Bundesgerichtshof (BGH) seit 2004 unwirksam.

Aber kurz ein Schritt zurück. Die letzte Zeit hat die BaFin alles andere als geglänzt. Das Wirecard-Desaster war nur die Spitze. Die BaFin-Vizepräsidentin Elisabeth Roegele spielte zum Beispiel beim CumEx-Skandal eine zweifelhafte Rolle. Sie war vor ihrer BaFin-Zeit Chefjuristin der Dekabank, als diese auf Gewinne aus Cum-Ex-Geschäften klagte (mehr Details dazu hier). Von daher kann man es als Image-Maßnahme ansehen, dass gerade Frau Roegele explizit mit Namen zitiert wird, wenn die BaFin heute betroffenen Sparern dazu rät, jetzt selbst aktiv auf ihre Banken zuzugehen und sich erläutern zu lassen, welche Klausel ihre Sparverträge ganz konkret enthalten.

Runder Tisch über Sparverträge gescheitert – BaFin rät Kunden zur Offensive gegen Banken

Der nächste Schritt müsse dann laut heutiger Aussage der BaFin sein zu prüfen, ob diese Klauseln rechtskonform seien. Bei Fragen zur Geltendmachung zivilrechtlicher Ansprüche oder zur Unterbrechung etwaiger Verjährungsfristen rät Frau Roegele den Kunden, sich bei Bedarf an eine Verbraucherzentrale oder auch einen Rechtsanwalt zu wenden. Das ist echt der Hammer. Die BaFin rät aktiv Bürgern dazu sich im Kampf gegen Banken an Anwälte oder Verbraucherschützer zu wenden? Bislang hielt sich die BaFin aus sowas doch raus?

Die BaFin geht davon aus, dass Banken und Sparkassen oft falsche Zinsklauseln verwendet und den Kunden zu wenig Zinsen gutgeschrieben haben. Betroffen seien laut BaFin-Statement insbesondere langfristig variabel verzinste Sparverträge aus 2004 und früher. Ein Runder Tisch, den die BaFin zum Thema Prämiensparen Ende November 2020 unter anderem mit den Verbänden der Kreditwirtschaft und Verbraucherschutzorganisationen einberufen hatte, habe leider keine kundengerechten Lösungen gebracht. Neben ihrem Verbraucheraufruf prüfe man deshalb jetzt auch konkrete verwaltungsrechtliche Optionen, mit denen das Ziel ausreichender Kundeninformation erreicht werden könne. Bereits im Februar 2020 hatte die BaFin die Banken aufgefordert, auf die betroffenen langjährigen Kunden zuzugehen und ihnen eine Lösung anzubieten.

Was soll man dazu sagen? Der gute Herr Hufeld (BaFin-Chef) und die gute Frau Roegele wollen wohl in der Öffentlichkeit endlich auch mal Pluspunkte sammeln, als oberste Beschützer der kleinen Leute mit Sparkonto? Zum Thema Prämiensparverträge liefert die BaFin auch folgende Erläuterung, im Wortlaut:

Ein Prämiensparvertrag ist eine langfristige Sparform mit variabler Verzinsung und gleichbleibender Sparleistung. Kunden erhalten zusätzlich zum Zins eine Prämie, die meist nach der Vertragslaufzeit gestaffelt ist. Viele Kreditinstitute verwendeten in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) Zinsanpassungsklauseln, die ihnen einräumten, über Änderungen der vertraglich vorgesehenen Verzinsung mit unbegrenzt einseitigen Ermessensspielräumen zu entscheiden. Diese Praxis erklärte der BGH 2004 für unwirksam und äußerte sich auch in späteren Entscheidungen in 2010 und 2017 zu den Anforderungen an solche Klauseln. Dennoch bestehen weiterhin Unsicherheiten, wie Kreditinstitute mit den Anforderungen der BGH-Rechtsprechung umzugehen haben. Hinweise dazu liefert ein Urteil, welches das Oberlandesgericht (OLG) Dresden im April 2020 auf die Musterfeststellungsklage der Verbraucherzentrale Sachsen getroffen hat. Es stellt etwa klar, dass die Verzinsung sich an einem angemessenen, langfristigen, öffentlich zugänglichen Referenzzinssatz orientieren muss und monatlich anzupassen ist. Als angemessen sieht das OLG Dresden beispielsweise die 9- bis 10-jährige Zeitreihe der Deutschen Bundesbank WX 4260 (damalige Bezeichnung) an. Die Entscheidung ist bislang nicht rechtskräftig; es wurde Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. Weitere Musterfeststellungsklagen sind anhängig.

Sparverträge werden oft in Beratungsgesprächen abgeschlossen
Beispielfoto einer Beratung in einer Volksbank. Foto: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken

weiterlesen

Allgemein

Deutschland: Restaurants und Hotels bis 10.Januar geschlossen

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

In Deutschland werden laut einem Insider sowohl Gastronomie als auch Hotels bis zum 10.Januar geschlossen bleiben – darauf haben sich laut diesem Insider die Bundesregierung und die Bundesländer verständigt. Am 04.Januar sollen dann Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten zusammen kommen um das weitere Vorgehen zu beraten. Diese Entscheidung soll heute Nachmittag verkündet werden.

Also die nächste Hiobsbotschaft für Gastro und Hotels..

weiterlesen

Allgemein

Zinseszinseffekt: So verdoppeln Sie Ihr Depot binnen weniger Jahre – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

Albert Einstein bezeichnete ihn einst als 8. Weltwunder. Für Starinvestor Warren Buffett gilt er als wichtigster Erfolgsfaktor beim Investieren. Die Rede ist vom Zinseszinseffekt. Es kommt nicht von Ungefähr, dass diese beiden Genies dem Zinseszins eine so hohe Bedeutung beimessen. Denn er verhilft selbst bei kleinen investierten Beträgen über einen längeren Zeitraum zu großen Erfolgen. Folgende kleine Geschichte veranschaulicht den Effekt des Zinseszinses:

Die Legende vom Reiskorn

Die beeindruckende Wirkung des Zinseszinseffektes war offenbar bereits den alten Persern bekannt. Von ihnen stammt die Legende vom Reiskorn. In dieser forderte der König seine Untertanen auf ihm die Langeweile zu vertreiben. Wer es schafft, sollte eine Belohnung erhalten.

Ein kluger Höfling brachte dem König daraufhin das Schachspiel bei. Der König war begeistert ob der neuen Zerstreuung und wollte den Höfling belohnen. Dieser sprach: „Ich möchte nichts weiter als ein paar Reiskörner. Ich möchte, dass ihr mir das Schachbrett mit Reis füllt. Legt ein Reiskorn auf das erste Feld und dann auf jedes weitere Feld jeweils die doppelte Anzahl an Reiskörnern.“

Der König wunderte sich über den bescheidenen Wunsch seines Dieners und sagte sogleich die Belohnung zu. Er dachte wohl an ein kleines Säckchen voller Reis. In Wahrheit hätte er aber dank der 64-maligen Verdopplung mehr Reis gebraucht, als auf der ganzen Erde wächst.

Wie ist eine solche Fehleinschätzung möglich?

Das menschliche Gehirn ist nicht besonders gut in Prozentrechnung. Diese Art der Verzinsung ist in unserer Evolutionsgeschichte erst seit wenigen hundert Jahren von Bedeutung. Deshalb unterschätzen wir genau wie der persische König systematisch die Macht des Zinseszinses. Investmentgewinne von 5% locken nur wenige hinter dem Ofen hervor. Doch über einen…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage