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Der nächste Schritt zum Protektionismus: Trump will Stahl-Importe „untersuchen“ lassen

Heute wird Donlald Trump eine Exekutivorder unterzeichnen, deren Ziel offenkundig ist, Stahl-Importe unter anderem aus Deutschland zu begrenzen. Die Begründung ist abenteuerlich und passt ins Schema „alternative Fakten“!

Redaktion

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FMW-Redaktion

Erst vorgestern hatte der neue US-Präsident Trump eine Exekutivorder unterzeichnet zum Thema „Buy Amercan and Hire American“, dessen Ziel es ist, ausländische Unternehmen möglichst von der Vergabe von Regierungsaufträgen auszuschließen. Heute wird Trump wohl noch konkreter werden: mittels einer weiteren Exekutivorder soll „untersucht“ werden, ob Stahlimporte die nationale Sicherheit der USA gefährden. Mittels der neuen Exekutivorder wird Wirtschaftsminister Wilbus Ross beuftragt, innerhalb von 270 Tagen einen Report zu geben, ob die Importe von Stahl das Kriterium erfüllen, die nationale Sicherheitslage zu gefährden – Trump müsste dann innerhalb von 90 Tagen entscheiden, ob Beschränkungen für einzelne Unternehmen oder Länder bei Stahl-Importen verhängt werden.


America first wird wohl Realität unter Trump
Foto: Gage Skidmore; https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Die Argumentation für die Untersuchung ist abenteuerlich: da Stahl in kriegswichtigen Geräten eingesetzt werde, sei die Stahl-Frage von hohem nationalen Sicherheitsinteresse. Da die Stahl-Produktion aber wiederum sehr komplex sei und hohe Expertise verlange, sei es notwendig, die heimische Industrie vor zu vielen Importen zu schützen, damit eben diese Expertise in den USA nicht verloren ginge. Gemeinhin gilt etwa in Deutschland produzierter Stahl als deutlich hochwertiger als der von US-Firmen produzierte, weshalb etwa deutsche Hersteller wie Thyssen oder Salzgitter deutlich höhere Preise als ihre US-Konkurrenten verlangen können.

Dass die Argumentation der Trump-Regierung nicht wirklich ernst zu nehmen ist, zeigt die Entwicklung der letzten Jahre: importierten die USA im Jahr 2015 noch 35 Millionen metrische Tonnen Stahl, waren es im Jahr 2016 nur noch 30 Millionen. Die Importe von Stahl sind also rückläufig, was die angebliche Dringlichkeit, die Expertise für die Stahlproduktion in den USA schützen zu müssen, klar widerlegt.

Die USA importieren Stahl vor allem aus Kanada, Südkorea, Brasilien, Mexiko, Japan – und eben Deutschland: die Trump-Administration hatte kürzlich Strafzölle u.a. gegen Salzgitter verhängt. China dagegen rangiert inzwischen unter ferner liefen bei Stahl-Importen, weil die USA auf chinesischen Stahl Strafzölle verhängt haben aufgrund des Vorwurfs, die Chinesen würden Preis-Dumping betreiben (also den Stahl uner Herstellungskosten vertreiben).

Heute wird sich Trump und Wirtschaftsminister Ross mit Vertretern der amerikanischen Stahlindustrie treffen, darunter Nucor, U.S. Steel, AK Steel und Timken, dazu noch der Präsident der amerikanischen Stahlgewerkschaft. Zu erwarten ist weiter, dass der Bereich Stahl nur der Anfang ist einer umfangreichen Protektionismus-Politik unter dem Motto „America first“. Das wiederum dürfte Gegenmaßnahmen der betroffenen Länder einleiten, auch wenn Insider aus der Trump-Administration versichern, dass keine einzelnen Länder im Fokus stünden in der Stahl-Frage. Die heute von Trump wohl unterzeichnete Exekutivoder bezieht sich auf den „Trade Expansion Act“ aus dem Jahr 1962, dürfte aber die WHO auf den Plan rufen.

Die Aktien deutscher Stahlhersteller wie Salzgitter und Thyssen stehen daher heute unter Druck und können sich mit der Erholung des Dax etwas von ihren Tiefs absetzen:


(Salzgitter)


(Thyssen)

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  1. Avatar

    SMArtTrader

    20. Juni 2017 17:30 at 17:30

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Tesla, Zoom, Salesforce

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Tech steht heute im Fokus der Börsianer, darunter, die Aktien von Tesla, Zoom, und Salesforce.

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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IHS Markit-Kauf für 44 Milliarden Dollar – wie man gigantisch wächst ohne neue Schulden

Claudio Kummerfeld

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New York Downtown bei Nacht

In der Branche für Finanzdaten, Börsendaten und ökonomischen Analysedaten nimmt die Konzentration auf wenige große Anbieter immer mehr zu. Es gibt Bloomberg, Reuters, große Börsenanbieter wie die Deutsche Börse oder Euronext, und es gibt gerade den Versuch der London Stock Exchange den Datenanbieter Refinitiv für 27 Milliarden Euro zu übernehmen. Jetzt legt S&P Global (gehört zur Standard & Poors-Gruppe) nach und kauft den Datenanbieter IHS Markit. Und das für satte 44 Milliarden Dollar.

IHS Markit war Ende letzter Woche an der Börse noch 37 Milliarden Dollar wert. S&P Global lag bei 82 Milliarden Dollar. Wie schafft man es so viel Geld auszugeben, mal eben 44 Milliarden Dollar? Nun, in diesem Fall ist das gar kein Problem. Man „kauft“ per Aktientausch. Ein richtiger Kauf ist es dann gar nicht. Man fusioniert, und der „Käufer“ erhält an der neuen Firma die Aktienmehrheit. Oder besser gesagt, die bisherigen Aktionäre des größeren Fusionspartners halten dann später auch die Mehrheit am neuen Unternehmen.

So kommt es, dass die bisherigen Aktionäre von S&P Global an der neuen Firma 67,75 Prozent der Anteile halten werden, und die bisherigen Aktionäre von IHS Markit 32,25 Prozent. So haben alle was davon, und die Firma hat keine gestiegene Verschuldung durch diese Transaktion. So können große Konzerne schnell weiter wachsen, ohne sich zu verschulden.

Ganz anders lief es vor vier Jahren bei Bayer, wir erinnern uns alle mit Grausen an die Zeit danach. Die Leverkusener kauften Monsanto für 66 Milliarden Dollar in Cash. Dafür musste man damals eine Brückenfinanzierung über 57 Milliarden US-Dollar aufnehmen, also Kredite. So brockt man sich jede Menge Probleme ein, wenn man seine bisherige Aktionärsstruktur beibehalten will.

Will man extern kräftig zukaufen, muss man sich dann wie Bayer massiv verschulden. Um die Last zu reduzieren, muss man dann brutal einsparen, einzelne Sparten verkaufen usw. Gerade große Konzerne mit stark steigenden Aktienkursen können sich über den Weg des Kaufs mit eigenen Aktien (Fusion) andere Unternehmen einfach und bequem einverleiben. Dann werden die Aktionäre der bisherigen Konkurrenzfirma einfach zu Miteigentümern des eigenen Unternehmens gemacht. Und zack, der Konzern wächst kräftig, ohne dabei neue Schulden machen zu müssen. Natürlich hat der einzelne Altaktionär nach der Transaktion weniger Eigentum am Konzern. Aber dafür ist der Konzern an sich ja auch spürbar gewachsen, wodurch eine Kompensation stattfindet. Langfristig können über diese Methode die ganz großen Konglomerate entstehen.

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