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Der Ölpreis bringt den Ölgiganten so langsam ernsthafte Probleme

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Fast alle „Experten“ hatten in den letzten 9 Monaten fest damit gerechnet, dass der Ölpreis (WTI) im 2. Halbjahr 2015 endlich wieder kräftig anzieht Richtung 70-80 Dollar. Pustekuchen. Auch die Öl-Explorationen (Suche nach neuen Ölquellen), die Ausrüstung neuer Ölfelder etc kostet im Vorlauf enorm viel Geld. All diese Projekte, die in der falschen Annahme steigender Ölpreise weiter verfolgt wurden, müssen jetzt großteils gestoppt oder ganz eingestellt werden.

Ölpreis1
Eigentlich war das die Marktprognose, auf die sich die ganze Branche verlassen hatte. Ab der 2. Jahreshälfte 2015 hätte der Ölpreis kräftig steigen sollen. Es kam anders.

Projekte, die noch im Planungsstatus sind, verschwinden erst mal ganz tief unten in der Schublade. Nach den kleineren Fracking-Buzzen in den USA hört man seit Kurzem auch in den Statements der Ölmultis immer öfter Wörter wie Effizienzsteigerung, Restrukturierung, Standardisierung von Abläufen, niedrigere Kosten für Bohrturmausrüstung etc. Man möchte den Bankanalysten damit demonstrieren, dass man dem Ölpreisverall aktiv entgegenarbeitet. Aber das ist ungefähr vergleichbar mit dem Vorstand eines völlig überschuldeten Fußball-Bundesligisten, der von der Verschlankung der Geschäftsstelle und der Straffung der Verwaltungskosten spricht – wie aber alle um ihn herum wissen, nützt das nichts, wenn der Spielerkader viel zu teuer ist. So ist es beim Öl auch. Ist der Ölpreis niedriger als die Produktionskosten, kann man auch noch so viel restrukturieren und Effizienz steigern – das Unternehmen wird keine Gewinne mehr machen.

Gewinne schmelzen dahin wie das Eis in der Sonne

Der US-Ölgigant Chevron ist gerade erst fast auf die Nulllinie gestürzt. Letzten Freitag meldete man Zahlen für das 2. Quartal – Gewinn -90% gegenüber dem 2. Quartal 2014. Und im 2. Quartal lag der Ölpreis noch bei durchschnittlich gut 57 Dollar. Exakt zum Start des 3. Quartals ab Anfang Juli rauschte der Preis in den letzten 5 Wochen um 12 Dollar runter. Kein Gutes Vorzeichen für Chevrons Zahlen im 3. Quartal. Bei Exxon brach der Q2-Gewinn „nur“ um 50% – man schlägt sich also noch besser als Chevron. Shell hielt sich mit -37% auch noch recht gut. BP verbuchte einen Gewinnrückgang von 64%, aber nur, wenn man die Einmalbelastung aus den Kosten der „Deep Water Horizon“-Katastrophe aus 2010 herausrechnet, die im 2. Quartal 2015 ein reales Ergebnis von -5,8 Milliarden Dollar ausweist.

Entlassungen sind die Folge, um sich für das drohende Rutschen in die Verlustzone zu wappnen. Shell hat im Zuge der schlechten Quartalszahlen angekündigt 6.500 seiner 100.000 Mitarbeiter entlassen zu wollen. Chevron scheint derzeit grob 1.500 Arbeitsplätze abzubauen. Auch BP entlässt wohl Mitarbeiter, aber in einer nicht ganz klaren Größenordnung.

Ölpreis Break Even

In den letzten Monaten sind die Ölmultis fieberhaft dabei genau auszurechnen, wo bei ihren neuen Ölprojekten und den in Planung befindlichen Projekten denn exakt der Break Even liegt, also die Gewinnschwelle, ab der die Produktion sich überhaupt selbst trägt. Zu dem Thema gibt es die haarsträubendsten Analysen und Daten. Angeblich soll bei BP diese Schwelle bei neuen Projekten letztes Jahr bei 80 Dollar pro Barrel gelegen haben. Shell prognostiziert aktuell mit 50 Dollar (wie gesagt bei neuen Projekten). Erreicht werden soll dieser phantastisch niedrigere Break Even wie vorher beschrieben durch Effizienzsteigerungen etc. Aber die bereits existierenden Ölförderprojekte arbeiten ja nicht mit der selben Effizienz wie die neuen. Also dürfte der effektive Break Even aller Ölprojekte deutlich über 50 liegen, selbst wenn 50 bei neuen Projekten machbar wäre. Vielleicht insgesamt bei 60, 65, 70 Dollar? Wir haben auch keine Glaskugel. Auf jeden Fall tickt dir Uhr. Jeder Tag mit einem WTI-Ölpreis von 50, 48, 46 Dollar steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Ölmultis im 3. Quartal strukturell in die Verlustzone rutschen.

Schlussfolgerung?

All das bedeutet letztlich was? Unsere Meinung: Entlassungen, Entlassungen, Entlassungen, und noch ein bisschen auf die Einkaufskosten für Bohrausrüstung drücken. Dazu noch jede Menge Liquidität von Banken und Anleihekäufern sichern, Dividenden streichen und dann am Ende hoffen, dass der Ölpreis irgendwann wieder kräftig steigt. Bis dahin darf die Liquidität aber noch nicht aufgebraucht sein. Ein Spiel auf Zeit. Die Saudis, die über ihre Fördermenge den Ölpreis letztlich steuern, drücken so lange, bis die Fracking-Konkurrenz endlich platt ist. Aber die will irgendwie (noch) nicht. Wie schon Zocker-Guru Carl Icahn vor Monaten bemerkte: Der nächste große Crash kommt vom Junk Bond-Markt, wo die Fracking-Unternehmen sich über extrem hoch verzinsliche Anleihen Geld besorgt haben. Diese Blase wird platzen. Nur den Zeitpunkt zu bestimmten, dafür bräuchte man eine Glaskugel.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Impfstoff-Montag 3.0

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Den dritten Montag in Folge veröffentlicht ein Pharmahersteller einen konkrete Impfstoff-Meldung.

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SAP nach Kurssturz antizyklisch kaufen? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war nicht das Gelbe vom Ei, liebe SAP! Während die US-Konkurrenz in den Coronazeiten mit Cloud und anderen digitalen Anwendungen punktet, tritt die europäische Branchengröße auf der Stelle. Unter dem Strich sank der Umsatz um 4 %, während der operative Gewinn sogar um 12 % schrumpfte.

Offensichtlich sind die schwachen Quartalszahlen keine Eintagsfliege. So hat man die Umsatz- und Gewinnprognosen auch für die Jahre 2021 und 2022 gleich nach unten korrigiert. In der Folge erlebte die Aktie einen mächtigen Ausverkauf und verlor zeitweise über 20 % ihres ursprünglichen Wertes. Das kommt einem mittelprächtigen Erdbeben gleich.

Wo hakt es bei der SAP, warum kann das Unternehmen aus Walldorf zunächst nicht an die starken Wachstumsraten der vergangenen Jahre anknüpfen? Ich sehe drei Faktoren:

1)
Negative Währungseffekte: Die Dollarschwäche bzw. Eurostärke hat die Gewinnentwicklung spürbar belastet. Die US-Konkurrenz hingegen profitiert vom weichen Dollar.

2)
Das Covid-Virus: Die Software-Palette des Unternehmens ist nur eingeschränkt Corona-fest. Ein Beispiel: Mit der SAP-Software Concur planen die Unternehmenskunden der SAP Dienst- und Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter. Es bedarf keiner besonderen Erklärung: Diese Anwendung war in diesem Jahr kein Verkaufsknüller, sondern schlichtweg überflüssig.

3)
Schwächen in der Cloud: Aus der Branche hört man, dass SAP derzeit Defizite im Cloud-Geschäft hat. Die Kunden streben in die Cloud, allein SAP konnte nicht immer liefern. Hier gilt also: US-Konkurrenten wie Oracle und Salesforce haben hier die Nase vorne. Deshalb schwächelt das Neugeschäft der SAP.

Gleichwohl haben die Investoren – wie so oft – das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Der Kursrücksetzer war zwar notwendig, aber in seiner Dimension stark übertrieben. SAP verfügt über eine treue Kundenbasis. Rund 74 % des Umsatzes beruhen auf langfristigen Software-Verträgen. Mit anderen Worten: Das Unternehmen wird auch künftig gut verdienen und verfügt über die Mittel, um den technologischen Rückstand im Cloud-Geschäft wettzumachen.

Trotzdem: Kurzfristig ist die SAP-Aktie sicherlich noch kein Kauf. Wie gesagt es wurde schon Porzellan zerschlagen und Vertrauen verloren. Das deutsche Software-Unternehmen muss sich also nun…..

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Achtung Trader: Deutsche Börse führt „Xetra Trade-at-Close“ ein

Claudio Kummerfeld

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Achtung Trader! Ab 24. November bietet die Deutsche Börse für Trades über Xetra eine neue Handelsmöglichkeit an, die „Xetra Trade-at-Close“ Order. Sie bietet laut aktueller Aussage der Deutschen Börse eine zusätzliche Möglichkeit für Handelsteilnehmer zum offiziellen Schlusskurs zu handeln. Der Service steht dann für alle Wertpapiere im Xetra-Handel zur Verfügung. Hier die Details zu dem neuen Angebot im Wortlaut von der Deutschen Börse:

„Schlussauktionen gelten als Säule der Marktstabilität und des Anlegerschutzes. Sie bündeln die Liquidität pro Wertpapier zu einem Zeitpunkt und gewährleisten eine effiziente Preisbildung unter Berücksichtigung aller relevanten Informationen. Xetra Trade-at-Close adressiert die wachsende Nachfrage nach Orderausführungen am Ende des Handelstages“, sagt Michael Krogmann, Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse.

Der neue Service bietet verschiedene Vorteile: Mit Xetra Trade-at-Close können Marktteilnehmer Aufträge auch nach Ende der Schlussauktion auf Xetra eingeben. Sie profitieren davon, zu einem festen Preis zu handeln, ohne an der Preisbildung in der Schlussauktion teilzunehmen. Außerdem erhalten sie eine zusätzliche Möglichkeit, Positionen vor Ende des Handelstages zu schließen und dabei mit zusätzlicher Liquidität im börslichen Handel zu interagieren.

Wird die Option Trade-at-Close für eine Order ausgewählt, werden Aufträge, die in der Schlussauktion nicht ausgeführt wurden, automatisch in die Trade-at-Close-Phase übertragen. Während der Trade-at-Close-Phase können auch neue Orders eingegeben werden. Der Schlusskurs wird vor allem von Buy-side-Kunden wie Pensionskassen oder Investmentfonds zur Berechnung von Portfoliorenditen, zur Bewertung von Investmentfonds und als Grundlage für viele Derivategeschäfte verwendet.

Xetra-Bildschirme der Deutschen Börse
Xetra-Bildschirme. Foto: Deutsche Börse AG

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