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Nach IEA-Bericht: Was wird aus dem Ölpreis auf kurze und mittlere Sicht?

Der Ölpreis hat schon einmal kräftig auf die Stimmung an den Aktienmärkten gedrückt. Vor allem die US-Börsenlandschaft ist aufgrund der großen Ölindustrie und Zulieferindustrie sehr stark davon abhängig…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der Ölpreis hat schon einmal kräftig auf die Stimmung an den Aktienmärkten gedrückt. Vor allem die US-Börsenlandschaft ist aufgrund der großen Ölindustrie und Zulieferindustrie sehr stark davon abhängig, dass der Ölpreis auf einem erträglichen Niveau bleibt (ab 50 Dollar aufwärts?). Im Augenblick sieht es aber nicht so gut aus. Zwar soll das wieder vorhandene „Oil Freeze“-Gespenst für Euphorie sorgen, so dass die Produzenten sich demnächst vielleicht doch auf eine Einfrierung einigen – aber niemand glaubt wirklich daran.

Die Fakten belegen ja auch genau das Gegenteil. Nachdem bereits die saudische Ölförderung auf Rekordniveau bekanntgegeben wurde, bestätigt die Internationale Energie-Agentur (IEA) in ihrem heutigen Monatsbericht, dass auch der Irak seine Ölförderung weiter gesteigert hat. Die IEA weist auch auf unser Lieblingsthema hin, das Verhältnis an Ölangebot zu Ölnachfrage. Sie beschreibt nämlich, dass nach aktuellstem Stand der Zuwachs der weltweiten Ölnachfrage für 2016 gegenüber der Prognose aus dem Vormonat stagniert, und für 2017 sogar leicht zurückgeht.

Die Angebotsseite hingegen steigt durch die Rekordfördermengen gerade durch die Golfstaaten aktuell weiter an. Laut IEA stieg die globale Menge im Juli um 0,8 Millionen Barrels pro Tag. Die Menge stieg bei OPEC-Staaten wie auch bei Nicht OPEC-Staaten. Dass sich die Angebotsseite später relativieren soll, kümmert den geneigten Beobachter erstmal wenig. Man kann jetzt nur sehen, dass die Nachfrage stagniert, und die Golfstaaten weiter kräftig pumpen, um anscheinend den Ölpreis zu drücken.

Aber dieses Hauptproblem war noch längst nicht alles, womit sich der Ölpreis in Kürze womöglich herumschlagen muss. Laut IEA steigt im aktuellen Quartal der weltweite Raffinerie-Ausstoß um 2,2 Millionen Barrels pro Tag, nach einem schwachen zweiten Quartal auf nun 80,6 Millionen pro Tag – ein Rekordwert. Kurzfristig soll die Nachfrage an die Raffinerien minimal stärker sein als die höhere Produktion, aber das wird kaum etwas bringen. Denn laut IEA sollen ganz am Ende der Produktionskette die in den letzten Monaten gesunkenen Rohöl-Lagerbestände lediglich gewandert sein. Durch die Veredelung in den Raffinerien sollen die abgebauten Rohöl-Lagerbestände als höhere Lagerbestände bei den Öl-Endprodukten wieder aufgetaucht sein. So sollen die „Commercial Stocks“ laut OECD um 5,7 Millionen auf insgesamt 3.093 Millionen Barrels gesteigen sein. Gerade in den USA seien große Volumen von Endprodukten in die Lagerhaltung gegangen.

Abseits der kurzfristigen Entwicklung kommt die IEA aber auf mittelfristige Sicht zu einer anderen Schlussfolgerung: Die Raffinerien würden durch ihre hohen Verarbeitungsvolumen für hohe Nachfrage bei den Ölförderländern sorgen. Das werde die Lagerbestände zum Abschmelzen bringen, trotz Rekordförderung in Ländern wie Kuwait, den VAE und Saudi-Arabien. Also, um das Chaos zu entwirren: Kann man sagen kurzfristig auf Sicht von Tagen und Wochen drückt das Überangebot auf den Ölpreis, aber auf Sicht von mehreren Monaten wird die deutlich höhere Nachfrage nach Öl den Preis nach oben treiben?

Ganz aktuell

Und was treibt den Ölpreis jetzt ganz aktuell um 0,78 Dollar nach oben in der letzten Stunde? Nachdem erst gestern ein neues Rekord-Produktionsniveau aus Saudi-Arabien verkündet wurde, stellt sich der saudische Energieminister heute hin und verkündet die Nachfrage nach Öl sei stark, und er erwarte einen weltweiten Abbau der Lagebestände um den Ölpreis zu unterstützen. Ach ja, und man werde sich nächsten Monat mit OPEC und Nicht-OPEC-Staaten treffen um für eine „Stabilisierung“ zu sorgen. Also genau wie im Frühjahr, wo die Saudis auch diverse Mal großspurig verkündeten der „Oil Freeze“ werden den Durchbruch bringen, der dann nie kam?

Ölpreis
Der WTI-Ölpreis seit Anfang des Jahrs.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    leser

    11. August 2016 19:05 at 19:05

    Den Wochenchart finde ich aufschlussreicher, http://finviz.com/futures_charts.ashx?t=CL&p=w1. Da hat das Öl gerade ein höheres Tief generiert und den Abwärtstrend gebrochen. Es könnte also durchaus auch wieder Richtung 80 USD gehen. Und wenn die geopolitischen Spannungen zunehmen, könnte das auch schneller passieren, als viele denken. Der Anstieg heute ist schon mal eindrucksvoll.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Corona belastet die Aktienmärkte

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Verschärfung der Coronakrise belastet heute die Aktienmärkte.

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Volkswagen meldet 10 Milliarden Euro Gewinn – dazu noch ein interessanter Vergleich

Claudio Kummerfeld

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Volkswagen hat vor wenigen Minuten per Ad Hoc-Meldung vorab Daten für das Gesamtjahr 2020 veröffentlicht. Trotz der beispiellosen andauernden Covid 19-Herausforderungen habe Volkswagen im 2. Halbjahr 2020 seine Robustheit bewiesen. Die Auslieferungen an Kunden des Volkswagen-Konzerns erholten sich im 4. Quartal weiter stark, überstiegen sogar die Auslieferungen des 3. Quartals 2020. Die Umsatzerlöse stiegen entsprechend ebenfalls erheblich. Auch der ausgewiesene Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft entwickelte sich sehr positiv, so das Unternehmen in seiner Mitteilung.

Basierend auf vorläufigen Zahlen erwartet man für das Geschäftsjahr 2020 ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen (Dieselthematik) von rund 10 Milliarden Euro, dazu einen ausgewiesenen Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft von rund 6 Milliarden Euro. Die gesamten finanziellen Kennzahlen für das Geschäftsjahr 2020 sowie der Ausblick wird Februar veröffentlicht. Die Volkswagen-Aktie reagiert positiv mit einem Kurssprung von 158,60 Euro heute Vormittag auf aktuell 169,28 Euro.

Interessant zum Thema Autohersteller ist folgende Grafik. Sie zeigt den gigantischen Börsenwert von Tesla (links) in Relation zu den anderen großen Autobauern, die natürlich weitaus größere Mengen produzieren. Tesla hat derzeit mehr Börsenwert als die folgenden acht größten Autobauer zusammen. Sind das noch gesunde Dimensionen bei Tesla? Da muss Elon Musk noch ganz schön viele Autos verkaufen, um mit realen Umsätzen zur Börsenbewertung aufzuschließen.

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Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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