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Märkte

Der Ölpreis weiß nicht wohin, weil der Ölmarkt keine klare Richtung vorgibt

Redaktion

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FMW-Redaktion

Von der Faktenlage her steht es im Augenblick Unentschieden. Auf der einen Seite gab es zuletzt jede Menge tolle Fakten und Aussagen, die für eine stärkere Nachfrage, eine Ausbalancierung von Angebot und Nachfrage sowie einen höheren Ölpreis sprechen. Da wären z.B. die Aussagen der Internationalen Energie-Agentur, aber auch von der ach so glorreichen Bank Goldman Sachs. Beide sprechen eindeutig von einem relativ schnellen Ausbalancieren der globalen Nachfrage- und Angebotsmenge beim Öl. Auch erwarten Marktbeobachter diesen Sommer eine viel stärkere Nachfrage nach Benzin in den USA als sonst. Hinzu kommt, dass die US-Produzenten in den letzten Monaten ihre Fördermenge weiter zurückgefahren haben.

Wir hatten es mehrmals erwähnt in den letzten Wochen, und kommen aktuell darauf zu sprechen, weil es eben auf der Tagesordnung steht: Die Ölflut aus den Golfstaaten sollte man nie unterschätzen. Die ständig wiederholten Aussagen der Saudis, dass man seine Förderung drastisch erhöht, wollte von den Öl-Tradern zuletzt niemand mehr beachten. Jetzt aber kann man die deutlichen Aussagen des stellvertretenden iranischen Ölministers Javadi kaum ignorieren. Im Iran ist man in diesem Jahr hauptsächlich damit beschäftigt nach dem Aufheben der westlichen Öl-Sanktionen seine Öl-Fördermenge wieder raufzuschrauben. Nächste Woche Donnerstag steht in Wien die große halbjährliche OPEC-Konferenz an. Einige Marktbeobachter hatten bisher ganz vorsichtig die Hoffnung, dass man dort seitens der Ölproduzenten die Einfrierung der Fördermenge erneut ansprechen könnte, was ja zuletzt brutal gefloppt war. Aber der Iran zerstört nun diese Hoffnung.

Javadi sagte nämlich gerade erst am Wochenende zu iranischen Medienvertretern auch nach Erreichen der Vor-Sanktionsniveaus werde der Iran nicht mit der Steigerung seiner Förderung aufhören. Das ist etwas fundamental Neues aus dem Iran, wo man bisher sagte nach Erreichen der alten Niveaus könne man gerne mit den anderen OPEC-Mitgliedern über eine Einfrierung der Fördermenge reden. Die Regierung habe im Eindruck der aktuellen Umstände keine Weisung an die National Iranian Oil Company gegeben das Ansteigen der Fördermenge oder der Exportmenge zu stoppen. Diese Aussagen zerstören jede Hoffnung, dass die OPEC-Fördermenge eingefroren werden könnte – und die Iraner haben in den letzten Monaten gezeigt, dass sie standhaft bei ihrer Meinung bleiben.

Die Anzahl der aktiv genutzten Bohrstellen (Rig Counts) in den USA ist am Freitag zum ersten Mal in diesem Jahr nicht weiter gesunken – ein Zeichen für so manchen Beobachter, dass das weitere Zurückgehen der US-Fördermenge zum Stillstand kommen könnte. Bei in den letzten 1 1/2 Jahren stark gestiegener Produktivität pro Bohrstelle kann man die Entwicklung der Rig Counts nicht als effektiven Barometer für die Ölpreisentwicklung heranziehen, aber das aktuelle Ausbleiben weiterer Rückgange bei den Rigs ist aktuell nun mal ein Argument gegen steigende Preise.

So scheinen sich die Argumente am Ölmarkt derzeit gegenseitig aufzufressen. Wartet so mancher jetzt schon auf das OPEC-Meeting? Es ist noch ein bisschen hin bis Donnerstag nächste Woche. Bis dahin haben wir ja noch zwei Mal die Öl-Lagerbestände in den USA als Barometer für die Öl-Flut. Geht sie allmählich zurück?

Ölpreis 13
Der Ölpreis (WTI) seit dem 13. Mai. Eine wirkliche Richtung im Ölpreis ist auf diese Sicht nicht erkennbar, auch wenn er kurzfristig leicht fällt.

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Finanznews

Inflation und das Paradox der Erwartungen! Marktgeflüster (Video)

Eines scheint für die Investoren klar zu sein: wenn die Coronakrise überwunden ist, kommt die Inflation. Aber das wäre besonders schlecht für den Reflations-Trade!

Markus Fugmann

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Eines scheint für die Investoren klar zu sein: wenn die Coronakrise überwunden ist, kommt die Inflation – deshalb spielen alle Investoren den „Reflations-Trade“ und kaufen vor allem Aktien aus den Sektoren Energie, Industrie und Materialien. Es sind aber vor allem diese Sektoren, die eine besonders hohe Verschuldung aufweisen – und aufgrund der Politik der Notenbanken dennoch derzeit extrem günstig Schulden machen können. Aber wenn die Inflation wirklich steigt, dann beginnen die Kapitalmarkt-Zinsen zu steigen – und das erschwert die Tragfähigkeit der Schulden jener Unternehmen, die derzeit im Reflations-Trade gekauft werden. Im Grunde ist das ein Paradox: wenn die Inflation wirklich käme, wären diejenigen Aktien die Verlierer, die im Reflations-Trade derzeit immens nach oben gekauft werden..

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Rüdiger Born: Nachbesprechung für Nasdaq-Szenario

Rüdiger Born

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Allgemein

Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

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Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

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Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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