Aktien

Der „Peking-Put“

Die Älteren unter uns kennen noch den „Greenspan-Put“ – aber das ist lange her. Der neueste Schrei aber ist der „Peking-Put“ – die Absicht der chinesischen Regierung, den Aktienmärkten des Landes zu einem neuen Höhenflug zu verhelfen.

Wohl nicht zufällig konnte der Shanghai Composite in der letzten Handelswoche so stark steigen wie seit 18 Monaten nicht mehr – 4,9% ging es nach oben. Waren die Aktien in Shanghai noch unter den schlechtesten Perfomern weltweit, so geht es seit Ende Mai um satte 12% nach oben. Und viele Chinesen sind bei der Party dabei: allein im Juli eröffneten 585.000 Chinesen neue Handelskonten – mehr als die Bevölkerung Luxemburgs!

Die positiven Nachrichten – von der Regierung gesteuert – reißen nicht ab. Am letzten Mittwoch sickerte durch, dass Chinas Regierung den gelisteten Immobilienentwicklern die Finanzierungsbedingungen erleichtert. Ein Tag später dann wurden die letzten Formalitäten der Verlinkung zwischen den Börsen in Hong Kong und Shanghai beschlossen. Damit könne auch Ausländer – gleichsam über das Einfallstor Hong Kong – Aktien in Shanghai kaufen, was bisher nicht möglich war. Gerüchten zufolge haben internationale Hedge Funds bereits Kapital in Hong Kong gehortet, um bei Start Anfang Oktober gleich loslegen zu können.

Seit Montag wurden die Gebühren für Aktien-Transaktionen verringert, auch die Kosten für Konto-Neueröffnungen sind gesenkt worden. Vertreter der vier großen staatlichen Banken halten Investment-Seminare, die Presse bläst zum Einstieg – man gibt sich also redlich Mühe in Peking. Ca. 16 Milliarden Dollar sind bereits aus dem chineischen Immobilienmarkt abgezogen worden – und stehen nun bereit für Aktieninvestments.

In 2014 sind zahlreiche IPOs in Shanghai an die Börse gegangen – zu sehr günstigen Bewertungen. Im Durchschnitt sind diese IPOs am sagenhafte 94% gestiegen – auch das eine von der Politik geförderte Erfolgsstory.Gleichzeitig pumpt die Regierung wieder Geld in die Banken – und verabschiedet sich somit erst einmal von der zuvor geltenden Maxime „wenn Wachstum, dann solide“.

Es ist also Party-time, vor allem in Shanghai. Wie lange geht das gut? Bis Oktober bestimmt, denn die Regierung möchte beim Start der Verlinkung der Börsen Hong Kong und Shanghai sicher nicht ihr Gesicht verlieren..



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