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Der Social Media-Krieg: Welche Aktien haben Zukunft? Wer geht unter?

Social Media ist eigentlich als „Markt“ viel übersichtlicher als man denkt. Wie ist die aktuelle Lage? Wer kämpft ums Überleben, wer steht schon kurz vor dem Untergang, obwohl er gerade neu auf dem Markt ist, wer ist eh nur als Zombi…

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Social Media ist eigentlich als „Markt“ viel übersichtlicher als man denkt. Wie ist die aktuelle Lage? Wer kämpft ums Überleben, wer steht schon kurz vor dem Untergang, obwohl er gerade neu auf dem Markt ist, wer ist eh nur als Zombi unterwegs? Welche Aktien könnten interessant sein, und um welche sollte man vielleicht einen großen Bogen machen? Hier ein Überblick.

Google+

Da wäre zunächst mal, um ganz einfach zu starten das soziale Netzwerk „Google+“, einst von Google als Konkurrent zu Facebook geschaffen. Das Netzwerk ist eigentlich nur ein Tool von vielen aus dem Google-Universum, und ist gut vergleichbar mit der Queen of England oder dem deutschen Bundespräsidenten. Irgendwie anwesend, aber niemand weiß so richtig, wofür er/sie gut ist. Google schaltet das System wohl nur aus Imagegründen nicht wieder ab, nutzen tut es eh fast niemand. Wer die Google-Aktie kaufen will, tut es ohnehin wegen der Kernfunktion von Google oder wegen YouTube.

Twitter

Dann wäre da Twitter. Die Firma steht auf der Kippe. Die gerade erst veröffentlichten Quartalszahlen zeigen, dass man zwar weiter wächst bei den Nutzerzahlen, aber eben in einem Mini-Zeitlupentempo, pro Quartal von 315 auf 317 auf 319 Millionen monatlich aktive Nutzer. Die Werbeeinnahmen schwächeln ebenfalls. Beides erstaunlich , wo doch Donald Trump seinen Wahlkampf quasi exklusiv über Twitter abgewickelt hat, mit jeder Menge Begleit-Traffic. Der Dienst ist bei seiner Kern-Fangemeinde äußerst beliebt, die dem Dienst die Treue hält. Wirklich vergleichbar ist Twitter nicht mit Facebook, weil man auch eh nie ein Konkurrent sein wollte, sondern eben eine Art News-Ticker-Funktion. Und in der Nische ist man auch äußerst schnell und erfolgreich, für alle, die es schnell und kurz lieben, übersichtlich, einfach und klar.

Aber ein soziales Netzwerk mit endlos langen Texten und unendlich vielen Sonderfunktionen ist Twitter eben nicht. Mit ein wenig Glück kriegt man noch die Kurve, überlebt, bleibt profitabel und wächst langsam weiter. Mit ein bisschen Pech geht es schief, und der Laden geht den Bach runter. Ein Indiz dafür könnte sein, dass man Ende vergangenen Jahres diverse Kaufinteressenten hatte, die Twitter schlucken wollten. Letztlich lehnten alle ab. Hier kann man fast sagen, dass die Chancen 50:50 stehen. Wer die Aktie kauft, muss eben voll ins Risiko gehen und auch ein Stück weit an das Konzept der Firma glauben.

Facebook

Dann gäbe es da noch Facebook, Instagram und Whatsapp. Alle kann man unter dem Markendach Facebook zusammenfassen, da Facebook die beiden für verdammt viel Geld aufgekauft hatte. Bei Instagram ging es Mark Zuckerberg wohl hauptsächlich darum Konkurrenz zu schlucken, bevor sie ihm gefährlich werden kann. Jetzt ist Instagram gut mit Facebook vernetzt, und beide profitieren von einander. Whatsapp als Chat-Tool dienst wohl lediglich als Lieferant neuer Userdaten. Facebook selbst als Konzern liefert Quartal für Quartal überzeugende Daten zu Umsatz und Gewinn. Die Analystengemeinde wird stets glücklich gemacht. Das ist jedes Mal um so erstaunlicher, da Facebook schon so gigantisch groß ist.

Je größer die Firma, desto schwieriger wird es noch ordentliches prozentuales Wachstum zu liefern. Aber Zuckerberg liefert. Ob Facebook so ein super-tolles Tool mit genialer Benutzeroberfläche ist, darüber kann man wohl streiten. Aber man hatte wohl schlicht und einfach Glück, dass man das erste richtige Soziale Netzwerk war. Somit sammelte man als erster Anbieter massenweise User. Und die meisten sind wohl schlichtweg zu faul selbst und zusammen mit dem Freundeskreis zu Konkurrenzangeboten zu wechseln. Und da wären wir schon beim nächsten Plus für Facebook. Eine vergleichbare ernsthafte Konkurrenz, die ein so umfassendes Angebot hat, gibt es gar nicht. Erster gewesen zu sein, und quasi der einzige Voll-Anbieter zu sein, das mögen wohl die Pluspunkte für Facebook sein.

Wenn nicht irgendwoher ein Milliarden-Privatier oder Milliarden-Konzern eine gigantische Summe investiert, um einen echten Konkurrenten zu etablieren, scheint Facebook erst einmal gesetzt zu sein mit seinem Platz an der Sonne. Aber eine ewige Garantie gibt es darauf natürlich nicht.


Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Jahr 2005. Foto: Elaine Chan and Priscilla Chan (CC BY 2.5)

Snapchat

Und damit kommen wir zur heißen und brandaktuellen Teil-Konkurrenz für Facebook. Snapchat als Chat- und Video-Netzwerk ist ein schnelllebiges Tool, das vor allem für junge Nutzer zum „Schnellkonsum“ gedacht ist. Eine echte Konkurrenz für Facebook ist es nicht, wohl aber für Teile der Facebook-Funktionen. Weil Mark Zuckerberg das wohl erkannt hat, und bemüht ist jegliche Konkurrenz im Keim zu ersticken, hatte er Snapchat-Chef Evan Spiegel mehrmals in seine Facebook-Zentrale ins Silicon Valley eingeladen. Abgelehnt. Milliardenschwere Kaufangebote für Snapchat durch Facebook: Bisher immer abgelehnt. Jetzt geht Snapchat in Kürze an die Börse, und ist nach Graumarktkursen schon um die 27 Milliarden Dollar wert.

Der nächste Highflyer am US-Aktienmarkt, der nächste Hype? Vorsicht, verdammt noch mal Vorsicht ist geboten in diesem Fall. Denn Snapchat könnte kurz vor dem Untergang stehen, obwohl man noch relativ frisch am Markt ist. Wo Facebook nicht in der Lage war wie bei Instagram und Whatsapp die Gründer mit Geld zuzuschütten, versucht man jetzt den Laden zu zerstören – so drastisch hört man es aus dem Silicon Valley. Ein offenes Geheimnis ist, dass Facebook und Instagram schamlos die Funktionen von Snapchat kopieren, um die User für sich zu gewinnen. Das scheint momentan gut zu funktionieren. Denn das User-Wachstum von Snapchat ist jüngst fast zum Erliegen gekommen mit nur noch +3,2%. Ein Desaster, gerade jetzt so kurz vor dem Börsengang. So warnte Snapchat (Snap Inc) im Emissionsprospekt auch ohne Umschweife die potenziellen Investoren, dass es möglich sei, dass Snap Inc auch in Zukunft nur Verluste produziere.

Wenn Snap in wenigen Tagen an die Börse geht, steigt der Druck auf Evan Spiegel um so mehr. Aber halt. Der gute Mann ist auch nicht dumm. Snap ist das erste Unternehmen in den USA überhaupt, das nur Vorzugsaktien ausgibt. Die über den Börsengang mit an Bord geholten Aktionäre werden in der Hauptversammlung somit kein Stimmrecht haben, und Spiegel sowie seine bisherigen Altaktionäre können auch in Zukunft schalten und walten wie bisher. Das macht das Investment noch riskanter als ohnehin schon. Snap Inc könnte als Aktieninvestment dem Untergang geweiht sein, wenn Mark Zuckerberg mit seinen finanziell fast unbegrenzten Möglichkeiten alles daran setzt dem neuen Konkurrenten die User und Werbekunden wegzunehmen.

Achtung: Nichts, was Sie hier gelesen haben, soll Sie zum Kauf oder Verkauf von Aktien verleiten. Da müssen Sie sich schon komplett Ihr eigene Meinung bilden!

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Lars

    13. Februar 2017 23:31 at 23:31

    Ach so wichtig sind sie doch, die sozialen Medien. Der Planet würde sich nicht mehr drehen ohne Facebook, Twitter, Google &Co.
    Oder doch? Sind vielleicht mindestens 99% sinnloses Geposte, Energieverschwendung, Ressourcenvergeudung, Entmenschlichung, Ablenkung von der Realität?
    Erst gestern wurde im TV (das ist ein soziales Medium aus dem letzten Jahrtausend) auf diversen Kanälen verkündet, dass in einer eigentlich recht begrenzten afrikanischen Region derzeit etwa 13 Millionen Menschen unter akuter Hungersnot leiden.
    Ein winzig kleiner Bruchteil der Summen, die diese ach so wichtigen sozialen Medien angeblich wert sind, würde dieses Problem aus der Welt schaffen.
    Natürlich wäre es schrecklich, wenn wir nicht mehr auf Minitastaturen unsere Sehnen überlasten, wenn wir nicht mehr in Freak- oder Geek-Sprache unsere Sprache ad absurdum führen könnten, wenn wir uns wieder von Mensch zu Mensch zu Mensch unterhalten müssten. Wenn wir das Klopapier, das wir gerade benutzen, nicht mehr live per Webcam dieser Welt zur Verfügung stellen könnten.
    Aber (selbst ein einzelnes) verhungerndes Kind sollte uns mehr berühren und bedeuten als der Aktienkurs eines verpickelten, schüchternen und verklemmten Stalkers, dessen einzige grundlegende Firmenidee die Bewertung von Kommilitoninnen in einer geschlossenen Gruppe ohne deren Wissen war.

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Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Aktien

Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

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Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

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Aktien

Aktienmärkte: Großer Verfall – Optionen und mögliche Turbulenzen!

Heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden. Der große Verfall und die US-Tech-Aktien

Markus Fugmann

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Für die Aktienmärkte ist heute der große Verfall der wahrscheinlich entscheidende Faktor – es verfallen Optionen und Futures mit Laufzeit September (siehe hierzu den heutigen Videoausblick „Großer Verfall – es steht viel auf dem Spiel“). Zuletzt war in den Finanzmedien vor allem das in den USA von Privatinvestoren gehandelte Volumen an Optionen (vor allem Calls auf die großen US-Tech-Aktien) ein großes Thema – und das zurecht!

Folgende besipielhafte Grafik zeigt, wie dieses hohe Volumen an Calls bei den Borkern/Verkäufern dieser Call-Optionen Käufe des jeweiligen underlyings ausgelöst hat – in der Grafik konkret illustriert anhand der Amazon-Aktie:

Großer Verfall: Der stark gestiegene Effekt der Optionen auf die Aktienmärkte

Grafik: Benn Eifert, https://twitter.com/bennpeifert

Man sieht: der Kauf von Call-Optionen auf die Amazon-Aktie hat letzlich den Verkäufer der Call-Optionen gezwungen, sein Risiko durch den Kauf der Amazon-Aktie abzusichern, nachdem die Amazon-Aktie angestiegen war (was ja bis Anfang September der Fall war). Aus 1500 Dollar, die ein Privakunde in Amazon-Calls investiert hatte, entstanden Käufe im Volumen von 230.000 Dollar der Amazon-Aktie durch den Broker/Verkäufer der Amazon Calls.

Es war offenkundig dieser Mechanismus, der die Aktienmärkte zuletzt stark beeinflußt hatte – und die extreme Rally der US-Tech-Werte vor Anfang September mit erklären kann.

Aktienmärkte und Call-Optionen bei US-Techaktien

Der Bestand von Call-Optionen auf Amazon war vor Anfang September regelrecht explodiert und betrug 48% der Marktkapitalisierung von Amazon:

Aktienmärkte und Amazon Call-Optionen

Noch krasser die Call-Bestände bei Tesla (380% der Marktkapitalisierung) – was den unter Bewertungsgesichtspunkten absurden Anstieg der Tesla-Aktie erklären hilft:

Tesla Call-OptionenCharts: @MacroCharts

Folgende Grafik zeigt, wie extrem die Call-Bestände auf die großen US-Tech-Aktien zuletzt angestiegen waren:

Aktienmärkte: Call-Optionen auf US-Tech-Aktien und großer Verfall

So weit so extrem. Aber was passiert, um das oben aufgeführte Beispiel der Amazon-Aktie zurück zu kommen, wenn die Optionen auf die einzelnen Aktien verfallen? (zu den Uhrzeiten des Verfalls auf einzelne Aktien siehe hier – Optionen auf die US-Indizes dagegen verfallen heute um 15.30Uhr deutscher Zeit)

Dann nämlich werden die Absicherungen des Brokers, der die Amazon-Aktie gekauft hatte um sein Risiko zu hedgen, im Grunde überflüssig (siehe die Grafik oben). Es könnte also eine große Verkaufswelle für die Aktienmärkte drohen – aber wir wissen eben nicht wirklich, wieviel der nun heute auslaufenden Call-Optionen bereits vor dem Verfall verkauft wurden! Möglich ist also, dass die Schwäche der großen US-Techaktien wie Amazon in den letzten Tagen bereits ein Zeichen dafür ist, dass die Broker die underlyings verkauft hatten!

So oder so: heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden! Oder eben auch nicht – vielleicht nämlich ist der größte Teil schon abgewickelt, Schieflagen inzwischen weitgehend bereinigt. Daher zitieren wir hier den Kaiser Beckenbauer: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“!

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