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Der Stimulus kommt garantiert!

USA Flagge

Ohne die massiven Geldzuflüsse der letzten Monate an die westlichen Finanzmärkte, allen voran in den USA, wären die Kursstände heute ganz andere. Bricht dieser Zustrom an frischem Geld mangels neuem Stimulus ab oder das Kapital flieht aus Angst vor neuen Lockdowns in Cash, dann folgt der nächste Corona-Crash. Daher wird es einen Stimulus geben. Die Frage ist nur: von wem?

Der Stimulus ist systemrelevant

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in seinem jüngsten „World Economic Outloook“ mit einem Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr in Höhe von 4,4 Prozent (Seite 29). Für die größten acht Industrienationen (G-8) sogar mit einer Kontraktion in Höhe von 5,8 Prozent.

Demgegenüber stehen fiskalische COVID-19-Hilfen in durchschnittlich zweistelliger prozentualer Höhe des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Falle Deutschlands würde dies gemäß der aktuellen Schätzung des IWF zum deutschen BIP-Wachstum in 2020 bedeuten, dass ohne finanzpolitische Hilfen unsere Wirtschaft in diesem Jahr um 14,9 Prozent einbrechen würde. Die der USA um 17,5 Prozent und das Bruttoinlandsprodukt Japans würde ohne fiskalische COVID-19 Stimuli gar um -26,4 Prozent kollabieren.

Grafik zeigt Stimulus je nach Land

Sollte es also, wie es sich nun in den weltweiten Statistiken abzeichnet, zu einer erneuten Covod-19-Welle kommen, wären sowohl die Projektionen des IWF hinfällig als auch die exorbitanten Hilfsgelder nicht ausreichend, um eine ökonomische Katastrophe zu verhindern. Dieser Tatsache sind sich die Regierungen aller betroffenen Staaten sicher bewusst. Daher ist entsprechend den wirtschaftlichen Belastungen in Folge erneuter signifikanter Einschränkungen des öffentlichen Lebens mit neuen Finanzhilfen zu rechnen. Es wäre jedenfalls politisch sehr nachteilig für die Verantwortlichen, einen solchen fiskalischen Stimulus abzulehnen. Die ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen wären unabsehbar.

Der Ausgang der US-Wahlen ist für den Stimulus nicht entscheidend

Momentan schauen die Marktteilnehmer sehr genau auf die Umfragewerte zu den US-Wahlen am 3. November sowie den Äußerungen der politischen Führer beider Lager (Demokraten und Republikaner) zum Thema neuer Stimulus.

Dabei ist es grundsätzlich für neue Finanzhilfen völlig unerheblich, wer die Wahlen Anfang November gewinnt, sofern es ein Ergebnis gibt. Als im März dieses Jahres der „Coronavirus Aid, Relief, and Economic Security Act“ (CARES) unterzeichnet wurde, gab es weder einen Präsidenten Joseph Biden, auf den viele Marktteilnehmer aktuell in Sachen Stimulus die größeren Hoffnungen setzen, noch einen einheitlich dominierten Kongress. Dennoch initiierten sowohl das Weiße Haus als auch die beiden Kammern des Kongresses, also der republikanisch dominierte Senat, als auch das demokratisch dominierte Abgeordnetenhaus seit dem 3. März insgesamt vier Hilfsprogramme, die bis heute eine Dimension von insgesamt 2,8 Billionen US-Dollar angenommen haben.

Das Staatsdefizit spielte dabei selbst für die größten Gegner staatlicher Verschuldung keine Rolle. Warum sollte das im Falle einer Wiederholung einer solchen ökonomischen Notlage anders sein? Die Finanzierung ist auf jeden Fall über die US-Notenbank Fed sichergestellt.

Die Fed positioniert sich bereits

Sollte es jedoch zu keinem Wahlergebnis kommen bzw. für eine längere Zeit kein Wahlsieger feststehen, könnte immer noch ein Notkompromiss zwischen den Parteien von einer neuerlichen akuten Notlage erzwungen werden. Und selbst wenn aus unbekannten Gründen tatsächlich kein neuer fiskalpolitischer Stimulus kommen sollte, stünde immer noch die Geldpolitik bereit um einzuspringen. Verbal haben sich die US-Notenbanker längst positioniert: Sie fordern permanent neue fiskalpolitische Stimuli und haben sich selbst zusätzlich dem Ziel verschrieben, auch mithilfe der Geldpolitik die soziale Schere in den USA zu schließen.

Auch ganz praktisch war die US-Notenbank Fed in die Stützung der größten Volkswirtschaft der Welt involviert: Seit Beginn der Epidemie im Februar dieses Jahres hat die Fed ihre Bilanz durch den Ankauf von Schuldpapieren um 3 Billionen US-Dollar aufgestockt. Mit in dieser Summe enthalten sind Kreditfazilitäten für größere Unternehmen.

Um eine Kaskade an Insolvenzen zu verhindern, nahm die Fed seit Mitte Juni dieses Jahres Anleihen von Unternehmen mit weniger als 15.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von unter 5 Milliarden US-Dollar mit auf ihre Bilanz. Die eigens hierfür gestartete „Main Street Lending Facility“ ist mit einer Staatsgarantie abgesichert. Damit schließt die Fed eine Finanzierungslücke, kommen doch für staatliche Hilfen aus dem Paycheck Protection Program (PPP) ausschließlich nur Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern in Frage.

Das Besondere an diesen Kreditfazilitäten ist die Tatsache, dass die Fed erstmals direkt als Kreditgeber auftrat, ohne den Umweg über das US-Finanzministerium zu gehen. Zählt man nun diesen Tabubruch, die permanente Forderung nach neuen Stimuli und das selbst gesteckte Ziel der Schließung der sozialen Schere in den USA zusammen, dann ist der Schritt hin zu Finanzhilfen für weite Teile der US-Unternehmen, Selbstständigen und Privathaushalte direkt aus der Notenpresse nicht mehr weit. Zumindest ist es eine Art Rückversicherung für einen Stimulus in den USA im Falle einer nicht handlungsfähigen Regierung. Dies gilt übrigens auch für die anderen großen Notenbanken dieser Welt, die zum Teil mit direkten Aktienkäufen in Sachen Tabubruch in diesem Fall schon weiter sind als die US-Notenbank Fed.

Das Timing-Problem

Selbst im Falle der Entwicklung eines marktreifen Impfstoffs wird es wohl noch bis weit ins Jahr 2021 dauern, bis die Pandemie durch Impfungen und Therapien weltweit eingedämmt werden kann. Bis dahin bleiben aus Sicht der Politik v. a. Präventionsmaßnahmen die einzige effektive Möglichkeit. Dies wiederum bedeutet anhaltende wirtschaftliche Schäden bis hin zum de facto Entzug der Existenzgrundlage für ganze Branchen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Börsen auch in den USA dies verstehen. Bereits bei der ersten Pandemiewelle fiel der sprichwörtliche Groschen an den US-Märkten recht spät, dann aber sehr schnell und sehr heftig. Erst Ende Februar realisierte die Wallstreet, dass die Pandemie keinen Bogen um Amerika macht.

Ob die Amerikaner im Zuge der aktuellen Datenlage in Sachen COVID-19-Pandemie schneller schalten, ist ungewiss. Daher bleibt für Anleger das Timing-Problem die eigentliche Herausforderung. Auch deshalb, weil der Druck auf die Institutionen einen neuen Stimulus zu liefern erst dann zu Handlungen führt, wenn die Börsenkurse als Krisenbarometer hellrot aufleuchten.

Fazit und Strategieansatz

Nach wie vor ist Timing an der Börse eher eine Kunst als eine Wissenschaft und oft vom Glück begleitet. Wolfgang Müller schrieb dazu vor Kurzem einen interessanten Artikel mit dem Titel: „Aktienmärkte: Buy and Hold – nach wie vor im Vorteil?“.
In Anbetracht der Tatsache, dass ein Stimulus im Falle einer erneuten deutlichen wirtschaftlichen Abschwächung systemrelevant und damit so gut wie sicher ist, besteht wenig Grund, Vermögenswerte zu veräußern, die man mittelfristig halten möchte.

Für Trader bietet sich eine simpel anmutende Strategie an, die bereits im Frühjahr dies Jahres sehr profitabel war: Zunächst jetzt etwas Pulver trocken halten. Kommt es im Zuge sich wieder verschlechternder Konjunktur- und Unternehmenszahlen zu einem nochmaligen heftigen Rücksetzer an den Aktienmärkten, kann man in mehreren Tranchen ab dem Unterschreiten der einfachen gleitenden 200-Tage-Durchschnittslinie, z. B. beim S&P 500, in den Markt einsteigen und abwarten, bis der neue Stimulus kommt und die Märkte wieder nach oben zieht.



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6 Kommentare

  1. Ein Stimulus wirkt nur bei sich aufbauender Nachfrage. Was kommt, wenn diese ausbleibt? Sicher keine steigenden Kurse. Die Zauberlehrlinge haben fertig🚀

  2. Hallo Hr. Zipfel,
    vielen Dank für ihre wertvollen Beiträge wie auch YT Videos. Habe sie erst vor kurzem entdeckt und bin begeistert wie sie es schaffen den täglichen Noise raus zu filtern und sich auf das Wesentliche zu fokusieren. Und das sind seit gut 2 Jahren einzig und alleine, mehr und mehr, die Schulden. Und ja, diesmal ist wirklich alles ganz anders. Diesmal schaffen es die ZB´s wirklich ihre Währungen komplett gg. die Sachwerte, allen voran (Minen)Aktien und EM zu schrotten. Period! Wie der gute P.C. Martin (rip) das schon vor Jahren beschrieben hat.
    Sie hatten es in einem ihrer Videos (könnten Sie mir nochmal sagen welches?) mMn auch mit der (neuen) normatien Kraft des Faktischen beschrieben.
    Dumm leider nur dass mehr Stimulus auch mehr Sozialismus bedeuten wird. Aber die Masse will es ja so. Insofern – geliefert wie bestellt.
    Vielen Dank für ihre Erhellungen und Fokussierungen per Schrift und Video. Nur weiter so.
    Für Stimulus und Sozialismus seid bereit. Danke und Gruß A.S.
    p.s….Abstauberlimit´s für ihre Wikifolios liegen im Orderbuch :-)

  3. Der Stimulus der US-Regierung ist NICHT (!!!) systemrelevant, und der USD ist dies ebenso nicht !
    Wieso steht denn der EUR/USD bei 1,17-1.18 , offenbar aus Lux und Dollerei ? (Soviel zum Thema „Welt-Reserverwährung) Weil der USD „stark“ ist, weil der Dollar die „Nummer Eins“ ist ??

    Wohl eher nicht ?

  4. Buy and Hold im Vorteil ? Selbst Warren Buffett macht es nicht mehr. Und schauen Sie einmal ( wie gestern mit @ Michael besprochen ) verschiedene Indices an. ( Eurostoxx, CAC 40 , Nikkei und andere)
    Diese Indices sind weit von den 07 er Hochs weg. Jeff Bezos sagte: Die Halbwertszeit von grossen Firmen sei kaum länger als 30 Jahre und damit meine er auch seine Firma.
    Übrigens ein Kompliment Herr Zipfel, sie sind lernfähig, vor nicht allzulanger Zeit vertraten Sie noch die Meinung die Notenbanken könnten die Aktienmärkte für ewig hochhalten.
    Beim nächsten Stimulus müssen die Robin Hooders gezwungen werden Put- Optionen zu kaufen wenn sie gewinnen wollen !

  5. „Dabei ist es grundsätzlich für neue Finanzhilfen völlig unerheblich, wer die Wahlen Anfang November gewinnt, sofern es ein Ergebnis gibt.“

    Genau ! Ein Herr Donald Trump wird, angesichts der rekordverdächtigen Briefwahlen in der USA, wohl mit Sicherheit darauf herum trommeln, dass, wenn es kein eindeutiges Ergebnis gäbe, man das Ergebnis der Briefwahlen abwarten müsste.

    Ein Herr Donald Trump ist kein Politiker, dies hat er selbst gesagt ! Er wurde aus seiner Sicht als Retter Amerikas gewählt „America first“/Heiland freiwilligst vom amerikanischen Volk gewählt, weil er, aus seiner Sicht, die „normalen Politiker“ übertrifft. Und das kann man wohl sagen…

  6. Und genau deswegen, weil ein Herr Trump kein „normaler“ Politiker ist/sei.
    Muss es einen Wechsel geben, da gibt es einiges, auch gegenüber Deutschland „zurecht zurücken“ !
    Und auf einen Twitter-Präsidenten,der die USA wohl noch weiter auf die rechte Seite ziehen will … ?
    Welcher sich immer noch wie ein Elefant im Porzellanladen verhält, brauchen die USA dies wirklich ?

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