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Der VW-Deal mit den USA: Merkwürdigerweise ein Desaster für die Umwelt (Update 17:10 Uhr)

Volkswagen zahlt wie aus bereits veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervorgeht, in den USA eine Strafe von 14,7 Milliarden Dollar. Die Summe wird verwendet für den…

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FMW-Redaktion

Volkswagen zahlt wie aus bereits veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervorgeht, in den USA eine Strafe von 14,7 Milliarden Dollar. Die Summe wird verwendet für den Rückkauf von Autos, Entschädigungen, Strafzahlungen an zwei Umweltbehörden usw.

Jetzt könnte man logischerweise annehmen, dass VW all die zurückgenommenen Autos kurz umrüstet, und als Gebrauchtwagen zurück in den Markt gibt, vielleicht noch mit einem Warnhinweis versehen, dass das vorher mal ein Auto mit Betrugssoftware war, und dass jetzt aber alles in Ordnung ist. Mit einem großen Rabatt dürften sich in den USA dafür jede Menge Käufer finden lassen, was den finanziellen Schmerz bei VW ziemlich stark mildern dürfte. Aber dem ist wohl nicht so. Alle zurückgenommenen Autos, von denen viele noch ziemlich neu sind, werden wohl in den USA in der Schrottpresse landen. Denn anscheinend ist VW immer noch nicht in der Lage die Autos von der Betrugssoftware so zu befreien und den Diesel so umzurüsten, dass man den Umweltauflagen entspricht – zumindest nicht zu vertretbaren Kosten. Die scheinen so hoch zu sein, dass man anscheinend alle verschrotten muss.

Das legen zumindest Informationen der „Welt“ nahe, die aus verlässlichen Quellen auch erfahren hat, dass eine Ausfuhr der Autos raus aus den USA und ein Verkauf in Drittstaaten nicht erlaubt wird. Es sei egal, ob andere Länder weniger scharfe Umweltauflagen hätten. Erfülle der Hersteller die Auflagen in den USA nicht, dürften sie auch nicht exportiert werden – es seien illegale Produkte. Keine Umrüstung = Verschrottung. Nimmt man an, dass mehrere hunderttausend Eigentümer ihre Diesel-Autos bei VW zurückgeben, wäre das eine gigantische Schrotthalde.

Die Logik dieses Exportverbots und Wiederverkaufsverbots ist nachvollziehbar. Aber die Umweltfolgen sind desaströs. Alle Autobesitzer, die ihren VW jetzt zurückgeben können, kaufen sich natürlich neue Autos. Die müssen alle neu gebaut werden mit enormem Energieaufwand und den damit verbundenen negativen Folgen für die Umwelt. Also: Rein umwelttechnisch gesehen ein verdammt schlechter Deal!

Die Aktie von VW bewegt sich nach dieser Nachricht fast gar nicht – sie dümpelt um die 110 Euro herum. Kein Jubel an der Börse. VW hatte zwar bisher 16 Milliarden Euro zurückgelegt für die Kosten der Dieselaffäre, aber mit der Einigung in den USA ist diese Rücklage fast aufgezehrt. Alle anderen Klagen und Strafen außerhalb der USA stehen ja noch aus. Und ob da 1,6 Milliarden Euro Restreserve noch ausreichen, ist mehr als zweifelhaft. Dennoch, in den USA macht VW damit wertvolle Fortschritte – da hatten Horrorszenarien ja schon ganz andere Summen aufgerufen!


Update 17:10 Uhr:

VW hat soeben eine offizielle Erklärung abgegeben. Hier der wichtigste Teil im Original:

Die Volkswagen AG hat heute bekannt gegeben, dass sie mit dem US-Justizministerium (Department of Justice, DOJ) und dem Bundesstaat Kalifornien sowie der Federal Trade Commission (FTC) und privaten Klägern, die durch das Steuerungskomitee der Kläger (Plaintiffs‘ Steering Committee, PSC) vertreten werden, Vergleichsvereinbarungen geschlossen hat. Damit sollen zivilrechtliche Ansprüche im Zusammenhang mit in Frage kommenden 2,0l-TDI-Dieselfahrzeugen von Volkswagen und Audi in den USA beigelegt werden. Von rund 499.000 2,0l-TDI-Fahrzeugen, die für den Verkauf in den Vereinigten Staaten produziert wurden, sind gegenwärtig rund 460.000 Volkswagen und 15.000 Audi-Fahrzeuge in Gebrauch – sie kommen für Rückkäufe, Leasingrücknahmen oder behördlich genehmigte technische Anpassungen in Frage. Volkswagen wird einen Fonds zur Finanzierung des Programms für 2,0l-TDI-Fahrzeuge in Höhe von maximal 10,033 Milliarden US-Dollar einrichten. Diese Summe basiert auf einer Teilnahmequote von 100 Prozent sowie der Annahme, dass sich 100 Prozent der in Frage kommenden Kunden entweder für einen Rückkauf oder eine vorzeitige Leasingrücknahme entscheiden.

Die Vereinbarungen im Zusammenhang mit dem angestrebten 2,0l-TDI-Vergleichsprogramm bedürfen noch der Genehmigung von Richter Charles R. Breyer vom United States District Court for the Northern District of California, der das bundesweite MDL-Verfahren (Multi-District Litigation) zur Diesel-Thematik leitet.
Volkswagen hat außerdem bekannt gegeben, dass es mit den Attorney Generals von 44 US-Bundesstaaten, dem District of Columbia und Puerto Rico übereingekommen ist, bestehende und mögliche künftige Verbraucherschutzklagen im Zusammenhang mit der Diesel-Thematik (State Consumer Protection Claims) für einen Vergleichsbetrag in Höhe von insgesamt 603 Millionen US-Dollar beizulegen.

„Wir nehmen unseren selbst gesetzten Auftrag, das Richtige zu tun, sehr ernst und sehen in diesen Vereinbarungen einen wichtigen Schritt nach vorn“, so Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG. „Wir wissen das konstruktive Zusammenwirken aller Beteiligten zu schätzen und sind unseren Kunden sehr dankbar für ihre Geduld auch im weiteren Verlauf dieses Verfahrens. Wir sind uns bewusst, dass wir noch viel tun müssen, um das Vertrauen der Menschen in Amerika zurückzugewinnen. Dabei gilt unser Augenmerk der Lösung der noch offenen Fragen. Wir werden Volkswagen zu einem besseren und stärkeren Unternehmen machen und unser Ziel, einer der weltweit führenden Anbieter nachhaltiger Mobilität zu werden, konsequent verfolgen.“

Dem Gericht wurden drei Vereinbarungen als Bestandteil des 2,0l-TDI-Vergleichsprogramms zur Genehmigung vorgelegt: (1) ein sogenannter Consent Decree, eine vom US-Justizministerium (DOJ) für die Environmental Protection Agency (EPA) und vom Bundesstaat Kalifornien über das California Air Resources Board (CARB) sowie den kalifornischen State Attorney General gemeinsam eingereichte Vereinbarung; (2) eine von der Federal Trade Commission (FTC) eingereichte Vergleichsverfügung (Consent Order); und (3) ein angestrebter Vergleich mit dem PSC im Namen eines bundesweiten Kläger-Zusammenschlusses derzeitiger und bestimmter früherer Eigentümer und Leasingnehmer von betroffenen 2,0l-TDI-Fahrzeugen der Marken Volkswagen und Audi mit dem Ziel der Beilegung der Sammelklage. Die Parteien sind davon überzeugt, dass die bei Gericht eingereichten Vereinbarungen eine faire und angemessene Lösung für die betroffenen Kunden von Volkswagen und Audi darstellen. Volkswagen wird weiterhin zügig daran arbeiten, für betroffene Fahrzeuge mit 3,0l-TDI-V6-Dieselmotor eine einvernehmliche Lösung zu erreichen.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    leser

    28. Juni 2016 16:46 at 16:46

    Vorschlag: Die betroffenen Autos werden nicht zerstört, sondern VW überlässt sie dem deutschen Staat als Kompensation für die erlittenen Steuerausfälle. Die Autos werden dann in einem zweiten Schritt genutzt, um afrikanischen Ausreisewilligen oder bereits Ausgereisten den Verbleib oder die Rückkehr schmackhaft zu machen. Positiver Nebeneffekt: Die Grundlagen für einen neuen Absatzmarkt in Afrika werden gelegt.

  2. Avatar

    sabine

    29. Juni 2016 20:04 at 20:04

    Sehr guter Artikel. Vielen Dank.
    (Bin bei großem Audi-Zulieferer, und wir haben genau das diskutiert! Die Usa wollen die großen Autohäuser verkleinern. Und das geht mit Exportverbot usw. eben besser, als mit Umweltschutz! Letzteres ist wie beim Klimawandel nur Schauplatz für die Lügenpresse. In München wird mittlerweile eine strengere Plakette als die Grüne in Erwägung gezogen. Denn der jahrelange Zwang zur Grünen Plakette hatte nun nachgewiesenermaßen keinerlei Reaktion auf die Luft in München. Fördert die Wirtschaft. So nebenbei.

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Börse: Die Stimulus-Schecks und der große Börsen-Hype

Wiederholt sich das Muster an der Börse aus der ersten Corona-Welle? Damals stiegen Kleininvestoren ein, und nun kommen neue Schecks!

Wolfgang Müller

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Was sich im letzten Sommer durch die großzügigen Schecks der US-Regierung zur Unterstützung der Arbeitslosen an der Börse gezeigt hat, wiederholt sich mit den 600 Dollar-Schecks seit Jahresanfang in verschärfter Form. Man zockt mit dem staatlichen Geld immer zügelloser, in Pennystocks und in Optionen. Jetzt kommt bald die Aufstockung auf 2000 Dollar durch die Biden-Regierung – wird dies der Höhepunkt der Manie der Börse?

Börse: Corona und die Generation RobinHood

Es war ein großes Thema im Coronajahr 2020, die allein schon beim Neobroker RobinHood auf 13 Millionen, vorwiegend junger Anleger angewachsene Schar neuer und junger Investoren, die ihre Freizeit genutzt haben, um nahezu gebührenfrei an der Börse zu zocken. Zunächst mit den großen Aktien aus dem „Stay-at-Home-Umfeld“, Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft, Nvidia, oder Zoom und natürlich Tesla. Aber da dies so gut geklappt hatte, dann auch mit Hebelprodukten aus dem Optionsbereich. Was die Stillhalter dazu genötigt hatte, teure Aktien zur Absicherung auch noch nachzukaufen, Stichwort Gamma-Absicherung. Die Hausse nährte ständig die Hausse. Dies ist natürlich den großen Häusern in den USA nicht verborgen geblieben. Goldman Sachs holte sich die Liste der meist nachgefragten Aktien bei den Billigbrokern und bei den Favoriten der Hedgefonds – und siehe da, die Lieblinge der RobinHoodies schlugen die Benchmark und die Profis um Längen.

2020: S&P 500, plus 16 Prozent – Hedgefonds plus 40 Prozent – und die RobinHooder plus 80 Prozent. Dies ist natürlich nicht die Performance der Depots, sondern die Berechnung der Performance der Favoriten.

Das neue Thema Pennystocks

Das Jahr 2021 entwickelt sich in Teilbereichen noch extremer als das Jahr 2020. Die jungen Spekulanten hatten bemerkt, dass sich nach den Wahlen im November und der großen Impfstoffstory ein Favoritenwechsel ergeben hat, weg von Big Growth und Value, hin zu kleinen Nebenwerten. Überaus deutlich ersichtlich an der Performance des Russel 2000, der allein von Anfang November bis dato von 1520 auf 2150 Punkte gestiegen ist. Ein Index, wohlgemerkt, in dem sich so viele Titel befinden, die gar keine Gewinne machen, seit Jahren „Zombies“ genannt. Manch erfahrener Börsianer wird sich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben, angesichts der Kurssprünge einiger kleiner und eigentlich unbekannter Aktien aus dem Feld der Pennystocks.

Das extremste und am meisten zitierte Beispiel ist eine Firma aus der Medizintechnik, Signal Advance. Infolge einer Verwechslung aufgrund eines Musk-Tweets: „Buy Signal“ hatte sich der Pennystocks schlicht verdreiundzwanzigfacht. Nicht ganz so extrem, aber immerhin auch schon mit 120 Prozent plus, notierte GameStop, eine Firma aus der Videobranche. Ob Energiesektor, Elektromobilität, Wasserstofftechnologie, Solar oder sogar Aktien, die sich der Pleite genähert haben, Hauptsache billig, dann wird damit herumgezockt.

Das Volumen der gehandelten Billigaktien hatte bereits im Dezember die Billionengrenze erreicht.

Stimuli, oder die staatliche Quelle für das Zocken

Wie bereits angedeutet, viele Anleger hatten anscheinend nur darauf gewartet, dass der Staat ihnen endlich die lange erwartete Unterstützung mittels der 600 Dollar-Schecks zusandte. Der Beweis für diese Annahme ist der Anstieg des Handelsvolumens bei Pennystocks – Over the counter (OTC), also außerbörslich, der sich nach dem Erhalt der Schecks glatt fast versechfacht hatte.

Was bedeutet dies für die nahe Zukunft? Der neue US-Präsident hat letzte Woche sein 1,9 Billionen Dollar schweres Stimulusprogramm angekündigt, welches noch der Billigung durch den Kongress bedarf.

Eine Aufstockung um 1400 Dollar und es könnten weit über 100 Millionen Amerikaner in den Genuss der staatlichen Stimulus-Schecks geraten.

Wird sich das Verhalten der neuen Generation Anleger ein weiteres Mal wiederholen und das Geld unmittelbar wieder an der Börse landen, bei Werten, von denen unsereins noch gar nichts gehört hat?

Ein nochmaliger kurzfristiger Boom?

Daran sieht man einmal mehr, warum statistische und saisonale Annahmen stets mit Vorsicht zu genießen sind. Jedes Jahr, jeder Zyklus ist anders und bietet ständig Überraschungen. Wer hätte vor einem Jahr daran gedacht, dass kleinste Anlegergruppen mit staatlicher Stütze einen Einfluss auf die Kurse an der Börse ausüben können?

Fazit

Wieder ein Zeichen für eine Bubble an der Börse, die aber wie immer erst dann festgestellt wird, wenn sie geplatzt ist? Jede Übertreibung ist anders als die vorherige und die aktuelle Phase ist durch Umstände befördert worden, die es in dieser Kombination auch noch nicht gegeben hat. Die Notenbanken haben durch ihre Marginalisierung des Zinses den Aktienmarkt zu einer dominanten Anlageklasse gemacht, dann haben die neuen Broker die Handelsgebühren abgeschafft und das Handeln mit ganz niedrigen Beträgen möglich gemacht und zuletzt hat Vater Staat auch noch das nötige Spielgeld zur Verfügung gestellt, ungewollt. 2020 war es die Arbeitslosenunterstützung, die in manchen Staaten über 4000 Dollar pro Monat betragen hat, mehr als der Arbeitnehmer mit seiner Arbeit verdienen konnte. Dann kamen die 600 Dollar-Schecks und jetzt die nochmalige Aufstockung durch die neue US-Regierung.

Was mich wieder einmal in meiner These bestätigt, wann der Rally an der Börse sehr deutlich der Stecker gezogen werden könnte: Wenn die Wirtschaft ohne staatliche (Not-)Versorgung läuft, das Zinsniveau nur ein wenig weiter ansteigt und zusätzlich den jungen Zockern die staatlichen Schecks verwehrt werden.

Der Einfluß der Stimulus-Schecks auf die Börse

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