Der Nasdaq 100 eilt von Rekord zu Rekord, doch ausgerechnet der Anleihemarkt sendet ein Warnsignal, das Anleger derzeit weitgehend ignorieren. Während die KI-Euphorie die Kurse weiter antreibt und der Index seit seinem Tief im Frühjahr um mehr als 30 Prozent zugelegt hat, steigen gleichzeitig die Risiken für die Tech-Rallye. Besonders die Entwicklung der US-Anleihenrenditen könnte sich in den kommenden Wochen als entscheidender Faktor erweisen. Sollten die Renditen weiter anziehen, könnte die beeindruckende Aufwärtsbewegung des Nasdaq 100 deutlich stärker unter Druck geraten als viele Marktteilnehmer derzeit erwarten.
Rallye im Nasdaq 100 läuft extrem heiß
Auf den ersten Blick scheint die Lage klar: Der Nasdaq 100 befindet sich in einem nahezu ungebremsten Aufwärtstrend. Die großen Technologiewerte führen den Aktienmarkt an, neue Höchststände werden erreicht und die Stimmung unter grenzt bereits an Euphorie.
Doch unter der Oberfläche mehren sich die Warnzeichen. Der Wochen-RSI des Nasdaq 100, der das Momentum misst, notiert bereits im Bereich von 78 Punkten und nähert sich damit einem extrem überkauften Niveau. Gleichzeitig zeigen sich im Tageschart erste bärische Divergenzen. Hinzu kommt die nahezu parabolische Aufwärtsbewegung seit dem Tief Ende März. Die Börsengeschichte zeigt immer wieder, dass solche Fahnenstangenbewegungen früher oder später korrigiert werden.
Während sich viele Anleger derzeit vornehmlich auf den KI-Boom, Unternehmensgewinne oder den Iran-Konflikt konzentrieren, gerät ein anderer Markt zunehmend aus dem Blickfeld: der Anleihemarkt. Ausgerechnet dort könnte sich der mögliche „Börsenkiller“ für die Nasdaq-Rallye verstecken.
Der wahre Börsenkiller
Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe notiert weiterhin im viel beachteten Bereich von 4,5 Prozent. Noch bemerkenswerter ist die Entwicklung am langen Ende der Zinskurve: Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe hat die Marke von 5 Prozent erneut erreicht.
Warum das wichtig ist? Weil der KI-Boom zunehmend auf Pump finanziert wird. Der Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur verschlingt inzwischen gewaltige Summen. Deshalb sind selbst finanzstarke Technologiekonzerne verstärkt auf den Kapitalmarkt angewiesen. Steigende Anleiherenditen werden dadurch gleich doppelt zum Problem: Sie drücken auf die Bewertung von Technologieaktien und verteuern zugleich die Finanzierung der KI-Offensive.
Der Markt hat bereits mehrfach gezeigt, wie sensibel Technologieaktien auf steigende Renditen reagieren. Als die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe im Frühjahr 2024 in Richtung 4,7 Prozent stieg, geriet die damalige Rallye deutlich unter Druck. Der Nasdaq 100 korrigierte zwischenzeitlich um rund 7 Prozent. Auch Anfang 2025 sorgte ein erneuter Renditeanstieg für eine spürbare Ausbremsung der Aufwärtsbewegung an den US-Börsen.
Ölpreis als Brandbeschleuniger
Besonders brisant wird die Situation durch die jüngste Entwicklung beim Ölpreis. Die Unsicherheit rund um den Iran-Konflikt sorgen erneut für steigende Energiepreise. Neue Angriffe auf Ziele in Kuwait und weitere US-Schläge gegen iranische Militärstellungen zeigen, wie fragil die aktuelle Waffenruhe tatsächlich ist. Jede weitere Eskalation könnte die Ölpreise wieder über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel treiben und damit den Inflationsdruck erneut erhöhen.
Die Kette dahinter ist für die Finanzmärkte entscheidend: Steigende Ölpreise erhöhen die Inflationserwartungen. Höhere Inflationserwartungen erschweren Zinssenkungen der US-Notenbank. Die Zinsen dürften also länger hoch bleiben. Sollte sich die Inflation nicht abkühlen, könnte selbst eine Zinserhöhung der Fed nicht vollständig ausgeschlossen werden. In der Folge könnten auch die Anleihenrenditen weiter steigen. Genau dieser Mechanismus könnte die zuletzt heißgelaufene Nasdaq-100-Rallye in den kommenden Wochen zunehmend unter Druck setzen.
Kein Crash-Signal, aber eine Warnung
Damit rückt eine Marke besonders in den Fokus der Anleger. Solange die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe im Bereich von 4,5 Prozent bleibt, ist die Situation zwar angespannt. Sollte sie jedoch wieder in Richtung 4,7 Prozent steigen, würde das die Gefahr eines spürbaren Rücksetzers im Nasdaq 100 deutlich erhöhen. Ein Anstieg in Richtung 5 Prozent wäre dagegen eine Eskalationsstufe. Genau dann könnte aus dem Warnsignal ein echter „Börsenkiller“ für die Nasdaq-Rallye werden.
Noch gibt es keine Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Börsencrash. Die Aufwärtstrends bei den großen US-Indizes sind intakt und die KI-Euphorie sorgt weiterhin für starke Kapitalzuflüsse.
Dennoch könnte der Anleihemarkt aktuell das wichtigste Warnsignal für Anleger liefern. Während der Nasdaq 100 immer steiler steigt, wachsen gleichzeitig die Risiken im Hintergrund. Genau diese Diskrepanz macht die Entwicklung der Anleihenrenditen derzeit zu einem der spannendsten und möglicherweise gefährlichsten Themen für die weitere Börsenentwicklung.
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So wie in 2000… als die FED den Leitzins auf 6,5 Prozent erhöhte und damit die Rallye abwürgte….
Die FED Bilanz spielte damals noch gar keine Rolle…Sie müsste damals bei um die 750 Milliarden US-Dollar gelegen haben…heute mehr als das Achtfache…
Auch damals war der Boom fast ausschließlich auf Kredit finanziert…die Blase platzte auch deshalb… weil sich Alan Greenspan weigerte ….ein QE Programm aufzuziehen…