Asien

Der Welthandel schmiert ab

Wir erleben derzeit in praktisch jeder Hinsicht einen Rückschlag der Globalisierung: das gilt geistig-ideologisch, das gilt aber auch für den Welthandel..

FMW-Redaktion

Wir erleben derzeit in praktisch jeder Hinsicht einen Rückschlag der Globalisierung: das gilt geistig-ideologisch dem verstärkten Trend der „Tribalisierung“ (von englisch „tribe“ = der Stamm) in Gestalt neokonservativer Bewegungen, die eine Rückkehr zur Nation, „Volk“ oder Nationalstaat wollen. Das gilt aber auch für den Welthandel, also für das, was derzeit faktisch bei den Handelsströmen zu beobachten ist.

Bekanntlich werden ca. 95% des Welthandels über die Schifffahrt abgewickelt. und hier sind es die Container-Transporte, die den Handel dominieren. Insofern macht es Sinn, sich die Umsätze mit Containern anzusehen, wenn man wissen will, wie es um den globalen Handel steht.

Containerschiff
Abnehmender Welthandel, weniger Container
Foto: Bernhard Fuchs, wikipedia http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Und genau das tut regelmäßig das in Essen ansässige Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), das einen Index für Containerumschlag berechnet:

„In den Index gehen die vom ISL im Rahmen seiner Marktbeobachtung fortlaufend erhobenen Angaben zum Containerumschlag in 81 internationalen Häfen ein, die rund 60% des weltweiten Containerumschlags tätigen.“

Also eine sehr breite Datenbasis, auf das sich das RWI stützen kann – und dabei auch auf Daten des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) zurückgreift. Heute nun hat das RWI den Containerumschlag-Index für den Mai nach unten revidiert, von 117,9 auf nun 116,8 Punkte – das ist der niedrigste Stand seit Ende 2013.

Der Grund für diese Entwicklung dürfte einerseits die Abkühlung Chinas sein. Andererseits aber, und das scheint uns fast noch entscheidender, stehen wir am Beginn einer Entwicklung, die das Rad der Globalisierung gewissermaßen zurück drehen wird: durch die Automatisierung werden mehr und mehr Dinge wieder im Westen produziert, die zuvor in Billiglohn-Länder verlagert worden waren. Wenn Maschinen den Kostenvorteil egalisieren, den billige Arbeit in Afrika oder ärmeren asiatischen Ländern hat, dann wird es für die betroffenen Länder noch schwerer. Für die Produzenten aber entfallen die Transportkosten, zudem sind die Produkte damit viel schneller am Kunden, als wenn man etwa in Kambodscha, Bangladesh oder Äthopien fertigen lassen würde.

All das bedeutet: das globale Dorf – also der von Marshall McLuhan geprägte Begriff „global village“ – wird auf fast dialektische Weise zu einer neuen Realität, anders als zuvor durch die von McLuhan gemeinte Digitalisierung, und anders als es der Medientheoretiker damals noch meinte: wir sind so globalisiert, dass wir wieder ins Dorf zurück kehren. Dieses Bedürfnis ist stark, es ist der neue große Trend, der von der Entwicklung in Technologie und Handel noch weiter befördert wird..



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