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War die Zinssenkung ein Fehler? Desorientierung nach Fed-Zinssenkung: Anleihemarkt als Barometer

Kristallkugel Anleihemärkte

Foto: Bloomberg

Die Marktreaktionen nach der Bekanntgabe der 25 Basispunkte-Leitzinssenkung der Fed mit leicht hawkischer Powell-Pressekonferenz im Anschluss hat die Algos (maschinelle Trading-Algorithmen) wohl ebenfalls etwas ratlos zurückgelassen: der Anleihemarkt gibt seltsame Signale!

Desorientierung nach Fed-Zinssenkung

Jedenfalls kamen unter starken Schwankungen so ziemlich alle Assets unter Druck, um sich im Nachgang zu erholen und umgekehrt. Es scheint also so zu sein, dass der Glaube an die weitere Rally nicht mehr felsenfest festgezurrt scheint. Jedenfalls scheinen die Vorgaben in den ehrwürdigen Hallen der Schattenbanken und Smart Money nicht wie bisher zu einer relativ einheitlichen Marktreaktion geführt zu haben, was auf eine gewisse Verunsicherung insbesondere beim weiteren Zins-Pfad hindeutet. Das ist eigentlich umso erstaunlicher, als ja genau das eingetreten ist, was der Markt erwartet hatte!

Was kommt, nachdem sich der erste Staub gelegt hat?

Der geneigte Beobachter wartet ohnedies besser, bis sich der erste Staub gelegt hat, um Schlüsse zur Interpretation der Marktbewegungen zu ziehen. Sollte man hier doch klarere Worte zu den restlichen beiden Sitzungen der Fed erwartet haben, ließe das auch den Schluss zu, dass in manchen Chef-Büros der Wallstreet die Situationseinschätzung zum Zustand der US-Ökonomie möglicherweise ebenfalls prekärer ist, als bisher vermutet. Man denke nur an die zuletzt sehr plakativ und aggressiv kommunizierten Einschätzungen von Wall Street-Analysten zur weiteren Rally insbesondere des S&P 500.

Was wird also in den nächsten Tagen tatsächlich interessant sein zu sehen?

Der wohl entscheidende Punkt, der sich nun zeigen wird ist, ob die Fed tatsächlich noch das geldpolitische Zepter in der Hand hält. Das wurde ihr mit doch ziemlicher Wucht bei der ersten unerwartet großen Zinssenkung im September 2024 um 50 Basispunkte und für alle sichtbar bei den Kapitalmarktzinsen am langen Ende aus der Hand geschlagen: Die Anleiherenditen (Kapitalmarktzinsen) stiegen trotz Zinssenkung der Fed.  Ein eindeutiges Signal der Anleihemärkte, dass mit einer steigenden Inflationserwartung auch der Preis des Geldes steigt, weil höhere Risikoprämien gefordert werden.

Eine Leit-Zinssenkung (und deren Projektion) war, und ist immer ein Scheideweg, weil es immer den Beigeschmack eines Schwächesignals hat. Auch diesmal deutet Powell eine „prophylaktische“ Schutzmaßnahme für den Arbeitsmarkt und somit in weiterer Folge für die Konjunktur an.

Soft landing nach wie vor möglich?

Das Ziel soll es also sein, mit der Senkung mal etwas Ruhe in den Karton zu bekommen, indem der Markt – explizit der Aktienmarkt – vordergründig das bekommt, was er wollte. Damit verbunden natürlich die Hoffnung auf ein Soft landing der US-Wirtschaft – ein moderater Abschwung bei BIP-Wachstum und Arbeitsmarkt bei gleichzeitiger Kontrolle der Inflation auf plus/minus aktuellem Niveau.

Die Kristallkugel Anleihemärkte

Entscheidend ist nun allerdings vielmehr, wie sich der Anleihemarkt in den nächsten Tagen und Wochen verhält. Zeigt er mit einem schon aus der ersten Zinssenkung bekannten Muster, wie er die Lage tatsächlich einschätzt und potentiell die Leitzinssenkung in eine Kapitalmarktzinserhöhung umwandelt, wäre das wohl ein Hinweis auf ein bevorstehendes Anziehen der Inflation. Das bedeutet aber paradoxerweise, dass damit auch ein weiterhin relativ starker Konsument (zumindest das oberste Perzentil) und relativ stabiler Arbeitsmarkt zu erwarten ist. Das wird allerdings die Situation im Kreditbereich bei den ohnedies schon geschwächten niederen Einkommen noch weiter zur Eskalation bringen.

Sinken die Kapitalmarktzinsen nun im weiteren Trend tatsächlich im Gleichschritt mit den gesenkten Leitzinsen, ist das allerdings im Umkehrschluss wesentlich deutlicher als Schwächesignal zu interpretieren. Der Anleihemarkt würde mit Verzicht auf erhöhte Risikoaufschläge nur so reagieren, wenn die Inflation nicht wieder ansteigt, also Preiserhöhungen beim Konsumenten nicht mehr durchsetzbar sind. Was aber im aktuellen Zollumfeld bedeutet, dass es zu einer Margenkontraktion bei den Unternehmen und einem Bewertungsproblem kommt.

Diese Unsicherheiten spiegeln sich in den Marktreaktionen weiterhin wider, und werden über die nächsten Wochen wohl weiterhin „verhandelt“. Ob dem Fluglotsen Powell das Softlanding der Jumbos gelingt, ist auch durch die sehr ungenauen Messinstrumente der Maschine (Makrodatenerhebung der US-Behörden) ein fragliches Unterfangen. Der Höhenmesser ist beim Landen im Nebel nicht ganz unwichtig, um die Runway zu treffen..



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