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Deutlicher Rückgang beim Wohnungsbau in Deutschland – weiter steigende Mieten voraus?

Ja, das darf man sogar als dramatischen Rückschritt beim Wohnungsbau in Deutschland bezeichnen, was das Statistische Bundesamt da heute früh verkündet hat…

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Ja, das darf man sogar als dramatischen Rückschritt beim Wohnungsbau in Deutschland bezeichnen, was das Statistische Bundesamt da heute früh verkündet hat. Aber zunächst mal die einzige gute Zahl: Die Genehmigungen von neuen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern legte von Januar-April gegenüber dem Vorjahr um 2,5% oder 1300 Wohnungen zu. Nicht gerade viel, aber immerhin noch ein winziges Plus. Aber auch das ist noch nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Ansonsten sieht es richtig düster aus. Wenn das ein Jahrestrend wird, ist der Bauboom vorbei, obwohl die Wohnungsknappheit immer größer werden dürfte, wenn hunderttausende Flüchtlinge nach und nach aus den Wohnheimen auf den freien „normalen“ Wohnungsmarkt drängen.

Dass auf ganz Deutschland gesehen alleine schon deswegen der Bedarf an neuen Wohnungen explodiert, dürfte eigentlich klar sein. Aber die Preise für die bestehenden Wohnungen und neu gebaute Wohnungen dürften weiter rapide steigen, wenn man die folgenden Zahlen sieht. Von Januar-April im Vergleich zum Vorjahr sind die Baugenehmigungen von Neubauwohnungen 5,9% beziehungsweise 5800 Wohnungen niedriger ausgefallen. Die Einzeldaten sehen noch düsterer aus. Zitat Statistisches Bundesamt:

Die Baugenehmigungen für Wohnungen in Einfamilienhäusern (– 15,7 % beziehungsweise – 5 300 Wohnungen) und in Zweifamilienhäusern (– 6,5 % beziehungsweise – 500 Wohnungen) gingen dagegen zurück. Die Genehmigungen für Wohnungen in Wohnheimen sind ebenfalls gesunken (– 16,8 % beziehungsweise – 1 300 Wohnungen). Zu dieser Kategorie zählen unter anderem Flüchtlingsunterkünfte. Die Zahl der Wohnungen, die durch in den ersten vier Monaten 2017 genehmigte Um- und Ausbaumaßnahmen an bestehenden Gebäuden entstehen sollen, ging um 4 800 Wohnungen beziehungsweise 28,6 % zurück.

Wie schon gesagt: Die Konsequenz dürfte logisch sein. Die Mietpreisbremse wird (wie zuletzt immer wieder von diversen Medien berichtet) von Vermietern großflächig tapfer ignoriert. Welches staatliche Personal soll die Einhaltung der Richtlinie überprüfen? Es ist nicht vorhanden. Es geht also weiterhin nach dem einfachen Prinzip von „Angebot und Nachfrage“. Eine dramatische Zunahme auf der Nachfrage-Seite, aber ein bestenfalls moderat steigendes Angebot. Ein Traum für Vermieter.

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    gerd

    19. Juni 2017 10:42 at 10:42

    Falls dann auch noch die Zinsen etwas hochgehen sollten, ist ganz vorbei.

    Dann werden die kleinen Leute leider noch deutlicher merken, dass Humanität ihren Preis hat. Zumindest für sie – nicht für die von der Bevölkerungszunahme profitierenden Wohnungsvermieter.

    Ich hatte mich vor Jahren schon gewundert, wieso die (auch börsennotierten) Wohnungsgesellschaften Bestände an Wohnungen en masse aufgekauft haben, obwohl für einen naiven Laien keine Aussicht auf Rendite gegeben schien. Runtergekommen waren sie zum Großteil, weil es auch massive Leerstände gab. Insbesondere auch im Ruhrgebiet.

    An jeder dieser WohnungsAGs ist Blackrock beteiligt. Und die haben bestimmt schon damals gewusst, was in die Wege zu leiten ist, um die Wohnungen mit Menschen aufzufüllen.

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    frank.trg

    19. Juni 2017 10:56 at 10:56

    Sorry, aber die Aussagen des Artikels und die Deutung der Zahlen ist nicht gerade gut durchdacht. Man muss doch da einige wichtige Faktoren berücksichtigen. Die Zahlen aus 2016 sind relaitv hoch, weil 2016 überproportional viele Flüchtlingsunterkünfte gebaut wurden. 2017 ist die Zahl der Flüchtlingsunterkünfte stark zurückgegangen und genau das schlägt sich hier in den Zahlen nieder. Weiter sind dies „nur“ Quartalszahlen und aus einem Quartal kann man mMn keine validen Schlüsse ziehen. Und die Pauschalaussage dass es zu wenige Wohungen gibt ist schlichtweg falsch. Erst heute wurde ein Bericht veröffentlicht, dass es insgesamt keine Knappheit an Wohnungen gibt. In den Städten ja, auf dem Land nicht. Hier gibt es sogar ein Überangebot an Wohnungen. Und wer sagt dass es in Zukunft nicht sogar wieder eine Landflucht gibt. Das ist nun reine Spekulation von mir, aber genauso ist es Spekulation wenn man einfach annimmt dass die Großstädte weiter wachsen müssen. Und abgesehen von den vielen Migranten schrumpft die Bevölkerung. Die Geburtenraten sind nach wie vor extrem gering und das ist ein Langzeitfaktor der sich auf den Wohnungsmarkt auswirken wird.

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      gerd

      19. Juni 2017 11:12 at 11:12

      Eine Aussage aus der Studie picke ich raus:
      Auf dem Land würden in bestimmten Regionen zu viele Einfamilienhäuser gebaut. Die würden gar nicht gebraucht.
      Ich frage mich, ob die Studienverfasser das besser wissen wollen, als der jeweilige Bauherr, der sich auf sein neues Häuschen freut. Solche Haustypen werden nämlich in der Regel nicht gebaut, um sie zu vermieten sondern weil man sie selbst brauchen möchte.

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        frank.trg

        19. Juni 2017 11:21 at 11:21

        würde ich auch so generell auch so sehen. Wer auf dem Land baut, baut nicht um zu vermieten sondern um selbst drin zu wohnen. Aber es gibt schon auch Bauträger die einfach mal ein paar Reihenhäuser auf dem Land aufstellen. Bei uns im Münchner Umland ist das besonders stark ausgeprägt. Da wird ohne Rücksicht auf Landschaft um Umland eine hässliche Pappschachtel nach der anderen in die Pampa gestellt. Styropordämmung und viel Plastik, Minigärten mit Koniferen. Ergebnis ist die totale Zersiedelung, viele Neubewohner die überhaupt nicht mit der Gegend verbunden sind. Ortskerne sterben trotzdem aus, Einkäufe werden im nächsten Industriegebiet gemacht, es sind reine Schlafstädte ohne Leben. Politik und gierige Landwirte befördern diese Entwicklung.

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          gerd

          19. Juni 2017 11:37 at 11:37

          Aber Sie wollen jetzt nicht sagen, dass die in der dortigen Peripherie nicht dringendst gebraucht werden? Und zwar heute, bzw. am besten gestern schon.
          Sie brauchen nicht antworten – ich weiß, dass Sie das nicht wirklich damit sagen wollten.

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            frank.trg

            20. Juni 2017 13:21 at 13:21

            Das ist Ansichtssache. Sicherlich besteht eine hohe Nachfrage, aber man kann ja trotzdem einige Fehlentwicklungen der Zersiedelung anprangern und dagegen vorgehen. Die negativen Entwicklungen sind ja enorm und da sollte man sich schon fragen ob man das weiterhin so befördern will. Will man kaputte Landschaften und Dorfstrukturen zerstören? Muss man ein Industriegebiet nach dem anderen errichten und wertvolle Flächen versiegeln? Jeden tag werden alleine in Bayern 18 Hektar verbaut, das ist erschreckend…

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      gerd

      19. Juni 2017 11:24 at 11:24

      Dass man ein Quartal nicht einfach schlussfolgernd hochrechnen sollte, stimme ich zu.

      Aber selbst, falls in x Jahren die Bevölkerungszahl mal wieder auf 80Millionen fallen sollte, davon haben die Menschen, die heute und morgen eine Wohnung suchen, nix davon.
      Und Sie erwähnen es selbst, Sie führen reichlich spekulative Erwartung ins Feld, was einen Rückgang der Bevölkerung angeht.

      Und was anscheinend alle vergessen, nicht nur Sie:
      Es werden – teils aus „Altersschwäche“ – jedes Jahr Wohnungen des Uraltbestandes unbewohnbar bis abgerissen. Allein dafür bedarf es schon des ständigen Neubaus.

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      gerd

      19. Juni 2017 12:28 at 12:28

      „Die Kölner Immobilienforscher stehen mit ihrer Einschätzung nicht alleine da: „Wir haben ein Stadt-Land-Gefälle in der Bautätigkeit“, so Stephan Kippes“

      Ein Stadt-Landgefälle? Da wäre ich jetzt alleine nicht draufgekommen – gut, dass es solche Studien gibt.

      „Befördert wird die ungünstige Entwicklung laut IW-Studie von den Niedrigzinsen der vergangenen Jahre, die den Kauf einer Immobilie vergleichsweise günstig
      machen. …Das ist verständlich, aber man müsste gleichzeitig leer stehende alte Häuser abreißen. Sinnvoll wäre eine Fokussierung auf den Bestand.“

      Das wäre doch schließlich super für die Vermieter.

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        gerd

        19. Juni 2017 13:06 at 13:06

        ??
        Ein Stadt-Landgefälle in der Bautätigkeit? Eigentlich innerhalb der eigenen Studie eine fragwürdige Feststellung. Stadt-Landgefälle was den Bedarf angeht, träfe die Sachlage evtl. richtiger.

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Jerome Powell – seine Aussagen auf der PK + Live-Feed – Impressionen einer surrealen Veranstaltung..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Was wird Jerome Powell heute sagen? Im Statement der Fed kein Wort zu den jüngsten spekulativen Exzessen – werden die Journalisten diesmal nachhaken und die wirklich wichtigen Fragen stellen?

– Powell muss erstmal tiefer durchatmen..

– Wirtschaftsentewicklung hängt von Virus ab – Wirtschaft hat sich wieder abgeschwächt, Konsum hat sich abgeschwächt

– Immobilienmarkt hat sich erholt (FMW: eine Umschreibung für massiv steigende Preise..)

– Arbeitsmarkt bleibt schwach, Menschen mit geringem Einkommen am stärksten betroffen

– Inflation bleibt niedrig, aber könnte anziehen wegen Impfungen

– Wirtschaft aber robuster als zu befürchten war

Ups, das war kurz – Powell „hat schon fertig“, jetzt kommen Fragen..

—–

Und gleich die Frage nach Gamestop, wow.. Powell: ich äussere mich nicht zu bestimmten Firmen (FMW: sondern behaupte einfach, dass wir mit unserer Geldpolitik nicht Blasen begünstigen…)

– Powell: beobachten Finanzbedingungen sehr genau

– jetzt Steve Liesman von CNBC zu Bewertungen, am Beispiel von Bitcoin, Gamestop etc. (FMW: Liesman ist der einzige, der ernsthafte Fragen stellt!). Und sinngemäß sagt Powell: wir kümmern uns um die Wirtschaft, nicht um Blasen..

– Powell: es ist nicht die Geldpolitik der Fed, die Bewertungen der Märkte bedingt, sondern die Sache mit dem Impfstoff (FMW: viel dreister kann man eigentlich nicht die Unwahrheit sagen! Klar: der Impftstoff ist ein zentraler Treiber, aber wo stünden die Aktienmärkte ohne die Fed??)

– Powell zu Inflation: wird vielleicht vorübergehend steigen, aber nicht nachhaltig, weil deflationäre Trends seit langem bestehen. Es sei viel schwieriger, mit Deflation umzugehen als mit Inflation (FMW: puh..)

– jetzt die Frage, ob die Fed-Mitglieder bereits geimpft seien..Powell: ich wurde einmal geimpft und hoffe die zweite Dosis bald zu bekommen

– jetzt redet Powell über die Wirtschaft und Menschen – aber was hat die Fed mit Menschen und Wirtschaft zu tun??

– Frage von einem Bloomberg-Moderator: seid ihr als Fed überhaupt noch handlungsfähig, weil ihr die Zinsen weder senken noch anheben könnt? Powell: unsere Geldpolitik funktioniert, zum Beispiel am Immobilienmarkt

– Powell: es gibt keinen Grund. bei Erholung der Wirtschaft nicht die Zinsen anzuheben und unsere ultralaxe Geldpolitik einzustellen (FMW: is klar, Jerome..)

– Powell insistiert: nachhaltige Inflation unwahrscheinlich..

– Powell: werde gut mit Yellen zusammen arbeiten, habe aber mit ihr noch nicht gesprochen, auch nicht mit Biden

– Frage nach Furcht vor Immobilienblase oder Blase bei Unternehmensanleihen – Powell: extrem steigende Nachfrage nach Immobilien vorübergehend, bei Unternehmensanleihen sehe ich die Tatsache, dass es weniger Insolvenzen gibt (FMW: es wird immer surrealer, wie Powell versucht, die Blasen-Bildungen weg-zureden!)

FMW: bleiben sie dran bei FMW – wir bringen die Zahlen von Tesla, Facebook und Apple und die Marktreaktionen darauf!

Der Live-Feed:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Jerome Powell über das Evangelium der Fed

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Fed: Das sagt das Statement der US-Notenbank – weit und breit keine Blasen, nirgends..

Markus Fugmann

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Von der US-Notenbank Fed ist eigentlich heute nicht viel neues zu erwarten. Eigentlich. Aber wird dennoch etwas gesagt im Statement der Notenbank zur derzeitigen Spekulations-Euphorie? Hier die wichtigsten Aussagen der Notenbank in Stichpunkten:

– Wirtschaftswachstum hat sich abgeschwächt: „The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic“
Beim letzten Statement hatte es noch geheißen in Sachen Wirtschaft: „Economic activity and employment have continued to recover but remain well below their levels at the beginning of the year.“

– keine Erwähnung spekulativer Exzesse (Gamestop!)

– wenn Situation verschlechtert, wird Notenbank handeln: „would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals“

– Inflation bleibt moderat wegen Ölpreisen: „Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation“

FMW: Subtext der Fed – kauft alles, wir bailen euch aus. Gamestop ist cool!

Das Statement im Wortlaut:

The Federal Reserve is committed to using its full range of tools to support the U.S. economy in this challenging time, thereby promoting its maximum employment and price stability goals.

The COVID-19 pandemic is causing tremendous human and economic hardship across the United States and around the world. The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic. Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation. Overall financial conditions remain accommodative, in part reflecting policy measures to support the economy and the flow of credit to U.S. households and businesses.

The path of the economy will depend significantly on the course of the virus, including progress on vaccinations. The ongoing public health crisis continues to weigh on economic activity, employment, and inflation, and poses considerable risks to the economic outlook.

The Committee seeks to achieve maximum employment and inflation at the rate of 2 percent over the longer run. With inflation running persistently below this longer-run goal, the Committee will aim to achieve inflation moderately above 2 percent for some time so that inflation averages 2 percent over time and longer‑term inflation expectations remain well anchored at 2 percent. The Committee expects to maintain an accommodative stance of monetary policy until these outcomes are achieved. The Committee decided to keep the target range for the federal funds rate at 0 to 1/4 percent and expects it will be appropriate to maintain this target range until labor market conditions have reached levels consistent with the Committee’s assessments of maximum employment and inflation has risen to 2 percent and is on track to moderately exceed 2 percent for some time. In addition, the Federal Reserve will continue to increase its holdings of Treasury securities by at least $80 billion per month and of agency mortgage‑backed securities by at least $40 billion per month until substantial further progress has been made toward the Committee’s maximum employment and price stability goals. These asset purchases help foster smooth market functioning and accommodative financial conditions, thereby supporting the flow of credit to households and businesses.

In assessing the appropriate stance of monetary policy, the Committee will continue to monitor the implications of incoming information for the economic outlook. The Committee would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals. The Committee’s assessments will take into account a wide range of information, including readings on public health, labor market conditions, inflation pressures and inflation expectations, and financial and international developments.

Voting for the monetary policy action were Jerome H. Powell, Chair; John C. Williams, Vice Chair; Thomas I. Barkin; Raphael W. Bostic; Michelle W. Bowman; Lael Brainard; Richard H. Clarida; Mary C. Daly; Charles L. Evans; Randal K. Quarles; and Christopher J. Waller

Die Fed - was wird sie heute sagen?

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Aktien

Mit Zocken reich werden – der neue „American dream“ ersetzt den Traum vom eigenen Haus

Claudio Kummerfeld

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American Dream Symbolfoto

Man erinnere sich an die Zeiten von Bill Clinton und George Bush, und auch von Notenbank-Chefs wie Alan Greenspan. Die inoffizielle Staatsraison der 1990er und 2000er in den USA war (unter anderem): Jedem Amerikaner solle es möglich sein in seinem eigenen Haus zu leben. Das war der American Dream. Unterschwellig (so meine Meinung) war damit die Aussage an die eigene Bevölkerung verbunden, dass man sagen konnte: Schaut her, wir sind das größte, reichste und stärkste Land der Welt. Unsere Bürger können sich alle ein eigenes Haus leisten.

Die Regulierungen am US-Häusermarkt wurden dramatisch runtergefahren. Millionenfach wurden von der Regierung befeuert Hauskredite vergeben an Menschen, die in vielen Fällen noch nicht mal eine Arbeit hatten. Sie hatten noch nicht mal bei beschönigender Betrachtung irgendeine Art von Bonität. Die Katastrophe war vorprogrammiert, und das ganze Kartenhaus brach ab 2007 zusammen – was wir heute als Finanzkrise 2008 bezeichnen. Es war ein großer Traum, der für viele Amerikaner zum Albtraum wurde und für viele mit einem Schlafplatz unter einer Brücke endete.

Im Corona-Jahr 2020 entstand offenbar ein neuer American Dream. Nicht mehr Häuser auf Kredit kaufen, sondern ohne Arbeit, Wissen, Recherche oder sonst etwas reich werden, vom eigenen Computer, von zuhause aus. Durch stumpfes, sinnbefreites Zocken in Aktien, die man selbst gar nicht kennt. Einfach drauf los zocken, und schnell und einfach reich werden. Das ist wohl der neue amerikanische Traum. In der Coronakrise hockten auf einmal Millionen Amerikaner zuhause, betätigungslos. Sehr üppige staatliche Hilfen beschwerten Millionen arbeitsloser Amerikaner ein höheres monatliches Einkommen, als sie es vor Corona mit Arbeit hatten.

Klar erkennbar war die daraufhin folgende Welle an Millionen neuer Brokerkonten in den USA. Unglaublich aber wahr. Unzählige Menschen kauften sich von den staatlichen Hilfen nichts zu essen (sinnbildlich ausgedrückt), sondern überwiesen die Gelder auf ihre frisch eröffneten Brokerkonten. Hinzu kommen die neuen Broker wie „Robinhood“, bei denen man ganz ohne Gebühren zocken kann. Dadurch wurde es möglich auch mit Kleinstbeträgen von mehreren hundert Dollar drauf los zu zocken. Rein, raus, rein, raus, immer weiter.

Robinhood-Chef beschreibt den neuen American Dream

Vlad Tenev, CEO und Mitbegründer von Robinhood, des bekanntesten dieser neuen Broker für die junge wilde Zocker-Meute, hat heute einen Gastkommentar auf CNBC veröffentlicht (hier nachzulesen). Er spricht davon, dass es der neue American Dream sei ein „Investor“ zu werden, nach dem vormaligen Traum vom eigenen Haus. Er erwähnt, dass viele seiner Kunden Aktien kaufen und dann langfristig halten würden. Will da jemand Kritik am stumpfen und sinnbefreiten Zocken vorbeugen? Die Mission von Robinhood sei es nach seinen Worten, das Finanzwesen zu demokratisieren – dies sei im amerikanischen Idealismus verwurzelt. Amerika sei schon immer stolz auf seine Fähigkeit gewesen, Aufwärtsmobilität und Chancen mit wenigen Barrieren zu fördern. Dieses nationale Ethos des „American Dream“ sei so alt wie die Nation selbst. Im 20. Jahrhundert habe sich alles um den Erwerb von Wohneigentum gedreht, was unter anderem durch die 30-jährige Hypothek vorangetrieben wurde. Jetzt, wo es im Börsenhandel keine Provisionen und Mindestbeträge mehr gibt, sei die Bühne frei für einen neuen amerikanischen Traum, bei dem nahezu 100 Prozent der US-Bürger Investoren werden sollen. „Lassen Sie uns das schaffen – gemeinsam“, so seine finalen Worte.

Dazu möchte ich final anmerken: Ist das noch „Investieren“, was wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen? Wohl kaum. Völlig wertlose Unternehmen unbegrenzt nach oben traden, ohne jeglichen Sinn und Verstand? Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir haben es auf finanzmarktwelt.de die letzten Tage mehrfach angesprochen (hier der letzte Video-Kommentar von Markus Fugmann heute früh). Die ganz frische Generation von Tradern hat das Platzen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 gar nicht erlebt. Damals waren diese Trader gerade erst geboren oder noch in der Grundschule. Sie kennen nur steigende Kurse, nur Party, nur nach oben, völlig sinnbefreit. Auch sie werden wohl eines Tages einen großen Knall erleben. Einige von ihnen werden auch nach so einem Crash immer noch kräftig Geld auf der Kante haben – andere werden nach dem „All In“ wohl ähnliches erleben wie viele Menschen nach der Zwangsräumung ihrer Häuser in den Jahren 2005, 2006 und 2007.

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